Thema · Gesundheitswesen | Pflege
Anti-Korruption (Compliance) – Unterweisung für Gesundheitswesen und soziale Einrichtungen
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 8 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Gesundheitswesen, Pflege · Schulungen allg.
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 5005
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WCAG 2.2 AA
Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
Die rechtliche Basis für Anti-Korruption im Gesundheitswesen ergibt sich aus mehreren Regelwerken:
- Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) §12 – allgemeine Verpflichtung des Arbeitgebers, Mitarbeitende über Gefährdungen und Schutzmaßnahmen zu unterweisen und regelmäßig zu informieren.
- Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) §4 – Verpflichtung zur Durchführung und Dokumentation von Gefährdungsbeurteilungen einschließlich organisatorischer Risiken.
- StGB §298 – Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr: strafbar ist die Annahme oder Gewährung von Vorteilen für Pflege- und Heimleitungen, Verwaltungskräfte sowie externe Dienstleister.
- Sozialgesetzbuch V §298a – Verbot unzulässiger Vorteilsangebote gegenüber Leistungserbringern im Gesundheitswesen.
- DGUV Vorschrift 2 (Unfallverhütungsvorschrift „Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege“) – fordert den Einsatz geeigneter Maßnahmen gegen Verhaltensrisiken, um psychische Belastungen und damit einhergehende Fehlverhalten zu reduzieren.
- DGUV Regel 100-001 (Grundsätze der Prävention) – betont die Notwendigkeit, organisatorische Maßnahmen so zu gestalten, dass Fehlverhalten und Korruption präventiv vermieden werden.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
Gefährdungsbeurteilung: Der Arbeitgeber hat nach ArbSchG §4 zu prüfen, wo in Prozessen (Vergabe, Einkauf, Sponsoring, Studienunterstützung) Korruptionsanreize entstehen können und welche Schutzmaßnahmen geeignet sind.
Dokumentation: Die Schulungsdurchführung ist nach DGUV Vorschrift 2 §26 schriftlich festzuhalten. Die Nachweise sind mindestens fünf Jahre aufzubewahren (§257 HGB) und bei Prüfungen (Gewerbeaufsicht, Krankenkassen, MDK) vorzulegen.
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
1. Rechtliche Grundlagen verstehen
- Auswirkungen von §298 StGB und §298a SGB V auf den Alltag von Krankenhäusern, Pflegeheimen, ambulanten Diensten und Wohlfahrtseinrichtungen.
- Abgrenzung zwischen erlaubten Dankesbekundungen und unzulässiger Bestechlichkeit anhand konkreter Fallbeispiele (z. B. Sponsoring für Fortbildungen, Einladungen zu Fachkongressen oder „Patienten-Geschenke“).
2. Risiken erkennen
- Typische Hot-Spots: Einkauf von Medizinprodukten, Vergabe von Therapieverträgen, Auswahl von Wäsche- und Reinigungsdienstleistern, Sponsoring von Patientenfahrten.
- Interaktive Fallbeispiele: Was tun, wenn ein Lieferant Eintrittskarten für ein Fußballspiel überreicht? Wie reagiere ich auf die Bitte eines Arztes um „Bevorzugung“ bei Gerätewahl?
3. Verhaltensregeln anwenden
- „4-Augen-Prinzip“ bei Annahme von Vorteilen und Sponsoring-Vereinbarungen.
- Transparenz durch vorherige schriftliche Genehmigung der Geschäftsführung bei Werten ab 25 €.
- Dokumentationspflicht: Nutzung des vorgegebenen Compliance-Meldebogens (digital oder Papier).
4. Meldesysteme nutzen
- Einführung in interne Hinweisgeber-Systeme (BKMS, Whistle-System).
- Schutz des Hinweisgebers nach EU-Richtlinie und nationalem HinSchG.
- Ablauf einer Verdachtsmeldung: Eingang, Prüfung, Eskalation, Eskalationsstopp und Nachbesprechung.
Am Ende absolvieren die Teilnehmenden einen kurzen Wissenstest mit 10 Multiple-Choice-Fragen. Nach Bestehen (80 % richtig) wird automatisch eine individuelle Teilnahmebescheinigung zum Download erzeugt.
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
Konkrete Gefährdungen:
- Vorteilsannahme: kleine Geschenke, Rabattcodes, kostenlose Schulungen oder Reisen können strafrechtlich relevant sein, wenn sie die Entscheidungsneutralität beeinflussen.
- Sponsoring-Transparenzmangel: Fehlende Verträge oder verdeckte Zuwendungen gefährden die Unabhängigkeit ärztlicher und pflegerischer Entscheidungen.
- Informationsasymmetrie: Neue Mitarbeitende erkennen die strafrechtliche Tragweite eines „harmlosem“ Mittagessens nicht.
Schutzmaßnahmen nach dem TOP-Prinzip:
- Technisch: digitale Genehmigungsworkflows im Einkaufs- und Marketing-System, automatische Sperrung von Vorteilsangeboten bei fehlender Freigabe.
- Organisatorisch: klare Sponsoring-Richtlinien, jährliche Compliance-Schulungen, Rotation von Einkaufsverantwortlichen.
- Personell: benannte Compliance-Beauftragte, Schulung aller Führungskräfte zu Schlepper- und Eskalationsprozessen.
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
- Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken
- Pflege- und Senioreneinrichtungen
- Ambulanten Pflegediensten und Sozialstationen
- Kindertagesstätten und Jugendhilfeeinrichtungen
- Wohlfahrtsverbänden und Sozialunternehmen
Besonderheiten: In kleinen Trägern übernehmen oft Pflegedienstleitende gleichzeitig Einkaufs- und Compliance-Aufgaben; die Schulung berücksichtigt diese Doppelbelastung durch kurze, mobile Lernformate.
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
Dokumentation: Die Teilnahmebescheinigung (Name, Datum, Inhalte, Prüfergebnis) liegt digital in der Cloud und kann jederzeit im Prüfungsfall exportiert werden. Aufbewahrungsfrist: 5 Jahre ab Ende des Kalenderjahres der Schulung (§257 HGB).
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Compliance-Richtlinie aktuell und allen Mitarbeitenden zugänglich?
- Letzte Gefährdungsbeurteilung zu Korruptionsrisiken ≤ 12 Monate zurückliegend?
- Alle Mitarbeitenden inkl. Aushilfen und Praktikanten geschult?
- Vorteilsanzeigen-Tool eingerichtet und bekannt?
- Sponsoring-Verträge zweizeilig genehmigt und archiviert?
- Compliance-Beauftragter benannt und erreichbar?
- Whistle-Blower-Kanal regelmäßig auf Funktion geprüft?
- Schulungsnachweise 5-Jahres-Aufbewahrung gewährleistet?
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Nur Führungskräfte schulenVerdachtsfälle melden häufig Pflegekräfte oder Verwaltungsangestellte – Schulung muss alle Stufen umfassen.
- Schulung auf Papier „abfrühstücken“Unterschriften auf Listen ohne Inhaltsvermittlung erfüllen nicht die Qualitätsanforderung nach ArbSchG §12.
- Schweigepflicht missverstehenManche Teams halten interne Hinweisgeber-Systeme für Verstoß gegen Schweigepflicht – klare Kommunikation ist nötig.
- Geschenk-Grenze ausgelassen25-Euro-Grenze wird als „netter Richtwert“ angesehen – tatsächlich ist sie Obergrenze, bei der Meldungspflicht beginnt.
- Externe Dienstleister vergessenHonorar-Ärzte, Reinigungskräfte und Lieferanten müssen ebenfalls in die Schulung einbezogen werden.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Praktikanten und FSJ-Kräfte erhalten eine verkürzte Einführung (10 Minuten) mit Fokus auf Geschenk- und Sponsoring-Regeln.
- Ehrenamtliche sind nach DGUV Vorschrift 2 ebenfalls zu informieren. Kurze E-Learning-Einheit reicht aus.
- Leiharbeitnehmer Einweisung muss vor Arbeitsaufnahme erfolgen; Verleiher und Entleiher schulen gemeinsam oder nutzen zertifiziertes Online-Modul.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Anti-Korruption (Compliance) im Gesundheitswesen und sozialen Einrichtungen
Muss die Schulung wirklich jedes Jahr stattfinden?
Ja, ArbSchG §12 fordert eine regelmäßige Unterweisung – mindestens jährlich oder bei Änderung der Risikolage.
Darf ich kostenloses Mittagessen bei einer Fortbildung annehmen?
Bis 25 € inkl. USt. und nur, wenn die Teilnahme unabhängig von Geschäftsentscheidungen erfolgt. Ansonsten vorherige schriftliche Genehmigung.
Was ist, wenn ich einen Verdacht melden möchte, aber Angst vor Repressalien habe?
Unser Hinweisgeber-System gewährleistet anonyme Meldungen. Nach EU-Richtlinie und HinSchG sind Sie vor Nachteilen geschützt.
Gelten die Regeln auch für Spenden an die Einrichtung?
Ja, auch Spenden müssen transparent sein, direkt auf das Konto der Einrichtung fließen und dürfen keine Gegenleistung erwarten.
Wie lange dauert die Online-Schulung?
25 Minuten Lernzeit plus 5 Minuten Abschlusstest. Die Bescheinigung steht sofort zum Download bereit.
Kann ich die Schulung auf dem Handy machen?
Ja, die Plattform ist vollständig responsive – PC, Tablet oder Smartphone.
Was kostet die Schulung pro Mitarbeitenden?
Ab 4,95 € pro Person im Jahresabo, inkl. automatischer Wiederholung und Dokumentation.
Brauchen Aushilfskräfte auch eine Schulung?
Ja, da auch sie Zugriff auf Patientendaten und Lieferanten haben, müssen sie in den Jahreszyklus einbezogen werden.
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