Thema · Arbeitsschutz
Arbeitssicherheit im Außendienst – komplette Unterweisung nach ArbSchG & DGUV
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 8 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Arbeitsschutz · Ordnungsamt · Verwaltung, Büro
- Rechtsgrundlage
- DGUV Information 206-015 - Alles für den Kunden? Arbeitsbelastungen und Bedrohungen an Arbeitsplätzen mit Kundenkontakt; DGUV Vorschrift 70 - Fahrzeuge
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 4065
Ihre Vorteile
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WCAG 2.2 AA
Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ (vormals BGV A1) regelt in § 4 Unterweisung und § 11 mobile Tätigkeiten. DGUV Vorschrift 70 „Fahrzeuge“ (§ 8 technischer Zustand, § 10 Benutzung von Sicherheitsgurten, § 12 Verhalten im Straßenverkehr).
Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) § 3 Gefährdungsbeurteilung für Arbeitsmittel betrifft auch Dienstfahrzeuge und mobile IT-Ausstattung.
Zugrunde liegende Regelwerke
- DGUV Information 206-015 - Alles für den Kunden? Arbeitsbelastungen und Bedrohungen an Arbeitsplätzen mit Kundenkontakt · Ausgabe 2012.04 aktualisierte
- DGUV Vorschrift 70 - Fahrzeuge · Ausgabe 1990.10 aktualisierte
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
Gefährdungsbeurteilung Im Sinne von ArbSchG § 5 sind alle typischen Gefährdungen des Außendiensts zu erfassen: Verkehrsunfälle, Stolperfallen auf Kundengrundstücken, psychische Belastung durch Zeitdruck, ergonomische Fehlbelastung im Homeoffice. Das Ergebnis ist schriftlich festzuhalten und den Beschäftigten zugänglich zu machen.
Dokumentation Unterweisungsnachweise sind mindestens fünf Jahre (DGUV Vorschrift 1 § 6) aufzubewahren. Digitale Signaturen oder E-Learning-Systeme erfüllen die Formvorschrift, wenn sie rückverfolgbar sind.
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
1. Mobiles Arbeiten & Reisen
Kraftfahrzeug:
- Kontrolle von Reifen, Beleuchtung, Erste-Hilfe-Kasten vor jeder Fahrt (DGUV Vorschrift 70 § 8).
- Sicherheitsgurtpflicht auch auf dem Beifahrersitz bei Fahrgemeinschaften (§ 10).
- Einsatz von Fahrassistenzsystemen und Umgang mit Fahrtenbuch-App.
Bahn & ÖPNV:
- Notfallpläne bei Gleisveränderungen, Verhalten in S-Bahn-Notbremsbereichen.
- Schutz elektronischer Geräte vor Diebstahl und Datenklau.
2. Verhalten auf Kundenräumen
Beim Kunden: Akquisition, Beratung, Service, Verkauf
- Einweisung durch Kunden oder Sicherheitsbeauftragten bei Betreten des Geländes: Fluchtwege, Rauchverbot, Fotografieren verboten.
- Stolperfreiheit prüfen: Kabel, nasse Böden, ungesicherte Baustellen.
- Personenschutz: richtiges Heben und Tragen von Geräten (DGUV Vorschrift 1 § 22), Schutzkleidung anlegen (Sicherheitsschuhe ggf. Warnweste).
- Datenschutz: Verschlüsselung von Kundendaten auf Notebooks, „Clean-Desk“ am Kundenarbeitsplatz.
3. Homeoffice – mobiles Büro
Gemäß:
- Ergonomic-Check: Bildschirm in Augenhöhe, Stuhl mit Lordosenstütze, ausreichende Beleuchtung.
- Elektrische Sicherheit: regelmäßige Prüfung von Verlängerungsleitungen und Mehrfachsteckern durch Fachkraft.
- Gefährdungsbeurteilung Homeoffice: Brandmelder, Erste-Hilfe-Kasten, Notfallnummern im Blickfeld.
4. Kommunikation & Dokumentation
- Benutzung von Notfall-App (GPS-Tracking nur dienstlich).
- Reisekosten-App zur Nachweis von Arbeitszeit und Fahrten (ArbZG § 16).
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
Häufige Gefährdungen
- Verkehrsunfälle: Zeitdruck, Telefonieren am Steuer.
- Stolper- und Rutschunfälle: unbeleuchtte Parkplätze, glatte Eingangsbereiche.
- Gewalt am Arbeitsplatz: aggressive Kunden oder Passanten.
- Erkrankungen: Stress, Rückenbeschwerden durch langes Sitzen.
TOP-Prinzip – Technik, Organisation, Persönliche Schutzausrüstung
- Technik: Assistenzsysteme (Spurhalteassistent, Notbremsassistent), geprüfte Laptops nach TCO-Standard.
- Organisation: Fahrtzeitpuffer einplanen, Pausen gemäß ArbZG § 5, Einzelnachweise im Fahrtenbuch.
- Persönliche Schutzausrüstung: Sicherheitsschuhe S1P, Warnweste nach EN ISO 20471, ggf. Einmalhandschuhe im Kundeneinsatz.
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
- Vertriebsmitarbeiter (Industrie, Pharma, IT-Dienstleistungen)
- Kundendiensttechniker (Heizung, Klima, EDV)
- Berater & Coaches mit wechselnden Kundenstandorten
- Mobility-Services & Fuhrparkpersonal
Branchenspezifische Besonderheiten z. B. in der Chemieindustrie (Explosionsschutz auf Kundenanlagen) oder Energiewirtschaft (Arbeiten unter Spannung) werden modulergänzt.
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
Dokumentation: Die Teilnahme wird digital protokolliert mit Name, Datum, Inhalte, Prüffragen. Die Aufbewahrungsfrist beträgt 5 Jahre (ArbSchG § 12 Abs. 5). Bei E-Learning wird zusätzlich die Lernzeit dokumentiert und durch Multiple-Choice-Test bestätigt.
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Fahrzeugkontrolle vor jeder Tour (Reifen, Licht, Erste-Hilfe-Kasten)
- Sicherheitsgurt auch als Beifahrer angelegt
- Homeoffice-Arbeitsplatz ergonomisch eingerichtet
- Kundeneinweisung vor Ort erhalten (Fluchtwege, Notfallnummern)
- Persönliche Schutzausrüstung (Sicherheitsschuhe, Warnweste) dabei
- Datenschutz auf Notebook und Smartphone aktiviert
- Pausenzeiten und Lenkzeiten eingehalten
- Unfall- oder Störungsmeldung an zentrale Stelle gemeldet
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- „Unfall passiert schon nicht“-MentalitätViele Mitarbeiter verzichten auf Sicherheitsschuhe, wenn sie nur „kurz“ beim Kunden sind – 30 % der Sturzverletzungen passieren beim ersten Betreten.
- Fehlende PausenplanungZeitdruck führt zu übermüdungsbedingten Unfällen. ArbZG-Lenkzeit wird ignoriert.
- Homeoffice ohne PrüfungVerlängerungskabel versteckt unter Teppichen, keine regelmäßigen Elektroprüfungen.
- Smartphone am SteuerTrotz Freisprechanlage Ablenkung – Bußgeld und Unfallrisiko steigen erheblich.
- Keine NotfallnummernMitarbeiter kennen weder interne Notfallhotline noch die 112 bei Kunden im Ausland.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Auszubildende und Werksstudenten Erhalten dieselbe Schulung wie festangestellte Mitarbeiter, zusätzlich Begleitfahrten durch erfahrene Kollegen in den ersten drei Monaten.
- Schwangere und stillende Mitarbeiterinnen Anpassung der Fahrzeuge (Gurtverlauf, Sitzhöhe) und Homeoffice-Ausstattung (verstellbarer Schreibtisch) gemäß MuSchG.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Arbeitssicherheit im Außendienst
Muss mein Arbeitgeber mir einen Firmen-PKW zur Verfügung stellen?
Nein, aber er muss sicherstellen, dass das genutzte Fahrzeug den technischen Anforderungen der DGUV Vorschrift 70 entspricht und eine Gefährdungsbeurteilung für private Nutzung vorliegt.
Darf ich im Homeoffice die privaten Steckdosen nutzen?
Ja, der Arbeitgeber muss aber die elektrische Sicherheit prüfen und ggf. eine Prüfplakette anbringen lassen .
Was tun bei Gewalt auf Kundenräumen?
Sofort den Ort verlassen, 112 rufen und Vorgesetzten informieren. Der Arbeitgeber muss ein Notfallkonzept und Schulung zum Deeskalationsverhalten anbieten.
Wie oft muss ich die Schulung wiederholen?
Mindestens jährlich und bei wesentlichen Änderungen (neuer Fuhrpark, neue Kundenregion).
Muss ich die Schulungsunterlagen mitnehmen?
Die Nachweise sind digital abrufbar; ein Ausdruck ist nicht nötig. Bei Prüfungen durch Berufsgenossenschaft reicht die elektronische Einsichtnahme.
Gilt die Schulung auch für Fahrten ins Ausland?
Ja, zusätzlich sind nationale Vorschriften (z. B. französische Warnwestenpflicht) zu beachten – diese werden in der Unterweisung aufgegriffen.
Was kostet mich als Arbeitgeber eine Online-Schulung?
Deutlich weniger als Präsenzschulungen – keine Reisekosten, sofortige Dokumentation und Skalierbarkeit für alle Mitarbeiter.
Wer haftet bei Unfällen durch unterlassene Schulung?
Der Arbeitgeber trägt die volle Haftung nach ArbSchG § 3 und kann zusätzlich Bußgelder nach § 25 riskieren.
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