Thema · Arbeitsschutz
Heben & Tragen im Büroalltag – Rechtssichere Unterweisung
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 5 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Arbeitsschutz · Verwaltung, Büro
- Rechtsgrundlage
- DGUV Information 208-033 - Muskel-Skelett-Belastungen – erkennen und beurteilen; DGUV Regel 115-401 - Branche Bürobetriebe
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 7024
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Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
Zusätzlich regelt die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) die Anforderungen an Arbeitsmittel und deren Verwendung. § 3 BetrSichV fordert ebenfalls eine Gefährdungsbeurteilung vor der Bereitstellung von Arbeitsmitteln, die beim Heben und Tragen eingesetzt werden (z. B. Hubwagen, Trolleys). § 4 BetrSichV legt fest, dass Arbeitsmittel regelmäßig zu prüfen sind, um deren sicheren Zustand zu gewährleisten. Die Unterweisung zum sicheren Umgang mit diesen Arbeitsmitteln ist gemäß § 5 BetrSichV verpflichtend.
Auf Ebene der Unfallversicherungsträger liefert die DGUV Vorschrift 1 (Grundsätze der Prävention) den übergeordneten Rahmen: Arbeitgeber müssen Gefährdungen erkennen, bewerten und geeignete Maßnahmen treffen. Konkretisiert wird dies durch die DGUV Regel 100-001 (Allgemeine Grundsätze der Prävention), die die Durchführung von Unterweisungen, die Dokumentation sowie die Überwachung der Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen beschreibt. Diese Normen sind für das Heben und Tragen im Büro unmittelbar anwendbar und bilden zusammen mit ArbSchG und BetrSichV die vollständige rechtliche Grundlage.
Zugrunde liegende Regelwerke
- DGUV Information 208-033 - Muskel-Skelett-Belastungen – erkennen und beurteilen · Ausgabe 2022.08 aktualisierte
- DGUV Regel 115-401 - Branche Bürobetriebe · Ausgabe 2026.01
- LasthandhabV - Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der manuellen Handhabung von Lasten bei der Arbeit
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
Eine weitere zentrale Pflicht ist die Unterweisung der Beschäftigten nach § 6 ArbSchG und § 5 BetrSichV. Diese muss vor Aufnahme der Tätigkeit, bei Wechsel des Arbeitsplatzes, bei Einführung neuer Arbeitsmittel sowie regelmäßig mindestens einmal jährlich erfolgen. Die Unterweisung hat sowohl theoretische als auch praktische Anteile zu umfassen und muss verständlich in der Sprache der Beschäftigten erfolgen. Der Arbeitgeber muss zudem sicherstellen, dass die Unterweisung dokumentiert wird: Unterschriftslisten, Teilnahmebestätigungen oder elektronische Lernnachweise dienen als Nachweis.
Schließlich ist der Arbeitgeber verpflichtet, die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen zu überprüfen. Dazu gehören regelmäßige Arbeitsplatzbegehungen, das Sammeln von Feedback von Beschäftigten sowie die Auswertung von Unfall- und Krankheitsstatistiken. Bei Feststellung von Mängeln müssen nachgebesserte Schutzmaßnahmen unverzüglich umgesetzt und die Unterweisung entsprechend angepasst werden.
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
Im praktischen Teil werden konkrete Büroalltagssituationen nachgeahmt. Die Teilnehmenden üben das sichere Heben von Aktenordnern, Druckerpatronen, Kartons und Bürogeräten unter Anleitung eines Fachkräftes für Arbeitssicherheit. Dabei werden Techniken wie der „Kniebeugegriff“, das Drehen des gesamten Körpers statt nur des Oberkörpers und das Setzen der Last auf eine stabile Unterfläche geübt. Zusätzlich wird der Umgang mit Hilfsmitteln demonstriert: Beim Transport von schweren Kartons wird ein Hubwagen verwendet, bei häufigem Umstellen von Druckern ein Trolley mit Feststellbremse. Jede Übung wird durch Korrektur und Feedback begleitet, damit die richtige Bewegung verinnerlicht wird.
Der verhaltensbezogene Teil legt klare Verhaltensregeln fest, die im Arbeitsalltag zu beachten sind. Dazu gehören: 1. Lasten niemals mit gebeugtem Rücken heben, sondern die Knie beugen und den Rücken gerade halten. 2. Die Last möglichst nah am Körper tragen und beim Tragen die Blickrichtung geradeaus halten. 3. Bei Lasten über 5 kg möglichst ein Hilfsmittel verwenden oder eine zweite Person hinzuziehen. 4. Beim Tragen von Lasten die Route vorher auf Stolperfallen prüfen und freie Wege sicherstellen. 5. Nach dem Tragen kurz innehalten, die Muskeln lockern und bei Beschwerden sofort den Vorgesetzten informieren. Diese Regeln werden in einem Merkblatt zusammengefasst und an gut sichtbaren Stellen im Büro ausgehängt.
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
Zur Risikominderung wird das TOP‑Prinzip angewendet: Technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen.
- Technische Maßnahmen: Bereitstellung von Hubwagen, Trolleys, Rollenböden und höhenverstellbaren Arbeitstischen. Beim Transport von schweren Kartons wird stets ein Hubwagen mit Feststellbremse verwendet. Bei häufigem Umstellen von Geräten werden Trolleys mit Lenkrollen und Feststellbremse eingesetzt. Zudem werden rutschfeste Fußmatten und Kabelabdeckungen installiert, um Stolperfallen zu vermeiden.
- Organisatorische Maßnahmen: Gefährdungsbeurteilung nach ArbSchG wird jährlich aktualisiert. Es werden Gewichtsobergrenzen für manuelles Heben festgelegt (max. 5 kg ohne Hilfsmittel). Arbeitsabläufe werden so gestaltet, dass schwere Lasten möglichst selten transportiert werden (z. B. zentrale Lagerstelle für Druckerpapier). Regelmäßige Unterweisungen erfolgen mindestens jährlich sowie bei Änderungen der Arbeitsmittel oder Prozesse.
- Persönliche Schutzmaßnahmen: Beschäftigte erhalten ein Merkblatt mit den fünf Verhaltensregeln zum sicheren Heben und Tragen. Beim Heben wird das Tragen von rutschfesten Schuhen empfohlen. Bei bestehenden Beschwerden wird die frühzeitige Hinzuziehung des Betriebsarztes oder der Fachkraft für Arbeitssicherheit gefördert.
Durch die konsequente Anwendung dieser Maßnahmen lässt sich das Risiko von muskuloskelettalen Belastungen deutlich senken und die Gesundheit der Beschäftigten langfristig schützen.
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
Besonders relevant ist die Unterweisung in Branchen mit hoher Papier‑ und Dokumentenlast, beispielsweise in Rechtsanwaltskanzleien, Steuerberatungsbüros, Versicherungen und Behörden. Dort werden häufig Aktenordner, Aktenkoffer oder schwere Dokumente transportiert. Ebenfalls von Bedeutung sind Unternehmen mit intensivem Gerätewechsel, etwa Medienhäuser, Druckereien oder IT‑Service‑Provider, bei denen regelmäßig Drucker, Scanner oder Server umgestellt werden.
In allen genannten Branchen gilt: Je häufiger manuelle Hebe- und Transporttätigkeiten vorkommen, desto höher ist der präventive Nutzen der Unterweisung. Durch die Anpassung der Inhalte an branchenspezifische Lasten und Hilfsmittel lässt sich die Unterweisung optimal auf die jeweiligen Arbeitsbedingungen zuschneiden.
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
Die Dokumentation der Unterweisung hat schriftlich oder elektronisch zu erfolgen und muss folgende Elemente enthalten: Name und Unterschrift der teilnehmenden Person, Datum, Unterweisungsthema, Name des Unterweisenden (Fachkraft für Arbeitssicherheit oder Beauftragter) sowie eine kurze Inhaltsbeschreibung. Bei elektronischen Lernplattformen können Abschlusszertifikate automatisch generiert und im personaleigenen Archiv abgelegt werden. Diese Nachweise dienen nicht nur dem internen Nachweis gegenüber der Aufsichtsbehörde, sondern sind im Falle einer Unfalluntersuchung entscheidend, um die Erfüllung der Unterweisungspflicht zu belegen.
Die Aufbewahrungsfrist für Unterweisungsnachweise beträgt gemäß den Grundsätzen der Dokumentation im Arbeitsschutz mindestens fünf Jahre. Diese Frist ergibt sich aus der Kombination der Aufbewahrungspflicht für Betriebsanweisungen (§ 8 ArbSchG) und der allgemeinen Dokumentationspflicht nach DGUV Vorschrift 1. Nach Ablauf dieser Frist können die Unterlagen vernichtet werden, vorausgesetzt, es laufen keine laufenden Ermittlungen oder Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit arbeitsbedingten Gesundheitsbeschwerden.
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Gefährdungsbeurteilung zum Heben und Tragen liegt vor und ist aktuell (ArbSchG §3).
- Unterweisung zum sicheren Heben und Tragen wurde innerhalb der letzten 12 Monate durchgeführt.
- Alle Beschäftigten, die Lasten heben oder tragen, haben an der Unterweisung teilgenommen und bestätigt.
- Technische Hilfsmittel (Hubwagen, Trolleys, Rollenböden) sind vorhanden, funktionsfähig und regelmäßig geprüft (BetrSichV §4).
- Gewichtsobergrenzen für manuelles Heben (max. 5 kg ohne Hilfsmittel) sind ausgeschrieben und bekannt.
- Transportwege sind frei von Stolperfallen, gut ausgeleuchtet und eindeutig gekennzeichnet.
- Merkblatt mit den fünf Verhaltensregeln zum sicheren Heben und Tragen ist an allen relevanten Arbeitsplätzen ausgehängt.
- Bei Beschwerden wird ein sofortiges Gespräch mit dem Betriebsarzt oder der Fachkraft für Arbeitssicherheit geführt.
- Unterweisungsnachweise (Unterschriftenlisten oder Zertifikate) sind mindestens fünf Jahre aufbewahrt.
- Jährliche Überprüfung der Unterweisungsinhalte durch die Fachkraft für Arbeitssicherheit erfolgt und wird dokumentiert.
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Fehlende GefährdungsbeurteilungViele Betriebe vergessen, das Heben und Tragen im Büro in die Gefährdungsbeurteilung aufzunehmen, wodurch notwendige Schutzmaßnahmen fehlen.
- Unregelmäßige UnterweisungenUnterweisungen erfolgen nur bei Einstellung und nicht jährlich, sodass Wissen verloren geht und Fehlhaltungen entstehen.
- Mangelnde Bereitstellung von HilfsmittelnTrotz schwerer Lasten werden keine Hubwagen oder Trolleys bereitgestellt, wodurch Beschäftigte zu manuellem Heben gezwungen werden.
- Unklare GewichtsobergrenzenEs gibt keine festgelegte Maximalgewicht für manuelles Heben, was zu Überschätzung der eigenen Belastbarkeit führt.
- Fehlende DokumentationTeilnahme an Unterweisungen wird nicht nachgewiesen, wodurch im Schadensfall die Unterweisungspflicht nicht nachweisbar ist.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Heben & Tragen im Büroalltag
Wie oft muss die Unterweisung zum Heben und Tragen wiederholt werden?
Mindestens einmal jährlich sowie bei Arbeitsplatzwechsel, Einführung neuer Arbeitsmittel oder Änderungen der Prozesse (ArbSchG §6).
Welches Gewicht darf ich ohne Hilfsmittel heben?
Laut gängiger Ergonomierichtlinien und vieler Betriebsanweisungen sollte das manuelle Heben ohne Hilfsmittel auf 5 kg begrenzt werden.
Muss ich bei jedem Heben einen Hubwagen benutzen?
Nur wenn das Gewicht die festgelegte Obergrenze überschreitet oder die Last unhandlich ist. Bei leichten Gegenständen unter 5 kg reicht die korrekte Hebetechnik.
Wie lange müssen Unterweisungsnachweise aufbewahrt werden?
Mindestens fünf Jahre gemäß der Dokumentationspflicht nach DGUV Vorschrift 1.
Was tue ich, wenn ich beim Heben Schmerzen spüre?
Die Tätigkeit sofort unterbrechen, den Vorgesetzten informieren und bei anhaltenden Beschwerden den Betriebsarzt oder die Fachkraft für Arbeitssicherheit konsultieren.
Gilt die Unterweisung auch für Home‑Office‑Arbeitsplätze?
Ja, denn auch im Home‑Office gelten die gleichen ergonomischen Grundsätze; Arbeitgeber müssen sicherstellen, dass Beschäftigte dort geeignete Hilfsmittel und Unterweisung erhalten.
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