Thema · Arbeitsschutz
Unterweisung Alleinarbeit bei Arbeit mit erhöhter oder kritischer Gefährdung – Rechtssicher schulen
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 18 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Arbeitsschutz · Außenbereich, Grünfläche · Bauhof · Produktion
- Rechtsgrundlage
- DGUV Information 212-139 - Notrufmöglichkeiten für allein arbeitende Personen; DGUV Regel 112-139 - Einsatz von Personen-Notsignal-Anlagen
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 4004
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WCAG 2.2 AA
Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
DGUV Vorschriften DGUV Vorschrift 1 – Grundsätze der Prävention: § 4 verlangt, „allein tätige Personen“ in die Gefährdungsbeurteilung einzubeziehen und geeignete Schutzmaßnahmen festzulegen. DGUV Vorschrift 2 – Unternehmerpflichten: § 8 Abs. 2 verpflichtet Unternehmer, für „Personen, die regelmäßig oder gelegentlich allein arbeiten“, geeignete Alarm- und Rettungspläne zu erstellen. DGUV Regel 100-001 – Betriebsanweisungen: Sie schreibt vor, dass Betriebsanweisungen auch die spezifischen Risiken der Alleinarbeit abdecken müssen, insbesondere bei kritischen Tätigkeiten.
Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) § 3 BetrSichV – Gefährdungsbeurteilung: Beschreibt, dass vor Inbetriebnahme oder Nutzung von Arbeitsmitteln die Gefährdungen auch bei Alleinarbeit zu prüfen sind. § 6 BetrSichV – Betreiberverantwortung: Der Betreiber muss sicherstellen, dass „Personen, die an Arbeitsmitteln allein tätig sind“, über die gefahrenbezogene Bedienung informiert wurden.
Zugrunde liegende Regelwerke
- DGUV Information 212-139 - Notrufmöglichkeiten für allein arbeitende Personen · Ausgabe 2016.09
- DGUV Regel 112-139 - Einsatz von Personen-Notsignal-Anlagen · Ausgabe 2012.01
- TRBS 1111 - Gefährdungsbeurteilung
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
Unterweisungs- und Dokumentationspflicht § 12 ArbSchG verlangt, dass die Unterweisung schriftlich erfolgt und Inhalt, Datum sowie die Namen der Teilnehmenden dokumentiert werden. Die Dokumente sind mindestens zehn Jahre aufzubewahren (DGUV Vorschrift 2 § 3).
Organisatorische Maßnahmen Sind die Gefährdungen nicht durch technische Mittel ausreichend minimiert, müssen organisatorische Schritte folgen: feste Check-Intervalle, zweckmäßige Kommunikationsmittel (z. B. Notrufgeräte, Mobilfunk-Apps), Festlegung einer verantwortlichen Kontaktperson und Einrichtung eines Notfallplans.
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
1. Rechtliche Grundlagen & Definitionen
- Was zählt laut DGUV Vorschrift 1 § 4 als „Alleinarbeit“?
- Abgrenzung zu „Einzelarbeit“ und „Mehrpersonenarbeitsplatz“
- Einordnung von „erhöhter“ und „kritischer“ Gefährdung gemäß GefStoffV und TRBS
2. Risikoerkennung vor Ort
- Methode der Gefährdungsbeurteilung: Beobachtung, Checkliste, Mitarbeiterbefragung
- Praxisbeispiel Wartung in der Lackiererei: Lösemitteldämpfe + Feuer = kritische Gefährdung
- Hinweis auf TOP-Prinzip: Technisch – Organisatorisch – Persönlich
3. Technische Schutzmaßnahmen
- Einsatz von Not-Halt-Einrichtungen, Zwei-Hand-Bedienung, Schutzeinrichtungen mit Verriegelung
- Installation von Alarmsystemen: Notruftaster, Personenalarm, Mobilfunk-Notfall-Apps
- PSA: Atemschutz, Kälteschutzkleidung, Warnwesten mit integrierter Ortung
4. Organisatorische Schutzmaßnahmen
- Zeitliche Begrenzung der Alleinarbeit – Rotation mit Kolleg*innen
- Feste Check-Intervalle – z. B. alle 30 Min. per App oder Telefon
- Einrichtung eines Notfallplans mit Ablauf, Telefonnummern und Verantwortlichen
- Nacht- und Wochenenddienste: Zusätzliche Eskalationsstufen definieren
5. Persönliche Kompetenz & Verhalten
- Umgang mit Panik oder akuten gesundheitlichen Problemen
- Verhaltensregeln bei Stromunfall, Chemieunfall, Brand
- Dokumentation von Zwischenfällen und Beinahe-Unfällen
6. Simulation & Fallbeispiele
- Rollenspiel: Notruf richtig absetzen
- Video-Präsentation: Echter Unfall in einer Druckerei – Was hätte verhindert werden können?
- Quiz: 10 Fragen zur Selbstkontrolle, direktes Feedback und Erklärung
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
- Mechanische Gefährdung: Rotierende Messer, Walzen, Pressen – Verletzungsrisiko bei Störung
- Thermische Gefährdung: Heißleitungen, Ofentüren, Heißklebepistolen – Verbrennungen
- Chemische Gefährdung: Lösemittel, Klebstoffdämpfe, Gefahrstoffexplosion
- Elektrische Gefährdung: Arbeit an spanningsführenden Anlagen, Kurzschluss
- Psychische Belastung: Isolation, Einsamkeit, eingeschränkte Hilfsmöglichkeit
TOP-Prinzip anwenden Technisch: Automatische Abschaltung, Not-Aus, Abdeckungen. Organisatorisch: feste Rufzeiten, Begleitperson in kritischen Phasen, Zutrittskontrolle. Persönlich: Schulung, PSA, Gesundheitsvorsorge, Notfalltraining.
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Gefährdungsbeurteilung Alleinarbeit vorliegend und aktuell (< 12 Monate)?
- Notfall- und Kommunikationsplan dokumentiert und Mitarbeitende eingewiesen?
- Check-Intervall und Eskalationsstufen klar definiert?
- PSA verfügbar, geprüft und angepasst an spezifische Risiken?
- Unterweisungsunterlagen digital archiviert und Abrufbarkeit sichergestellt?
- Festlegung einer Ansprechperson für Notfälle außerhalb der Geschäftszeiten erfolgt?
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Fehlende Gefährdungsbeurteilung für Alleinarbeit.Viele Dokumente betrachten nur Mehrpersonenarbeitsplätze und ignorieren die Besonderheiten des Allein-Einsatzes.
- Unklare Check-Intervalle.„Ruf mich einfach mal an“ ist keine verlässliche Regelung und verstößt gegen § 4 DGUV Vorschrift 1.
- Keine Dokumentation der Unterweisung.Ohne schriftlichen Nachweis drohen Bußgelder und Probleme im Schadensfall.
- Falsche PSA-Auswahl.Ein Standard-Helm reicht nicht, wenn Atemschutzgeräte nötig wären.
- Keine Auffrischung nach Störfällen.Ein Zwischenfall muss sofortige Nachschulung auslösen – wird jedoch oft vergessen.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Jugendliche und Schwangere § 22 JuArbSchG verlangt zusätzliche Prüfung, ob Alleinarbeit überhaupt zulässig ist. Bei Schwangeren gemäß Mutterschutzgesetz § 4 eine Risikobeurteilung und ggf. Tätigkeitsverbot.
Nachtarbeit: § 6 ArbSchG fordert arbeitsmedizinische Vorsorge; Check-Intervalle müssen angepasst und Notdienst-Ärzte verfügbar sein.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Alleinarbeit bei Arbeit mit erhöhter oder kritischer Gefährdung
Wann ist eine Tätigkeit als „kritische Alleinarbeit“ einzustufen?
Sobald bei Ausfall der Person akute Lebens- oder Gesundheitsgefahr entsteht, z. B. Arbeit in explosionsfähiger Atmosphäre oder an spannungsführenden Anlagen.
Darf ich Mitarbeitende überhaupt allein arbeiten lassen?
Ja, wenn die Gefährdungsbeurteilung ergibt, dass die Risiken durch technische, organisatorische oder persönliche Maßnahmen ausreichend minimiert sind.
Muss ich für jeden Mitarbeitenden einzelne Unterweisungen durchführen?
Gruppenunterweisungen sind zulässig, wenn Inhalt und Risiken identisch sind. Die Teilnahme ist individuell zu dokumentieren.
Welche App eignet sich für Check-ins?
DGUV-Test-Apps oder betriebsinterne Lösungen, die GPS-Ortung, Zeitstempel und automatische Eskalation bieten.
Wie lange darf eine Alleinarbeit dauern?
Gesetzlich nicht begrenzt, aber organisatorisch sinnvoll: max. 2 Stunden ohne persönlichen Check, danach Eskalation.
Welche Bußgelder drohen bei Verstößen?
Bis zu 30.000 € gemäß § 25 ArbSchG bei fahrlässiger Verletzung der Unterweisungspflicht.
Kann ich die Unterweisung digital durchführen?
Ja, solange Interaktion, Prüfung und Dokumentation gewährleistet sind. Präsenzprüfung bei kritischen Gefährdungen empfohlen.
Was muss im Notfallplan stehen?
Alarmierung (Wer?), Rettungsweg (Wie?), Erste-Hilfe-Maßnahmen, Kontakt zu Rettungsleitstelle, Verantwortliche Personen mit Telefonnummern.
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