Thema · Arbeitsschutz
KOMPAKT Unterweisung Arbeitssicherheit an Kassen – Pflicht, Prävention, Praxis
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 10 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Arbeitsschutz · kommunale Kassen, Kassen · Verwaltung, Büro
- Rechtsgrundlage
- DGUV Regel 108-010 - Überfallprävention in Verkaufsstellen; DGUV Regel 115-005 - Überfallprävention in Kassen und Zahlstellen der öffentlichen Hand
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 4069
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Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Sicherheit von Kassierer*innen ergeben sich aus mehreren einschlägigen Vorschriften:
- Arbeitssicherheitsgesetz (ArbSchG)
- § 3 ArbSchG – Grundpflicht des Arbeitgebers zur sicherheit- und gesundheitsgerechten Arbeitsgestaltung inklusive Gefährdungsbeurteilung.
- § 12 ArbSchG – Verpflichtung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge, besonders bei psychischer Belastung.
- § 14 ArbSchG – Weisungsbefugnis des Arbeitgebers, geeignete Schutzmaßnahmen anzuordnen.
- Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
- § 3 BetrSichV – Gefährdungsbeurteilung auch für Arbeitsmittel und räumliche Ausstattung an Kassenplätzen (z. B. Panikknopf, Überwachungskameras).
- DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“
- § 4 DGUV V1 – Verpflichtung zur Durchführung von Unterweisungen zu Gefährdungen und Schutzmaßnahmen.
- § 12 DGUV V1 – Dokumentation der Unterweisungen.
- DGUV Regel 100-001 (ehemals BGR/GUV-R 100) – Betriebsanweisungen für Arbeitsstätten, insbesondere zur Raumgestaltung und Beleuchtung.
- DGUV Information 208-031 „Prävention von Überfällen und Raub“ – Konkrete Handlungshilfen für den Einzelhandel.
- Verdachts- und Anzeigeverordnung (VerdAnzV) – Verpflichtung zur Meldung arbeitsbedingter Erkrankungen, z. B. posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) nach Überfällen.
Zugrunde liegende Regelwerke
- DGUV Regel 108-010 - Überfallprävention in Verkaufsstellen · Ausgabe 2021.04
- DGUV Regel 115-005 - Überfallprävention in Kassen und Zahlstellen der öffentlichen Hand · Ausgabe 2021.04
- DGUV Vorschrift 25 - Überfallprävention · Ausgabe 2020.08
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
Arbeitgeber tragen die alleinige Verantwortung für die Sicherheit ihrer Kassierer*innen. Konkret müssen sie:
- Gefährdungsbeurteilung erstellen: Jeder Kassenplatz ist auf Überfallrisiko, psychische Belastung (§ 5 ArbSchG) und ergonomische Faktoren zu untersuchen (§ 3 BetrSichV). Die Beurteilung ist schriftlich festzuhalten und bei Änderungen zu aktualisieren.
- Unterweisung durchführen: Erstunterweisung spätestens am ersten Arbeitstag, danach mindestens jährlich wiederkehrend (§ 4 DGUV V1). Bei neuen Technologien (z. B. Bargeldloses Bezahlen) oder nach Zwischenfällen sofortige Nachschulung.
- Dokumentation sicherstellen: Unterschriftenliste oder digitale Nachweise (§ 12 DGUV V1) zehn Jahre aufbewahren.
- Schutzmaßnahmen umsetzen: Technische (Videoüberwachung, Panikknopf), organisatorische (Zweitperson zu Stoßzeiten) und personelle (Deeskalationstraining) Maßnahmen müssen auf Basis der TOP-Prinzipien (Technik – Organisation – Personal) abgestimmt sein.
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
1. Rechtliche Grundlagen & Pflichten
- Rundgang durch ArbSchG, BetrSichV und DGUV Vorschriften in Alltagssprache
- Pflichten-Check für Führungskräfte und Beschäftigte
2. Gefährdungserkennung & Prävention von Überfällen
- Phasen eines typischen Überfallsablaufs (Beobachtung, Testkauf, Täterübergriff)
- Verhalten vor, während und nach einem Überfall
- Einsatz von Bargeldfallen und Zeichengaben für Kolleg*innen
- Praxisvideo „Sichere Kasse – erlebter Überfall“
3. Sicherer Umgang mit Bargeld & Technische Hilfsmittel
- Minimierung der Kassenbestände (Cash-Pooling, Zeitschließfächer)
- Korrekte Handhabung von Zeitschließfächern und Tresoranlagen
- Einsatz von Panikknöpfen, stummer Alarmierung und Bodycams
- Datenschutzkonforme Videoüberwachung nach DSGVO
4. Deeskalation & Psychische Belastung
- Typische Konfliktsituationen (Preisdiskussionen, Warteschlangenstress)
- Deeskalationsgesprächstechniken (LEAD-Modell: Listen – Empathize – Answer – Decide)
- Friktion mit betrunkenen oder aggressiven Kunden
- Meldepflicht bei psychischen Auffälligkeiten (PTBS-Check)
5. Notfallmanagement & Nachsorge
- Notfallpläne und Evakuierungsrouten
- Polizeiruf 110 – wichtige Angaben schnell liefern
- Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Schocksituationen
- Betriebliche Nachsorge: Krisenintervention, Coaching, Rückkehr-Management
Die Inhalte werden durch interaktive Quizfragen und kurze Szenariovideos vermittelt, sodass die Lerninhalte sofort im Arbeitsalltag anwendbar sind.
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
- Körperliche Gewalt: Raubüberfälle, Schläge, Waffeneinsatz
- Psychische Belastung: Dauerstress, Kundenkonflikte, Angst vor Überfällen
- Organisatorische Risiken: Allein-Arbeit, unzureichende Ausleuchtung, mangelhafte Technik
- Ergonimische Risiken: Fehlhaltung, monotone Arbeitsabläufe
Maßnahmen nach dem TOP-Prinzip
- Technik: Zeitschließfächer mit Zeitverzögerung, beleuchtete Kassenbereiche, HD-Kameras, Panikknopf an unauffälliger Stelle
- Organisation: Safe-Service-Teams (mindestens 2 Personen nach 20 Uhr), Bargeldtransportsicherheit durch zertifizierte Dienste, feste Pausenzeiten
- Personal: Regelmäßige Deeskalationstrainings, Selbstschutzkurse, psychologische Betreuungsangebote
Die Kombination dieser Maßnahmen reduziert laut DGUV-Statistik das Überfallrisiko um bis zu 60 %.
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
- Einzelhandel: Supermärkte, Drogerien, Baumärkte, Kaufhäuser
- Tankstellen: 24/7-Betrieb mit erhöhtem Risiko
- Apotheken & Drogerien: Gefährdung durch verschreibungspflichtige Medikamente
- Bankfilialen und Sparkassen: Kassenbereiche mit Kund*innenverkehr
- Veranstaltungsgastronomie: Kassen an Stadien, Festzelten
Branchenspezifische Zusatzinhalte (z. B. BTM-Schutz in Apotheken) lassen sich modular integrieren.
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
Wiederholungsintervalle: Mindestens einmal jährlich (§ 4 Abs. 3 DGUV V1), nach Auffälligkeiten oder Vorfällen sofortige Nachunterweisung.
Dokumentation: Name, Datum, Inhaltsschwerpunkt, Dauer und Unterschrift der teilnehmenden Person werden digital gespeichert. Die Aufbewahrungsfrist beträgt zehn Jahre, bei Unfällen bis zur endgültigen Klärung aller Ansprüche.
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Gefährdungsbeurteilung für Kassenplätze liegt vor und wurde unterschrieben.
- Alle Kassierer*innen haben die Erstunterweisung „Arbeitssicherheit an Kassen“ absolviert.
- Panikknopf und Zeichengabesystem sind funktionsgeprüft.
- Zeitschließfächer verfügen über Zeitverzögerung (>120 Sekunden).
- Videoaufzeichnungen werden gemäß DSGVO 72 Stunden gespeichert.
- Kassenbestände werden 2× täglich auf Mindestbestände reduziert.
- Nach 20 Uhr arbeiten stets mindestens zwei Personen an der Kasse.
- Psychologische Krisenhilfe ist im Notfall erreichbar (Hotline-Nummer ausgehängt).
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Fehlende GefährdungsbeurteilungViele Unternehmen verzichten auf eine schriftliche Beurteilung und verstoßen damit gegen § 3 ArbSchG – im Schadensfall droht Regress.
- Nur „Hinweiszettel“ statt fundierter SchulungEin Aushang „Bei Überfall ruhig bleiben“ ersetzt keine interaktive Unterweisung und wird von Berufsgenossenschaften nicht anerkannt.
- Keine Nachschulung nach VorfällenNach einem tatsächlichen Überfall wird vergessen, die Belegschaft erneut zu schulen – das erhöht das Traumarisiko.
- Unterweisung nicht individuell dokumentiertListen mit „alle Mitarbeiter haben teilgenommen“ sind unzureichend; jede Person muss separat unterschreiben.
- Technische Hilfsmittel nicht geprüftPanikknöpfe, die nicht funktionieren, weil die Batterie leer ist, verstoßen gegen § 3 BetrSichV.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Minderjährige & Auszubildende Für Jugendliche gelten nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) strengere Regeln: Allein-Arbeit an Kassen nach 22 Uhr ist verboten. Die Unterweisung muss zusätzlich Inhalte zum Jugendschutz (z. B. Alkoholausgabe, Tabakverkauf) enthalten.
- Schwangere Mitarbeitende Nach dem Mutterschutzgesetz dürfen Schwangere nicht mit erhöhtem Überfallrisiko beschäftigt werden. Die Gefährdungsbeurteilung ist erneut anzupassen.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung KOMPAKT Arbeitssicherheit an Kassen
Muss die Schulung wirklich jährlich wiederholt werden?
Darf ich die Unterweisung digital durchführen?
Was kostet eine Betriebsunterbrechung während der Schulung?
Wer haftet bei einem Überfall, wenn keine Schulung vorlag?
Können Filialleiter die Schulung selbst durchführen?
Gibt es branchenspezifische Zusatzmodule?
Was ist bei Home-Office-Kassen (Online-Kassen) zu beachten?
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