Thema · Verwaltung | Büro
Unterweisung Hitzebelastung an Büroarbeitsplätzen: Rechtssicher & praxisnah
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 9 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Verwaltung, Büro
- Rechtsgrundlage
- ArbStättV - Verordnung über Arbeitsstätten; DGUV Information 215-510 - Beurteilung des Raumklimas - Handlungshilfe für kleine und mittlere Unternehmen
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 4081
Ihre Vorteile
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WCAG 2.2 AA
Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) § 3 Raumtemperatur: Die Raumtemperatur muss nach der Art der Tätigkeit angemessen sein. Die ASR A3.5 konkretisiert, dass im Bürobereich 20–26 °C als angemessen gelten.
DGUV Vorschrift 1 Grundsätze der Prävention – Die Unfallversicherungsträger verlangen, dass thermische Belastungen in die Gefährdungsbeurteilung einfließen.
DGUV Regel 100-001 „Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz“ fordert praktikable Temperatursteuerung und Informationsweitergabe an die Belegschaft.
Zugrunde liegende Regelwerke
- ArbStättV - Verordnung über Arbeitsstätten
- DGUV Information 215-510 - Beurteilung des Raumklimas - Handlungshilfe für kleine und mittlere Unternehmen · Ausgabe 2026.01
- DGUV Information 215-520 - Klima im Büro - Antworten auf die häufigsten Fragen · Ausgabe 2026.01
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
2. Schutzmaßnahmen festlegen Arbeitgeber müssen dem TOP-Prinzip folgen: Technische, organisatorische und persönliche Maßnahmen in genau dieser Reihenfolge prüfen. Beispiele: Sonnenschutzfolien, flexible Arbeitszeiten, leichte Sommerkleidung.
3. Unterweisung und Dokumentation Alle betroffenen Beschäftigten – auch Home-Office-Kräfte – sind zu schulen. Die Teilnahme ist schriftlich zu bestätigen und bis zum Ablauf von 30 Jahren nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses aufzubewahren (DGUV Vorschrift 2 § 21).
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
1. Gesundheitliche Auswirkungen von Hitze im Büro
Physiologische Reaktionen
- Regulation: Erhöhung von Hautdurchblutung und Schweißproduktion
- Leistungsabfall: Ab 26 °C messbar, ab 30 °C deutlich
- Besonderheiten: Risikogruppen (Schwangere, Herz-Kreislauf-Patienten, ältere Kolleg*innen)
Typische Symptome
- Frühwarnzeichen: Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, Reizbarkeit
- Fortgeschritten: Kreislaufkollaps, Hitzekrämpfe, Hitzschlag
2. Gefährdungsbeurteilung Schritt für Schritt
- Raumklima erfassen: Temperatur, Luftfeuchte, Strahlungswärme (Globus-Temperatur)
- Tätigkeitsanalyse: körperliche Anstrengung, Kleidungsanforderungen
- Schweregrad bewerten: Einführung der WBGT-Index-Kurven (nicht nur für Industrie, auch für Büros anpassbar)
- Maßnahmenplan erstellen: Technische → Organisatorische → Persönliche
3. Präventive Maßnahmen im Detail
Technische Maßnahmen
- Sonnenschutz außen: Raffstore, Beschattungsfolien (Reduktion bis 5 °C)
- Klimaanlagen: Split- oder Monoblock-Geräte, regelmäßige Wartung nach VDI 6022
- Belüftung: Nacht- und Frühlüftung, Querlüftung während Pausen
Organisatorische Maßnahmen
- Flexible Arbeitszeiten: Frühbeginn, Home-Office bei Extremwetter
- Pausenregelung: 10-minütige Erholungspausen alle 2 Stunden bei > 30 °C
- Tätigkeitsrotation: Wechsel von konzentrierter Arbeit zu Routine
Persönliche Maßnahmen
- Kleidung: Atmungsaktive Stoffe, offene Schuhe (Hygieneregeln beachten)
- Trinken: 200 ml Wasser pro Stunde, kostenloser Zugang sicherstellen
- Training: Kurzübungen zur Durchblutung und Hitzewallung
4. Notfallmanagement
- Hitzschlag erkennen: Bewusstlosigkeit, > 40 °C Körpertemperatur
- Erste-Hilfe-Maßnahmen: Kühlung, stabile Seitenlage, Notruf 112
- Meldeketten: Interne Hotline, Hausarzt, Betriebsarzt
5. Dokumentation und Nachweis
- Schulungsnachweis: DGUV-Testat oder gleichwertiges
- Praxisnachweis: Checklisten zur Selbstkontrolle
- Jahresrückblick: Auswertung von Unfällen und Beschwerden
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
Konkrete Gefährdungen
- Raumtemperaturen > 26 °C: Leistungsabfall bis 15 % nachgewiesen
- Gläserne Bürofassaden: Steigende Strahlungswärme, starker Temperaturanstieg
- Hardware-Erhitzung: Server, Drucker erzeugen zusätzliche Wärmequellen
- Home-Office ohne Klimaanlage: Höhere Belastung durch fehlende technische Hilfen
TOP-Prinzip angewendet
- Technisch: Mobile Klimageräte einsetzen, Fenster abdunkeln, LED-Beleuchtung
- Organisatorisch: Hitze-Alarm per E-Mail, Freigabe legerer Kleidung, kostenloses Eiswasser
- Persönlich: Persönliche Wasserfasche, leichte Kleidung, 5-minütige Mikropausen im Schatten
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Temperaturmessung an repräsentativen Arbeitsplätzen dokumentiert
- Risikogruppen (Schwangere, Vorerkrankte) identifiziert und Maßnahmenplan erstellt
- Mobile Klimageräte geprüft und Wartung nach VDI 6022 nachgewiesen
- Home-Office-Richtlinien aktualisiert (Hitze-Handlungsanleitung versendet)
- Trinkwasser-Stationen vorhanden und ausreichend
- Pausenregelung bei > 30 °C kommuniziert (digitale Timer)
- Notfallkarte „Hitzschlag“ im Erste-Hilfe-Kasten hinterlegt
- Schulungsnachweis digital signiert und archiviert
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Fehlende Dokumentation der RaumtemperaturOhne protokollierte Messung kann keine wirksame Gefährdungsbeurteilung erfolgen.
- Home-Office-Mitarbeitende vergessenDie Schulung muss auch für Remote-Arbeit gelten, sonst droht eine Haftungslücke.
- Klimaanlagen ohne WartungVeraltete Filter sind Gesundheitsrisiken und verschlimmern die Hitzebelastung.
- Eintags-Fliegen statt NachhaltigkeitEinmaliger Einsatz von Ventilatoren reicht nicht, wenn keine langfristige Strategie existiert.
- Pausenregelung nicht kommuniziertOhne klare Kommunikation wird der Lernerfolg der Schulung konterkariert.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Schwangere und stillende Mitarbeitende § 8 MuSchG erlaubt Anpassung der Arbeitszeit oder Umsetzung in wärmeärmere Bereiche. Ab 22. SSW ist eine ärztliche Bescheinigung erforderlich, wenn die Raumtemperatur über 26 °C hinausgeht. Kostenlose Getränke und kürzere Pausen sind zwingend.
- Ältere Kolleg*innen (ab 55 Jahre) Durch reduzierte Thermoregulation sind sie besonders gefährdet. Anpassung der Klimaanlage auf 2 °C niedrigere Zieltemperatur und flexible Arbeitszeiten sind empfohlen.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Hitzebelastung an Büroarbeitsplätzen
Wie oft muss die Schulung bei Hitze durchgeführt werden?
Grundsätzlich jährlich, bei Hitzewellen erneut vor Ort oder digital.
Gilt die Schulung auch für Home-Office?
Ja, denn Arbeitgeberhaftung endet nicht an der Wohnungstür (§ 3 ArbSchG).
Wann ist eine Klimaanlage Pflicht?
Keine gesetzliche Pflicht, aber ab 30 °C WBGT-Index empfiehlt die DGUV technische Klimatisierung.
Wie messe ich die Raumtemperatur richtig?
In 1,1 m Höhe, nicht direkt an Fenstern oder Heizkörpern, über einen Zeitraum von mindestens 3 Tagen.
Wer trägt die Kosten für Ventilatoren und Getränke?
Der Arbeitgeber, da es sich um arbeitsbedingte Gesundheitsvorsorge handelt.
Dürfen Mitarbeitende bei Hitze ins Home-Office?
Ja, sofern betriebliche Gründe nicht entgegenstehen und der Arbeitsvertrag Home-Office erlaubt.
Welche Dokumente brauche ich für die Prüfung?
Gefährdungsbeurteilung, Schulungsnachweise, Wartungsprotokolle Klimaanlagen.
Was tun bei Klimaanlagenausfall im Sommer?
Sofort organisatorische Maßnahmen: flexible Arbeitszeiten, Umzug in kühle Räume, Mobile Klimageräte leihen.
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