Thema · Arbeitsschutz
Atemschutz-Unterweisung: Rechtssicher & praxisnah nach DGUV Vorschrift 1
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 7 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Arbeitsschutz · Bauhof · Schutzausrüstung
- Rechtsgrundlage
- DGUV Regel 112-190 - Benutzung von Atemschutzgeräten; GefStoffV - Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen*)
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 4008
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Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
Die Atemschutz-Unterweisung basiert auf mehreren verbindlichen Gesetzen und Vorschriften:
- Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) §12: Verpflichtet Arbeitgeber zur Durchführung notwendiger Unterweisungen über Gefährdungen und Schutzmaßnahmen.
- Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) §14: Arbeitnehmer müssen die ihnen übertragenen Schutzmaßnahmen anwenden.
- DGUV Vorschrift 1 (ehemals BGV A1) „Grundsätze der Prävention“: Verlangt regelmäßige Unterweisungen zu persönlichen Schutzausrüstungen (PSA) einschließlich Atemschutz.
- DGUV Regel 112-190 „Benutzung von Atemschutzgeräten“: Konkretisiert die Anforderungen an Auswahl, Einsatz und Unterweisung.
- Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) §14: Fordert wirksame Maßnahmen zur Verhütung oder Verminderung der Gefährdung durch Gefahrstoffe.
- Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) §3: Verlangt eine Gefährdungsbeurteilung auch für Atemgefährdungen.
Zugrunde liegende Regelwerke
- DGUV Regel 112-190 - Benutzung von Atemschutzgeräten · Ausgabe 2021.11
- GefStoffV - Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen*)
- PSA-BV - Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Benutzung persönlicher Schutzausrüstungen bei der Arbeit
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
Als Arbeitgeber haben Sie umfassende Pflichten zur Atemschutzsicherheit:
- Gefährdungsbeurteilung nach ArbSchG §5: Systematische Ermittlung aller Atemgefährdungen im Betrieb
- Unterweisungspflicht nach ArbSchG §12: Erste Unterweisung vor Aufnahme der Tätigkeit, anschließend mindestens jährlich wiederholen
- Dokumentationspflicht: Nach jeder Unterweisung müssen Teilnehmer, Inhalte und Datum schriftlich festgehalten werden (Aufbewahrungsfrist: 3 Jahre)
- Bereitstellung geeigneter PSA: Auswahl der richtigen Atemschutzgeräte nach DGUV Regel 112-190
- Regelmäßige Überprüfung: Mindestens halbjährliche Kontrolle der Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen
- Information der Betriebsärzte: Bei Einsatz von Atemschutzgeräten gemäß DGUV Vorschrift 2
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
Systematische Vermittlung aller Atemschutz-Kompetenzen
Die praxisorientierte Schulung gliedert sich in vier aufeinander aufbauende Module:
1. Gefährdungserkennung und Aufnahmewege
- Topische Aufnahme: Über Haut und Schleimhäute (Lösungsmittel, Säuren)
- Inhalative Aufnahme: Über die Atemwege (Stäube, Gase, Dämpfe)
- Resorptive Aufnahme: Direkt ins Blut über Lungen (CO, Cyanide)
- Erfassung giftiger Stoffe: Erkennen von Warnzeichen (Geruch, Reizung, Sichtbarkeit)
- Gefahrstoffkennzeichnung: Bedeutung der GHS-Piktogramme und H-Sätze
2. Atemschutzgeräte - Auswahl und Funktionsweise
- Filtergeräte: Partikelfilter (P1-P3), Gasfilter (Typ A, B, E, K), Kombinationsfilter
- Pressluftgeräte: Frischluft- und Druckluftgeräte für sauerstoffarme Bereiche
- Schutzklassen: FFP-Masken (FFP1-3), Halbmasken, Vollmasken, Atemfilter
- Einsatzgrenzen: Maximale Konzentrationen, Sauerstoffgehalt, Einsatzdauer
- Praktische Übungen: Richtiges Anlegen, Dichtigkeitsprüfung, Kommunikation
3. Pflege und Wartung
- Tägliche Kontrolle: Sichtprüfung von Masken, Bändern, Filtern
- Reinigung und Desinfektion: Je nach Einsatzgebiet und Hygienevorgaben
- Lagerung: Trocken, staubfrei, temperaturkontrolliert
- Filterwechsel: Zeitraster oder End-of-Service-Life-Indikator
- Prüfbuch: Dokumentation aller Prüfungen und Wartungen
4. Notfallsituationen
- Alarmplan: Erkennen von Gefahrensituationen, Evakuierung
- Erste Maßnahmen: Notfall-Sauerstoff, Reanimation bei Bewusstlosigkeit
- Kommunikation: Funkgeräte, Handzeichen, Notrufverfahren
- Übungsabläufe: Halbjährliche Notfallübungen dokumentieren
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
Typische Atemgefährdungen und wirksame Schutzmaßnahmen
Das TOP-Prinzip (Technisch, Organisatorisch, Persönlich) bildet die Grundlage:
Technische Maßnahmen
- Absaugung und Belüftung: Lokale Absaugungen an Schweißarbeitsplätzen, Lüftungssysteme in Chemielaboren
- Verfahrenstechnik: Einsatz emissionsarmer Prozesse, geschlossene Systeme
Organisatorische Maßnahmen
- Zeitliche Trennung: Lackierarbeiten außerhalb der Hauptarbeitszeiten
- Zutrittsregelung: Kennzeichnung von Gefahrenbereichen, Zugangskontrolle
Persönliche Schutzausrüstung (Atemschutz)
- FFP-Masken: Gegen partikelförmige Stoffe (z.B. Quarzstaub im Bau)
- Halbmasken mit Filtern: Für organisch-chemische Verbindungen (Lösungsmittel)
- Vollmasken: Bei höheren Konzentrationen und Augenreizung
- Pressluftgeräte: In sauerstoffarmen oder unbekannten Atmosphären (Gefahrstofflager)
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
Die Atemschutz-Unterweisung ist besonders relevant für:
- Industrie und Handwerk: Schweißereien, Lackierbetriebe, chemische Produktion
- Bau- und Sanierungsgewerbe: Asbestsanierung, Schimmelsanierung, Staubbelastung
- Landwirtschaft: Güllegruben, Pestizideinsatz, Silobelüftung
- Feuerwehr und Rettungsdienste: Einsatz in rauch- und gasgefährdeten Bereichen
- Labor- und Reinraumbereiche: Umgang mit biologischen und chemischen Gefahrstoffen
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
Regelmäßige Wiederholung sichert die Kompetenz:
- Erstunterweisung: Vor Aufnahme der Tätigkeit nach ArbSchG §12
- Jährliche Auffrischung: Mindestens einmal jährlich gemäß DGUV Vorschrift 1
- Bei Änderungen: Neue Gefahrstoffe, neue Geräte, neue Arbeitsverfahren
- Dokumentation: Unterschriebene Teilnahmebestätigung mit Inhalten, Datum, Trainer
- Aufbewahrungsfrist: 3 Jahre nach letzter Unterweisung
- digitale Nachweise: Zeitstempel und Inhaltsprotokoll im LMS-System
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Gefährdungsbeurteilung für alle Atemgefährdungen vorliegend und aktuell
- Richtige Atemschutzgeräte entsprechend der Gefährdungsbeurteilung bereitgestellt
- Alle Mitarbeiter vor Tätigkeitsaufnahme unterwiesen und dokumentiert
- Jährliche Auffrischungsunterweisungen durchgeführt
- Atemschutzgeräte regelmäßig geprüft und gewartet
- Notfall- und Evakuierungspläne für Atemschutzfälle erstellt
- Betriebsarzt bei Atemschutz-Einsatz informiert
- PSA-Auswahlverfahren nach DGUV Regel 112-190 dokumentiert
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Keine GefährdungsbeurteilungFehlende Erfassung von Atemgiften führt zu unzureichendem Schutz und Bußgeldern bis 30.000 €
- Falsche GeräteauswahlFFP2-Masken statt Vollmasken bei flüchtigen Lösungsmitteln - erhöhte Gesundheitsrisiken
- Unvollständige DokumentationFehlende Nachweise über Unterweisungen können im Schadensfall Haftungsansprüche auslösen
- Überschreitung der GültigkeitFiltergeräte über deren Einsatzdauer verwendet - erhöhte Kollapsgefahr
- Fehlende NotfallübungenMitarbeiter kennen Evakuierungswege nicht - lebensgefährliche Rettungsverzögerung
- Keine Einzelunterweisung bei BrillenträgernUndichtigkeiten durch Brillengläser - Gesundheitsrisiko und Nichteinhaltung der PSA
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Brillenträger Spezielle Vollmasken mit Korrekturglas-Einsetzen oder Kontaktlinsen-Einsatz beachten. Separate Unterweisung zur Dichtigkeitsprüfung erforderlich.
- Personen mit Atemwegserkrankungen Vor Einsatz von Atemschutzgeräten arbeitsmedizinische Vorsorge nach DGUV Vorschrift 2. Asthmatiker erhalten ggf. andere Einsatzorte.
- Schwangere und Stillende Besondere Risikobeurteilung nach Mutterschutzgesetz. Einschränkung oder Umverteilung bei Lösungsmittel- und Chemikalienarbeiten.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Atemschutz
Wie lange dauert die Online-Unterweisung?
Ist die Online-Schulung für alle Atemschutzgeräte gültig?
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