Thema · Arbeitsschutz
Unterweisung „EINFACHE SPRACHE – Reinigungsarbeiten“: Rechtssicher & verständlich
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 7 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Arbeitsschutz · Gesundheitswesen, Pflege · Hausmeister · Hygiene · Reinigung, Gebäudereinigung
- Rechtsgrundlage
- DGUV Regel 101-605 - Branche Gebäudereinigung; GefStoffV - Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen*)
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 4054
Ihre Vorteile
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WCAG 2.2 AA
Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
Arbeitssicherheitsgesetz (ArbSchG): § 12 ArbSchG – Unterweisung der Beschäftigten: Der Arbeitgeber hat die Beschäftigten über alle Gefährdungen aufklären, die mit ihrer Tätigkeit verbunden sind, sowie über die notwendigen Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln.
DGUV Vorschriften: • DGUV Vorschrift 1 – Grundsätze der Prävention: Verpflichtet zu regelmäßigen Unterweisungen über Gefährdungen und Schutzmaßnahmen • DGUV Vorschrift 2 – Unfallverhütungsvorschriften: Konkrete Anforderungen an die Unterweisung bei Reinigungsarbeiten • DGUV Regel 100-500 – Unterweisung der Beschäftigten: Detaillierte Hinweise zur Durchführung von Unterweisungen • DGUV Regel 103-001 – Reinigung und Wartung: Spezielle Vorgaben für Reinigungsarbeiten mit Chemikalien
Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV): § 3 BetrSichV – Gefährdungsbeurteilung: Verpflichtung zur Ermittlung und Beurteilung von Gefährdungen durch Arbeitsmittel und Arbeitsstoffe
Chemikalien-Verbotsverordnung: Verbietet bestimmte gefährliche Stoffe in Reinigungsmitteln und fordert Ersatz durch weniger gefährliche Alternativen
Zugrunde liegende Regelwerke
- DGUV Regel 101-605 - Branche Gebäudereinigung · Ausgabe 2020.02
- GefStoffV - Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen*)
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
Gefährdungsbeurteilung: Voraussetzung für jede wirksame Unterweisung ist eine aktuelle Gefährdungsbeurteilung nach § 3 BetrSichV. Diese muss alle Gefährdungen bei Reinigungsarbeiten systematisch erfassen und bewerten.
Dokumentation: Die Durchführung der Unterweisung muss schriftlich dokumentiert werden. Die Dokumentation mhalt: Datum, Inhalt, Dauer, Name und Unterschrift der unterwiesenen Person sowie des Unterweisenden. Aufbewahrungsfrist: 10 Jahre.
Verständniskontrolle: Besonders bei Mitarbeitenden mit eingeschränkten Deutschkenntnissen müssen Sie sicherstellen, dass der Unterrichtsstoff verstanden wurde. Die Unterweisung in einfacher Sprache ist hier ein probates Mittel.
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
1. Einführung – Was sind Reinigungsarbeiten?
Reinigungsarbeiten sind alle Tätigkeiten, bei denen Räume, Flächen oder Gegenstände von Schmutz, Keimen und Krankheitserregern befreit werden. Im Gesundheitswesen umfasst das:
- Grundreinigung von Patientenzimmern und Praxen
- Desinfektion von Oberflächen und Geräten
- Spezialreinigung von Isolierstationen
- Reinigung von Sanitärbereichen und Küchen
- Entsorgung von infektiösen Abfällen
2. Gefahren erkennen – Was kann passieren?
Körperliche Belastung: Schweres Heben und Tragen kann zu Rückenschmerzen führen. Langes Knien oder Bücken belastet Gelenke.
Chemikalien: Reinigungsmittel können die Haut reizen oder die Augen verätzen. Manche Stoffe sind giftig beim Einatmen.
Infektionen: Krankheitserreger können über die Hände in den Körper gelangen.
Strom: Nasse Reinigung in der Nähe von Steckdosen kann zu Stromschlag führen.
Ausrutschen: Nasse Böden sind rutschig – Sturzgefahr!
3. Schutzmaßnahmen – Wie schütze ich mich?
Personenschutz:
- Handschuhe: Tragen Sie immer Einmalhandschuhe aus Nitril
- Schutzbrille: Beim Sprühen von Desinfektionsmitteln
- Maske: Bei starker Geruchsbelastung oder Infektionsrisiko
- Sicherheitsschuhe: Mit rutschfester Sohle
Technische Hilfsmittel:
- Verwenden Sie Kehrwagen mit richtiger Höhe
- Nehmen Sie Teleskopstiele für hohe Flächen
- Benutzen Sie Absauganlagen bei Staub
4. Richtige Arbeitsweise – Schritt für Schritt
Vorbereitung:
- Zuerst: Gefahren erkennen (Schilder beachten!)
- Sicherheitsausrüstung anlegen
- Material und Geräte bereitstellen
Reinigung:
- Von oben nach unten arbeiten
- Von sauber nach dreckig
- Einwirkzeiten beachten (z.B. Desinfektionsmittel 5 Minuten einwirken lassen)
Nachbereitung:
- Materialien richtig entsorgen
- Hände waschen
- Geräte reinigen und aufbewahren
5. Besondere Situationen – Was tun im Notfall?
Chemikalien im Auge: Sofort 10-15 Minuten mit Wasser spülen, zum Arzt.
Verdacht auf Infektion: Chef informieren, ggf. arbeitsmedizinische Vorsorge.
Unfall: Erste Hilfe leisten, Notruf 112, Unfallbericht schreiben.
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
Systematische Gefährdungsanalyse nach dem TOP-Prinzip:
T – Technische Maßnahmen:
- Gebrauchsanweisungen für Reinigungsmittel in einfacher Sprache aushängen
- Spender für Desinfektionsmittel mit Dosierautomaten installieren
- Absaug- und Lüftungsanlagen in Reinigungsräumen
- Kehrwagen mit ergonomischen Handgriffen und richtiger Höhe
O – Organisatorische Maßnahmen:
- Reinigungspläne mit klaren Anweisungen in einfacher Sprache
- Kontrolle der Einwirkzeiten bei Desinfektionsmitteln
- Zeitfenster für Reinigung außerhalb der Patientenverkehrszeiten
- Teamschulungen für neue Reinigungsverfahren
P – Persönliche Schutzausrüstung (PSA):
- Mindestausstattung: Nitrilhandschuhe, Schutzbrille, Einweg-Schutzkleidung
- Atemschutz bei Chemikalien mit Aerosolen
- Rutschfeste Sicherheitsschuhe mit Stahlkappe
- Hautschutzmittel bei häufigem Händewaschen
Besondere Gefährdungen im Gesundheitswesen:
- MRSA-Keime: Spezielle Desinfektionsmittel mit viruzider Wirksamkeit
- Norovirus: Verstärkte Händehygiene und Flächendesinfektion
- Tuberkulose: Atemschutzgeräte bei Verdacht
- Bloodborne Pathogens: Sofortige Desinfektion nach Kontakt mit Blut
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
- Krankenhäuser: Stationsreinigung, OP-Bereiche, Intensivstationen
- Alten- und Pflegeheime: Hygiene in Bewohnerzimmern und Gemeinschaftsbereichen
- Arztpraxen: Behandlungsräume, Wartezimmer, Laborbereiche
- Rehabilitationskliniken: Therapieräume und Patientenzimmer
- Labore: Spezielle Reinigung kontaminierter Bereiche
Besonderheit: In diesen Einrichtungen arbeiten oft Mitarbeitende mit Migrationshintergrund oder geringerem Bildungsabschluss. Die einfache Sprache sorgt für besseres Verständnis und höhere Sicherheit.
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
- Erstunterweisung: Vor Aufnahme der Tätigkeit
- Jährliche Nachunterweisung: Mindestens einmal pro Jahr
- Bei Änderungen: Sofort bei neuen Reinigungsmitteln, Geräten oder Verfahren
- Nach Unfällen: Innerhalb von 14 Tagen nach arbeitsbedingten Unfällen
Dokumentationspflicht: Die Unterweisung muss in einem Präsenzverzeichnis dokumentert werden mit:
- Datum und Ort der Unterweisung
- Dauer (mind. 30 Minuten empfohlen)
- Themen nach DGUV Vorschrift 2
- Unterschrift von Unterweisender und Unterwiesenem
Aufbewahrungsfrist: 10 Jahre gemäß § 6 ArbSchG, bei jungen Menschen bis 2 Jahre nach Beendigung der Ausbildung.
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- ⧠ Alle Mitarbeitenden haben die Erstunterweisung erhalten?
- ⧠ Gefährdungsbeurteilung für Reinigungsarbeiten liegt aktuell vor?
- ⧠ Persönliche Schutzausrüstung ist vorhanden und geprüft?
- ⧠ Sicherheitsdatenblätter für alle Reinigungsmittel in einfacher Sprache verfügbar?
- ⧠ Erste-Hilfe-Material ist griffbereit?
- ⧠ Notfallnummern (Giftnotruf, Ärztlicher Bereitschaftsdienst) ausgehängt?
- ⧠ Reinigungspläne in einfacher Sprache erstellt?
- ⧠ Dokumentation aller Unterweisungen ist vollständig?
- ⧠ Jährliche Nachunterweisung ist terminiert?
- ⧠ Verständniskontrolle bei Mitarbeitenden mit Sprachbarrieren durchgeführt?
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Zu komplizierte SpracheViele Unterweisungen verwenden Fachbegriffe wie „desinfizierend wirkend“ oder „alkalisch“. Das Verstehen Mitarbeitende mit geringerem Bildungsabschluss nicht.
- Fehlende PraxisbeispieleNur Theorie vermitteln, ohne konkrete Beispiele aus dem Krankenhausalltag. Die Folge: Die Inhalte werden nicht auf die eigene Arbeit übertragen.
- Keine VerständniskontrolleNicht nachfragen, ob alles verstanden wurde. Besonders gefährlich bei Mitarbeitenden mit Deutsch als Zweitsprache.
- Unvollständige DokumentationNur die Unterschrift abholen, aber nicht alle Inhalte dokumentieren. Bei Betriebsprüfungen fehlen wichtige Nachweise.
- Keine jährliche AuffrischungEinmal unterwiesen und nie wieder – das reicht nicht. Neue Reinigungsmittel oder veränderte Hygienevorschriften erfordern regelmäßige Aktualisierungen.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Unterweisung für Lehrlinge und Praktikanten
Besonderheiten:
- Unterweisung muss vor Arbeitsaufnahme erfolgen
- Zusätzliche Unterweisung nach 3 Monaten
- Verstärkte Aufsicht durch erfahrene Kollegen
- Schriftliche Bestätigung des Ausbilders
- Unterweisung für Leiharbeitnehmer
Wichtig:
- Unterweisung muss vom Verleiher erfolgen
- Entleiher muss spezifische Arbeitsplatzgefahren erläutern
- Doppelte Dokumentation bei Verleih und Entleiher
- Unterweisung für Teilzeitkräfte und Aushilfen Auch bei geringerer Arbeitszeit gilt: Vollständige Unterweisung erforderlich. Die Inhalte müssen auf die konkreten Arbeitsbereiche zugeschnitten sein.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung EINFACHE SPRACHE – Reinigungsarbeiten
Muss die Unterweisung wirklich in einfacher Sprache erfolgen?
Antwort: Ja, wenn Mitarbeitende erkennbar Schwierigkeiten mit Fachsprache haben. § 12 ArbSchG verlangt „angemessene“ Unterweisung – das bedeutet verständlich für den Empfänger.
Kann ich die Unterweisung online durchführen?
Antwort: Ja, wenn sichergestellt ist, dass die Inhalte verstanden wurden. Optimal: Kombination aus Online-Modul und praktischer Übung mit erfahrenem Kollegen.
Wie lange muss die Unterweisung dauern?
Antwort: Mindestens 30 Minuten für die Grundversion, bei speziellen Gefährdungen (z.B. Umgang mit infektiösen Stoffen) bis zu 60 Minuten.
Was tun bei Sprachbarrieren?
Antwort: Nutzen Sie unsere Unterweisung in einfacher Sprache, ergänzen Sie durch Dolmetscher oder mehrsprachige Materialien. Wichtig: Verständniskontrolle durchführen!
Muss ich alle Reinigungsmittel einzeln erklären?
Antwort: Ja, wenn unterschiedliche Gefährdungsmerkmale vorliegen. Gruppieren Sie ähnliche Mittel und erklären Sie die wichtigsten Eigenschaften in einfacher Sprache.
Wer darf unterweisen?
Antwort: Unterweisen darf jede befähigte Person – idealerweise der Sicherheitsbeauftragte oder erfahrene Reinigungskräfte mit Zusatzausbildung.
Was kostet eine Nachunterweisung?
Antwort: Mit unserem Online-System: wenige Euro pro Person. Die Kosten für eine Verletzung durch mangelnde Unterweisung: mehrere tausend Euro Bußgeld plus Unfallkosten.
Wie dokumentiere ich die Verständniskontrolle?
Antwort: Durch kurze Fragen am Ende der Unterweisung, z.B.: „Was tun Sie, wenn Desinfektionsmittel in Ihr Auge spritzt?“ Die Antwort wird im Protokoll vermerkt.
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