Thema · Arbeitsschutz
Deeskalationstraining für den öffentlichen Dienst – Rechtssichere Mitarbeiterunterweisung online
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 68 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Arbeitsschutz · Feuerwehr, Rettungsdienst · Ordnungsamt · Verwaltung, Büro
- Rechtsgrundlage
- ArbSchG - Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit; DGUV Information 206-015 - Alles für den Kunden? Arbeitsbelastungen und Bedrohungen an Arbeitsplätzen mit Kundenkontakt
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 7200
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Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
Die Durchführung eines Deeskalationstrainings ist keine „Nice-to-have“-Maßnahme, sondern zwingendes Gebot folgender Vorschriften:
- ArbSchG § 4: Der Arbeitgeber muss Gefährdungen ermitteln und beurteilen; psychische Belastungen durch Konflikte fallen ausdrücklich darunter.
- ArbSchG § 12: Verpflichtung, Mitarbeitende rechtzeitig und umfassend über Gefährdungen, einschließlich Gewalt am Arbeitsplatz, zu unterweisen.
- ArbSchG § 3: Allgemeine Fürsorgepflicht – technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen müssen zusammenwirken.
- DGUV Vorschrift 1 § 4: Betriebe haben „geeignete Maßnahmen zur Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten“ zu treffen; Schulungen zu Deeskalation gelten hierzu.
- DGUV Vorschrift 2 § 20: Betriebsärzte und Sicherheitsfachkräfte müssen an der Planung von Schulungen beteiligt werden.
- DGUV Regel 100-001: Spezifische Hinweise zu psychischer Belastung, hier Empfehlungen zur Schulung von Verhalten in Konfliktsituationen.
Zugrunde liegende Regelwerke
- ArbSchG - Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit
- DGUV Information 206-015 - Alles für den Kunden? Arbeitsbelastungen und Bedrohungen an Arbeitsplätzen mit Kundenkontakt · Ausgabe 2012.04 aktualisierte
- DGUV Vorschrift 1 - Grundsätze der Prävention · Ausgabe 2013.11
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
Als Personalverantwortlicher oder Sicherheitsbeauftragter müssen Sie sicherstellen:
- Gefährdungsbeurteilung (ArbSchG § 4): Erfassen Sie systematisch Vorkommnisse wie Beleidigungen, Drohungen oder körperliche Angriffe im Bürgerbüro, Sozialamt, Jobcenter etc. Dokumentation erfolgt im Gefährdungsbeurteilungs-Tool oder Gefährdungsbeurteilungsbögen.
- Unterweisungspflicht (ArbSchG § 12): Neu- und Wiedereinstellungen, interne Versetzungen sowie nach jedem tätlichen Zwischenfall müssen erneut unterwiesen werden. Die Schulungsinhalte sind auf den konkreten Arbeitsbereich abzustimmen.
- Dokumentation: Für jede Unterweisung führen Sie einen Nachweis (Unterschrift, Teilnahmevermerk, Online-Quiz-Bestätigung). Die Dokumente sind mindestens 10 Jahre aufzubewahren (DGUV Vorschrift 1, Anlage 4).
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
Kerninhalte der Online-Schulung „Deeskalation im öffentlichen Dienst“
Die interaktive E-Learning-Einheit dauert ca. 35–40 Minuten und vermittelt anhand von Videos, Checklisten und Übungsaufgaben folgende Module:
- 1. Konfliktdynamik verstehen Erkennen von Eskalationsstufen (Glasl’s Eskalationsmodell) und Warnsignale im Verhalten von Bürgern. Praxisbeispiel: Ein Kfz-Zulassungsbürger erhält eine hohe Nachzahlung und wird laut – wie reagiere ich?
- 2. Gewaltfreie Kommunikation (GFK) Wortwahl, Körpersprache, aktives Zuhören. Übung: „Ich-Botschaften“ formulieren statt Schuldzuweisungen.
- 3. Stimme, Körperhaltung, Distanz Technische Parameter: 1,5–2 m Abstand, offene Handflächen, tiefe Atmung. Beispielvideo: Situation im Jobcenter – Mitarbeiterin verhindert Angriff durch Distanz und Deeskalationswortlaut.
- 4. Gesetzeswissen leicht gemacht Wann darf ich Hausverbot erteilen? Recht auf Wegweisung nach § 38 OWiG oder § 123 BGB. Checkliste „5 Schritte zur rechtssicheren Wegweisung“.
- 5. Notfall- und Alarmpläne Wer ruft die Polizei? Notfallnummern im Verwaltungsgebäude. Übung: „Red-Code“ an Leitstelle durchgeben.
- 6. Selbst- und Kollegenschutz Buddy-System, Panik-Button, Fluchtwege kennen. Praxisbeispiel: Gemeinsamer Rückzug in Sicherheitsbereich nach Konflikt im Einwohnermeldeamt.
Abschlussquiz: 10 Fragen, Bestätigung der Teilnahme als PDF per E-Mail.
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
Typische Gefährdungen und das TOP-Prinzip
Gefährdung: Psychische Überforderung und Gewalt
- Technisch: Installation von Notrufknopf (DIN VDE 0834), kugelsichere Trennscheiben in Hochrisiko-Schaltern.
- Organisatorisch: Richtlinie „Allein-Arbeit nur mit zweiter Person“, feste Pausenzeiten, Vor-Ort-Sicherheitsdienst in Spitzenzeiten.
- Personell: Regelmäßige Deeskalationstrainings, Sensibilisierung für Posttraumatisches Belastungssyndrom, psychologische Betreuung nach Vorfall (DGUV Vorschrift 2 § 22).
Weitere Gefährdungen: Muskel-Skelett-Erkrankungen durch Anspannung, Erkrankungen der Stimme durch laute Konversation. Entsprechende ergonomische Maßnahmen ergänzen.
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
- Kommunale Bürgerbüros und Einwohnermeldeämter
- Jobcenter und Sozialämter
- Zulassungsstellen und Fahrerlaubnisbehörden
- Standesämter und Ordnungsämter
- Justizvollzugsanstalten & Gerichtsvollzieher
Industriespezifika: Hoher Publikumsverkehr, stark differierende Bildungs- und soziale Hintergründe der Besucher, teils existenzielle Konflikte (Sanktionen, Gebühren).
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
Das Deeskalationstraining muss:
- Bei Neueinstellung innerhalb der ersten Arbeitswoche durchgeführt werden.
- Jährlich wiederholt – § 12 Abs. 4 ArbSchG fordert „regelmäßige“ Unterweisung, in der Praxis wurde sich auf 12 Monate eingependelt.
- Nach jedem körperlichen oder schweren verbalen Vorfall erneut, auch als „Nachbesprechung“.
- Dokumentation: Teilnahmenachweis (PDF), Inhaltsverzeichnis, Unterschrift oder elektronische Bestätigung. Aufbewahrungsfrist: 10 Jahre ab letzter Unterweisung (DGUV Vorschrift 1 Anlage 4).
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Gefährdungsbeurteilung aktualisiert und psychische Gewalt berücksichtigt?
- Schulungskonzept auf den eigenen Arbeitsplatz (Bürgerbüro, Jobcenter etc.) zugeschnitten?
- E-Learning-Modul „Deeskalation“ allen betroffenen Mitarbeitenden zugänglich gemacht?
- Teilnahmenachweise vorhanden und digital archiviert?
- Notfall- und Eskalationspläne (Hausverbot, Polizeiruf) aktuell und allen bekannt?
- Technische Schutzmittel (Notrufknopf, Trennscheibe) geprüft und funktionsfähig?
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Einmalige Schulung reichtViele Arbeitgeber verwechseln die Einführungsschulung mit der Wiederholungspflicht. § 12 ArbSchG fordert aber regelmäßige Auffrischung.
- Inhalte zu allgemeinStandarde-Learning ohne Referenz zum konkreten Arbeitsplatz (Schalter, Jobcenter-Empfang) verfehlt die Wirkung.
- DokumentationslückenTeilnahmezettel werden nicht aufbewahrt – im Prüffall fehlt der Nachweis.
- Keine Integration von SicherheitsfachkraftOhne Beteiligung des SiFa (DGUV Vorschrift 2 § 20) sind Inhalte möglicherweise praxisfern.
- Vernachlässigung technischer SchutzmaßnahmenNur Schulung, aber keine Notrufknöpfe oder Panic-Buttons installieren.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Auszubildende & Praktikanten Müssen vor erstmaliger Kunden-/Bürgerkontakt unterwiesen werden, auch wenn nur „kurzfristig“ eingesetzt.
- Minijobber & Aushilfen Gleiche Pflichten wie Festangestellte, Schulungsunterweisung unabhängig von Arbeitszeitmodell.
- Home-Office-Mitarbeitende Bei Rückkehr in Präsenzstelle (z. B. Dienstreisen, Präsenztermine) ist eine Auffrischung erforderlich.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Deeskalationstraining für den öffentlichen Dienst
Ist das Training auch für Ehrenamtliche im Bürgerbüro Pflicht?
Wie lange dauert die Online-Unterweisung?
Muss ich die Schulung jedes Jahr komplett wiederholen?
Können Inhalte auf unseren spezifischen Jobcenter-Alltag angepasst werden?
Welche Unterlagen brauche ich für das Prüfprotokoll?
Was tun bei Widerstand der Mitarbeitenden?
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