Thema · Kinderhilfe | Jugendhilfe
Unterweisung Fotografieren von Kindern, Einwilligungen und Social-Media in der Einrichtung
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 8 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Kinderhilfe, Jugendhilfe · Kita, Schule, Hort · Pädagogisch
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 7145
Ihre Vorteile
Warum Unterweisungscenter?
-
Rechtssicher
ArbSchG-konform
-
Mehrsprachig
DE, EN, FR u. a.
-
Zertifikat
Automatisch als PDF
-
Ein Klick
Keine Registrierung
-
KISS
Kurz und bündig
-
Barrierefrei
WCAG 2.2 AA
Auf dieser Seite
Der Alltag zeigt, wie schnell aus guter Absicht ein rechtliches Problem wird: Ein Gruppenfoto vom Sommerfest landet in der WhatsApp-Elterngruppe, das private Handy einer Fachkraft synchronisiert Bilder automatisch in eine Cloud, eine Praktikantin postet ein Wickelbild in einer Story, oder ein Kind, dessen Eltern nicht eingewilligt haben, ist auf dem Titelbild des Jahresberichts zu sehen. Solche Fälle führen zu Beschwerden bei Aufsichtsbehörden, zu Vertrauensverlust bei Eltern, in gravierenden Fällen zu Bußgeldern, Schadenersatzforderungen und strafrechtlichen Ermittlungen.
Diese Unterweisung vermittelt allen Beschäftigten, die mit Kindern arbeiten, eine klare und praxistaugliche Handlungslinie: Wann darf fotografiert werden, wer muss zustimmen, welche Aufnahmen sind ausnahmslos tabu, wie sieht eine wirksame Einwilligung aus, wie wird sie widerrufen – und was gilt für Veröffentlichungen in sozialen Netzwerken. Ziel ist nicht das Verbot des Fotografierens, sondern rechtssichere Routine im pädagogischen Alltag.
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
Recht am eigenen Bild: Für die Veröffentlichung und Verbreitung von Bildnissen gilt daneben das Kunsturhebergesetz (KunstUrhG). Es verlangt im Grundsatz die Einwilligung der abgebildeten Person und schützt damit auch dann, wenn datenschutzrechtliche Fragen bereits geklärt scheinen.
Zivilrecht: Kinder sind nicht oder nur beschränkt geschäftsfähig. Rechtlich wirksame Erklärungen setzen deshalb die Mitwirkung der gesetzlichen Vertreter voraus (§ 107 BGB, § 108 BGB). Der Gedanke, dass eine einmal erteilte Einwilligung nicht endgültig bindet, sondern widerruflich ist, ist zivilrechtlich in § 183 BGB angelegt; datenschutzrechtlich besteht das Recht auf jederzeitigen Widerruf ohne Angabe von Gründen.
Strafrecht: Bildaufnahmen aus dem höchstpersönlichen Lebensbereich – etwa in Wickel-, Wasch-, Sanitär- oder Schlafsituationen – können nach § 201a StGB strafbar sein, Aufnahmen des Intimbereichs nach § 184k StGB. Auch das Herstellen oder Weiterleiten sexualbezogener Aufnahmen von Kindern ohne Körperkontakt kann den Tatbestand des § 176a StGB erfüllen. Diese Grenzen sind absolut und durch keine Einwilligung überwindbar.
Kinder- und Jugendhilferecht: § 8 SGB VIII verlangt die alters- und entwicklungsgerechte Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an sie betreffenden Entscheidungen – ein Kind darf Aufnahmen also auch dann ablehnen, wenn die Eltern eingewilligt haben. § 65 SGB VIII schützt anvertraute Daten in der persönlichen und erzieherischen Hilfe besonders.
Arbeitsschutzrecht: Die Verpflichtung, Beschäftigte über Regeln und Gefahren ihrer Tätigkeit zu unterweisen, folgt aus § 12 ArbSchG; die Grundpflichten des Arbeitgebers und die Pflichten der Beschäftigten ergeben sich aus § 3 ArbSchG und § 15 ArbSchG. Organisatorische Anforderungen an Kindertageseinrichtungen beschreibt die DGUV Regel 102-602 „Branche Kindertageseinrichtung“.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
Regelwerk schaffen. Erforderlich ist eine schriftliche Foto- und Medienordnung, die verbindlich festlegt: welche Geräte verwendet werden dürfen (ausschließlich einrichtungseigene, inventarisierte Geräte ohne automatische Cloud-Synchronisation), wo Bilder gespeichert werden, wer Zugriff hat, welche Situationen nicht fotografiert werden, wer Veröffentlichungen freigibt und nach welchen Fristen gelöscht wird. Ergänzend gehören dazu ein Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten, Auftragsverarbeitungsverträge mit IT- und Cloud-Dienstleistern sowie klare Informationen für Eltern.
Risiken beurteilen. Die Beurteilung der Arbeitsbedingungen nach § 5 ArbSchG erfasst auch organisatorische Belastungen und Handlungsunsicherheiten der Beschäftigten. Datenschutzseitig ist zu prüfen, ob eine Datenschutz-Folgenabschätzung erforderlich ist – insbesondere bei umfangreicher Bildverarbeitung von Kindern, bei Kamerasystemen oder bei Foto-Apps mit Elternzugang. Der oder die Datenschutzbeauftragte ist einzubinden.
Unterweisen. § 12 ArbSchG verlangt eine Unterweisung vor Aufnahme der Tätigkeit und danach in regelmäßigen Abständen sowie anlassbezogen. Sie muss alle Beschäftigten erreichen – auch Auszubildende, Praktikantinnen und Praktikanten, Freiwilligendienstleistende, Küchen- und Reinigungspersonal, Honorarkräfte und ehrenamtlich Tätige.
Dokumentieren und kontrollieren. Nach § 6 ArbSchG sind die erforderlichen Unterlagen vorzuhalten. Einwilligungen, Widerrufe, Unterweisungsnachweise und Löschprotokolle müssen jederzeit auffindbar sein. Verstöße sind konsequent aufzugreifen; ein wirksames Regelwerk lebt von sichtbarer Kontrolle und von einer Kultur, in der Beschäftigte Unsicherheiten ansprechen dürfen.
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
1. Warum Bilder von Kindern besonders geschützt sind
Einstieg über den Schutzzweck: Kinder können Tragweite und Dauerhaftigkeit einer Veröffentlichung nicht überblicken. Ein einmal im Netz verbreitetes Bild ist praktisch nicht mehr zurückzuholen; es kann Jahre später gefunden, verändert oder missbräuchlich weiterverwendet werden. Vermittelt werden die drei Schutzschichten: Datenschutzrecht (DSGVO), Recht am eigenen Bild (KunstUrhG) und – als äußerste Grenze – das Strafrecht.
2. Der höchstpersönliche Bereich ist tabu
Klar benannte No-Go-Situationen: Wickeln, Toilettengang, Sauberkeitserziehung, Umziehen, Duschen und Baden, Schlaf- und Ruhesituationen, unbekleidete oder teilbekleidete Kinder, Planschbecken- und Schwimmsituationen, medizinische Versorgung, Kinder in Trauer, Wut, Angst oder Scham. Solche Aufnahmen sind auch mit Einwilligung der Eltern unzulässig und können nach § 201a StGB oder § 184k StGB strafbar sein. Vermittelt wird die Faustregel: Würde vor Dokumentation – im Zweifel nicht auslösen.
3. Die wirksame Einwilligung
Detailliert behandelt werden die Merkmale: freiwillig (kein Nachteil bei Verweigerung, keine Koppelung an den Betreuungsvertrag), informiert (Zweck, Verwendungsart, Empfänger, Speicherdauer, Widerrufsrecht in verständlicher Sprache), bestimmt und differenziert (getrennte Ankreuzfelder für Portfolio, internen Aushang, Elternbrief, Presse, Website, Social Media), nachweisbar (schriftlich oder dokumentiert elektronisch) und durch die richtigen Personen erteilt. Bei gemeinsamer Sorge sind grundsätzlich beide Elternteile einzubeziehen; bei Pflegekindern, Vormundschaft oder Inobhutnahme ist zu klären, wer vertretungsbefugt ist. Ältere Kinder und Jugendliche sind zusätzlich zu beteiligen (§ 8 SGB VIII); zivilrechtlich sind Erklärungen Minderjähriger an die Mitwirkung der gesetzlichen Vertreter gebunden (§ 107 BGB, § 108 BGB).
4. Widerruf und Konsequenzen
Trainiert wird der praktische Ablauf: Widerruf entgegennehmen, dokumentieren, sofort an alle Beteiligten kommunizieren, betroffene Bilder aus Ordnern, Aushängen, Apps und Websites entfernen, Löschung protokollieren. Beschäftigte lernen, dass ein Widerruf nur für die Zukunft wirkt, aber unverzüglich umzusetzen ist – und dass ein bereits geposteter Beitrag gelöscht werden muss.
5. Social Media und Messenger
Behandelt werden: das Verbot privater Geräte und privater Accounts für dienstliche Aufnahmen, das Verbot der Weitergabe von Kinderbildern über WhatsApp- oder Telegram-Elterngruppen, das Abschalten automatischer Cloud-Backups, Metadaten und Geodaten in Bilddateien, die Reichweiten- und Kontrollverluste bei Plattformen mit Drittlandbezug, das Vier-Augen-Prinzip vor jeder Veröffentlichung und der Umgang mit fotografierenden Eltern bei Festen und Aufführungen.
6. Praxisbeispiele und Übung
Fallarbeit an typischen Situationen: das Gruppenfoto mit einem Kind ohne Einwilligung, der Wunsch der Presse nach Bildern beim Richtfest, die Bitte einer Familie um Fotos aus dem Gruppenalltag, das private Erinnerungsfoto zum Abschied einer Kollegin, der Fund eines Kinderfotos auf einem privaten Profil. Zu jedem Fall wird die richtige Handlungskette geübt: prüfen – nachfragen – dokumentieren – melden.
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
- Kontrollverlust über Bilddaten: Aufnahmen auf privaten Smartphones, automatische Cloud-Synchronisation, Weitergabe in Messengergruppen, Verlust oder Diebstahl von Geräten und Speicherkarten.
- Veröffentlichung ohne Rechtsgrundlage: fehlende, unbestimmte, abgelaufene oder widerrufene Einwilligungen; Nutzung eines Bildes für einen anderen Zweck als den eingewilligten.
- Verletzung der kindlichen Würde: Aufnahmen in Pflege-, Sanitär- und Schlafsituationen, bloßstellende oder emotional entblößende Motive.
- Missbrauchsrisiko: Abfluss von Bildmaterial in einschlägige Kreise, Verknüpfung von Bild, Name, Einrichtung und Standortdaten.
- Gefährdung besonders schutzbedürftiger Kinder: Kinder aus dem Gewaltschutz, in Inobhutnahme, mit Auskunftssperre oder aus Familien mit Sorgerechtskonflikten.
- Belastung der Beschäftigten: Unsicherheit, Konflikte mit Eltern, Angst vor Fehlern bis hin zur vollständigen Vermeidung sinnvoller pädagogischer Dokumentation.
Schutzmaßnahmen nach dem TOP-Prinzip:
Technisch: ausschließlich einrichtungseigene, inventarisierte Kameras oder Tablets ohne SIM-Karte und ohne automatische Cloud-Synchronisation; Geräteverschlüsselung und Bildschirmsperre; Speicherung ausschließlich auf einem zugriffsgeschützten Laufwerk innerhalb der EU; rollenbasierte Zugriffsrechte; automatische Löschroutinen; Entfernen von Metadaten vor jeder Veröffentlichung.
Organisatorisch: verbindliche Foto- und Medienordnung; differenzierte Einwilligungsformulare mit jährlicher Aktualisierung; gepflegte Übersicht, für welches Kind welche Nutzung freigegeben ist; Freigabe von Veröffentlichungen nur durch eine benannte Person im Vier-Augen-Prinzip; klare Regeln für Feste und für fotografierende Eltern; Einbindung des Datenschutzbeauftragten; Meldeweg für Datenpannen mit der 72-Stunden-Frist gegenüber der Aufsichtsbehörde.
Personenbezogen: regelmäßige Unterweisung aller Beschäftigten einschließlich Praktikantinnen, Praktikanten und Ehrenamtlicher; schriftliche Verpflichtung auf das Datengeheimnis; Verhaltensregeln für den privaten Social-Media-Auftritt der Beschäftigten; Ansprechperson für Zweifelsfälle.
Organisatorische Grundlagen für die sichere Gestaltung des Einrichtungsalltags beschreibt ergänzend die DGUV Regel 102-602 „Branche Kindertageseinrichtung“; für die Arbeit mit den Jüngsten gibt die DGUV Information 202-093 „Die Jüngsten in Kindertageseinrichtungen sicher bilden und betreuen“ weitere Hinweise.
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
- Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege: hohe Dokumentationsdichte durch Portfolioarbeit, viele Pflegesituationen, enge Elternkommunikation.
- Schulen und Horte: Klassenfotos, Schulhomepage, Schülerzeitung, Landheim und Klassenfahrt, Digitalunterricht mit Videokonferenzen und Aufzeichnungen; zusätzlich gelten Schulgesetze und Schuldatenschutzverordnungen der Länder.
- Kinder- und Jugendhilfe: Wohngruppen, Erziehungsstellen, Inobhutnahmestellen, ambulante Hilfen – hier bestehen besondere Schutzbedarfe, etwa bei Auskunftssperren, Sorgerechtsstreitigkeiten oder Gewaltschutzkonstellationen (§ 65 SGB VIII).
- Offene Kinder- und Jugendarbeit, Ferienfreizeiten, Vereine und Verbände mit hohem Anteil ehrenamtlich Tätiger.
- Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising der Träger, die Bildmaterial für Websites, Broschüren, Presse und Stellenanzeigen verwenden.
Einzubeziehen sind ausdrücklich auch Beschäftigte ohne unmittelbaren pädagogischen Auftrag – Hauswirtschaft, Reinigung, Haustechnik und Verwaltung –, da auch sie Aufnahmen anfertigen oder Zugang zu Bildmaterial haben können.
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
Dokumentation. Nachzuweisen sind Datum, Dauer, Inhalte, Name der unterweisenden Person sowie die Teilnehmenden mit Unterschrift oder – bei Online-Unterweisung – mit protokolliertem Abschluss und Verständniskontrolle. Diese Nachweise gehören zu den Unterlagen nach § 6 ArbSchG. Als praxisübliche Aufbewahrungsdauer gelten mindestens zwei Jahre; empfohlen wird eine längere Vorhaltung über die gesamte Beschäftigungsdauer, da Unterweisungsnachweise im Haftungs- oder Aufsichtsfall die Erfüllung der Organisationspflichten belegen.
Getrennt davon zu führen sind die themenspezifischen Nachweise: Einwilligungserklärungen und Widerrufe (aufzubewahren, solange die Bilder genutzt werden, und darüber hinaus zum Nachweis der Rechtmäßigkeit), Löschprotokolle, das Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten und die Verpflichtungen auf das Datengeheimnis. Ein jährlicher Abgleich zwischen Einwilligungsübersicht und tatsächlich veröffentlichtem Bildmaterial gehört zur Regelorganisation.
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Foto- und Medienordnung liegt schriftlich vor, ist aktuell und allen Beschäftigten bekannt.
- Einwilligungsformulare sind differenziert nach Verwendungszweck (Portfolio, Aushang, Elternbrief, Presse, Website, Social Media) und enthalten Zweck, Speicherdauer, Empfänger und Widerrufsrecht.
- Vertretungsverhältnisse sind je Kind geklärt: gemeinsame Sorge, alleinige Sorge, Pflegeverhältnis, Vormundschaft.
- Übersicht der Freigaben ist aktuell, für alle relevanten Personen einsehbar und wird vor jeder Veröffentlichung geprüft.
- Nur einrichtungseigene Geräte im Einsatz; automatische Cloud-Synchronisation deaktiviert, Geräte verschlüsselt und mit Bildschirmsperre versehen.
- Speicherort ist zugriffsgeschützt und liegt innerhalb der EU; Auftragsverarbeitungsverträge mit Dienstleistern liegen vor.
- Tabu-Situationen (Wickeln, Sanitär, Schlafen, Umkleiden, Baden, medizinische Versorgung, emotionale Ausnahmezustände) sind schriftlich benannt und bekannt.
- Veröffentlichungen werden ausschließlich über den offiziellen Einrichtungsaccount und nach Freigabe im Vier-Augen-Prinzip vorgenommen.
- Widerrufsprozess ist definiert, mit benannter Zuständigkeit und dokumentierter Löschung.
- Unterweisungsnachweise und Verpflichtungen auf das Datengeheimnis sind vollständig – einschließlich Praktikantinnen, Praktikanten und Ehrenamtlicher.
- Regeln für Eltern und Gäste bei Festen und Aufführungen sind kommuniziert und werden vor Ort angesagt.
- Löschfristen sind festgelegt und werden nachweislich umgesetzt (z. B. beim Verlassen der Einrichtung).
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Pauschale Blanko-Einwilligung im Betreuungsvertrag.Eine im Aufnahmevertrag mit unterschriebene Klausel „Wir sind mit Fotos einverstanden“ ist regelmäßig unwirksam: Sie ist weder freiwillig (Koppelung an den Vertrag) noch hinreichend bestimmt. Erforderlich ist eine getrennte, differenzierte Erklärung.
- Nutzung privater Smartphones.„Nur kurz mit dem eigenen Handy“ ist der häufigste Einstieg in den Kontrollverlust – Bilder landen unbemerkt in privaten Cloud-Backups, Galerien und Chatverläufen und sind für die Einrichtung weder auffindbar noch löschbar.
- Weitergabe in Eltern-Messengergruppen.Wer ein Gruppenfoto in eine WhatsApp-Gruppe stellt, veröffentlicht es gegenüber allen Mitgliedern und verliert jede Kontrolle über die Weiterverbreitung. Für alle abgebildeten Kinder müsste eine Einwilligung genau für diesen Weg vorliegen.
- Widerruf wird nicht umgesetzt.Der Widerruf wird zwar entgegengenommen, aber nicht an alle Beteiligten kommuniziert; das Bild bleibt im Aushang, im alten Newsletter oder in der Bildergalerie der Website stehen.
- Fehlende Zweckbindung.Ein für das Portfolio aufgenommenes Bild wird später für die Stellenanzeige oder den Presseartikel verwendet. Jede neue Verwendung braucht eine eigene Rechtsgrundlage.
- Praktikantinnen, Praktikanten und Ehrenamtliche werden vergessen.Sie werden weder unterwiesen noch auf das Datengeheimnis verpflichtet, fotografieren aber im Alltag mit – häufig mit dem privaten Gerät.
- Keine Löschroutine.Bildbestände wachsen über Jahre; Aufnahmen längst ausgeschiedener Kinder liegen unbefristet auf Servern und alten Speicherkarten.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Kinder mit Auskunftssperre oder aus dem Gewaltschutz Hier kann bereits die Erkennbarkeit auf einem Bild eine konkrete Gefährdung bedeuten. Für diese Kinder gilt ein generelles Veröffentlichungsverbot – unabhängig von vorliegenden Einwilligungen; die Kenntnis ist auf den notwendigen Personenkreis zu beschränken.
- Getrennt lebende Eltern und Sorgerechtskonflikte Bei gemeinsamer elterlicher Sorge ist grundsätzlich die Zustimmung beider Elternteile einzuholen. Widerspricht ein Elternteil, wird nicht veröffentlicht. Bei alleiniger Sorge ist der Nachweis zur Akte zu nehmen.
- Pflegekinder, Vormundschaft, Inobhutnahme Vertretungsbefugnis ist im Einzelfall zu klären; häufig liegt sie beim Jugendamt oder beim bestellten Vormund, nicht bei der Pflegefamilie. Der besondere Vertrauensschutz nach § 65 SGB VIII ist zu beachten.
- Ältere Kinder und Jugendliche Sie sind entwicklungsgerecht zu beteiligen (§ 8 SGB VIII). Ein „Nein“ des Kindes ist zu respektieren, auch wenn die Eltern eingewilligt haben. Zivilrechtlich bleibt die Mitwirkung der gesetzlichen Vertreter erforderlich (§ 107 BGB, § 108 BGB).
- Kinder mit Behinderung oder erhöhtem Pflegebedarf Pflege- und Therapiesituationen sind grundsätzlich nicht zu fotografieren; Aufnahmen dürfen keine Gesundheitsdaten offenbaren.
- Eltern und Gäste als Fotografierende Bei Festen und Aufführungen ist vorab anzusagen, dass Aufnahmen nur für den privaten Gebrauch zulässig sind und Bilder fremder Kinder nicht ins Netz gehören. Die Einrichtung kann hierfür Bereiche und Zeitfenster festlegen.
- Presse- und Fototermine Externe Fotografinnen und Fotografen benötigen eine eigene Vereinbarung; die Einrichtung behält die Motiv- und Freigabekontrolle und lässt Namensnennungen nur mit gesonderter Einwilligung zu.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Fotografieren von Kindern, Einwilligungen und Social‑Media in der Einrichtung
Dürfen wir in der Einrichtung überhaupt noch fotografieren?
Ja. Fotografieren ist ein legitimes pädagogisches Mittel, etwa für Portfolios und Entwicklungsdokumentation. Es braucht dafür eine klare Rechtsgrundlage, eine schriftliche Foto- und Medienordnung sowie unterwiesene Beschäftigte. Verboten sind nicht Bilder, sondern unkontrollierte Aufnahmen und Veröffentlichungen.
Reicht eine einmalige Einwilligung beim Aufnahmegespräch?
Nein. Eine pauschale Einwilligung im Betreuungsvertrag ist regelmäßig unwirksam, weil sie weder freiwillig noch hinreichend bestimmt ist. Erforderlich ist eine gesonderte, nach Verwendungszwecken differenzierte Erklärung, die regelmäßig – üblicherweise jährlich – aktualisiert wird.
Was gilt, wenn ein Elternteil widerspricht?
Bei gemeinsamer elterlicher Sorge ist eine Veröffentlichung ohne die Zustimmung beider Elternteile zu unterlassen. Widerspricht ein Elternteil, wird das Bild nicht verwendet. Das Kind wird deshalb nicht vom Gruppengeschehen ausgeschlossen – lediglich das Bildmaterial wird entsprechend ausgewählt oder nicht veröffentlicht.
Darf ich mit dem privaten Handy fotografieren, wenn ich die Bilder sofort übertrage?
Nein. Private Geräte sind auszuschließen: Cloud-Backups, Galerien, Chat-Apps und Vorschaubilder erzeugen Kopien, die die Einrichtung weder kontrollieren noch löschen kann. Zulässig sind ausschließlich einrichtungseigene Geräte ohne automatische Synchronisation.
Wie schnell muss ein Widerruf umgesetzt werden?
Unverzüglich. Der Widerruf wirkt für die Zukunft, verpflichtet aber zur sofortigen Entfernung der betroffenen Bilder aus Aushängen, Websites, Apps und internen Ablagen. Widerruf und Löschung sind zu dokumentieren.
Welche Aufnahmen sind ausnahmslos verboten?
Aufnahmen aus dem höchstpersönlichen Lebensbereich – Wickeln, Toilette, Umziehen, Duschen und Baden, Schlafen, medizinische Versorgung, unbekleidete Kinder – sowie bloßstellende Situationen. Sie können nach § 201a StGB oder § 184k StGB strafbar sein und sind durch keine Einwilligung zu rechtfertigen.
Wie oft muss zum Thema unterwiesen werden?
Vor Aufnahme der Tätigkeit und danach regelmäßig, üblicherweise jährlich (§ 12 ArbSchG), zusätzlich anlassbezogen bei neuen Geräten, geänderten Regeln oder nach einem Vorfall. Die Unterweisung ist nachweisbar zu dokumentieren (§ 6 ArbSchG).
Was ist bei Fotos in Eltern-Chatgruppen zu tun?
Die Einrichtung stellt selbst keine Kinderbilder in Messengergruppen ein und weist Eltern darauf hin, dass Aufnahmen anderer Kinder nicht weitergegeben oder ins Netz gestellt werden dürfen. Für die interne Kommunikation ist ein datenschutzkonformer Kanal zu nutzen.
Weiterlesen
Ähnliche Unterweisungen
- UWC 4007
Alleinarbeit für KITA / Hort/ Pädagogen
Kinderhilfe, JugendhilfeKita, Schule, HortPädagogisch - UWC 5011
Anti-Korruption (Compliance) in öffentlichen Stellen
Führungskräfte SchulungenRechtlichesVerwaltung, Büro - UWC 4120
Arbeiten an Aufzugssystemen
- UWC 7158
Auf- und Abbau mobiler Bühnen und Tribünen
Jetzt rechtssicher online unterweisen
Mit der Online-Unterweisung schulen Sie alle Beschäftigten – von der pädagogischen Fachkraft bis zur Aushilfe – zeit- und ortsunabhängig zu Einwilligung, Bildrechten und Social-Media-Regeln. Verständniskontrollen sichern die Lernwirkung, die Teilnahme wird automatisch und prüffest dokumentiert. So erfüllen Sie Ihre Unterweisungspflicht nach § 12 ArbSchG ohne organisatorischen Aufwand und haben den Nachweis jederzeit griffbereit.
Kostenfreies Strategiegespräch vereinbaren