Thema · Führungskräfte Schulungen
Informationen zum Mutterschutz: Rechte, Pflichten und betriebliche Umsetzung
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 8 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Führungskräfte Schulungen · Rechtliches · Schulungen allg.
- Rechtsgrundlage
- MuSchG - Gesetz zum Schutz von Müttern bei der Arbeit, in der Ausbildung und im Studium
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 8100
Ihre Vorteile
Warum Unterweisungscenter?
-
Rechtssicher
ArbSchG-konform
-
Mehrsprachig
DE, EN, FR u. a.
-
Zertifikat
Automatisch als PDF
-
Ein Klick
Keine Registrierung
-
KISS
Kurz und bündig
-
Barrierefrei
WCAG 2.2 AA
Auf dieser Seite
Diese Seite bietet einen informativen Überblick über das Thema Mutterschutz im Rahmen einer beruflichen Tätigkeit. Sie ist ausdrücklich keine Unterweisung im Sinne von § 12 ArbSchG und ersetzt weder die anlassbezogene Gefährdungsbeurteilung noch das verpflichtende Gespräch mit der betroffenen Mitarbeiterin. Sie ordnet das Thema ein, benennt die zentralen Begriffe und zeigt, an welchen Stellen im Betrieb typischerweise Handlungsbedarf entsteht.
Für Personalverantwortliche, Führungskräfte und Sicherheitsbeauftragte ist dieses Wissen aus zwei Gründen relevant. Erstens greifen die Schutzvorschriften unmittelbar in die Arbeitsorganisation ein: Schichtpläne, Tätigkeitszuschnitte und Vertretungsregelungen müssen kurzfristig angepasst werden. Zweitens ist der Arbeitgeber verpflichtet, alle Arbeitsplätze bereits im Voraus daraufhin zu beurteilen, ob dort eine Schwangere oder Stillende beschäftigt werden könnte – unabhängig davon, ob aktuell eine Schwangerschaft bekannt ist. Wer diese Vorarbeit unterlässt, steht im Ernstfall unter Zeitdruck und trifft Entscheidungen, die für die Mitarbeiterin Einkommensverluste und für den Betrieb vermeidbare Ausfälle bedeuten können. Der folgende Überblick fasst die Grundlagen zusammen, ohne die individuelle arbeitsrechtliche Prüfung zu ersetzen.
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
Verzahnung mit dem allgemeinen Arbeitsschutzrecht
Das MuSchG steht nicht für sich, sondern ergänzt das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG). Einschlägig sind insbesondere:
- § 3 ArbSchG – Grundpflichten des Arbeitgebers: Maßnahmen sind zu treffen, auf Wirksamkeit zu prüfen und an veränderte Gegebenheiten anzupassen. Eine eingetretene Schwangerschaft ist eine solche veränderte Gegebenheit.
- § 4 ArbSchG – Allgemeine Grundsätze: Gefahren sind an der Quelle zu bekämpfen; individuelle Schutzmaßnahmen sind nachrangig gegenüber technischen und organisatorischen.
- § 5 ArbSchG – Beurteilung der Arbeitsbedingungen: Grundlage jeder betrieblichen Schutzmaßnahme, im Mutterschutz um die spezifische Beurteilung nach MuSchG erweitert.
- § 6 ArbSchG – Dokumentation: Ergebnis der Beurteilung, festgelegte Maßnahmen und deren Überprüfung sind schriftlich festzuhalten.
- § 9 ArbSchG – Besondere Gefahren: Beschäftigte dürfen Bereichen mit erheblicher Gefahr nur zugewiesen werden, wenn sie zuvor ausreichend angewiesen wurden.
- § 11 ArbSchG – Arbeitsmedizinische Vorsorge sowie die ArbMedVV, wenn eine Vorsorge nach den dortigen Vorgaben in Betracht kommt.
- § 12 ArbSchG – Unterweisung: Unterweisungen sind bei Veränderungen im Aufgabenbereich anzupassen.
Weitere einschlägige Vorschriften
Je nach Tätigkeit kommen hinzu: die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) und die TRGS 905 (Verzeichnis krebserzeugender, keimzellmutagener oder reproduktionstoxischer Stoffe) bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, die Biostoffverordnung (BioStoffV) mit § 4 (Gefährdungsbeurteilung), § 12 (Arbeitsmedizinische Vorsorge) und § 14 (Betriebsanweisung und Unterweisung) etwa im Gesundheitsdienst und in Kitas, die Lastenhandhabungsverordnung (LasthandhabV) mit § 2 (Maßnahmen) und § 4 (Unterweisung), die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung, die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) sowie die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) mit § 3 (Gefährdungsbeurteilung) und § 6 (Unterweisung der Beschäftigten). Für die Arbeitszeit ist ergänzend das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) zu beachten, bei minderjährigen werdenden Müttern zusätzlich das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG). Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung richten sich nach dem SGB VII.
Zugrunde liegende Regelwerke
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
Nach der Mitteilung einer Schwangerschaft
- Konkretisierung der Gefährdungsbeurteilung: Die allgemeine Beurteilung wird auf den tatsächlichen Arbeitsplatz und den Gesundheitszustand der Frau bezogen.
- Maßnahmen in fester Rangfolge: zuerst Umgestaltung der Arbeitsbedingungen, dann Versetzung auf einen anderen zumutbaren Arbeitsplatz, erst als letztes Mittel das betriebliche Beschäftigungsverbot.
- Gesprächsangebot: Der Arbeitgeber muss der Frau ein Gespräch über weitere Anpassungen ihrer Arbeitsbedingungen anbieten.
- Meldung an die Aufsichtsbehörde: Die Mitteilung der Schwangerschaft ist der zuständigen Behörde unverzüglich anzuzeigen.
- Vertraulichkeit: Die Information darf nur an Personen weitergegeben werden, die sie für die Umsetzung des Schutzes benötigen.
- Dokumentation der Beurteilung, der Maßnahmen und ihrer Wirksamkeitsprüfung nach § 6 ArbSchG.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem ärztlichen Beschäftigungsverbot, das die behandelnde Ärztin oder der Arzt individuell ausspricht, und dem betrieblichen Beschäftigungsverbot, das der Arbeitgeber aussprechen muss, wenn eine unverantwortbare Gefährdung anders nicht auszuschließen ist. Für die Zeit eines Beschäftigungsverbots besteht Anspruch auf Mutterschutzlohn – ein weiterer Grund, Umgestaltung und Versetzung ernsthaft zu prüfen, statt vorschnell freizustellen. Die Verantwortung bleibt beim Arbeitgeber; Aufgaben können nach § 7 ArbSchG übertragen werden, die Auswahl- und Aufsichtspflicht bleibt bestehen.
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
1. Geltungsbereich und Mitteilung
Wer fällt unter das MuSchG und wer nicht? Behandelt wird, dass die Mitteilung der Schwangerschaft eine Soll-Vorschrift ist: Die Frau soll den Arbeitgeber informieren, sobald ihr die Schwangerschaft bekannt ist – erzwingen lässt sich das nicht, und aus einer späten Mitteilung darf ihr kein Nachteil entstehen. Praxisbeispiel: Teilt eine Mitarbeiterin die Schwangerschaft erst in der 20. Woche mit, greifen die Schutzvorschriften ab diesem Zeitpunkt vollständig; rückwirkende Sanktionen gibt es nicht.
2. Schutzfristen und Beschäftigungsverbote
Erläutert werden die Schutzfrist von sechs Wochen vor der Entbindung, auf die die Frau ausdrücklich verzichten kann, und die Schutzfrist von acht Wochen nach der Entbindung, die als absolutes Beschäftigungsverbot gilt. Bei Früh- und Mehrlingsgeburten sowie – auf Antrag – bei der Geburt eines Kindes mit Behinderung verlängert sich die nachgeburtliche Frist auf zwölf Wochen. Ergänzend werden die generellen Beschäftigungsverbote für bestimmte Tätigkeiten und die Abgrenzung zwischen ärztlichem und betrieblichem Beschäftigungsverbot dargestellt.
3. Arbeitszeitliche Schutzvorschriften
- Mehrarbeitsverbot: für Frauen über 18 Jahren keine Beschäftigung über 8,5 Stunden täglich beziehungsweise über 90 Stunden in der Doppelwoche; für Frauen unter 18 Jahren gelten 8 Stunden beziehungsweise 80 Stunden.
- Nachtarbeit: grundsätzlich keine Beschäftigung zwischen 20 und 6 Uhr; für die Zeit bis 22 Uhr ist ein behördliches Verfahren mit ausdrücklicher Einwilligung der Frau und ärztlicher Unbedenklichkeit vorgesehen.
- Sonn- und Feiertagsarbeit: im Grundsatz unzulässig, mit branchenbezogenen Ausnahmen und Einwilligungserfordernis.
- Ruhezeit: ununterbrochene Ruhezeit nach Arbeitsende; Ruhepausen sind Arbeitszeitregelungen des ArbZG nachgelagert zu betrachten.
4. Arbeitsplatzgestaltung
Behandelt werden das Verbot der Akkord- und Fließbandarbeit mit vorgegebenem Arbeitstempo, Grenzen beim Heben und Tragen von Lasten, ununterbrochenes Stehen über längere Zeiträume, Absturz- und Sturzgefahren, Arbeiten mit erhöhter Unfallgefahr sowie der Anspruch auf eine geeignete Liegemöglichkeit zum Ausruhen, die sich aus MuSchG und ArbStättV ergibt.
5. Stillzeit
In den ersten zwölf Monaten nach der Entbindung ist die stillende Mitarbeiterin für das Stillen freizustellen – mindestens zweimal täglich eine halbe Stunde oder einmal täglich eine Stunde. Die Zeit ist weder vor- noch nachzuarbeiten und darf nicht auf Ruhepausen angerechnet werden. Für Stillende gelten viele der tätigkeitsbezogenen Schutzvorschriften fort, insbesondere im Gefahrstoff- und Biostoffbereich.
6. Kündigungsschutz und Leistungen
Dargestellt werden der besondere Kündigungsschutz während der Schwangerschaft und bis zum Ablauf von vier Monaten nach der Entbindung – ebenso nach einer Fehlgeburt nach der zwölften Schwangerschaftswoche – sowie im Überblick die finanziellen Leistungen: Mutterschutzlohn bei Beschäftigungsverboten, Mutterschaftsgeld und Arbeitgeberzuschuss während der Schutzfristen. Ein Praxisbeispiel verdeutlicht die Folge falscher Zuordnung: Wird eine Umsetzung unterlassen und stattdessen freigestellt, trägt der Betrieb den Mutterschutzlohn, obwohl die Mitarbeiterin hätte weiterarbeiten können.
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
Typische Gefährdungsfelder
- Chemische Einwirkungen: Gefahrstoffe mit reproduktionstoxischen, keimzellmutagenen oder krebserzeugenden Eigenschaften; Orientierung bieten GefStoffV, TRGS 905 und – für die Beurteilung von Luftkonzentrationen – TRGS 900.
- Biologische Einwirkungen: Infektionsgefährdungen etwa durch Röteln, Zytomegalie, Ringelröteln oder Toxoplasmose in Kitas, Schulen, Laboren und im Gesundheitsdienst; Beurteilungsgrundlage ist § 4 BioStoffV.
- Physikalische Einwirkungen: ionisierende und nichtionisierende Strahlung, Lärm und Ganzkörpervibrationen (LärmVibrationsArbSchV), Hitze, Kälte, Nässe, Über- und Unterdruck.
- Physische Belastungen: manuelle Lastenhandhabung (LasthandhabV § 2), Zwangshaltungen, ständiges Stehen, häufiges Strecken und Beugen.
- Psychische Belastungen und Arbeitsorganisation: getaktete Arbeit, Nacht- und Wechselschicht, Alleinarbeit ohne Erreichbarkeit, Tätigkeiten mit Gewaltrisiko im Publikumsverkehr.
- Betriebs- und Verkehrsgefahren: Sturz- und Absturzrisiken, Umgang mit Arbeitsmitteln nach BetrSichV, erhöhte Unfallgefahr durch verändertes Gleichgewicht im Schwangerschaftsverlauf.
Maßnahmen nach dem TOP-Prinzip
Die Rangfolge des § 4 ArbSchG gilt uneingeschränkt und wird durch die Stufenfolge des MuSchG ergänzt:
- Technisch: geschlossene Systeme, Absaugung, Substitution durch weniger gefährliche Stoffe, Hebehilfen, Sitzgelegenheiten, Lärmminderung an der Quelle.
- Organisatorisch: Tätigkeitszuschnitt ändern, Nachtarbeit und Akkord herausnehmen, Pausenregime anpassen, Versetzung auf einen gleichwertigen Arbeitsplatz, Anpassung der Dienstpläne, geregelte Vertretung.
- Personenbezogen: persönliche Schutzausrüstung nach PSA-BV nur nachrangig – PSA ist im Mutterschutz besonders kritisch zu bewerten, weil sie eine Restexposition voraussetzt und selbst belasten kann (Atemschutz, Gewicht, Wärmestau).
Führt keine dieser Stufen zu einem verantwortbaren Zustand, ist das betriebliche Beschäftigungsverbot auszusprechen. Alle Prüfschritte und ihre Ergebnisse sind nachvollziehbar zu dokumentieren.
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
- Gesundheitswesen und Pflege: Infektionsgefährdungen, Patiententransfers, Schicht- und Nachtdienst, Zytostatika und Narkosegase.
- Kitas, Schulen und Betreuung: Infektionsrisiken durch Kinderkrankheiten, Heben und Tragen, ungünstige Körperhaltungen; Vorgaben aus BioStoffV.
- Produktion, Handwerk und Logistik: Gefahrstoffe, Lärm, Vibrationen, getaktete Arbeit, Lastenhandhabung, Arbeitsmittel nach BetrSichV.
- Labor und Forschung: Biostoffe, Chemikalien, Strahlung.
- Handel, Gastronomie und Dienstleistung: langes Stehen, Sonn- und Feiertagsarbeit, Publikumsverkehr, Kassen- und Alleinarbeit.
- Büro und Verwaltung: auf den ersten Blick unkritisch, dennoch relevant bei Bildschirmarbeit ohne Pausenmöglichkeit, fehlender Liegemöglichkeit, Dienstreisen und Mehrarbeit.
Angesprochen sind vor allem Personalverantwortliche, Führungskräfte mit Dienstplanverantwortung, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Betriebsärztinnen und Betriebsärzte, Sicherheitsbeauftragte sowie Mitglieder der betrieblichen Interessenvertretung.
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
- Anlassunabhängige Beurteilung aller Arbeitsplätze: zu erstellen, bevor der erste Fall eintritt, und zu aktualisieren bei neuen Tätigkeiten, neuen Arbeitsmitteln, geänderten Stoffen oder geänderten Rechtsvorgaben.
- Konkretisierung: unverzüglich nach Mitteilung einer Schwangerschaft und erneut, wenn sich der Schwangerschaftsverlauf, die Tätigkeit oder der Gesundheitszustand ändert.
- Erneute Prüfung beim Übergang in die Stillzeit und bei Rückkehr aus der Schutzfrist.
- Information der Beschäftigten über das Ergebnis der Beurteilung – sinnvoll gebündelt mit der jährlichen Unterweisung nach § 12 ArbSchG, damit das Wissen aktuell bleibt.
Dokumentation
Nach § 6 ArbSchG sind das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung, die festgelegten Maßnahmen und das Ergebnis ihrer Überprüfung schriftlich festzuhalten. Für den Mutterschutz kommen hinzu: der Nachweis, dass das Ergebnis allen Beschäftigten bekannt gemacht wurde, das Angebot des Gesprächs über weitere Anpassungen, die Meldung an die Aufsichtsbehörde sowie die Begründung eines betrieblichen Beschäftigungsverbots. Eine einheitliche gesetzliche Aufbewahrungsfrist für diese Unterlagen besteht nicht; sinnvoll ist eine Aufbewahrung mindestens für die Dauer des Beschäftigungsverhältnisses, bei Tätigkeiten mit krebserzeugenden, keimzellmutagenen oder reproduktionstoxischen Stoffen entsprechend den langen Fristen der GefStoffV für Expositionsverzeichnisse. Gesundheitsbezogene Angaben sind streng vertraulich zu behandeln und getrennt von der allgemeinen Personalakte aufzubewahren.
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Liegt für alle Arbeitsplätze eine anlassunabhängige Beurteilung im Hinblick auf Schwangere und Stillende vor – auch für Büro- und Verwaltungstätigkeiten?
- Ist das Ergebnis dieser Beurteilung dokumentiert und nachweislich allen Beschäftigten bekannt gemacht worden?
- Existiert ein festgelegter Ablauf, wer im Betrieb die Mitteilung einer Schwangerschaft entgegennimmt und welche Schritte danach in welcher Reihenfolge erfolgen?
- Ist geregelt, dass die Meldung an die zuständige Aufsichtsbehörde unverzüglich erfolgt?
- Wird die Rangfolge Umgestaltung – Versetzung – Beschäftigungsverbot nachweisbar geprüft und begründet, bevor freigestellt wird?
- Sind Dienst- und Schichtpläne so gestaltet, dass Nachtarbeit ab 20 Uhr, Mehrarbeit über 8,5 Stunden und getaktete Arbeit sofort herausgenommen werden können?
- Steht eine geeignete Liegemöglichkeit zum Ausruhen zur Verfügung und ist sie tatsächlich erreichbar und nutzbar?
- Sind Stillzeiten in der Arbeitszeiterfassung korrekt hinterlegt, ohne Anrechnung auf Pausen?
- Sind Gefahrstoff- und Biostoffverzeichnisse aktuell und auf reproduktionstoxische beziehungsweise infektiöse Einwirkungen hin ausgewertet?
- Ist der Zugriff auf gesundheitsbezogene Angaben auf die Personen begrenzt, die sie für den Schutz benötigen?
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Gefährdungsbeurteilung erst nach der MitteilungDer häufigste Fehler: Der Betrieb beginnt erst mit der Beurteilung, wenn eine Schwangerschaft bekannt wird. Das MuSchG verlangt die Beurteilung im Voraus für jeden Arbeitsplatz. Fehlt sie, entstehen Zeitdruck, Fehlentscheidungen und vermeidbare Freistellungen.
- Vorschnelles BeschäftigungsverbotAus Unsicherheit wird die Mitarbeiterin sofort freigestellt, statt Umgestaltung und Versetzung zu prüfen. Das widerspricht der gesetzlichen Rangfolge, kostet den Betrieb Mutterschutzlohn und nimmt der Frau gegen ihren Willen die berufliche Teilhabe.
- Meldung an die Aufsichtsbehörde vergessenDie Mitteilung der Schwangerschaft ist der zuständigen Behörde unverzüglich anzuzeigen. Diese Pflicht wird regelmäßig übersehen, weil sie außerhalb der üblichen HR-Routinen liegt.
- Schutzvorschriften enden mit der EntbindungEin verbreiteter Irrtum. Für Stillende gelten viele tätigkeitsbezogene Beschränkungen fort, dazu kommen Freistellungsansprüche für das Stillen in den ersten zwölf Monaten nach der Entbindung.
- Vertraulichkeit nicht gewahrtDie Information über eine Schwangerschaft wird im Team oder per Verteiler weitergegeben. Zulässig ist die Weitergabe nur an Personen, die sie für die Umsetzung des Schutzes benötigen.
- Dokumentation ohne WirksamkeitsprüfungMaßnahmen werden festgelegt, aber nie überprüft. § 3 ArbSchG verlangt ausdrücklich die Prüfung der Wirksamkeit und die Anpassung an veränderte Gegebenheiten – im Schwangerschaftsverlauf ändern sich die Voraussetzungen laufend.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Minderjährige werdende Mütter Zusätzlich zum MuSchG gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG). Die arbeitszeitlichen Grenzen sind enger: 8 Stunden täglich beziehungsweise 80 Stunden in der Doppelwoche. Es gilt jeweils die strengere Regelung.
- Auszubildende, Praktikantinnen, Schülerinnen und Studentinnen Sie fallen seit der Novelle ausdrücklich in den Anwendungsbereich. Bei Ausbildung und Studium sind Pflichtveranstaltungen und Prüfungen so anzupassen, dass keine Nachteile durch die Schutzfristen entstehen; Ausgleichstermine sind zu ermöglichen.
- Fehlgeburt und Totgeburt Nach einer Fehlgeburt nach der zwölften Schwangerschaftswoche besteht ein besonderer Kündigungsschutz für vier Monate. Die betroffene Situation erfordert zusätzlich einen sensiblen Umgang bei Wiedereingliederung und Arbeitsgestaltung.
- Leiharbeit und Fremdfirmen Bei Arbeitnehmerüberlassung treffen Verleiher und Entleiher unterschiedliche Pflichten; der Einsatzbetrieb kennt die tatsächlichen Gefährdungen und muss sie beurteilen. § 8 ArbSchG zur Zusammenarbeit mehrerer Arbeitgeber ist zu beachten.
- Nicht erfasste Personengruppen Selbstständige und Organmitglieder von Gesellschaften fallen nicht unter das MuSchG. Für Beamtinnen, Richterinnen und Soldatinnen gelten eigenständige, inhaltlich angelehnte Vorschriften.
- Mobile Arbeit und Homeoffice Auch dort gelten Arbeitszeitgrenzen und Nachtarbeitsverbot. Die Beurteilung muss die häusliche Arbeitssituation einbeziehen; Erreichbarkeitserwartungen sind entsprechend zu begrenzen.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Informationen zum Mutterschutz (nur informativ)
Muss eine Mitarbeiterin ihre Schwangerschaft mitteilen?
Das MuSchG formuliert eine Soll-Vorschrift: Die Frau soll den Arbeitgeber informieren, sobald ihr die Schwangerschaft bekannt ist. Eine erzwingbare Pflicht besteht nicht, und aus einer späten Mitteilung darf ihr kein Nachteil entstehen. Die Schutzvorschriften greifen ab dem Zeitpunkt der Kenntnis.
Ist diese Seite eine Unterweisung nach § 12 ArbSchG?
Nein. Es handelt sich um eine informative Zusammenfassung zur Einordnung des Themas. Sie ersetzt weder die Gefährdungsbeurteilung nach § 5 ArbSchG und MuSchG noch das individuelle Gespräch mit der betroffenen Mitarbeiterin noch eine arbeitsrechtliche Beratung im Einzelfall.
Wie lange dauern die Schutzfristen?
In der Regel sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Entbindung. Auf die vorgeburtliche Frist kann die Frau ausdrücklich verzichten; die nachgeburtliche Frist ist ein absolutes Beschäftigungsverbot. Bei Früh- und Mehrlingsgeburten sowie auf Antrag bei der Geburt eines Kindes mit Behinderung verlängert sie sich auf zwölf Wochen.
Worin unterscheiden sich ärztliches und betriebliches Beschäftigungsverbot?
Das ärztliche Beschäftigungsverbot beruht auf dem individuellen Gesundheitszustand und wird von der behandelnden Ärztin oder dem Arzt ausgesprochen. Das betriebliche Beschäftigungsverbot spricht der Arbeitgeber aus, wenn eine unverantwortbare Gefährdung am Arbeitsplatz weder durch Umgestaltung noch durch Versetzung beseitigt werden kann.
Darf eine Schwangere Nachtschicht arbeiten?
Grundsätzlich nicht. Eine Beschäftigung zwischen 20 und 6 Uhr ist untersagt. Für die Zeit bis 22 Uhr ist ein behördliches Verfahren vorgesehen, das die ausdrückliche Einwilligung der Frau, eine ärztliche Unbedenklichkeitsbescheinigung und den Ausschluss von Alleinarbeit voraussetzt.
Welche Rechte bestehen in der Stillzeit?
In den ersten zwölf Monaten nach der Entbindung ist die Mitarbeiterin zum Stillen freizustellen – mindestens zweimal täglich eine halbe Stunde oder einmal täglich eine Stunde. Diese Zeit ist nicht vor- oder nachzuarbeiten und wird nicht auf Ruhepausen angerechnet.
Wann greift der besondere Kündigungsschutz?
Während der gesamten Schwangerschaft und bis zum Ablauf von vier Monaten nach der Entbindung sowie nach einer Fehlgeburt nach der zwölften Schwangerschaftswoche. Eine Kündigung ist nur in besonderen Ausnahmefällen und nur mit vorheriger behördlicher Zustimmung zulässig.
Muss die Gefährdungsbeurteilung auch ohne aktuelle Schwangerschaft erstellt werden?
Ja. Das MuSchG verlangt für jeden Arbeitsplatz eine anlassunabhängige Beurteilung im Hinblick auf mögliche Gefährdungen für schwangere und stillende Frauen. Das Ergebnis ist zu dokumentieren und allen Beschäftigten bekannt zu machen – unabhängig davon, ob derzeit eine Schwangerschaft vorliegt.
Weiterlesen
Ähnliche Unterweisungen
- UWC 5003
Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)
AllgemeinRechtliches - UWC 5005
Anti-Korruption (Compliance) im Gesundheitswesen und sozialen Einrichtungen
Gesundheitswesen, PflegeSchulungen allg. - UWC 5011
Anti-Korruption (Compliance) in öffentlichen Stellen
Führungskräfte SchulungenRechtlichesVerwaltung, Büro - UWC 8002
Arbeitsstättenverordnung
ArbeitsschutzRechtliches
Jetzt rechtssicher online unterweisen
Mit Online-Unterweisungen erreichen Sie alle Beschäftigten ortsunabhängig und zu jeder Zeit – ohne Terminabstimmung und ohne Ausfallzeiten im Schichtbetrieb. Jede Teilnahme wird revisionssicher dokumentiert, sodass Nachweise gegenüber Aufsichtsbehörde und Unfallversicherungsträger jederzeit auf Knopfdruck vorliegen. Inhalte werden laufend an die aktuelle Rechtslage angepasst, damit Ihre Unterweisungen nicht veralten.
Kostenfreies Strategiegespräch vereinbaren