Thema · Arbeitsschutz

Unterweisung Gase und Druckflaschen nach DGUV Vorschrift 1 § 4

Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat

UWC-Nr. 4027 ca. 11 Minuten Lernzeit

Fachkraft mit Schutzbrille, Atemschutz und Handschuhen an einer Anlage

Steckbrief

Dauer
ca. 11 Minuten, jederzeit unterbrechbar
Bereiche
Arbeitsschutz · Bäderbetrieb · Gefahrstoffe, Stoffe
Rechtsgrundlage
BetrSichV - Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Verwendung von Arbeitsmitteln; GefStoffV - Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen*)
Nachweis
Zertifikat automatisch als PDF
Sprachen
Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
Kennung
UWC-Nr. 4027

Ihre Vorteile

Warum Unterweisungscenter?

  • Rechtssicher

    ArbSchG-konform

  • Mehrsprachig

    DE, EN, FR u. a.

  • Zertifikat

    Automatisch als PDF

  • Ein Klick

    Keine Registrierung

  • KISS

    Kurz und bündig

  • Barrierefrei

    WCAG 2.2 AA

Auf dieser Seite
Druckgasflaschen und gasförmige Stoffe sind in nahezu jedem Betrieb allgegenwärtig – von der Schweißerei über Labore bis zur Gastronomie. Trotzdem unterschätzen viele Führungskräfte die Risiken: Laut DGUV-Statistik verursachen Gase und Druckflaschen jährlich rund 1.200 meldepflichtige Arbeitsunfälle mit schweren Verletzungen. Explosionen, Vergiftungen und Brandherde entstehen häufig durch mangelnde Kenntnisse über Eigenschaften, Kennzeichnung oder falsche Lagerung. Diese Online-Unterweisung verschafft Ihren Mitarbeitenden das notwendige Wissen, um ArbSchG § 12 und BetrSichV § 3 einzuhalten und Unfälle proaktiv zu verhindern – ganz ohne Produktionsausfall oder teure Präsenztermine.

Abschnitt 1

Rechtliche Grundlagen

Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) § 12 ArbSchG – Unterweisung der Beschäftigten: Der Arbeitgeber hat die Beschäftigten über Risiken, Gefahren, Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln zu unterweisen. Die Unterweisung ist schriftlich zu dokumentieren und bei Veränderungen erneut durchzuführen.

Verordnung über Betriebssicherheit (BetrSichV) § 3 BetrSichV – Risikobewertung: Betreiber von Anlagen müssen eine Gefährdungsbeurteilung für Druckgeräte und gasführende Systeme erstellen. § 13 BetrSichV – Unterweisung: Personen, die Druckgeräte bedienen oder warten, sind vorab zu unterweisen und regelmäßig zu aktualisieren.

DGUV Vorschrift 1 (Grundsatzregel) § 4 – Unterweisungspflicht: Die Unterweisung Gase und Druckflaschen (UWC-Nr. 4027) muss vor erstmaliger Tätigkeit und danach mindestens alle 12 Monate erfolgen. Inhalte orientieren sich an DGUV Information 213-056 „Gase und Druckflaschen“.

Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) § 14 – Unterrichtung und Aufklärung: Beschäftigte müssen über Eigenschaften, Kennzeichnung und Schutzmaßnahmen bei Umgang mit gefährlichen Stoffen informiert werden.

Abschnitt 2

Pflichten des Arbeitgebers

1. Gefährdungsbeurteilung erstellen Der Arbeitgeber muss gemäß ArbSchG § 5 und BetrSichV § 3 systematisch identifizieren, welche gasförmigen Stoffe und Druckflaschen im Betrieb vorhanden sind. Dazu zählen:
  • Arbeitsplatzbezogene Erfassung von Explosions-, Brand- und Gesundheitsrisiken
  • Bewertung von Druckstufen, Mengen und Freisetzungsszenarien
  • Dokumentation im Betriebsunterweisungsplan (BUP)

2. Unterweisung durchführen und dokumentieren Gemäß DGUV Vorschrift 1 § 4 ist die Unterweisung vor erstmaliger Tätigkeit und jährlich wiederkehrend durchzuführen. Die Dokumentation muss enthalten:

  • Datum, Thema, UWC-Nr. 4027
  • Name des Unterweisenden und der Teilnehmenden
  • Signatur beider Parteien
  • Aufbewahrungsfrist: 5 Jahre nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses

3. Technische und organisatorische Maßnahmen festlegen Basierend auf der Gefährdungsbeurteilung sind Schutzmaßnahmen gemäß TOP-Prinzip festzulegen und wirksam umzusetzen.

Abschnitt 3

Inhalte der Unterweisung

1. Eigenschaften und Gefahren gasförmiger Stoffe
  • Physikalische Kenngrößen: Dichte, Flammpunkt, Zündtemperatur, Explosionsgrenzen (LEL/UEL)
  • Gasgruppen: Entzündliche Gase (H220), unter Druck stehende Gase (H280), giftige Gase (H331), ätzende Gase (H314)
  • Druckflaschen-Bauarten: Stahl-, Aluminium-, Vollkunststoff-Flaschen, Farbcodierung nach DIN EN 1089-3

2. Kennzeichnung und Beschilderung

  • GHS-Piktogramme: Flamme, Gasflasche, Totenkopf mit gekreuzten Knochen
  • Signalwörter: „Gefahr“ oder „Achtung“ mit H-Sätzen und P-Sätzen
  • Druckflaschenetiketten: Inhalt, Fülldruck, Prüfdatum, Prüfstelle gemäß ADR/RID

3. Technische Schutzmaßnahmen

  • Richtige Lagerung: Senkrecht, gesichert, kühlt, trocken, getrennt nach Gasgruppen (z. B. Acetylen von Sauerstoff ≥ 5 m)
  • Entlüftung: Abluft über technische Belüftung oder örtliche Absaugungen
  • Druckminderer und Sicherheitsventile: Einsatz gemäß DGUV Regel 113-004

4. Organisatorische Maßnahmen

  • Arbeitsanweisungen: Schritt-für-Schritt-Pläne für An- und Abfahren von Gasanlagen
  • Verbotszonen: Rauchen und offenes Feuer verboten, ATEX-Zonen kennzeichnen
  • Wartungs- und Prüfpläne: DGUV Vorschrift 2 § 3 – jährliche Prüfung durch geprüfte Fachkraft

5. Persönliche Schutzausrüstung (PSA)

  • Atemschutz: Filter- oder Pressluftgerät bei giftigen Gasen
  • Schutzbrille und Handschuhe: Chemikalienbeständig nach EN 388/374
  • Warnkleidung: Antistatisch nach EN 1149-5

6. Praxisbeispiele & Fallstudien

  • Leckage an Acetylenflasche – richtiges Absperren und Belüften
  • Fehlbedienung Sauerstoffflasche – Brand- und Explosionsrisiko
  • Unfallanalyse: Explosion durch falsch gelagerte Propangasflasche in Lagerhalle

Abschnitt 4

Gefährdungen & Schutzmaßnahmen

Häufige Gefährdungen
  • Explosions- und Brandgefahr: Entzündliche Gase können sich entzünden, wenn Zündquellen vorhanden sind (z. B. Funken, heiße Oberflächen)
  • Vergiftung: Einatmen giftiger Gase wie CO, H2S oder Chlor führt zu akuten und chronischen Gesundheitsschäden
  • Druckverletzungen: Bersten von Flaschen durch Überdruck oder mechanische Beschädigung
  • Erfrierungen: Kontakt mit tiefkaltem Gas (z. B. flüssiges CO2) kann zu Kälteverbrennungen führen

TOP-Prinzip: Technik – Organisation – Persönlich

  • Technik: Einsatz geprüfter Druckflaschen, Rückschlagventile, Gaswarneinrichtungen
  • Organisation: Festlegung von Lager- und Verbotszonen, regelmäßige Schulungen
  • Persönlich: Bereitstellung und Pflicht zum Tragen von PSA, Einweisung in Notfallmaßnahmen

Abschnitt 5

Zielgruppen & Branchen

Industrie & Handwerk Schweiß- und Schneidbetriebe, Chemieanlagen, Metallverarbeitung, Autoreparaturwerkstätten.

Gastronomie & Lebensmittel Restaurants mit CO2-Kühlanlagen, Brauereien, Molkereien.

Gesundheitswesen & Labore Krankenhäuser mit medizinischen Gasen (Sauerstoff, Lachgas), Forschungslabore mit Spezialgasen.

Land- & Forstwirtschaft Bauernhöfe mit Propan-Heizgeräten, Forstbetriebe mit Brenngasflaschen.

Abschnitt 6

Intervalle & Dokumentation

Unterweisungsintervall Gemäß DGUV Vorschrift 1 § 4 muss die Unterweisung vor erstmaliger Tätigkeit und danach mindestens alle 12 Monate wiederholt werden. Bei Stoff- oder Anlagenänderungen ist eine zusätzliche Unterweisung erforderlich.

Dokumentationspflicht

  • Inhalt: Thema, UWC-Nr. 4027, Datum, Teilnehmende, Unterzeichnung
  • Medium: Digital (Lernmanagement-System) oder Papierform
  • Aufbewahrung: 5 Jahre nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses (ArbSchG § 12 Abs. 4)
  • Prüfung: Mindestens jährliche Plausibilitätskontrolle durch Sicherheitsfachkraft

In der Praxis

Was Verantwortliche wissen müssen

Checkliste

Das sollten Sie prüfen

  • Alle Druckflaschen besitzen gültiges Prüfdatum und klare Kennzeichnung (ADR-Plakette)?
  • Lagerorte sind trocken, kühlt, senkrecht gesichert und getrennt nach Gasgruppen?
  • Technische Belüftung oder örtliche Absaugungen vorhanden und funktionsfähig?
  • Mitarbeitende kennen Notfallmaßnahmen (Gasleckage, Flaschenbrand, Erste-Hilfe)?
  • PSA (Atemschutz, Handschuhe, Schutzbrille) vorhanden, geprüft und getragen?
  • Arbeitsanweisungen für An- und Abfahren von Gasanlagen aktuell und auffindbar?
  • Gefährdungsbeurteilung wurde innerhalb der letzten 12 Monate aktualisiert?
  • Unterweisung UWC 4027 wurde innerhalb der letzten 12 Monate durchgeführt und dokumentiert?

Häufige Fehler

Das geht oft schief

  1. Fehlende Kennzeichnung

    Viele Flaschen tragen nur verblasste Etiketten oder keine GHS-Piktogramme – Erkennen von Gefahren wird unmöglich.

  2. Gemischte Lagerung

    Sauerstoff und Acetylen werden gemeinsam gelagert, obwohl ein Mindestabstand von 5 m vorgeschrieben ist – erhöhte Explosionsgefahr.

  3. Unzulässige Reparaturen

    Defekte Ventile oder Druckminderer werden intern repariert statt durch geprüfte Fachbetriebe – Verlust der Betriebssicherheit.

  4. Falscher Transport

    Druckflaschen werden liegend im Pkw transportiert – bei Unfall kann die Flasche zur Gefahr werden. Korrekt: Senkrecht, gesichert und belüftet.

  5. Veraltete Gefährdungsbeurteilung

    Neue Gasflaschenarten oder -Anlagen wurden nicht erfasst – rechtliche Lücke bei Unfall.

Sonderfälle

Das gilt zusätzlich

  • Auszubildende und Leiharbeitnehmer

    Gemäß ArbSchG § 12 Abs. 2 müssen sie vor Arbeitsaufnahme und zusätzlich nach 6 Monaten erneut unterwiesen werden.

  • Schwangere und stillende Mitarbeitende

    Beschäftigungsverbot nach Mutterschutzgesetz § 13 bei exponierenden Tätigkeiten mit toxischen oder krebserzeugenden Gasen.

Häufige Fragen

Fragen zur Unterweisung Gase und Druckflaschen

Welche Druckflaschen fallen unter die Unterweisung UWC 4027?

Alle gasgefüllten Druckflaschen, egal ob entzündlich, giftig oder inert – von Acetylen bis Stickstoff.

Muss die Unterweisung auch für Reinigungskräfte erfolgen?

Ja, wenn sie Gasflaschen oder Leitungen reinigen, die Restgas enthalten können – DGUV Vorschrift 1 § 4 gilt für alle exponierten Personen.

Wie lange ist die Online-Unterweisung gültig?

Die Bescheinigung ist 12 Monate gültig. Anschließend ist eine Auffrischung erforderlich.

Kann ich die Schulung in kleine Einheiten aufteilen?

Ja, die modulare Online-Schulung erlaubt zeitliche Flexibilität ohne Produktionsausfall.

Was passiert bei Verstoß gegen die Unterweisungspflicht?

Bei Kontrolle drohen Bußgelder bis 30.000 € und Haftung im Schadensfall.

Gilt die Schulung auch für Heimarbeitsplätze?

Nein, nur für betriebliche Tätigkeiten. Heimarbeit ist ArbStättV § 2 ausgenommen.

Welche Nachweise braucht die Berufsgenossenschaft bei Prüfung?

Unterweisungsdokument (UWC 4027), Gefährdungsbeurteilung, Prüfbuch für Druckflaschen, PSA-Nachweise.

Ist eine Wiederholung nach Unfall erforderlich?

Ja, gemäß DGUV Vorschrift 1 § 4 Abs. 3 ist eine sofortige Wiederunterweisung Pflicht.

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