Thema · Arbeitsschutz

Unterweisung „Arbeiten unter der Sonne“ (Bauhof) – Rechtssicherheit in 30 Minuten

Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat

UWC-Nr. 4078 ca. 8 Minuten Lernzeit

Kehrmaschine des kommunalen Bauhofs im Einsatz auf einer Straße

Steckbrief

Dauer
ca. 8 Minuten, jederzeit unterbrechbar
Bereiche
Arbeitsschutz · Außenbereich, Grünfläche · Bäderbetrieb · Bauhof · Friedhof · Hausmeister · Ordnungsamt · Wasserwirtschaft, Kläranlage
Rechtsgrundlage
DGUV Information 203-085 - Arbeiten unter der Sonne; DGUV Information 212-017 - Auswahl, Bereitstellung und Benutzung von beruflichen Hautmitteln
Nachweis
Zertifikat automatisch als PDF
Sprachen
Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
Kennung
UWC-Nr. 4078

Ihre Vorteile

Warum Unterweisungscenter?

  • Rechtssicher

    ArbSchG-konform

  • Mehrsprachig

    DE, EN, FR u. a.

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  • Barrierefrei

    WCAG 2.2 AA

Auf dieser Seite
Längere Tätigkeiten im Freien bei starker Sonneneinstrahlung bergen erhebliche Gesundheitsrisiken: von leichten Sonnenbränden bis hin zum lebensbedrohlichen Hitzschlag. Für Personalverantwortliche im Bauhof bedeutet das: Gefährdungsbeurteilung, konkrete Schutzmaßnahmen und wiederkehrende Unterweisungen sind zwingend vorgeschrieben. Die DGUV-Regel 112-190 und das Arbeitsschutzgesetz fordern dokumentierte Instruktionen, die Mitarbeitende befähigen, Sonnenbelastung aktiv zu erkennen und adäquat zu reagieren. Unsere Online-Unterweisung „Arbeiten unter der Sonne“ (UWC 4078) liefert Ihnen in nur 30 Minuten alle rechtlich erforderlichen Inhalte – praxisnah, sofort umsetzbar und von Fachanwälten für Arbeitsrecht geprüft.

Abschnitt 1

Rechtliche Grundlagen

Die rechtlichen Grundlagen für das sichere Arbeiten unter Sonneneinwirkung ergeben sich aus mehreren Regelwerken:

  • ArbSchG § 3 – Verantwortung des Arbeitgebers: Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten nach dem Stand der Technik sicherzustellen. Dazu gehört auch die Vermeidung gesundheitlicher Schäden durch UV-Strahlung und Hitze.
  • ArbSchG § 4 – Gefährdungsbeurteilung: Der Arbeitgeber hat eine umfassende Gefährdungsbeurteilung auch für UV- und Wärmebelastung durchzuführen und aus ihr abgeleitete Schutzmaßnahmen festzulegen.
  • ArbSchG § 12 – Unterweisungspflicht: Beschäftigte müssen regelmäßig unterwiesen werden, insbesondere über Gefährdungen durch natürliche Einflüsse wie UV-Strahlung und hohe Temperaturen.
  • DGUV Vorschrift 1 § 4 – Unterweisung: Die Unterweisung muss inhaltlich auf die konkrete Tätigkeit und die konkrete Gefährdung abgestimmt sein.
  • DGUV Regel 112-190 – Arbeiten im Freien: Diese Regel enthält konkrete Empfehlungen zur Vermeidung von Haut- und Augenschäden durch UV-Strahlung sowie zum Schutz vor Hitzschäden.
  • DGUV Regel 113-005 – Hautschutz am Arbeitsplatz: Enthält Anforderungen an Schutzmittel und Verhaltensregeln bei UV-Exposition.

Abschnitt 2

Pflichten des Arbeitgebers

1. Gefährdungsbeurteilung: Nach ArbSchG § 4 müssen Sie schriftlich ermitteln, ob und in welchem Umfang Ihre Mitarbeitenden UV-Strahlung und Hitze ausgesetzt sind. Berücksichtigen Sie dabei Wetterlage, Tageszeit, Beschattungsmöglichkeiten und persönliche Disposition (Hauttyp, Vorerkrankungen).

2. Schutzmaßnahmen festlegen: Ableitung des TOP-Prinzips: Technisch (z. B. Schattendächer), Organisatorisch (Pausenregelung, Verschiebung schwerer Arbeiten in die Morgenstunden) und Persönlich (UV-Schutzkleidung, Sonnencreme, Trinkregel).

3. Unterweisung und Dokumentation: Nach ArbSchG § 12 und DGUV V1 § 4 müssen Sie jedem Beschäftigten die Gefahren und Schutzmaßnahmen erklären und die Teilnahme schriftlich dokumentieren. Ohne Nachweis droht ein Bußgeld bis 30.000 €.

Abschnitt 3

Inhalte der Unterweisung

Modul 1: Physikalische Grundlagen und Gesundheitsrisiken

UV-Index & Tageszeit: Die Intensität der UV-Strahlung variiert mit Sonnenhöhe und Wetter. Ab UV-Index ≥ 6 gelten erhöhte Anforderungen an den Arbeitsschutz. Mit praktischen Beispiel: Einfaches „Schatten-Test“ – ist der eigene Schatten kürzer als die Körpergröße, ist die Belastung hoch.

Modul 2: Prävention und persönlicher Schutz

  • Kleidung: Lange, enganliegende Kleidung aus dichter Baumwolle oder spezieller UV-Schutztextilien (UPF 40+). Helle Farben reflektieren Wärme.
  • Kopf- und Augenschutz: Helme mit Nackenschutz und UV-400-geeignete Sonnenbrillen.
  • Hautschutz: Wasserresistente Sonnencreme LSF 30+ auf alle unbedeckte Hautstellen alle zwei Stunden nachcremen. Praxistipp: ¼ Teelöffel pro Körperregion.
  • Flüssigkeitsmanagement: Mindestens 0,5 l Wasser pro Stunde bei Temperaturen über 26 °C. Vermeidung von zuckerhaltigen oder koffeinhaltigen Getränken.

Modul 3: Erste-Hilfe bei Überhitzung und Sonnenbrand

Sonnenbrand: Sofort kühlen (lauwarmes Wasser, nicht kalt!), ausreichend trinken lassen, Cremes mit Dexpanthenol. Bei Blasenbildung Arztbesuch.

Hitzekrämpfe: Betroffenen in Schatten legen, Beine hochlagern, 1 l isotonisches Getränk über 30 Min verabreichen.

Hitzschlag: Notarzt rufen (112), Person sofort in kühle Umgebung bringen, Körper mit feuchten Tüchern kühlen, stabile Seitenlage, keine Flüssigkeit einflößen.

Modul 4: Verhaltensregeln und Teamverantwortung

Kollegiale Kontrolle: „Buddy-System“ einführen – gegenseitige Beobachtung auf Anzeichen von Erschöpfung. Meldepflicht bei Schwindel, Übelkeit oder Hautrötung. Einführung einer „Hitzeampel“ am Schwarzen Brett des Bauhofs: grün < 26 °C, gelb 26-30 °C, rot > 30 °C mit angepassten Maßnahmen.

Abschnitt 4

Gefährdungen & Schutzmaßnahmen

Hauptgefährdungen

  • Akute UV-Schäden: Sonnenbrand bis 2. Grades, Hornhautverbrennungen der Augen (Photokeratitis).
  • Langzeitfolgen: Hautalterung, erhöhtes Melanom-Risiko, grauer Star.
  • Hitzestress: Leistungsabfall, Kreislaufkollaps, Hitzschlag, Tod.
  • Wechselwirkungen: UV-Strahlung verstärkt Wirkung von Medikamenten (z. B. Antibiotika der Tetracyclin-Gruppe) → Photosensibilisierung.

TOP-Prinzip im Detail

T – Technisch: Seitliche Sonnensegel an Gerüsten, mobile Pavillons als Pausenplätze, UV-absorbierende Windschutzscheiben in Baufahrzeugen.

O – Organisatorisch: Frühschichten (bis 11 Uhr) für schwere Erdarbeiten, verlängerte Mittagspause (12–14 Uhr), flexible Arbeitspläne bei Hitzewarnung des DWD.

P – Persönlich: Einweisung in korrekten Umgang mit Sonnencreme, kostenlose Versorgung mit UV-Schutzkleidung und Getränken, Hauttyp-Screening im Betriebsarztservice.

Abschnitt 5

Zielgruppen & Branchen

Hauptzielgruppe Bauhof: Mitarbeitende in Garten- und Landschaftsbau, Straßenunterhaltung, Kanal- und Rohrleitungsbau, Winterdienst im Sommer (Asphalt-Instandhaltung). Zusätzlich relevant für: Entsorgungsbetriebe (Müllfahrer), Bahninfrastruktur (Weichenheizung), Forstwirtschaft und allen Tätigkeiten mit > 2 Stunden unmittelbarer Sonneneinstrahlung pro Tag.

Abschnitt 6

Intervalle & Dokumentation

Erstunterweisung vor Aufnahme der Tätigkeit im Freien, danach jährliche Auffrischung vor Beginn der warmen Jahreszeit (März/April). Bei Vorfällen (Sonnenbrand, Hitzekollaps) sofortige Nachschulung. Dokumentationspflicht: Name, Datum, Inhalte, Unterschrift Teilnehmender und Unterweisender. Aufbewahrung: 5 Jahre gemäß DGUV V1 § 26. Digitale Nachweise (QR-Code-Scan im Online-Kurs) sind zulässig, sofern sie fälschungssicher gespeichert werden.

In der Praxis

Was Verantwortliche wissen müssen

Checkliste

Das sollten Sie prüfen

  • Gefährdungsbeurteilung zu UV- und Hitzebelastung vorhanden und aktuell (max. 12 Monate)?
  • Arbeitgeber stellt UV-Schutzkleidung (LSF 40+) und kostenlose Sonnencreme bereit?
  • Mobile Schattenplätze oder Pavillons auf allen Baustellen verfügbar?
  • Trinkwasser kostenlos und räumlich nah (max. 100 m) erreichbar?
  • Jährliche Unterweisung „Arbeiten unter der Sonne“ dokumentiert und abgezeichnet?
  • Hitze-Einsatzplan existiert: Schichtbeginn vor 11 Uhr, Pausen 12–14 Uhr?
  • Erste-Hilfe-Material für Hitzschäden (Kühlakkus, Iso-Decken) im Fahrzeug?
  • Buddy-System und Hitzewarnampel eingerichtet und bekannt?

Häufige Fehler

Das geht oft schief

  1. „Sonnencreme reicht“ – Mythos
    Nur Sonnencreme ohne wetterfeste Kleidung und Schatten reicht nicht. Laut DGUV Regel 112-190 ist ein mehrstufiges Konzept zwingend.
  2. Pausen werden gestrichen, um Termine zu halten
    Hier droht Bußgeld nach ArbSchG § 20, da die Arbeitszeitgesetze (ArbZG) bei Hitze längere Erholungspausen vorschreiben.
  3. Dokumentation vergessen
    Oft wird nur mündlich unterwiesen. Ohne schriftliche Teilnahmebestätigung ist der Arbeitgeber bei Unfällen haftungsgefährdet.
  4. UV-Schutzkleidung als „nicht werktauglich“ abgelehnt
    Moderne Textilien (z. B. Stretch-UV-Shirts) sind genauso robust wie Baumwolle und verringern gleichzeitig das Hitzestressrisiko.
  5. Hitzewarnung ignoriert
    Bei amtlicher Warnstufe „extreme Hitze“ des DWD müssen nach DGUV Regel 112-190 Zusatzmaßnahmen (z. B. Arbeitsabbruch 12–15 Uhr) erfolgen.

Sonderfälle

Das gilt zusätzlich

  • Schwangere
    Erhöhtes Kreislaufrisiko, unbedingt Schattenplätze und kürzere Schichten einplanen (Mutterschutzgesetz § 5).
  • Jugendliche
    Nach Jugendarbeitsschutzgesetz § 8 dürfen sie bei UV-Index ≥ 7 draußen nicht beschäftigt werden.
  • Mitarbeitende mit Hauttyp I/II
    Besonders empfindlich, individuelle Sonnenschutz-Trainings erforderlich.
  • Medikamenteneinnahme
    Mitarbeitende auf Photosensibilisierer (Antibiotika, Diuretika) müssen im Betriebsarztservice gemeldet werden.

Häufige Fragen

Fragen zur Unterweisung Arbeiten unter der Sonne

Wer muss an der Unterweisung teilnehmen?

Alle Beschäftigten, die regelmäßig länger als zwei Stunden täglich ungeschützter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind – auch Saisonkräfte und Leiharbeitnehmer.

Wie lange dauert der Online-Kurs „Arbeiten unter der Sonne“?

Ca. 30 Minuten, inklusive abschließendem Quiz und automatischer Bescheinigung.

Ist die Online-Unterweisung rechtskonform?

Ja, die DGUV Vorschrift 1 § 4 schreibt lediglich „geeignete Unterweisung“ vor – das kann digital sein, wenn Interaktion, Prüfung und Dokumentation sichergestellt sind.

Muss der Arbeitgeber UV-Schutzcreme bezahlen?

Ja, Arbeitsschutzgesetz § 3 fordert kostenlose Bereitstellung persönlicher Schutzausrüstung (PSA); Sonnencreme mit LSF ≥ 30 fällt hierunter.

Wie oft muss ich die Unterweisung wiederholen?

Mindestens jährlich vor der warmen Jahreszeit sowie nach jedem dokumentierten Zwischenfall (z. B. Sonnenbrand).

Was tun bei UV-Index 8+?

Organisatorische Maßnahmen aktivieren: Verschiebung schwerer Arbeiten vor 11 Uhr oder nach 16 Uhr, verpflichtende 15-Min-Pausen alle 90 Minuten.

Gilt die UV-Unterweisung auch im Winter?

Bei Schnee kann die UV-Strahlung durch Reflexion fast verdoppelt werden. Daher: Ja, bei längeren Außenarbeiten auch im Winter.

Wie lange muss ich die Teilnahmenachweise aufbewahren?

5 Jahre ab Erstellung, digital oder in Papierform (DGUV V1 § 26).

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