Thema · Allgemein
Unterweisung Alkohol, Rauchen, Drogen und Medikamente – Rechtssicher und Digital
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 14 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Allgemein · Arbeitsschutz
- Rechtsgrundlage
- ArbStättV - Verordnung über Arbeitsstätten; DGUV Information 206-009 - Suchtprävention in der Arbeitswelt - Handlungsempfehlungen
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 4006
Ihre Vorteile
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DE, EN, FR u. a.
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Barrierefrei
WCAG 2.2 AA
Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
Zugrunde liegende Regelwerke
- ArbStättV - Verordnung über Arbeitsstätten
- DGUV Information 206-009 - Suchtprävention in der Arbeitswelt - Handlungsempfehlungen · Ausgabe 2025.05
- DGUV Vorschrift 1 - Grundsätze der Prävention · Ausgabe 2013.11
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
Der Arbeitgeber trägt die Verantwortung für Planung, Durchführung und Dokumentation der Unterweisung. Konkret muss er:
- Die Gefährdungsbeurteilung gemäß § 4 ArbSchG erweitern, um substanzbezogene Risiken zu erfassen und Maßnahmen abzuleiten.
- Die Unterweisung gemäß § 12 ArbSchG bereits bei Vertragsbeginn sicherstellen und anschließend mindestens alle 12 Monate wiederholen – bei auffälligem Verhalten oder nach Vorfällen auch kurzfristiger.
- Eine praxisnahe Schulungsunterlage bereitstellen, die sich an der konkreten Tätigkeit und den Betriebsabläufen orientiert.
- Die Dokumentation nach DGUV Vorschrift 1 § 26 führen: Thema, Inhalt, Datum, Teilnehmende und Unterschrift müssen lückenlos nachvollziehbar sein. Aufbewahrungsfrist: mindestens 5 Jahre nach der letzten Unterweisung.
- Bei auffälligem Verhalten Hilfs- und Beratungsangebote aktiv anbieten sowie ggf. arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen veranlassen (§ 6 ArbSchG).
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
1. Rechtliche Grundlagen & Unternehmensrichtlinie
Mitarbeitende erfahren, welche gesetzlichen Vorgaben gelten und welche Betriebs- oder Hausordnung der Arbeitgeber erlassen hat. Beispiel: In Produktionsbereichen oder beim Fahren von Arbeitsmitteln kann eine klare 0,0-Promille-Regel gelten; in Bürobereichen wird auf freiwillige Verzichtskultur und Rücksichtnahme gesetzt.
2. Gefährdungspotenzial durch Alkohol & Nikotin
- Alkohol: Reaktionsverzögerung, Fehleinschätzung von Risiken, erhöhte Unfallwahrscheinlichkeit. Praxisbeispiel: Ein Staplerfahrer mit 0,4 Promille hat bereits eine 30 % höhere Fehlerquote.
- Rauchen: Gesundheitsrisiken durch Passivrauchen und Brandgefahr, insbesondere in Lager- und Produktionsbereichen. Einsatz von Designated Smoking Areas und Rauchverboten gemäß § 5 Arbeitsschutzgesetz und Bundesnichtraucherschutzgesetz.
3. Illegale Drogen & Medikamente
Die Grenzziehung zwischen legitimer Therapie und Leistungsbeeinträchtigung wird transparent gemacht:
- Illegale Drogen: Null-Toleranz, sofortige arbeitsrechtliche Konsequenzen, Anzeigepflicht bei Gefahr im Verzug.
- Verschreibungspflichtige Medikamente: Mitarbeitende werden angehalten, Nebenwirkungen wie Schwindel oder Schläfrigkeit offenzulegen, wenn diese die Sicherheit gefährden könnten. Beispiel: Starke Schmerzmittel oder Beruhigungsmittel vor dem Bedienen von Maschinen.
4. Erkennen, Ansprechen, Helfen
Erlernen von Deeskalationsgesprächen und Kenntnis über Beratungsangebote wie Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF), EAP-Programme oder externe Suchtberatungsstellen. Rollenspiele festigen die Gesprächskompetenz von Führungskräften.
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
- Technik: Alkohol-Interlocks in Firmenfahrzeugen, technische Blockierung von Maschinen bei positiven Atemalkoholtests.
- Organisation: Festlegung von Null-Toleranz-Zonen (z. B. Fahrerlager, Produktionsanlagen), klar definierte Eskalations- und Meldekaskaden sowie transparente Hilfsangebote in der Personalabteilung.
- Persönliche Schutzmaßnahmen: Bereitstellung von Atemschutzmasken gegen Passivrauch, Schulung zum Umgang mit Medikamenten und Nebenwirkungen.
Die Gefährdungsbeurteilung sollte Risikogruppen identifizieren: Nachtschicht, hoher Stress, repetitive Tätigkeiten oder isolierte Arbeitsplätze. Ergänzend empfiehlt sich die Integration von BGF-Maßnahmen wie „Stress und Suchtprävention“ .
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
- Produktion & Logistik: Maschinenbedienung, Flurförderzeuge, Lkw-Lenkung.
- Baugewerbe: Bauarbeiten auf Gerüsten, Kran- oder Staplerfahrt nach DGUV Vorschrift 38.
- Gesundheitswesen: Medizinisches Personal mit Zugang zu Betäubungsmitteln und hohem Verantwortungsniveau.
- Verkehrs- und Dienstleistungsbranche: Busfahrer:innen, Taxifahrer:innen, Sicherheitsdienste.
In diesen Branchen sind häufig Branchenzusatzverträge oder Tarifverträge mit Null-Promille-Klauseln zu berücksichtigen.
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Gefährdungsbeurteilung enthält substanzbezogene Risiken erfasst und bewertet?
- Betriebliche Richtlinie zu Alkohol, Drogen, Medikamenten ist aktuell und allen zugänglich?
- Jede neue Mitarbeitende erhält die Unterweisung vor Arbeitsantritt?
- Nachschulungen nach Vorfällen sind terminiert und dokumentiert?
- Eskalations- und Hilfsprozesse sind allen Führungskräften bekannt?
- Beratungsangebote (EAP, BGF, externe Suchtberatung) sind kommuniziert und erreichbar?
- Atemalkohol-Testgeräte sind kalibriert und Datenschutzkonform eingesetzt?
- Aufbewahrungsfristen für Unterweisungsnachweise sind eingehalten?
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Fehlende Nachschulung nach AuffälligkeitenOft wird eine einmalige Unterweisung als ausreichend angesehen – tatsächlich erfordern Verdachtsfälle sofortige Nachschulung.
- Unvollständige GefährdungsbeurteilungPsychische Belastungen und Suchtrisiken werden in vielen Beurteilungen vergessen, obwohl sie explizit in § 4 ArbSchG gefordert sind.
- Fehlende DokumentationVerlust der Nachweise oder unvollständige Teilnahmelisten machen im Prüfungsfall die Einhaltung der Fristpflicht unmöglich.
- Unklare EskalationswegeFührungskräfte wissen nicht, wie bei Verdacht auf Drogenkonsum zu reagieren ist – klare Handlungsanweisungen fehlen.
- Ignorieren von MedikamentennebenwirkungenStarke Schmerzmittel oder Psychopharmaka werden unterschätzt – Risiko für Maschinenbedienung wird nicht thematisiert.
- Datenschutzverstöße beim AlkoholtestTests ohne vorherige Information und Dokumentation verstoßen gegen DSGVO und können arbeitsrechtliche Konsequenzen haben.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Schwangere und stillende Mitarbeitende § 2 Abs. 1 MuSchG verbietet den Einsatz von Schwangeren in Bereichen mit erhöhtem Gesundheitsrisiko durch Alkohol- oder Drogenkontamination. Die Unterweisung muss auf individuelle Schutzmöglichkeiten eingehen.
- Jugendliche Auszubildende § 22 Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) verbietet den Konsum von Alkohol und Tabak am Arbeitsplatz für unter 18-Jährige. Die Schulung muss altersgerecht gestaltet und besonders intensiv erfolgen.
- Führerscheinrelevante Tätigkeiten Wer beruflich Fahrzeuge führt (z. B. Lkw, Bus, Gabelstapler), benötigt zusätzliche Schulung zur medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) und zur Konsequenzen eines Führerscheinentzugs.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Alkohol, Rauchen, Drogen und Medikamente
Wann muss die Unterweisung erstmals erfolgen?
Vor Arbeitsantritt – noch vor der ersten Schicht oder Einschulung.
Wie oft muss wiederholt werden?
Mindestens einmal jährlich, nach Vorfällen oder bei auffälligem Verhalten sofort.
Darf der Arbeitgeber spontan einen Alkoholtest verlangen?
Nur, wenn eine konkrete Gefahr im Verzug besteht und die Testvoraussetzungen (Betriebsvereinbarung, Datenschutz) erfüllt sind, siehe § 22 BDSG.
Müssen Azubis besonders geschult werden?
Ja, Jugendliche unter 18 Jahren bedürfen zusätzlicher Inhalte nach JArbSchG (Alkohol- und Tabakverbot).
Welche Konsequenzen hat ein positives Drogenergebnis?
Arbeitsrechtliche Maßnahmen bis zur fristlosen Kündigung, sofern Betriebsvereinbarung oder Arbeitsvertrag entsprechende Regelungen enthalten. Zusätzliche Hilfsangebote sollten geprüft werden.
Sind E-Zigaretten am Arbeitsplatz erlaubt?
Das richtet sich nach der Hausordnung; im Nichtraucherschutz gelten sie in der Regel ebenfalls als Tabakprodukt.
Wie dokumentiere ich die Online-Unterweisung korrekt?
Digitale Teilnahmebestätigung mit Zeitstempel, Inhaltsverzeichnis und elektronischer Signatur genügt – Ausdruck und Archiv in Papierform optional.
Gibt es branchenspezifische Zusatzinhalte?
Ja, z. B. 0,0-Promille-Regel bei Bau- und Logistikunternehmen gemäß DGUV Vorschrift 38 und 70.
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