1. Gefährdungspotenzial und Giftklassen
Desinfektionsmittel sind Chemikalien mit unterschiedlichen Wirkmechanismen und Gefahrenstufen. Die Schulung vermittelt die Einstufung nach CLP-Verordnung (z. B. H314 = schwere Augenschäden, H335 = Atemwegsreizung) und erklärt, wie die Piktogramme auf Etiketten richtig gelesen werden. Beispiel: Ein alkoholisches Schnelldesinfektionsmittel mit 70 % Ethanol birgt Brand- und Explosionsrisiken, während ein peroxidhaltiges Mittel zusätzlich Atemwegsreizungen auslösen kann.
2. Persönliche Schutzausrüstung (PSA)
Die richtige Auswahl und das Tragen von PSA entscheidet über Gesundheit und Sicherheit:
- Handschutz: Nitrilhandschuhe (DIN EN 374) bei wiederkehrendem Kontakt; Wechsel alle 30 Minuten bei Alkoholkontakt.
- Augenschutz: Schutzbrille (DIN EN 166) bei Spritzgefahr, z. B. beim Umfüllen von Konzentraten.
- Atemschutz: Halbmaske mit Partikelfilter P2 bei Aerosolbildung (z. B. bei Flächendesinfektion mit Fogger).
- Körperschutz: Waschbare oder Einmal-Schutzkleidung aus nicht brennbarem Material.
3. Arbeitsplatzorganisation und Lagerung
Desinfektionsmittel dürfen niemals in unbeschrifteten oder Lebensmittelbehältern gelagert werden. Die Schulung zeigt, wie Konzentrate nach BetrSichV § 4 in originalen Gefahrstoffbehältern mit kindergesichertem Verschluss aufbewahrt werden. Lagerbereiche müssen temperaturkonstant (15–25 °C), lichtgeschützt und gelüftet sein. Ein Sicherheitsdatenblatt (SDB) liegt für jedes Produkt digital und in Papierform vor.
4. Praktische Anwendung und Dosierung
Überdosierung verschwendet Ressourcen und erhöht das Risiko von Hautirritationen. Die Teilnehmenden üben die richtige Dosierung mittels Dosierpumpe oder Messbecher und erlernen die Einwirkzeiten gemäß DGHM/VAH-Liste. Beispiel: Eine alkoholische Händedesinfektion benötigt mindestens 30 Sekunden Einwirkzeit, eine Flächendesinfektion mit Glutaral 2 % mindestens 60 Minuten.
5. Notfallmaßnahmen und Erste Hilfe
Bei Hautkontakt sofort mit Wasser abspülen (mind. 15 Minuten), bei Augenkontakt Augenspülflasche verwenden und ärztliche Hilfe holen. Die Schulung enthält einen praktischen Übungsablauf und die Nennung von Giftinformationszentralen (z. B. Giftnotruf Berlin, Tel. +49 30 19240).
6. Ergonomie und Arbeitsbelastung
Langanhaltende Tätigkeiten mit Desinfektionsmitteln (z. B. großflächige Wischdesinfektion) erfordern ergonomisches Arbeiten. In der Schulung wird demonstriert, wie Verlängerungsstiele und Mikrofasersysteme Rückenbelastung reduzieren.
7. Nachhaltigkeit und Entsorgung
Reste von Konzentraten und aufbereiteten Lösungen dürfen nicht in die Kanalisation gelangen. Die Schulung erklärt die korrekte Entsorgung über den Gefahrstoffentsorger (EAK-Code 19 04 03*).