Thema · Verwaltung | Büro

Unterweisung Hitzebelastung an Büroarbeitsplätzen: Rechtssicher & praxisnah

Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat

UWC-Nr. 4081 ca. 9 Minuten Lernzeit

Beschäftigte arbeiten gemeinsam an Laptops in einem hellen Büro

Steckbrief

Dauer
ca. 9 Minuten, jederzeit unterbrechbar
Bereiche
Verwaltung, Büro
Rechtsgrundlage
ArbStättV - Verordnung über Arbeitsstätten; DGUV Information 215-510 - Beurteilung des Raumklimas - Handlungshilfe für kleine und mittlere Unternehmen
Nachweis
Zertifikat automatisch als PDF
Sprachen
Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
Kennung
UWC-Nr. 4081

Ihre Vorteile

Warum Unterweisungscenter?

  • Rechtssicher

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    DE, EN, FR u. a.

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  • Barrierefrei

    WCAG 2.2 AA

Auf dieser Seite
Hitzeperioden werden in Deutschland länger und intensiver – auch klimatisierte Büros sind davon betroffen. Laut der Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A3.5 steigt ab 26 °C Raumtemperatur die Gefahr von Konzentrationsstörungen, Leistungsabfall und gesundheitlichen Beschwerden. Arbeitgeber sind nach § 3 ArbSchG verpflichtet, geeignete Maßnahmen zu ergreifen und Beschäftigte zu unterweisen. Diese Online-Schulung vermittelt praxisnah, wie Personalverantwortliche und Sicherheitsfachkräfte die Gefährdungsbeurteilung durchführen, kostengünstige Schutzmaßnahmen umsetzen und Mitarbeendelegationen schulen – rechtssicher dokumentiert und zeitsparend digital.

Abschnitt 1

Rechtliche Grundlagen

Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) § 3 Verantwortung des Arbeitgebers: Der Arbeitgeber hat die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten zu gewährleisten. Dazu gehört auch die Beurteilung klimatischer Einflüsse. § 5 Gefährdungsbeurteilung: Arbeitgeber müssen eine systematische Beurteilung aller Gefährdungen am Arbeitsplatz durchführen, einschließlich thermischer Belastung. § 12 Unterweisungspflicht: Beschäftigte sind in geeigneter Weise über Gefährdungen und Schutzmaßnahmen zu unterweisen.

Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) § 3 Raumtemperatur: Die Raumtemperatur muss nach der Art der Tätigkeit angemessen sein. Die ASR A3.5 konkretisiert, dass im Bürobereich 20–26 °C als angemessen gelten.

DGUV Vorschrift 1 Grundsätze der Prävention – Die Unfallversicherungsträger verlangen, dass thermische Belastungen in die Gefährdungsbeurteilung einfließen.

DGUV Regel 100-001 „Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz“ fordert praktikable Temperatursteuerung und Informationsweitergabe an die Belegschaft.

Abschnitt 2

Pflichten des Arbeitgebers

1. Gefährdungsbeurteilung durchführen Die Beurteilung muss dokumentiert und regelmäßig aktualisiert werden, insbesondere wenn sich klimatische Verhältnisse ändern oder neue Technik wie mobile Klimageräte eingeführt werden. Nutzen Sie den DGUV-Check „Klima und Gesundheit“ als Leitfaden.

2. Schutzmaßnahmen festlegen Arbeitgeber müssen dem TOP-Prinzip folgen: Technische, organisatorische und persönliche Maßnahmen in genau dieser Reihenfolge prüfen. Beispiele: Sonnenschutzfolien, flexible Arbeitszeiten, leichte Sommerkleidung.

3. Unterweisung und Dokumentation Alle betroffenen Beschäftigten – auch Home-Office-Kräfte – sind zu schulen. Die Teilnahme ist schriftlich zu bestätigen und bis zum Ablauf von 30 Jahren nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses aufzubewahren (DGUV Vorschrift 2 § 21).

Abschnitt 3

Inhalte der Unterweisung

1. Gesundheitliche Auswirkungen von Hitze im Büro

Physiologische Reaktionen

  • Regulation: Erhöhung von Hautdurchblutung und Schweißproduktion
  • Leistungsabfall: Ab 26 °C messbar, ab 30 °C deutlich
  • Besonderheiten: Risikogruppen (Schwangere, Herz-Kreislauf-Patienten, ältere Kolleg*innen)

Typische Symptome

  • Frühwarnzeichen: Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, Reizbarkeit
  • Fortgeschritten: Kreislaufkollaps, Hitzekrämpfe, Hitzschlag

2. Gefährdungsbeurteilung Schritt für Schritt

  • Raumklima erfassen: Temperatur, Luftfeuchte, Strahlungswärme (Globus-Temperatur)
  • Tätigkeitsanalyse: körperliche Anstrengung, Kleidungsanforderungen
  • Schweregrad bewerten: Einführung der WBGT-Index-Kurven (nicht nur für Industrie, auch für Büros anpassbar)
  • Maßnahmenplan erstellen: Technische → Organisatorische → Persönliche

3. Präventive Maßnahmen im Detail

Technische Maßnahmen

  • Sonnenschutz außen: Raffstore, Beschattungsfolien (Reduktion bis 5 °C)
  • Klimaanlagen: Split- oder Monoblock-Geräte, regelmäßige Wartung nach VDI 6022
  • Belüftung: Nacht- und Frühlüftung, Querlüftung während Pausen

Organisatorische Maßnahmen

  • Flexible Arbeitszeiten: Frühbeginn, Home-Office bei Extremwetter
  • Pausenregelung: 10-minütige Erholungspausen alle 2 Stunden bei > 30 °C
  • Tätigkeitsrotation: Wechsel von konzentrierter Arbeit zu Routine

Persönliche Maßnahmen

  • Kleidung: Atmungsaktive Stoffe, offene Schuhe (Hygieneregeln beachten)
  • Trinken: 200 ml Wasser pro Stunde, kostenloser Zugang sicherstellen
  • Training: Kurzübungen zur Durchblutung und Hitzewallung

4. Notfallmanagement

  • Hitzschlag erkennen: Bewusstlosigkeit, > 40 °C Körpertemperatur
  • Erste-Hilfe-Maßnahmen: Kühlung, stabile Seitenlage, Notruf 112
  • Meldeketten: Interne Hotline, Hausarzt, Betriebsarzt

5. Dokumentation und Nachweis

  • Schulungsnachweis: DGUV-Testat oder gleichwertiges
  • Praxisnachweis: Checklisten zur Selbstkontrolle
  • Jahresrückblick: Auswertung von Unfällen und Beschwerden

Abschnitt 4

Gefährdungen & Schutzmaßnahmen

Konkrete Gefährdungen

  • Raumtemperaturen > 26 °C: Leistungsabfall bis 15 % nachgewiesen
  • Gläserne Bürofassaden: Steigende Strahlungswärme, starker Temperaturanstieg
  • Hardware-Erhitzung: Server, Drucker erzeugen zusätzliche Wärmequellen
  • Home-Office ohne Klimaanlage: Höhere Belastung durch fehlende technische Hilfen

TOP-Prinzip angewendet

  • Technisch: Mobile Klimageräte einsetzen, Fenster abdunkeln, LED-Beleuchtung
  • Organisatorisch: Hitze-Alarm per E-Mail, Freigabe legerer Kleidung, kostenloses Eiswasser
  • Persönlich: Persönliche Wasserfasche, leichte Kleidung, 5-minütige Mikropausen im Schatten

Abschnitt 5

Zielgruppen & Branchen

Klassische Bürobranchen wie Finanzdienstleister, IT-Unternehmen, Verwaltungen und Callcenter sind besonders betroffen. In modernen Bürohochhäusern mit Großraumbüros und viel Glasfassaden steigen die Temperaturen besonders stark an. Auch öffentliche Verwaltungen müssen spätestens seit der digitalen Dienstleistungsumstellung (Online-Kommunikation) ihre Mitarbeitenden schulen. Besonderes Augenmerk gilt Co-Working-Spaces, da hier unterschiedliche Nutzerströme und variable Technikausstattung herrschen.

Abschnitt 6

Intervalle & Dokumentation

Die Unterweisung ist grundsätzlich jährlich zu wiederholen, bei akuten Hitzewellen (≥ 3 Tage ≥ 30 °C) vor Ort oder digital erneut durchzuführen. Die Dokumentation muss gemäß DGUV Vorschrift 2 § 21 mindestens 30 Jahre nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses aufbewahrt werden. Für befristete Kräfte (z. B. Praktikant*innen) gilt: Nachweis bis 3 Jahre nach Vertragsende. Ein elektronisches Schulungsmanagement-System erleichtert die Fristkontrolle und erinnert automatisch an erneute Schulungen.

In der Praxis

Was Verantwortliche wissen müssen

Checkliste

Das sollten Sie prüfen

  • Temperaturmessung an repräsentativen Arbeitsplätzen dokumentiert
  • Risikogruppen (Schwangere, Vorerkrankte) identifiziert und Maßnahmenplan erstellt
  • Mobile Klimageräte geprüft und Wartung nach VDI 6022 nachgewiesen
  • Home-Office-Richtlinien aktualisiert (Hitze-Handlungsanleitung versendet)
  • Trinkwasser-Stationen vorhanden und ausreichend
  • Pausenregelung bei > 30 °C kommuniziert (digitale Timer)
  • Notfallkarte „Hitzschlag“ im Erste-Hilfe-Kasten hinterlegt
  • Schulungsnachweis digital signiert und archiviert

Häufige Fehler

Das geht oft schief

  1. Fehlende Dokumentation der Raumtemperatur
    Ohne protokollierte Messung kann keine wirksame Gefährdungsbeurteilung erfolgen.
  2. Home-Office-Mitarbeitende vergessen
    Die Schulung muss auch für Remote-Arbeit gelten, sonst droht eine Haftungslücke.
  3. Klimaanlagen ohne Wartung
    Veraltete Filter sind Gesundheitsrisiken und verschlimmern die Hitzebelastung.
  4. Eintags-Fliegen statt Nachhaltigkeit
    Einmaliger Einsatz von Ventilatoren reicht nicht, wenn keine langfristige Strategie existiert.
  5. Pausenregelung nicht kommuniziert
    Ohne klare Kommunikation wird der Lernerfolg der Schulung konterkariert.

Sonderfälle

Das gilt zusätzlich

  • Schwangere und stillende Mitarbeitende
    § 8 MuSchG erlaubt Anpassung der Arbeitszeit oder Umsetzung in wärmeärmere Bereiche. Ab 22. SSW ist eine ärztliche Bescheinigung erforderlich, wenn die Raumtemperatur über 26 °C hinausgeht. Kostenlose Getränke und kürzere Pausen sind zwingend.
  • Ältere Kolleg*innen (ab 55 Jahre)
    Durch reduzierte Thermoregulation sind sie besonders gefährdet. Anpassung der Klimaanlage auf 2 °C niedrigere Zieltemperatur und flexible Arbeitszeiten sind empfohlen.

Häufige Fragen

Fragen zur Unterweisung Hitzebelastung an Büroarbeitsplätzen

Wie oft muss die Schulung bei Hitze durchgeführt werden?

Grundsätzlich jährlich, bei Hitzewellen erneut vor Ort oder digital.

Gilt die Schulung auch für Home-Office?

Ja, denn Arbeitgeberhaftung endet nicht an der Wohnungstür (§ 3 ArbSchG).

Wann ist eine Klimaanlage Pflicht?

Keine gesetzliche Pflicht, aber ab 30 °C WBGT-Index empfiehlt die DGUV technische Klimatisierung.

Wie messe ich die Raumtemperatur richtig?

In 1,1 m Höhe, nicht direkt an Fenstern oder Heizkörpern, über einen Zeitraum von mindestens 3 Tagen.

Wer trägt die Kosten für Ventilatoren und Getränke?

Der Arbeitgeber, da es sich um arbeitsbedingte Gesundheitsvorsorge handelt.

Dürfen Mitarbeitende bei Hitze ins Home-Office?

Ja, sofern betriebliche Gründe nicht entgegenstehen und der Arbeitsvertrag Home-Office erlaubt.

Welche Dokumente brauche ich für die Prüfung?

Gefährdungsbeurteilung, Schulungsnachweise, Wartungsprotokolle Klimaanlagen.

Was tun bei Klimaanlagenausfall im Sommer?

Sofort organisatorische Maßnahmen: flexible Arbeitszeiten, Umzug in kühle Räume, Mobile Klimageräte leihen.

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