Thema · Allgemein
Erste-Hilfe-Unterweisung: Pflicht-Training für jede Betriebsstätte nach ArbSchG & DGUV
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 40 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Allgemein · Arbeitsschutz · Erste Hilfe
- Rechtsgrundlage
- DGUV Information 204-022 - Erste Hilfe im Betrieb; DGUV Vorschrift 1 - Grundsätze der Prävention
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 4019
Ihre Vorteile
Warum Unterweisungscenter?
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Rechtssicher
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DE, EN, FR u. a.
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Zertifikat
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Barrierefrei
WCAG 2.2 AA
Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
- § 3 – Allgemeine Pflichten des Arbeitgebers zur Sicherheit und Gesundheit
- § 12 – Verpflichtung zur Benennung einer ausreichenden Zahl von Ersthelfern
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit (BetrSichV)
- § 9 – Betriebsanweisungen, Aus- und Unterweisungspflicht für Ersthelfer
DGUV Vorschriften
- DGUV V1 – Grundsätze der Prävention: § 4 regelt erforderliche Kenntnisse, § 19 regelmäßige Unterweisung alle 24 Monate
- DGUV V2 – Erste Hilfe: konkrete Anforderungen an Ersthelfer-Ausstattung und Schulungsinhalte
- DGUV Information 204-022 – „Erste Hilfe im Betrieb“ beispielhafte Inhalte und Übungsabläufe
ASR A4.3 – Technische Regel für Arbeitsstätten: Anzahl der benötigten Ersthelfer nach Betriebsgröße und –risiko.
Zugrunde liegende Regelwerke
- DGUV Information 204-022 - Erste Hilfe im Betrieb · Ausgabe 2017.05
- DGUV Vorschrift 1 - Grundsätze der Prävention · Ausgabe 2013.11
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
Arbeitgeber müssen vorab ermitteln, wie viele Ersthelfer je Schicht und Gebäudeabteilung erforderlich sind. Die ASR A4.3 liefert dafür eine Bemessungstabelle: Bei bis zu 20 Beschäftigten mindestens 1 Ersthelfer, bei 21-100 Beschäftigten mindestens 5 %, darüber 10 %.
Organisation und Ausstattung
- Bereitstellung von Erste-Hilfe-Material (DIN 13169, DIN 13164 je nach Betriebsart)
- Sicherstellung jederzeitiger Verfügbarkeit der Ersthelfer
- Zuweisung klarer Erreichbarkeit und Alarmketten
Unterweisungspflicht und Dokumentation
Die DGUV V1 § 19 verlangt eine dokumentierte Unterweisung alle zwei Jahre oder früher bei Änderung von Risiken. Der Nachweis muss lückenlos vorliegen und die Unterschrift der teilnehmenden Ersthelfer enthalten.
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
1. Rechtliche Grundlagen & Rollenverständnis
- Überblick ArbSchG §12, DGUV V1 §4 & §19, ASR A4.3
- Abgrenzung Ersthelfer – Notarzt – Rettungsdienst
- Haftung und Versicherungsschutz (DGUV)
2. Lebensrettende Sofortmaßnahmen
- Sicherung der Unfallstelle & Eigen- sowie Fremdschutz
- Erkennen von Notfallzeichen – ABC-Schema (Atmung, Bewusstsein, Circulation)
- Stabile Seitenlage und Lagerung bei bewusstlosen Personen
- Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) mit Beatmung und Thoraxkompression
- Automatisierte externe Defibrillation (AED) – Handhabung, Elektrodenplatzierung, Sicherheitsabstand
3. Typische Arbeitsunfälle & Erkrankungen
- Wundversorgung – Schnitt-, Riss-, Stich- und Quetschverletzungen
- Blutstillung – Druckverband, Hochlagerung, Gefahr von Blutverlustschock
- Verbrennungen & Verbrühungen – Grad-Einteilung, Sofortkühlung, Verband
- Knochen-, Gelenk- und Muskelschäden – P-E-S-T-Schema (Pause, Einspannen, Schonung, Transport)
- Amputation – richtige Lagerung des Gliedmaßenstumpfes, Transport des abgetrennten Körperteils
- Verdacht auf Wirbel-/Knochenbruch – Schocklagerung, kindesthesiegere Bewegung vermeiden
4. Notfalldaten & Kommunikation
- Notruf 112 – strukturierte Meldung nach M-A-N-Schema (Meldung, Ausrückung, Notfallort)
- Übergabe an Rettungskräfte – SAMPLER-Schema (Symptome, Allergien, Medikamente, Vorerkrankungen, Essen, Unfallhergang, Reanimation)
- Digitaler Notruf via Notfall-App „Rettungswelle“ oder Unternehmens-App
5. Hygiene & psychische Belastung
- Infektionsschutz – Mindeststandard Händedesinfektion, Einmalhandschuhe, Beatmungstuch
- Psychologische Erste Hilfe – Gesprächsführung, Entspannungstechniken für Betroffene und Ersthelfer
- Posttraumatische Belastungsstörung – Anzeichen erkennen, Anlaufstellen benennen
6. Übungssequenzen & Praxisbeispiele
- Notfall-Simulation „Stromunfall“ – Stromabschaltung, Rettung aus Gefahrenbereich, HLW
- Workshop „Messerverletzung“ – Blutstillung am Unterarm, Rettungskette
- Team-Training AED – Rollenverteilung, Zeitmessung, Qualitätsfeedback über Q-CPR-Gerät
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
Identifizierte Gefährdungen
- Herz-Kreislauf-Stillstand infolge von Unfällen oder Stress
- Schweres Blutungs- oder Verbrennungstrauma
- Strom- und Chemieunfälle mit Sekundärverletzungen
- Psychische Überforderung der Ersthelfer (Re-traumatisierung)
TOP-Prinzip – Technisch, Organisatorisch, Persönlich
- Technisch: Installation von AEDs in max. 2-Minuten-Ereichbarkeit, Erste-Hilfe-Kästen nach DIN-Klassen
- Organisatorisch: Festlegung von Notfallplänen, Kennzeichnung von Ersthelfern, regelmäßige Alarmübungen
- Persönlich: Schulung aller Mitarbeiter in Basis-Erste-Hilfe, psychologische Betreuungsangebote für Ersthelfer
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
Die gesetzliche Regel betrifft jeden Betrieb, unabhängig von Branche oder Größe. Besonders relevant:
- Industrie & Logistik – hohes Unfallrisiko, häufig Fremdfirmen
- Bau und Handwerk – erhöhte Verletzungsgefahr durch Maschinen und Sturz
- Gastronomie und Einzelhandel – viele Kunden, unterschiedliche Altersgruppen
- Büro & Verwaltung – häufig AED-Einsatz bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
Dokumentationspflicht: Der Arbeitgeber führt eine Liste aller Ersthelfer und dokumentiert jeden Schulungsnachweis mit Datum, Inhalt, Trainer, Teilnehmern und Unterschriften.
Aufbewahrung: Nach DGUV V1 § 4 sind die Nachweise mindestens 5 Jahre aufzubewahren; bei Gefährdungsbeurteilung und UV-Trägerprüfung vorzeigbar.
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Gefährdungsbeurteilung zur Anzahl der benötigten Ersthelfer vorliegend und aktuell?
- AED und Erste-Hilfe-Kästen nach DIN-Normen vorhanden und geprüft?
- Alle Ersthelfer wurden spätestens vor 2 Jahren unterwiesen (Nachweis)?
- Unterweisung enthält HLW, AED und typische Betriebsunfälle?
- Hygiene- und Infektionsschutz-Schlüssel vermittelt?
- Psychologische Erste-Hilfe und Nachsorge besprochen?
- Notfallpläne und Erreichbarkeit der Rettungskräfte regelmäßig geübt?
- Unterweisungsunterlagen digital archiviert und revisionssicher?
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Zu geringe Anzahl an ErsthelfernASR A4.3 wird nicht korrekt angewendet, Lücken bei Schicht-/Urlaubsplanung.
- Fehlende Auffrischung bei BetriebsänderungNeue Maschine oder Chemikalie erfordert sofortige Ergänzung der Kenntnisse.
- Veraltetes Erste-Hilfe-MaterialVerbandsstoffe über MHD, AED-Elektroden nicht mehr haftend.
- Unvollständige DokumentationUnterschriften fehlen, Inhalte nicht nachvollziehbar, kein Nachweis der Praxisübungen.
- Verwechslung betriebsärztlicher Vorsorge mit Erste-Hilfe-SchulungVorsorgeuntersuchung ersetzt keine praxisnahe Notfall-Training.
- Keine psychologische BegleitungErsthelfer erleben schwere Unfälle ohne Debriefing, Gefahr von Burn-out.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Schwangere und Stillende Keine Einschränkung als Ersthelferin, jedoch geprüfte Schutzkleidung und Sitzposition bei Übungen anpassen.
Jugendliche Auszubildende – Ab 16 Jahren als Ersthelfer einsetzbar, Unterweisung muss altersgerecht erfolgen, Elterninformation bei Minderjährigen empfohlen.
Heimarbeitskräfte & mobile Dienstleister – Arbeitgeber müssen Konzept bereitstellen, z. B. virtuelle Erste-Hilfe-Module und regionale AED-Kooperation.
Gastronomie mit 450-Euro-Kräften – Auch Minijobber müssen zumindest in Basis-Erste-Hilfe unterwiesen werden, da sie mit Gästen interagieren.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Erste Hilfe
Wer muss eigentlich Ersthelfer sein?
Der Arbeitgeber bestimmt die Anzahl nach ASR A4.3, abhängig von Betriebsgröße und Risiko. Es gibt kein „muss“ für jeden einzelnen Mitarbeiter, aber für den Betrieb insgesamt.
Wie lange dauert die Unterweisung?
Laut DGUV V1 mindestens 9 Lerneinheiten à 45 Minuten (6,75 Stunden). Praxisanteil sollte mind. 50 % betragen.
Dürfen Online-Schulungen ersetzen?
Die rein digitale Schulung reicht nicht aus. DGUV V1 fordert praktische Übungen in Präsenz oder als Blended-Learning mit Hands-on-Training.
Was passiert bei Verstoß gegen das Intervall?
Bei Prüfung durch Berufsgenossenschaft droht Bußgeld nach § 25 ArbSchG, ggf. Sperrzeit für Unfallversicherungsschutz.
Ist eine ärztliche Ausbildung Voraussetzung?
Nein. Jeder Mitarbeiter kann Ersthelfer werden – Voraussetzung ist die Unterweisung, keine medizinische Vorbildung.
Wer darf unterweisen?
Geeignete Personen mit Befähigung nach DGUV V1 § 4 (z. B. Rettungsassistent, Notarzt, Fachkraft für Arbeitssicherheit).
Wie dokumentiere ich online?
Unterschrift digital erfassen, Schulungszertifikat automatisch erstellen lassen, Datenschutzkonform in sicherer Cloud ablegen.
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