Thema · Hygiene
Unterweisung „Hygienisches Arbeiten an Trinkwasserleitungen“: Rechtssicherheit für Fachkräfte
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 12 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Hygiene · Schulungen allg. · Wasserwirtschaft, Kläranlage
- Rechtsgrundlage
- IfSG - Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 4100
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WCAG 2.2 AA
Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
Trinkwasserverordnung (TrinkwV) § 15 TrinkwV – Verkehrshygiene: Wer Trinkwasser in Anlagen verwendet, muss Maßnahmen treffen, die eine nachteilige Veränderung der Wasserbeschaffenheit verhindern. § 18 TrinkwV – Betreiberpflichten: Betreiber von Trinkwasser-Installationen müssen regelmäßige Kontrollen durchführen und hygienisches Personal einsetzen. Anlage 3 TrinkwV – Technische Maßnahmen: konkrete Anforderungen an Materialien und Verfahren zum Schutz vor Kontamination.
DGUV Vorschriften DGUV Vorschrift 1 – Grundsätze der Prävention (vormals BGV A1): Betriebliche Organisation des Arbeitsschutzes, einschließlich Schulung und Anleitung. DGUV Regel 113-004 – Arbeiten in der Wasserversorgung: Hygienische Anforderungen an Arbeiten in Trinkwassersystemen, einschließlich Dokumentationspflichten.
Zugrunde liegende Regelwerke
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
Gefährdungsbeurteilung: Gemäß § 4 ArbSchG muss für Tätigkeiten an Trinkwasserleitungen eine schriftliche Gefährdungsbeurteilung vorliegen. Dabei sind biologische Arbeitsstoffe (Legionellen, Pseudomonaden), chemische Desinfektionsmittel und physikalische Risiken wie Temperatureinflüsse zu berücksichtigen.
Dokumentation: Jede Unterweisung ist laut DGUV Vorschrift 2 „Unterweisung“ zu dokumentieren und mindestens fünf Jahre aufzubewahren. Die Nachweise sind auf Verlangen den zuständigen Behörden (Gewerbeaufsicht, Gesundheitsamt) vorzulegen.
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
1. Rechtliche Grundlagen & Normen
- Aufbau und Inhalt der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) mit Fokus auf §§ 15, 18 und Anlage 3
- Verhältnis ArbSchG, BetrSichV und technische Regelwerke (DIN EN 806, DIN EN 1717)
- Rollen und Verantwortlichkeiten: Betreiber, Installateur, Sachkundiger für Trinkwasser-Installationen
2. Mikrobiologische Gefährdungen
- Erregerrelevante Biofilme und Wachstumsbedingungen (Temperatur, Stagnation)
- Legionellen, Pseudomonaden und Coliforme Bakterien – Übertragungswege und Gesundheitsrisiken
- Quellen von Kontaminationen während Installations-, Wartungs- und Reparaturarbeiten
3. Hygienische Arbeitstechniken
- Vorbereitung: Erstellung eines Hygieneplans, Einrichtung temporärer Schleusen, Desinfektion von Werkzeugen und Arbeitsumfeld
- Durchführung: Aseptische Demontage, sofortige Versiegelung offener Leitungen, kontinuierliche Desinfektion der Kontaktstellen
- Abschluss: Druck- und Dichtheitsprüfung, Spülung und Desinfektion nach DIN EN 806-5, Probenahme und Dokumentation
4. Desinfektionsverfahren
- Chemische Desinfektion: korrekte Dosierung von Natriumhypochlorit, Aktivsauerstoff oder Wasserstoffperoxid
- Thermische Desinfektion: Durchflusstemperatur 70 °C für 30 Minuten, Temperaturmessprotokoll
- UV-Desinfektion im Rahmen von Instandsetzungen – Einsatzgrenzen und Sicherheitsabstände
5. Praxisbeispiele & Fallstudien
- Reparatur einer Legionellen-belasteten Warmwasserleitung in einem Altenheim – Schritt-für-Schritt-Hygienekonzept
- Einbau eines Druckminderers unter Einhaltung des Trinkwasseschutzes – häufige Fehler und Korrekturmaßnahmen
- Wiederinbetriebnahme einer stillgelegten Leitung nach DIN EN 806-4 – Checkliste zur Risikominimierung
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
Konkrete Gefährdungen:
- Bakteriologische Kontamination: Biofilme lösen sich bei Demontage und gelangen ins Trinkwasser
- Stagnation: Unterbrechung der Wasserströmung während Reparaturen fördert Keimwachstum
- Kreuzverbindungen: Rückfluss kontaminierter Medien über fehlende Rückflussverhinderer
- Chemikalien: Desinfektionsmittel-Reste bei falscher Dosierung oder unvollständiger Spülung
Schutzmaßnahmen nach dem TOP-Prinzip:
- Technische Maßnahmen: Verwendung keimfreier Einweghandschuhe, steriler Verpackungen für Armaturen, absperrbare Desinfektionsanschlüsse
- Organisatorische Maßnahmen: Festlegung von Hygienebeauftragten, sequenzierte Arbeitsabläufe (Reinigung → Demontage → Montage → Desinfektion), Dokumentation jedes Arbeitsschritts
- Personelle Maßnahmen: Schulung vor jeder neuen Maßnahme, regelmäßige Gesundheitskontrollen für Personal in sensiblen Bereichen, Bereitstellung persönlicher Schutzausrüstung (Mund-Nasen-Schutz, Schutzbrille)
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Hygienekonzept vor Arbeitsbeginn erstellt und mit Auftraggeber abgestimmt?
- Alle Werkzeuge und Ersatzteile desinfiziert und keimfrei verpackt?
- Stagnationsstellen identifiziert und Vorflutung/Spülung geplant?
- Rückflussverhinderer korrekt dimensioniert und geprüft?
- Protokoll zur thermischen Desinfektion (Temperatur-/Zeit-Diagramm) ausgefüllt?
- Wasserprobenahme nach DIN EN ISO 19458 mit sterilen Beuteln durchgeführt?
- Arbeitsschutzunterweisung für alle Beteiligten dokumentiert und unterschrieben?
- Container-Nummer der Desinfektionsmittel-Lösung und Chargenbeleg archiviert?
- Stilllegungs- und Wiederinbetriebnahme-Datum im Hygieneplan vermerkt?
- Endabnahmeprotokoll mit Betreiber abgezeichnet und digital abgelegt?
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Verzicht auf Desinfektion nach DemontageViele Monteure spülen lediglich, statt eine nachweisliche Chemie- oder Thermodesinfektion durchzuführen; Biofilm-Reste bleiben erhalten.
- Falsche RückflussverhindererKlasse A statt Klasse B (EN 1717) verbaut, sodass kontaminiertes Brauchwasser in das Trinkwassernetz zurückfließen kann.
- Nicht dokumentierte StagnationszeitenReparaturen dauern länger als geplant, ohne dass Stagnationsrisiken erkannt und dokumentiert werden.
- Mangelhafte Einweisung FremdfirmenSubunternehmer erhalten keine Hygieneunterweisung und verwenden nicht desinfiziertes Werkzeug.
- Vergessene ProbenahmeNach Abschluss wird keine mikrobiologische Kontrollprobe entnommen, sodass eine eventuelle Kontamination erst bei Verbraucher-Beschwerden auffällt.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Hausinternes Personal ohne Installateur-Meisterbrief Hausmeister und Technik-Kräfte in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen dürfen Kleinreparaturen nur unter Aufsicht eines geprüften „Sachkundigen für Trinkwasser-Installationen“ durchführen. Die Unterweisung muss daher eine Schnittstelle zwischen Meister und Hilfskraft schaffen und prüfen, ob deren Kenntnisstand ausreicht.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Hygienisches Arbeiten an Trinkwasserleitungen
Muss jeder Installateur die jährliche Unterweisung „Hygienisches Arbeiten“ wiederholen, auch wenn er nur gelegentlich an Trinkwasserleitungen arbeitet?
Ja, § 12 ArbSchG verlangt eine arbeitsplatzbezogene Unterweisung. Sobald ein Mitarbeiter Trinkwasserleitungen berührt, zählt er als „Gefährdet“ und benötigt die jährliche Schulung mit Nachweis.
Kann die Unterweisung online durchgeführt werden oder ist Präsenz erforderlich?
Die DGUV erlaubt Online-Schulungen, wenn sie interaktive Elemente (z. B. Videos, Live-Chat mit Dozent) enthält und eine abschließende Prüfung erfolgt. Die Teilnahmebestätigung ist rechtlich gleichwertig mit Präsenz.
Was ist bei Legionellen-Fällen innerhalb eines Wohnblocks zu tun?
Sofortige Unterweisung des gesamten Technikpersonals, Neubeurteilung des Hygieneplans, thermische oder chemische Gesamt-Desinfektion und stichprobenartige Wiederholung nach 4 Wochen.
Wie lange muss ich die Unterweisungsnachweise aufbewahren?
Laut DGUV Vorschrift 2 sind fünf Jahre Aufbewahrungsfrist vorgeschrieben; digitaler Speicherung genügt, wenn sie rückverfolgbar ist.
Dürfen Auszubildende ohne Meister an Trinkwasserleitungen arbeiten?
Ja, jedoch nur unter Anleitung und Verantwortung eines geprüften Ausbilders. Die Unterweisung muss den Ausbildungsstand berücksichtigen und dokumentiert werden.
Ist eine Corona-Schulung Bestandteil der Unterweisung?
Nein, Hygienearbeit an Leitungen ist eigenständig. Corona-Schutzmaßnahmen sind ggf. zusätzlich gemäß SARS-CoV-2-ArbSchV und Betriebshygieneplan umzusetzen.
Wer haftet bei Kontamination nach Fremdfirmen-Einsatz?
Der Betreiber der Anlage haftet gegenüber Verbrauchern. Er muss daher sicherstellen, dass Fremdfirmen dieselbe Unterweisung erhalten haben und Nachweise vorliegen.
Welche Qualifikation braucht der Schulungsleiter?
Mindestens „Sachkundiger für Trinkwasser-Installationen“ oder „Geprüfter Sachverständiger für Legionellenprävention“. Online-Schulungen müssen durch entsprechend zertifizierte Dozenten erfolgen.
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