Thema · Arbeitsschutz
Unterweisung "Gefahrstoffe in Werkstätten" – Rechtssicher & Praxisnah
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 12 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Arbeitsschutz · Bauhof · Gefahrstoffe, Stoffe · Hausmeister · Produktion
- Rechtsgrundlage
- DGUV Information 213-033 - "Gefahrstoffe in Werkstätten; DGUV Information 213-034 - GHS-Global Harmonisiertes System zur Einstufung und Kennzeichnung von Gefahrstoffen
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 6002
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Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
- ArbSchG §3 – Allgemeine Verpflichtung des Arbeitgebers, Gefährdungen zu minimieren.
- ArbSchG §14 – Unterweisungspflicht bezüglich Gefahren und Schutzmaßnahmen.
- Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) – Regelt Gefahrstoffklassifizierung, Kennzeichnung und zulässige Arbeitsverfahren.
- DGUV Regel 100-001 – „Grundsätze der Prävention“: Technische und organisatorische Maßnahmen.
- BetrSichV §3, §6 – Prüf- und Dokumentationspflichten für Anlagen, in denen Gefahrstoffe genutzt werden.
- TRGS 400 – „Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen“.
Alle Vorschriften zielen auf die Einhaltung des TOP-Prinzips (Technik – Organisation – Persönliche Schutzausrüstung) ab.
Zugrunde liegende Regelwerke
- DGUV Information 213-033 - "Gefahrstoffe in Werkstätten · Ausgabe 2022.11
- DGUV Information 213-034 - GHS-Global Harmonisiertes System zur Einstufung und Kennzeichnung von Gefahrstoffen · Ausgabe 2015.03
- GefStoffV - Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen*)
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
- Gefährdungsbeurteilung nach TRGS 400 erstellen und aktuell halten.
- Schutzmaßnahmen festlegen und umsetzen: technische Lüftung, Absaugung, Ersatzstoffe.
- Arbeitsanweisungen gemäß GefStoffV §14 schriftlich erfassen.
- Unterweisungsnachweise führen: Datum, Inhalt, Teilnehmer, Ausbilder, Unterschrift.
- Arbeitsmedizinische Vorsorge anbieten, wenn Expositionsgrenzen erreicht werden (DGUV Vorschrift 1 §28).
- Notfallpläne gemäß erstellen und regelmäßig üben.
Die Dokumentation ist 5 Jahre aufzubewahren (DGUV Vorschrift 1 §26).
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
1. Gefahrstoffarten und Eigenschaften
- Physikalisch-chemische: Entzündliche Flüssigkeiten (Lackverdünner), explosive Stäube (Aluminium), ätzende Stoffe (Batteriesäure).
- Toxikologische: Karzinogene (Asbest), sensibilisierende Harze (Isocyanate), Reizstoffe (Bremsenreiniger).
2. Kennzeichnung und Verpackung (CLP-Verordnung)
- Piktogramme, Signalwörter und H-Sätze richtig deuten.
- Praxisbeispiel: Im Kfz-Betrieb steht ein 25-Liter-Kanister „RME 95/5 Brake Cleaner“ mit H222, H319 und GHS02-Flamme – was bedeutet das konkret?
3. Expositionswege und Gesundheitsschäden
- Inhalation: Lösemitteldämpfe → ZNS-Symptome, Leberschäden.
- Hautkontakt: Hydraulikflüssigkeiten → Dermatitis.
- Praxisbeispiel: Lackierer ohne Handschuhe → chronische Ekzeme.
4. Schutzmaßnahmen nach TOP-Prinzip
- Technik: Absaugarme, Druckluftlüfter, geschlossene Kreisläufe.
- Organisation: Gefahrstoffbeauftragter benennen (GefStoffV §16), Trennung von Reinigungs- und Lackierbereichen.
- PSA: Chemikalienschutzhandschuhe (EN 374), Halbmasken mit ABEK-Filtern (EN 140/EN 14387).
5. Lagerung und Entsorgung
- TRGS 510 – Lagerung wassergefährdender Flüssigkeiten in FAL-Schränken.
- Entsorgung nach EWC-Code 08 01 11* für lösemittelhaltige Reiniger.
6. Verhalten im Gefahrfall
- Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Lösemittelverätzungen.
- Brandklassen B (Flüssigkeiten) – Löschmittel: CO₂ oder Schaum.
Am Ende der Schulung können Mitarbeitende Gefahrstoffe korrekt erkennen, Risiken einschätzen und geeignete Schutzmaßnahmen anwenden.
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
- Lösemitteldämpfe beim Entfetten von Motorkomponenten → Technische Lösung: fahrbarer Absaugarm DGUV Test GS-IFA-M 21-3.
- Asbesthaltige Ersatzteile (alte Bremsbeläge) → Staubarme Demontage unter Absaugung, PSA: FFP3-Maske (EN 149).
- Metallstäube beim Schleifen → Nassabsaugung oder staubarme Maschinen nach TRGS 560.
- Ätzende Batterieflüssigkeiten → Säurebeständige Schutzkleidung (EN 13034), Notduschen installieren.
Das TOP-Prinzip wird immer angewendet: Erst technische Lösungen prüfen, dann organisatorische Maßnahmen, erst zuletzt PSA.
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
- Kfz-Werkstätten – Umgang mit Bremsenreinigern, Lacken, Batterie- und Kühlflüssigkeiten.
- Metall- und Stahlbaubetriebe – Schweißrauch, Reinigungslösemittel.
- Schiffsbau und -reparatur – Altbestände Asbest, Lacksysteme.
- Holzwerkstätten – Lösemittel in Lacken und Klebstoffen.
- Druckereien und Siebdruck – Druckfarben, Waschbenzin.
Für jede Branche gibt es branchenspezifische TRGS und DGUV Regeln.
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
Die gesetzlichen Vorgaben zur Unterweisungshäufigkeit und -dokumentation sind eindeutig:
- Erste Unterweisung vor Arbeitsaufnahme.
- Regelmäßige Wiederholung mindestens jährlich (ArbSchG §14 Abs. 2).
- Bei Änderungen (neue Stoffe, Verfahren) sofort nachschulen.
- Unterweisungsnachweis mit Inhalten, Teilnehmern, Datum und Unterschrift führen.
- Aufbewahrungsfrist: 5 Jahre ab letzter Unterweisung (DGUV Vorschrift 1 §26).
- Digitale Signatur ist zulässig, wenn sie qualifiziert ist (eIDAS-Verordnung).
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Gefährdungsbeurteilung nach TRGS 400 für alle Gefahrstoffe vorhanden?
- Aktuelle Sicherheitsdatenblätter (SDB) maximal 10 Jahre alt?
- Arbeitsanweisungen gemäß GefStoffV §14 ausliegend?
- PSA-Auswahlverfahren (DGUV Regel 112-190) dokumentiert?
- Unterweisung vor Aufnahme der Tätigkeit und jährlich wiederholt?
- Gefahrstoffbeauftragter (GefStoffV §16) benannt?
- Explosionsschutzrichtlinie beachtet (TRGS 722) für entzündliche Flüssigkeiten?
- Entsorgungsnachweise für Sonderabfall (EWC-Codes) archiviert?
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Fehlende GefährdungsbeurteilungOft wird keine TRGS 400-Bewertung erstellt, da „alles bekannt“ sei. Ohne Dokumentation fehlt jedoch die Rechtssicherheit.
- Veraltete PSAFFP2-Masken anstelle von FFP3 bei Asbest oder durchgelaufene Chemikalienschutzhandschuhe werden übersehen.
- Mangelnde TrennungReinigungsbereich und Lackierkabine räumlich nicht getrennt → Kreuzkontamination, höhere Exposition.
- Fehlende UnterweisungsnachweiseMündliche Einweisung reicht nicht – fehlende Unterschriften führen im Schadensfall zu Haftungsproblemen.
- Unklare EntsorgungLösemittelreste landen im Hausmüll statt als gefährlicher Abfall (EWC 08 01 11*) entsorgt zu werden.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Jugendliche und Auszubildende benötigen gemäß JArbSchG §9 eine vertiefte Unterweisung und dürfen nicht mit krebserzeugenden Stoffen (z. B. Asbest, Benzol) arbeiten. Schwangere und stillende Mitarbeitende sind nach Mutterschutzgesetz §10 von Tätigkeiten mit reproduktionstoxischen Stoffen auszuschließen.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Gefahrstoffe in Werkstätten
Wie lange dauert die Unterweisung?
Die Online-Unterweisung dauert 45–60 Minuten und kann jederzeit unterbrochen werden.
Können wir die Schulung firmeneigen durchführen?
Ja, wenn ein befähigter Gefahrstoffbeauftragter die Schulung durchführt und die Inhalte gemäß GefStoffV §14 vollständig abdeckt.
Muss jeder Mitarbeiter einzeln unterwiesen werden?
Nein, Gruppenunterweisungen sind erlaubt, sofern alle Teilnehmer die Inhalte verstehen und unterschreiben.
Gilt die Schulung für Leiharbeitnehmer?
Ja, der Verleiher muss vor Einsatzunterweisung sicherstellen, dass der Leiharbeitnehmer entsprechend geschult ist (ArbSchG §14 Abs. 3).
Welche Nachweise sind für das Betriebsprüfungsgespräch nötig?
Gefährdungsbeurteilung, Unterweisungsnachweise, PSA-Nachweise und Entsorgungsnachweise.
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