Thema · Arbeitsschutz
Unterweisung „Heben und Tragen für ambulantes Pflegepersonal“ – rechtssicher & praxisnah
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 14 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Arbeitsschutz · Gesundheitswesen, Pflege
- Rechtsgrundlage
- DGUV Information 207-021 - CD-ROM: Rückengerechtes Arbeiten in Pflege und Betreuung; LasthandhabV - Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der manuellen Handhabung von Lasten bei der Arbeit
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 7302
Ihre Vorteile
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WCAG 2.2 AA
Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) §12 verpflichtet den Arbeitgeber, Mitarbeitende über Sicherheit und Gesundheitsschutz, einschließlich der Gefährdungen durch Heben und Tragen, zu unterweisen. Konkretisiert wird dies durch:
- DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ – verlangt eine arbeitsplatzbezogene Gefährdungsbeurteilung und die Ableitung geeigneter Schutzmaßnahmen.
- DGUV Vorschrift 2 „Unterweisung“ – fordert regelmäßige, wiederkehrende und dokumentierte Schulungen zum Thema Heben und Tragen.
- DGUV Regel 100-001 „Manual Handling Loads“ – liefert technische Hinweise zur Vermeidung von Rückenschäden, u. a. Einsatz von Hilfsmitteln und Schulungstechniken.
- BetrSichV §3 und §14 – regeln den Einsatz und die Prüfung von Hebehilfen und Patientenlifter, wenn mechanische Unterstützung erforderlich ist.
Zugrunde liegende Regelwerke
- DGUV Information 207-021 - CD-ROM: Rückengerechtes Arbeiten in Pflege und Betreuung · Ausgabe 2011.03
- LasthandhabV - Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der manuellen Handhabung von Lasten bei der Arbeit
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
2. Unterweisungspflicht: Neue Mitarbeitende erhalten unverzüglich eine Erstunterweisung. Danach sind jährliche Auffrischungen vorzusehen (DGUV Vorschrift 2).
3. Dokumentation: Jede Schulung ist zu protokollieren: Inhalt, Datum, Teilnehmende, Dauer, Unterschrift der Mitarbeitenden. Die Aufbewahrungsfrist beträgt laut DGUV Vorschrift 2 mindestens fünf Jahre.
4. Anpassung & Nachschulung: Ändern sich Patientenverhältnisse, Pflegestufen oder technische Hilfsmittel, muss die Gefährdungsbeurteilung aktualisiert und ggf. nachgeschult werden.
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
2. Patientengruppen und Pflegestufen
- Kurzzeitpflege: meist kognitiv leicht eingeschränkte Menschen, unterstützende Maßnahmen genügen.
- Verhinderungspflege: hohe Eigenständigkeit, aber Risiko durch temporäre körperliche Einschränkung (z. B. Hüft-OP).
- Langzeitpflege: häufig Immobilität und hohes Gewicht, Einsatz von mechanischen Hilfsmitteln erforderlich.
- Intensivpflege: Patient:innen mit Beatmung oder Trachealkanüle, Transfer erfordert mehrere Personen.
3. Rückenschonende Arbeitstechniken (TOP-Prinzip)
- T – Technik: Große Griffbasis, enger Stand, Kniebeugen, gerader Rücken.
- O – Organisation: Transferwege freiräumen, Rollstuhl vorpositionieren, Verbandkoffer und Beatmungsgeräte sichern.
- P – Personal: Anzahl der Helfer festlegen, Rollenspiel „Kommandos“ einüben.
4. Hilfsmittel und Technik Vorstellung von Steh- und Reboard-Liftern, Schwenk- und Badeliften, sowie behelfsmäßige Alternativen (Rutschbrett, Transfergurt). Übungen an Originalgeräten in der Pflegewohnung oder im Übungsraum.
5. Kommunikation und Einverständnis Rechtliche Aspekte der Einwilligung, Datenschutz (DSGVO) und Notfallmanagement bei Sturz oder panischem Verhalten des Patienten.
6. Akute Rückenschmerzen & Erste Hilfe Notfallmaßnahmen bei akuten Lumbago, Schonhaltungen, Info für Hausarzt und BG-Meldung.
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
Typische Gefährdungen:
- Bandscheibenschäden durch unphysiologische Lastverteilung
- Schleudertrauma im Halswirbelbereich durch ruckartige Bewegungen
- Muskelverspannungen durch einseitige Körperhaltung
- Sturz des Patienten bei unkoordiniertem Transfer
- Quetschung von Händen oder Füßen zwischen Bett und Rollstuhl
Schutzmaßnahmen nach dem TOP-Prinzip:
- Technik: Einsatz von Hebel- und Rollprinzipien, z. B. Patient auf Seitlagerrolle drehen und dann hochziehen statt hochstemmen.
- Organisation: Schuhwerk mit rutschfester Sohle, ausreichende Beleuchtung, Wege frei von Teppichkanten oder Kabeln.
- Personal: Mindestens zweiter Helfer ab 30 kg Patientengewicht, bei Bettlägerigkeit oder stark eingeschränkter Eigenaktivität Team aus drei Personen und mechanische Unterstützung.
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Gefährdungsbeurteilung für Heben/Tragen aktuell (max. 12 Monate alt)?
- Alle Mitarbeitenden haben eine gültige Erstunterweisung erhalten?
- Patientengruppen und Pflegestufen im Betrieb erfasst?
- Hilfsmittelverzeichnis liegt vor und wurde eingesetzt?
- Praxisübung an Original-Liftern durchgeführt?
- Dokumentation der jährlichen Auffrischung vorhanden?
- Notfallplan bei Rückenschmerzen kommuniziert?
- Unfall- und Krankheitsstatistik ausgewertet?
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Fehlende GefährdungsbeurteilungViele ambulante Dienste nutzen Standardformulare ohne konkrete Analyse der Patienten-Situation. Folge: unzureichende Auswahl von Hilfsmitteln.
- Einmalige Unterweisung„War vor drei Jahren beim externen Seminar“ – reicht nicht. Die jährliche Auffrischung wird vergessen, was bei Prüfungen durch die Berufsgenossenschaft sanktioniert wird.
- DokumentationslückenUnterschrift fehlt oder das Datum ist unleserlich. Online-Systeme mit automatischem PDF-Zertifikat schließen diese Lücken.
- Hilfsmittel werden nicht genutztVorhandene Lifte stehen im Auto, weil die Mitarbeitenden unsicher sind. Regelmäßige Übungen verhindern diese Hemmung.
- „Ich kann das schon“-MentalitätErfahrene Pflegekräfte verweigern die Nachschulung. Dabei sind gerade sie durch jahrelange Fehlbelastung besonders gefährdet.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
Übergewichtige Patient:innen (BMI > 30)
Ab 100 kg Körpergewicht ist generell ein mechanischer Patientenlifter vorgeschrieben. Vorab muss die Bodenbelastbarkeit und Türweite geprüft werden.
Demenz und aggressive Verhaltensweisen
Einwilligung ist schwer erklärbar. Notwendigkeit von Angehörigen oder Betreuungsrecht, ggf. Medikamentenanpassung zur Transfer-Sicherheit.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Heben und Tragen für ambulantes Pflegepersonal
F: Muss ich meine eigenen Pflegekräfte extern schulen lassen?
A: Nein. Die Unterweisung kann intern oder digital erfolgen, sofern die Inhalte arbeitsplatzbezogen und von qualifizierten Personen vermittelt werden.
F: Wie lange darf eine Online-Schulung maximal dauern?
A: Die DGUV gibt keine Mindestdauer vor. Praxisnahe 45–60 Minuten mit Videos und interaktiven Tests haben sich bewährt.
F: Darf ich die Schulung auch kurz vor dem Feierabend machen?
A: Ja, wenn die Konzentrationsfähigkeit gewährleistet ist. Die Arbeitszeit ist nach ArbZG voll zu vergüten.
F: Was tun, wenn ein Mitarbeiter die Schulung verweigert?
A: Dokumentieren und abmahnen. Verweigerung stellt eine Ordnungswidrigkeit nach ArbSchG §24 dar.
F: Muss ich bei Kurzzeitpflege ebenfalls unterweisen?
A: Ja. Sobald Menschen gehoben oder getragen werden – unabhängig von der Pflegestufe – greift ArbSchG §12.
F: Darf ich die Schulung auf Englisch durchführen?
A: Nur wenn alle Teilnehmenden ausreichende Sprachkenntnisse haben. Ansonsten ist eine deutschsprachige Schulung zwingend.
F: Brauche ich einen Patientenlifter, wenn der Patient nur 50 kg wiegt?
A: Nicht per se. Die Gefährdungsbeurteilung entscheidet nach Pflegestufe, Mobilität und körperlichen Einschränkungen.
F: Wer darf die Schulung durchführen?
A: Geeignete interne Fachkräfte (z. B. Pflegeexpert*innen mit Zusatzausbildung) oder zertifizierte Externe, z. B. BG-Berater oder Fachkrankenschwestern.
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