Thema · Arbeitsschutz
Unterweisung „Biologische Arbeitsstoffe in abwassertechnischen Anlagen (TRBA 220)“ – Rechtssicherheit für Ihre Kläranlage
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 10 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Arbeitsschutz · Gefahrstoffe, Stoffe · Wasserwirtschaft, Kläranlage
- Rechtsgrundlage
- BioStoffV - Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit Biologischen Arbeitsstoffen; DGUV Regel 103-003 - Arbeiten in umschlossenen Räumen von abwassertechnischen Anlagen
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 4101
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Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
- ArbSchG § 3 – allgemeine Fürsorgepflicht des Arbeitgebers
- ArbSchG § 12 – Gefährdungsbeurteilung, auch für biologische Arbeitsstoffe
- ArbSchG § 14 – Unterweisungspflicht vor Arbeitsaufnahme und bei Änderung
- BioStoffV § 6 – Pflicht zur Einstufung der Tätigkeiten in Risikogruppen 2–4
- TRBA 220 – Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe: konkrete Maßnahmen in abwassertechnischen Anlagen
- DGUV Regel 113-005 – „Abwasser- und Abfallwirtschaft“: Hygienekonzepte, PSA
- DGUV Vorschrift 1 – Grundsätze der Prävention
- DGUV Vorschrift 2 – arbeitsmedizinische Vorsorge
Alle genannten Vorschriften sind verbindlich; Verstöße können Bußgelder (§ 25 ArbSchG, § 31 BioStoffV) und Haftungsansprüche nach sich ziehen.
Zugrunde liegende Regelwerke
- BioStoffV - Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit Biologischen Arbeitsstoffen
- DGUV Regel 103-003 - Arbeiten in umschlossenen Räumen von abwassertechnischen Anlagen · Ausgabe 2008.09
- DGUV Vorschrift 21 - Abwassertechnische Anlagen · Ausgabe 1995.10 aktualisierte
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
Der Arbeitgeber muss laut ArbSchG § 14 alle Beschäftigten vor Arbeitsaufnahme und danach in regelmäßigen Abständen unterweisen. Weitere zwingende Pflichten:
- Gefährdungsbeurteilung nach ArbSchG § 12 und BioStoffV § 6 dokumentieren, insbesondere Einstufung der Tätigkeiten in Risikogruppen 2–4
- Schutzmaßnahmen festlegen (baulich, organisatorisch, persönlich) und wirksam umsetzen
- Unterweisungsnachweise führen, inkl. Datum, Inhalt, Dauer und Unterschrift der Mitarbeitenden
- arbeitsmedizinische Vorsorge nach DGUV Vorschrift 2 veranlassen, wenn Risikogruppe 3 oder 4 vorliegt
- Verfahrensanweisungen (TRBA 220) bereitstellen und jederzeit zugänglich machen
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
1. Rechtsrahmen & Grundbegriffe
Erläuterung von BiostoffV und TRBA 220, Einteilung der Risikogruppen 1–4, Abgrenzung „Abwassertechnische Anlagen“ (Kläranlagen, Pumpwerke, Schlammentwässerungsanlagen).
2. Mikrobiologische Gefährdungen im Detail
- Bakterien: Salmonella, Shigella, E. coli, Leptospira interrogans (Weil-Fieber)
- Viren: Noroviren, Hepatitis-A- und E-Viren, Adenoviren
- Parasiten: Cryptosporidium, Giardia lamblia
- Pilze: Aspergillus-Arten (Aerosolbildung bei Schlammtrocknung)
Übertragungswege: perkutan, perkutan-mukös, inhalativ, perkutan-invasiv (Leptospiren über Hautverletzungen).
3. Gefährdungsbeurteilung & Einstufung
Praxisbeispiel: Einstufung der Tätigkeit „Reinigung des Sandfangs“ in Risikogruppe 3, da Kontakt mit Rohschlamm und Aerosolen. Checkliste zur Ermittlung von Expositionsszenarien.
4. Schutzmaßnahmen nach dem TOP-Prinzip
- Technisch: Absaugung an Schlammentnahmestellen, geschlossene Faulbehälter, Belüftungssteuerung zur Aerosolreduktion
- Organisatorisch: Zonierung (Schwarz-Weiß-Konzept), Reinigungspläne, betriebsanweisungsähnliche Verfahrensanweisungen nach TRBA 220 § 14
- Persönlich: PSA-Konzept (Chemikalienschutzhandschuhe Kat. III, Atemschutz FFP2/3 bei Risikogruppe 3, ggf. Vollmaske), Hygieneregeln (Desinfektion, Duschen)
5. Hygienemanagement & Notfallmanagement
Einführung in die DGUV Regel 113-005: Hygienekontrollen, Oberflächenproben, Trinkwasserinstallationen. Verhalten bei Verdacht auf Infektion (Meldung an Arbeitsmedizin, Absonderung bis zur Abklärung).
6. Praxis-Workshops
- Exkursion auf das Gelände: Erkennen von Expositionszonen
- PSA-Richtig-anziehen-Training (Video + Live-Übung)
- Ernstfall-Simulation: Leckage an einer Druckrohrleitung – welche Sofortmaßnahmen gelten?
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
- Aerosolbildung beim Öffnen von Kanälen oder Pumpensumpf: Reduktion durch Absauganlagen, Nassreinigung
- Stich-/Schnittverletzungen durch verrostete Gitterroste: Hautschutzpläne, cut-resistente Handschuhe
- Spritzwasser beim Rohrbruch: Schutzbrillen, Schutzanzug
- Fäkal-Staub bei Schlammtrocknung: FFP3 oder Halbmaske mit Partikelfilter P3
Das TOP-Prinzip wird anhand einer Expositionsmatrix praxisnah vermittelt: In welcher Zone darf welche PSA getragen werden? Wie erfolgt der Schwarz-Weiß-Wechsel?
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
- Kläranlagen – kommunal und industriell
- Abwasserpumpwerke
- Schlammbehandlungsanlagen (zentrifugale Entwässerung, Trocknungsanlagen)
- Industriebranchen: Papier- & Zellstoffindustrie, Lebensmittelindustrie mit eigener Kläranlage
Besonderheiten: Landwirtschaftliche Biogasanlagen, die Gülle oder Klärschlamm aufbereiten, gelten ebenfalls als abwassertechnische Anlagen gemäß TRBA 220.
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Gefährdungsbeurteilung nach ArbSchG § 12 und BioStoffV § 6 vorliegend?
- Risikogruppe korrekt (2-4) eingestuft und dokumentiert?
- PSA-Verfügbarkeit und Wartungsnachweise geprüft?
- Hygieneplan laut DGUV-Regel 113-005 aktuell?
- arbeitsmedizinische Vorsorge für RG 3/4 Personal vereinbart?
- Unterweisungsnachweise vollständig & 5 Jahre aufbewahrt?
- Notfallnummern (Arbeitsmedizin, Gesundheitsamt) aushängend?
- Reinigungs- & Desinfektionspläne erstellt und gelebt?
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Unterweisung „mal eben“ am MontagmorgenKurze Durchsagen gelten nicht als nachweisliche Unterweisung. Es fehlt die Dokumentation und der systematische Aufbau.
- PSA wird „nach Gefühl“ getragenOhne Risikobeurteilung fehlt die Grundlage für die richtige Auswahl – z.B. FFP2 statt FFP3 bei Risikogruppe 3.
- Keine arbeitsmedizinische VorsorgeBei RG 3/4 ist sie zwingend, sonst drohen Bußgelder und erhöhtes Infektionsrisiko.
- Dokumente nur digitalDie Aufsichtsbehörde verlangt i.d.R. handschriftliche Unterschriften auf Papier oder qualifizierte elektronische Signaturen.
- „Unser Betrieb ist klein – da brauchen wir keine Gefährdungsbeurteilung“Größe spielt keine Rolle. Bereits ein einziger Mitarbeiter im Rohschlammbereich löst die Pflicht aus BioStoffV § 6 aus.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Schwangere, Jugendliche und immunsupprimierte Personen Gemäß Mutterschutzgesetz § 10 dürfen Schwangere nicht in Bereichen mit Risikogruppe 3 oder 4 eingesetzt werden. Jugendliche (unter 18) sind gemäß JArbSchG § 22 von Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen generell ausgenommen. Immunsupprimierte Personen benötigen eine individuelle arbeitsmedizinische Einschätzung (DGUV Vorschrift 2).
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Biologischen Arbeitsstoffe in abwassertechnischen Anlagen (TRBA220)
Welche Kosten entstehen bei Nicht-Unterweisung?
Können wir die Unterweisung intern durchführen?
Muss ich alle Mitarbeiter unterweisen, auch die im Labor?Nein, nur die mit Exposition in der Anlage. Laborpersonal fällt unter TRBA 250.Wie lange dauert die Online-Schulung?
Können wir die Schulung auf Englisch anbieten?
Was ist bei Betriebsferien zu tun?
Wie erkenne ich Risikogruppe 3 im Betrieb?
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