Thema · Arbeitsschutz
Unterweisung „Arbeiten in EX-Bereichen“ (UWC 7050) – Vorsorge statt Explosion
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 6 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Arbeitsschutz · Gefahrstoffe, Stoffe
- Rechtsgrundlage
- BetrSichV - Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Verwendung von Arbeitsmitteln; DGUV Regel 113-001 - Explosionsschutz-Regeln (EX-RL)
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 7050
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Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
Verordnung über Betriebssicherheit (BetrSichV) § 3 BetrSichV – Gefährdungsbeurteilung: Arbeitgeber müssen explosionsfähige Atmosphären identifizieren und Schutzmaßnahmen festlegen. § 4 BetrSichV – Maßgaben für explosionsgefährdete Bereiche: Einrichtung und Betriebsmittel müssen den Anforderungen der ATEX-Produkterordnung entsprechen.
DGUV Vorschriften und Regeln DGUV Vorschrift 1 – Grundsätze der Prävention: Explosionsschutz ist integraler Bestandteil der Arbeitssicherheit. DGUV Regel 113-020 – Explosionsschutz: Konkrete Maßnahmen zur Vermeidung von Zündquellen und Einteilung von EX-Zonen. DGUV Information 213-036 – Merkblatt „Explosionsschutz“: Arbeitgeber und Beschäftigte erhalten Handlungshilfen zur Umsetzung.
Zugrunde liegende Regelwerke
- BetrSichV - Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Verwendung von Arbeitsmitteln
- DGUV Regel 113-001 - Explosionsschutz-Regeln (EX-RL) · Ausgabe 2022.12
- TRBS 2152 - Gefaehrliche explosionsfaehige Atmosphaere
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
Unterweisungspflicht Gemäß ArbSchG § 12 ist die Unterweisung vor jeder erstmaligen Tätigkeit und bei Änderung von Arbeitsverfahren oder EX-Zonen zwingend. Inhalte müssen der aktuellen Betriebssituation entsprechen und in deutscher Sprache erfolgen.
Dokumentation & Nachweis Unterweisungen sind in einer Unterweisungsliste oder digitalem Nachweis festzuhalten (Name, Datum, Thema, Dauer, Unterschrift oder E-Signature). Aufbewahrungsfrist: mindestens drei Jahre nach Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses (DGUV V1 § 24).
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
1. Grundlagen explosionsgefährdeter Bereiche
Definition EX-Bereich nach BetrSichV: „Bereich, in dem eine explosionsfähige Atmosphäre vorhanden sein oder entstehen kann“. Die Einteilung erfolgt in Zone 0, 1 und 2 (Gas) bzw. Zone 20, 21 und 22 (Staub) gemäß TRBS 2152. Teilnehmende lernen, anhand von Verfahrensanweisungen und EX-Kennzeichnung die jeweilige Zone sofort zu erkennen.
2. Erkennung von Zündquellen
- Mechanische Funken (Schleifarbeiten, Metallschläge)
- Elektrische Funken (defekte Leitungen, Schaltvorgänge)
- Heiße Oberflächen (Reibung, überlastete Motoren)
- Elektrostatische Entladungen (ungeerdete Kleidung)
- Offenes Feuer (Schweißen, Rauchen)
- Ultraschall- und Laserstrahlung
3. Prävention nach dem TOP-Prinzip
Technische Maßnahmen: geeignete zertifizierte Geräte (ATEX-Zulassung), ordnungsgemäße Erdungskonzepte. Organisatorische Maßnahmen: Zutrittsregelungen, Arbeitsgenehmigungen, regelmäßige Messprotokolle. Personelle Maßnahmen: Tragen explosionsgeschützter Kleidung, Schulung, Verhalten bei Störungen.
4. Verhalten bei Anomalien
- Gasalarm: sofortige Evakuierung, Abschalten von Zündquellen
- Verdacht auf Defekt an EX-Geräten: Meldung an Vorgesetzten, Kennzeichnen, Sperren
- Erste-Hilfe-Maßnahmen: stabile Seitenlage, Notfallnummern
5. Praxisbeispiel Lackiererei
Mitarbeiter reinigen einen Spritzraum. Durch Lösemitteldämpfe herrscht Zone 1. Die Schulung vermittelt, dass ATEX-geprüfte Staubsauger und antistatische Schutzkleidung obligatorisch sind; Handy und Standardwerkzeuge bleiben außerhalb des Bereichs.
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
Häufige konkrete Gefährdungen
- Gas-/Dampfgemische: bei Tankreinigungen, Lackierarbeiten, Chemikalienlager
- Staubexplosionen: in Holz-, Getreide-, Metall- und Kunststoffverarbeitung
- Flüssigkeiten mit niedrigem Flammpunkt: Reinigungsmittel, Lösemittel, Treibstoffe
TOP-Prinzip konkret
Technisch: Installation von Gaswarmsystemen, Einsatz von Ex-e-Motoren (enhanced safety) oder Ex-d-Gehäusen (explosionsdruckfeste Kapselung). Organisatorisch: Arbeiten nur unter Arbeitsgenehmigung, abgeschlossene Tätigkeitsanweisungen, Schichtwechsel mit Übergabegesprächen. Personell: regelmäßige Gasspurgeräte-Schulung, jährliche arbeitsmedizinische Vorsorge nach DGUV Vorschrift 2.
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
- Chemie-, Pharma- und Lackindustrie (Zone 1/2)
- Lebensmittel- und Futtermittelindustrie (Staub-EX)
- Holz- und Metallverarbeitung
- Kraftwerke und Raffinerien
- Tankstellenbetreiber und Mineralölhändler
Besonderheit: Bei Leiharbeitnehmern trägt der Entleiher nach AEntG § 12 (3) die Mitverantwortung für die Unterweisung.
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- EX-Zonenplan aktuell und im Werk aushängen
- ATEX-Kennzeichnung aller Geräte vollständig und lesbar
- Unterweisungsnachweise in digitaler Form archiviert & aktuell
- Gaswarmsystem regelmäßig gewartet (Prüfbuch)
- Arbeitserlaubnisse für Tätigkeiten in Zone 0/20 vorhanden
- Erste-Hilfe-Ausrüstung explosionsgeschützt (Zone 1)
- Letzte Auffrischung liegt nicht länger als 12 Monate zurück
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- „Wir haben keine EX-Zonen“viele Betriebe unterschätzen Lösemitteldämpfe in Reinigungsbereichen – fehlende Gefährdungsbeurteilung führt zu Bußgeld.
- Standardwerkzeuge in Zone 1Verwendung nicht zertifizierter Akkuschrauber statt Ex-e- oder Ex-d-Ausführung.
- Unterweisung nur einmaligVerfahrensänderungen oder neue Lagerstoffe werden nicht nachgeschult – Verstoß gegen ArbSchG § 12.
- Dokumentation nur handschriftlichfehlende Nachvollziehbarkeit bei Kontrollen – digitale Lösungen bieten Zeitstempel & Zugriffsprotokoll.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Leiharbeitnehmer
Der Entleiher muss sicherstellen, dass die Unterweisung vor Einsatzbeginn erfolgt (AEntG § 12). Die Online-Schulung ermöglicht zeitnahe Verifizierung durch QR-Code-Check.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Arbeiten in EX-Bereichen
Muss jeder Mitarbeiter die Schulung absolvieren, auch Bürokraft?
Nur Personen, die Zutritt zu EX-Zonen erhalten oder dort tätig werden. Bürokräfte ohne Zutritt sind ausgenommen.
Kann die Schulung komplett online erfolgen?
Ja, für Grundlagenwissen gemäß ArbSchG § 12 genügt die Online-Unterweisung. Praxisbezogene Ortskenntnisse (z. B. Rettungswege) werden ergänzend vor Ort geschult.
Wie lange dauert die Online-Schulung?
ca. 35–45 Minuten, inklusive abschließender Wissensprüfung.
Welche Zertifikate erhält der Mitarbeiter?
Ein digitales Zertifikat „Unterweisung nach UWC 7050 – Arbeiten in EX-Bereichen“ mit QR-Code und Gültigkeitsdatum.
Was tun bei Verdacht auf Defekt an ATEX-Gerät?
Gerät sofort außer Betrieb nehmen, kennzeichnen und an E-Prüfstelle melden. Keine Eigenreparatur.
Wer haftet bei Verstoß gegen EX-Schutz?
Der Unternehmer bzw. Arbeitgeber – inklusive Bußgeld bis 50.000 € und ggf. persönliche Haftung bei Personenschaden.
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