Thema · Arbeitsschutz

Unterweisung „EINFACHE SPRACHE – Reinigungsarbeiten“: Rechtssicher & verständlich

Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat

UWC-Nr. 4054 ca. 7 Minuten Lernzeit

Pflegekraft dokumentiert auf dem Tablet im Flur einer Pflegeeinrichtung

Steckbrief

Dauer
ca. 7 Minuten, jederzeit unterbrechbar
Bereiche
Arbeitsschutz · Gesundheitswesen, Pflege · Hausmeister · Hygiene · Reinigung, Gebäudereinigung
Rechtsgrundlage
DGUV Regel 101-605 - Branche Gebäudereinigung; GefStoffV - Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen*)
Nachweis
Zertifikat automatisch als PDF
Sprachen
Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
Kennung
UWC-Nr. 4054

Ihre Vorteile

Warum Unterweisungscenter?

  • Rechtssicher

    ArbSchG-konform

  • Mehrsprachig

    DE, EN, FR u. a.

  • Zertifikat

    Automatisch als PDF

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    Keine Registrierung

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    Kurz und bündig

  • Barrierefrei

    WCAG 2.2 AA

Auf dieser Seite
Reinigungskräfte im Gesundheitswesen stehen täglich vor vielfältigen Gefahren: Von gefährlichen Keimen bis zu aggressiven Desinfektionsmitteln, von Stromschlagrisiken bis zu schweren Lasten. Doch viele Mitarbeitende mit geringerem Bildungsabschluss oder Deutsch als Zweitsprache verstehen komplizierte Sicherheitsunterweisungen nur unzureichend. Die Lösung: Unsere spezielle Unterweisung „EINFACHE SPRACHE – Reinigungsarbeiten“ erklärt alle wichtigen Sicherheitsregeln in klarer, einfacher Sprache. Damit erfüllen Sie nicht nur Ihre gesetzliche Unterweisungspflicht nach § 12 ArbSchG, sondern schützen Ihre Mitarbeitenden effektiv vor Unfällen und Gesundheitsschäden – und reduzieren gleichzeitig Ihre Haftungsrisiken.

Abschnitt 1

Rechtliche Grundlagen

Die rechtlichen Grundlagen für Unterweisungen in Reinigungsarbeiten ergeben sich aus mehreren Vorschriften:

Arbeitssicherheitsgesetz (ArbSchG): § 12 ArbSchG – Unterweisung der Beschäftigten: Der Arbeitgeber hat die Beschäftigten über alle Gefährdungen aufklären, die mit ihrer Tätigkeit verbunden sind, sowie über die notwendigen Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln.

DGUV Vorschriften: • DGUV Vorschrift 1 – Grundsätze der Prävention: Verpflichtet zu regelmäßigen Unterweisungen über Gefährdungen und Schutzmaßnahmen • DGUV Vorschrift 2 – Unfallverhütungsvorschriften: Konkrete Anforderungen an die Unterweisung bei Reinigungsarbeiten • DGUV Regel 100-500 – Unterweisung der Beschäftigten: Detaillierte Hinweise zur Durchführung von Unterweisungen • DGUV Regel 103-001 – Reinigung und Wartung: Spezielle Vorgaben für Reinigungsarbeiten mit Chemikalien

Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV): § 3 BetrSichV – Gefährdungsbeurteilung: Verpflichtung zur Ermittlung und Beurteilung von Gefährdungen durch Arbeitsmittel und Arbeitsstoffe

Chemikalien-Verbotsverordnung: Verbietet bestimmte gefährliche Stoffe in Reinigungsmitteln und fordert Ersatz durch weniger gefährliche Alternativen

Abschnitt 2

Pflichten des Arbeitgebers

Unterweisungspflicht: Als Arbeitgeber müssen Sie nach § 12 ArbSchG alle Mitarbeitenden, die Reinigungsarbeiten durchführen, vor Aufnahme der Tätigkeit und danach mindestens einmal jährlich unterweisen. Bei neuen Gefährdungen oder Arbeitsverfahren erfolgt eine sofortige Nachunterweisung.

Gefährdungsbeurteilung: Voraussetzung für jede wirksame Unterweisung ist eine aktuelle Gefährdungsbeurteilung nach § 3 BetrSichV. Diese muss alle Gefährdungen bei Reinigungsarbeiten systematisch erfassen und bewerten.

Dokumentation: Die Durchführung der Unterweisung muss schriftlich dokumentiert werden. Die Dokumentation mhalt: Datum, Inhalt, Dauer, Name und Unterschrift der unterwiesenen Person sowie des Unterweisenden. Aufbewahrungsfrist: 10 Jahre.

Verständniskontrolle: Besonders bei Mitarbeitenden mit eingeschränkten Deutschkenntnissen müssen Sie sicherstellen, dass der Unterrichtsstoff verstanden wurde. Die Unterweisung in einfacher Sprache ist hier ein probates Mittel.

Abschnitt 3

Inhalte der Unterweisung

1. Einführung – Was sind Reinigungsarbeiten?

Reinigungsarbeiten sind alle Tätigkeiten, bei denen Räume, Flächen oder Gegenstände von Schmutz, Keimen und Krankheitserregern befreit werden. Im Gesundheitswesen umfasst das:

  • Grundreinigung von Patientenzimmern und Praxen
  • Desinfektion von Oberflächen und Geräten
  • Spezialreinigung von Isolierstationen
  • Reinigung von Sanitärbereichen und Küchen
  • Entsorgung von infektiösen Abfällen

2. Gefahren erkennen – Was kann passieren?

Körperliche Belastung: Schweres Heben und Tragen kann zu Rückenschmerzen führen. Langes Knien oder Bücken belastet Gelenke.

Chemikalien: Reinigungsmittel können die Haut reizen oder die Augen verätzen. Manche Stoffe sind giftig beim Einatmen.

Infektionen: Krankheitserreger können über die Hände in den Körper gelangen.

Strom: Nasse Reinigung in der Nähe von Steckdosen kann zu Stromschlag führen.

Ausrutschen: Nasse Böden sind rutschig – Sturzgefahr!

3. Schutzmaßnahmen – Wie schütze ich mich?

Personenschutz:

  • Handschuhe: Tragen Sie immer Einmalhandschuhe aus Nitril
  • Schutzbrille: Beim Sprühen von Desinfektionsmitteln
  • Maske: Bei starker Geruchsbelastung oder Infektionsrisiko
  • Sicherheitsschuhe: Mit rutschfester Sohle

Technische Hilfsmittel:

  • Verwenden Sie Kehrwagen mit richtiger Höhe
  • Nehmen Sie Teleskopstiele für hohe Flächen
  • Benutzen Sie Absauganlagen bei Staub

4. Richtige Arbeitsweise – Schritt für Schritt

Vorbereitung:

  • Zuerst: Gefahren erkennen (Schilder beachten!)
  • Sicherheitsausrüstung anlegen
  • Material und Geräte bereitstellen

Reinigung:

  • Von oben nach unten arbeiten
  • Von sauber nach dreckig
  • Einwirkzeiten beachten (z.B. Desinfektionsmittel 5 Minuten einwirken lassen)

Nachbereitung:

  • Materialien richtig entsorgen
  • Hände waschen
  • Geräte reinigen und aufbewahren

5. Besondere Situationen – Was tun im Notfall?

Chemikalien im Auge: Sofort 10-15 Minuten mit Wasser spülen, zum Arzt.

Verdacht auf Infektion: Chef informieren, ggf. arbeitsmedizinische Vorsorge.

Unfall: Erste Hilfe leisten, Notruf 112, Unfallbericht schreiben.

Abschnitt 4

Gefährdungen & Schutzmaßnahmen

Systematische Gefährdungsanalyse nach dem TOP-Prinzip:

T – Technische Maßnahmen:

  • Gebrauchsanweisungen für Reinigungsmittel in einfacher Sprache aushängen
  • Spender für Desinfektionsmittel mit Dosierautomaten installieren
  • Absaug- und Lüftungsanlagen in Reinigungsräumen
  • Kehrwagen mit ergonomischen Handgriffen und richtiger Höhe

O – Organisatorische Maßnahmen:

  • Reinigungspläne mit klaren Anweisungen in einfacher Sprache
  • Kontrolle der Einwirkzeiten bei Desinfektionsmitteln
  • Zeitfenster für Reinigung außerhalb der Patientenverkehrszeiten
  • Teamschulungen für neue Reinigungsverfahren

P – Persönliche Schutzausrüstung (PSA):

  • Mindestausstattung: Nitrilhandschuhe, Schutzbrille, Einweg-Schutzkleidung
  • Atemschutz bei Chemikalien mit Aerosolen
  • Rutschfeste Sicherheitsschuhe mit Stahlkappe
  • Hautschutzmittel bei häufigem Händewaschen

Besondere Gefährdungen im Gesundheitswesen:

  • MRSA-Keime: Spezielle Desinfektionsmittel mit viruzider Wirksamkeit
  • Norovirus: Verstärkte Händehygiene und Flächendesinfektion
  • Tuberkulose: Atemschutzgeräte bei Verdacht
  • Bloodborne Pathogens: Sofortige Desinfektion nach Kontakt mit Blut

Abschnitt 5

Zielgruppen & Branchen

Diese Unterweisung ist besonders wichtig für:

  • Krankenhäuser: Stationsreinigung, OP-Bereiche, Intensivstationen
  • Alten- und Pflegeheime: Hygiene in Bewohnerzimmern und Gemeinschaftsbereichen
  • Arztpraxen: Behandlungsräume, Wartezimmer, Laborbereiche
  • Rehabilitationskliniken: Therapieräume und Patientenzimmer
  • Labore: Spezielle Reinigung kontaminierter Bereiche

Besonderheit: In diesen Einrichtungen arbeiten oft Mitarbeitende mit Migrationshintergrund oder geringerem Bildungsabschluss. Die einfache Sprache sorgt für besseres Verständnis und höhere Sicherheit.

Abschnitt 6

Intervalle & Dokumentation

Regelmäßige Wiederholung:

  • Erstunterweisung: Vor Aufnahme der Tätigkeit
  • Jährliche Nachunterweisung: Mindestens einmal pro Jahr
  • Bei Änderungen: Sofort bei neuen Reinigungsmitteln, Geräten oder Verfahren
  • Nach Unfällen: Innerhalb von 14 Tagen nach arbeitsbedingten Unfällen

Dokumentationspflicht: Die Unterweisung muss in einem Präsenzverzeichnis dokumentert werden mit:

  • Datum und Ort der Unterweisung
  • Dauer (mind. 30 Minuten empfohlen)
  • Themen nach DGUV Vorschrift 2
  • Unterschrift von Unterweisender und Unterwiesenem

Aufbewahrungsfrist: 10 Jahre gemäß § 6 ArbSchG, bei jungen Menschen bis 2 Jahre nach Beendigung der Ausbildung.

In der Praxis

Was Verantwortliche wissen müssen

Checkliste

Das sollten Sie prüfen

  • ⧠ Alle Mitarbeitenden haben die Erstunterweisung erhalten?
  • ⧠ Gefährdungsbeurteilung für Reinigungsarbeiten liegt aktuell vor?
  • ⧠ Persönliche Schutzausrüstung ist vorhanden und geprüft?
  • ⧠ Sicherheitsdatenblätter für alle Reinigungsmittel in einfacher Sprache verfügbar?
  • ⧠ Erste-Hilfe-Material ist griffbereit?
  • ⧠ Notfallnummern (Giftnotruf, Ärztlicher Bereitschaftsdienst) ausgehängt?
  • ⧠ Reinigungspläne in einfacher Sprache erstellt?
  • ⧠ Dokumentation aller Unterweisungen ist vollständig?
  • ⧠ Jährliche Nachunterweisung ist terminiert?
  • ⧠ Verständniskontrolle bei Mitarbeitenden mit Sprachbarrieren durchgeführt?

Häufige Fehler

Das geht oft schief

  1. Zu komplizierte Sprache
    Viele Unterweisungen verwenden Fachbegriffe wie „desinfizierend wirkend“ oder „alkalisch“. Das Verstehen Mitarbeitende mit geringerem Bildungsabschluss nicht.
  2. Fehlende Praxisbeispiele
    Nur Theorie vermitteln, ohne konkrete Beispiele aus dem Krankenhausalltag. Die Folge: Die Inhalte werden nicht auf die eigene Arbeit übertragen.
  3. Keine Verständniskontrolle
    Nicht nachfragen, ob alles verstanden wurde. Besonders gefährlich bei Mitarbeitenden mit Deutsch als Zweitsprache.
  4. Unvollständige Dokumentation
    Nur die Unterschrift abholen, aber nicht alle Inhalte dokumentieren. Bei Betriebsprüfungen fehlen wichtige Nachweise.
  5. Keine jährliche Auffrischung
    Einmal unterwiesen und nie wieder – das reicht nicht. Neue Reinigungsmittel oder veränderte Hygienevorschriften erfordern regelmäßige Aktualisierungen.

Sonderfälle

Das gilt zusätzlich

  • Unterweisung für Lehrlinge und Praktikanten

    Besonderheiten:

    • Unterweisung muss vor Arbeitsaufnahme erfolgen
    • Zusätzliche Unterweisung nach 3 Monaten
    • Verstärkte Aufsicht durch erfahrene Kollegen
    • Schriftliche Bestätigung des Ausbilders
  • Unterweisung für Leiharbeitnehmer

    Wichtig:

    • Unterweisung muss vom Verleiher erfolgen
    • Entleiher muss spezifische Arbeitsplatzgefahren erläutern
    • Doppelte Dokumentation bei Verleih und Entleiher
  • Unterweisung für Teilzeitkräfte und Aushilfen
    Auch bei geringerer Arbeitszeit gilt: Vollständige Unterweisung erforderlich. Die Inhalte müssen auf die konkreten Arbeitsbereiche zugeschnitten sein.

Häufige Fragen

Fragen zur Unterweisung EINFACHE SPRACHE – Reinigungsarbeiten

Muss die Unterweisung wirklich in einfacher Sprache erfolgen?

Antwort: Ja, wenn Mitarbeitende erkennbar Schwierigkeiten mit Fachsprache haben. § 12 ArbSchG verlangt „angemessene“ Unterweisung – das bedeutet verständlich für den Empfänger.

Kann ich die Unterweisung online durchführen?

Antwort: Ja, wenn sichergestellt ist, dass die Inhalte verstanden wurden. Optimal: Kombination aus Online-Modul und praktischer Übung mit erfahrenem Kollegen.

Wie lange muss die Unterweisung dauern?

Antwort: Mindestens 30 Minuten für die Grundversion, bei speziellen Gefährdungen (z.B. Umgang mit infektiösen Stoffen) bis zu 60 Minuten.

Was tun bei Sprachbarrieren?

Antwort: Nutzen Sie unsere Unterweisung in einfacher Sprache, ergänzen Sie durch Dolmetscher oder mehrsprachige Materialien. Wichtig: Verständniskontrolle durchführen!

Muss ich alle Reinigungsmittel einzeln erklären?

Antwort: Ja, wenn unterschiedliche Gefährdungsmerkmale vorliegen. Gruppieren Sie ähnliche Mittel und erklären Sie die wichtigsten Eigenschaften in einfacher Sprache.

Wer darf unterweisen?

Antwort: Unterweisen darf jede befähigte Person – idealerweise der Sicherheitsbeauftragte oder erfahrene Reinigungskräfte mit Zusatzausbildung.

Was kostet eine Nachunterweisung?

Antwort: Mit unserem Online-System: wenige Euro pro Person. Die Kosten für eine Verletzung durch mangelnde Unterweisung: mehrere tausend Euro Bußgeld plus Unfallkosten.

Wie dokumentiere ich die Verständniskontrolle?

Antwort: Durch kurze Fragen am Ende der Unterweisung, z.B.: „Was tun Sie, wenn Desinfektionsmittel in Ihr Auge spritzt?“ Die Antwort wird im Protokoll vermerkt.

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