Thema · Arbeitsschutz

Unterweisung „Bewegung & Pausen“: Rechtssicher & digital für Büroarbeitsplätze

Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat

UWC-Nr. 4013 ca. 9 Minuten Lernzeit

Beschäftigte arbeiten gemeinsam an Laptops in einem hellen Büro

Steckbrief

Dauer
ca. 9 Minuten, jederzeit unterbrechbar
Bereiche
Arbeitsschutz · Verwaltung, Büro
Rechtsgrundlage
DGUV Information 215-410 - Bildschirm- und Büroarbeitsplätze - Leitfaden für die Gestaltung; DGUV Regel 115-401 - Branche Bürobetriebe
Nachweis
Zertifikat automatisch als PDF
Sprachen
Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
Kennung
UWC-Nr. 4013

Ihre Vorteile

Warum Unterweisungscenter?

  • Rechtssicher

    ArbSchG-konform

  • Mehrsprachig

    DE, EN, FR u. a.

  • Zertifikat

    Automatisch als PDF

  • Ein Klick

    Keine Registrierung

  • KISS

    Kurz und bündig

  • Barrierefrei

    WCAG 2.2 AA

Auf dieser Seite
Rückenschmerzen, Verspannungen und Ermüdung gehören zu den häufigsten Arbeitskrankheiten in deutschen Büros. Laut der Techniker Krankenkasse verursachen muskuloskelettale Erkrankungen jährlich über 28 Millionen Fehltage – ein erheblicher Kostenfaktor für Unternehmen. Die gesetzliche Unfallversicherung weist nach, dass allein durch regelmäßige Mikropausen und aktive Bewegungsprogramme krankheitsbedingte Ausfallzeiten um bis zu 32 % reduziert werden können. Diese Unterweisung vermittelt Ihren Mitarbeitenden praxisnahe Strategien, um Bewegungsmangel vorzubeugen, Pausen effektiv zu nutzen und langfristig gesund zu bleiben – ganz im Sinne arbeitsschutzrechtlicher Vorgaben. Sie erhalten ein komplettes Konzept zur Implementierung betrieblicher Bewegungsprogramme und zur Erfüllung Ihrer Dokumentationspflichten.

Abschnitt 1

Rechtliche Grundlagen

Die rechtlichen Grundlagen für Bewegung und Pausen bei bildschirmgebundener Tätigkeit ergeben sich aus mehreren Regelwerken:

Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)

  • § 3 ArbSchG – Allgemeine Verpflichtung des Arbeitgebers, Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu treffen
  • § 4 ArbSchG – Verpflichtung zur Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung
  • § 12 ArbSchG – Pflicht zur Unterweisung der Beschäftigten

Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV)

  • § 5 BildscharbV – Tagesarbeitszeit und Pausenregelungen
  • § 6 BildscharbV – Augen- und Sehtests sowie Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge

DGUV Vorschrift 1 (Grundsätze der DGUV)

  • § 4 DGUV V1 – Verpflichtung zur Gefährdungsbeurteilung
  • § 12 DGUV V1 – Unterweisungspflicht der Beschäftigten

DGUV Information 215-510 – „Bildschirm- und Büroarbeit“ enthält konkrete Empfehlungen zur Pausengestaltung und Bewegungsförderung

Abschnitt 2

Pflichten des Arbeitgebers

Als Arbeitgeber sind Sie gesetzlich verpflichtet, die Gesundheit Ihrer Beschäftigten durch organisatorische Maßnahmen zu schützen. Konkret bedeutet dies:

  • Gefährdungsbeurteilung: Nach § 4 ArbSchG und § 4 DGUV V1 müssen Sie alle Arbeitsplätze systematisch auf gesundheitliche Risiken prüfen. Dabei sind insbesondere sitzende Tätigkeiten, repetitive Bewegungsabläufe und fehlende Erholungspausen zu berücksichtigen.
  • Unterweisungspflicht: Gemäß § 12 ArbSchG und § 12 DGUV V1 müssen Sie Ihre Mitarbeitenden regelmäßig über gesundheitsgefährdende Einflüsse und geeignete Schutzmaßnahmen belehren – einschließlich konkreter Handlungsanweisungen für Bewegung und Pausengestaltung.
  • Dokumentationspflicht: Die Durchführung der Unterweisungen ist nach § 6 ArbSchG schriftlich zu dokumentieren und mindestens 5 Jahre aufzubewahren.
  • Organisationspflicht: Sie müssen arbeitsorganisatorische Maßnahmen ergreifen, die regelmäßige Bewegungspausen ermöglichen – etwa durch flexible Pausenregelungen oder die Bereitstellung von Bewegungsangeboten.

Abschnitt 3

Inhalte der Unterweisung

1. Gesundheitliche Auswirkungen von Bewegungsmangel

Physische Folgen:

  • Muskuläre Dysbalancen durch einseitige Belastung
  • Bandscheibenschäden und Verschleißerscheinungen
  • Verkürzung der Hüftbeuger und Schulter-Nacken-Muskulatur
  • Erhöhtes Thromboserisiko bei längerem Sitzen

Psychische Folgen:

  • Konzentrationsschwäche und Leistungsabfall
  • Erhöhte Stressbelastung durch fehlende Erholungsphasen
  • Steigende Fehleranfälligkeit gegen Ende des Arbeitstages

2. Prävention durch Mikro- und Makropausen

Mikropausen (2-5 Minuten):

  • Alle 30-60 Minuten durchführen
  • Einfache Dehnübungen am Arbeitsplatz
  • Augenentspannung durch Blickwechsel
  • Kurze Gehbewegungen (z.B. zur Trinkwasserstation)

Makropausen (15-30 Minuten):

  • Mindestens alle 2-3 Stunden einplanen
  • Aktive Pausenaktivitäten fördern
  • Gemeinsame Bewegungseinheiten im Team
  • Nutzung von Fitnessraum oder Outdoor-Bereich

3. Bewegungsprogramme für den Büroalltag

Einfache Bürogymnastik:

  • Nacken-Dehnung: Kopf langsam zur Seite neigen, 30 Sekunden halten
  • Schulter-Kreisen: 10 Kreise vorwärts und rückwärts
  • Wirbelsäulen-Drehung: Oberkörper nach links/rechts drehen, 5 Wdh.
  • Waden-Heben: Auf Zehenspitzen stellen, 15 Wiederholungen

Team-Bewegungsaktionen:

  • 15-Uhr-Bewegungsreminder per Kalender-Einladung
  • „Steh-Sprech-Runden“ statt Sitzungsmarathon
  • Walking-Meetings für kurze Besprechungen
  • Wettbewerbe mit Schrittzählern für motivierende Gruppenaktivitäten

4. Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung

Dynamisches Arbeiten fördern:

  • Höhenverstellbare Schreibtische für Wechsel zwischen Sitzen und Stehen
  • Aktiv-Sitzmöbel (Sitzbälle, Hocker) zur Mikrobewegung
  • Tastatur und Maus in ergonomischer Position
  • Monitor in Augenhöhe, regelmäßiger Abstandswechsel

Abschnitt 4

Gefährdungen & Schutzmaßnahmen

Konkrete Gefährdungen nach TOP-Prinzip:

Technische Maßnahmen (T):

  • Verstellbare Büromöbel: Höhenverstellbare Schreibtische ermöglichen Positionswechsel
  • Ergonomic-Software: Programme wie „Time-Out“ oder „EyeCare“ erinnern automatisch an Pausen
  • Beleuchtungssysteme: Tageslichtlampen zur Reduzierung von Ermüdungserscheinungen

Organisatorische Maßnahmen (O):

  • Flexible Pausenregelung: Individuelle Pausenzeiten statt starrem System
  • Bewegungsfreundliche Gebäudegestaltung: Treppen fördern, Aufzug verstecken
  • Regelmäßige Aktionswochen: „Bewegte Mittagspause“ oder „Schritt-Challenges“

Personelle Maßnahmen (P):

  • Gesundheitstrainings: Rückenschulungen und ergonomische Beratung
  • Buddy-System: Kollegen motivieren sich gegenseitig zur Bewegung
  • Gesundheitslotsen: Betriebliche Ansprechpartner für Bewegungsfragen

Abschnitt 5

Zielgruppen & Branchen

Diese Unterweisung ist speziell konzipiert für:

  • Büro und Verwaltung: Sekretariate, Buchhaltung, Personalabteilungen
  • Callcenter: Beschäftigte mit langer Telefonzeit und Bildschirmtätigkeit
  • Finanzdienstleistungen: Banken, Versicherungen, Finanzabteilungen
  • Öffentlicher Dienst: Behörden, Kommunalverwaltungen

Besonderheiten: In Callcentern sind häufig engere Zeitfenster für Pausen gegeben, wodurch Mikropausen noch wichtiger werden. Behörden müssen zusätzlich tarifliche Pausenregelungen beachten.

Abschnitt 6

Intervalle & Dokumentation

Unterweisungsintervall: Die DGUV empfiehlt eine jährliche Auffrischungsunterweisung, bei Verdacht auf Gesundheitsgefährdungen sofort.

Dokumentationspflicht:

  • Unterzeichneter Teilnahmenachweis mit Datum und Inhalten
  • Aufbewahrung: 5 Jahre gemäß § 6 ArbSchG
  • Digital oder in Papierform, Datenverlust vermeiden
  • Nachweis bei Betriebsprüfung vorlegen können

In der Praxis

Was Verantwortliche wissen müssen

Checkliste

Das sollten Sie prüfen

  • Gefährdungsbeurteilung für sitzende Tätigkeiten aktuell (max. 2 Jahre alt)?
  • Bewegungsfreundliche Pausenregelung im Betrieb etabliert?
  • Ergonomische Arbeitsmittel verfügbar und eingewiesen?
  • Mitarbeiter kennen Mikro- und Makropausen-Regelungen?
  • Bewegungsprogramme regelmäßig durchgeführt und dokumentiert?
  • Gesundheitsangebote (Rückenschule) zugänglich?
  • Neue Mitarbeiter erhalten Einarbeitung zur Pausengestaltung?
  • Befunde aus Fehlzeitenanalyse fließen in Maßnahmen ein?

Häufige Fehler

Das geht oft schief

  1. Pausen werden als „Zeitverschwendung“ angesehen
    Viele Vorgesetzte belassen Mitarbeiter am Schreibtisch, obwohl produktive Pausen die Leistung langfristig steigern.
  2. Fehlende Dokumentation der Unterweisung
    Nur mündliche Hinweise reichen nicht – fehlende Unterschriften können bei Prüfungen zu Bußgeldern führen.
  3. Statische Büroeinrichtung ohne Wechselmöglichkeiten
    Feste Schreibtische hindern an dynamischem Arbeiten und erhöhen das Gesundheitsrisiko.
  4. Einmalige Schulung statt kontinuierlicher Begleitung
    Gewohnheiten ändern sich nur durch regelmäßige Erinnerung und Motivation, nicht durch einmalige Vorträge.
  5. Vernachlässigung der Nacht- und Schichtarbeiter
    Besondere Pausenregelungen für Schicht- und Nachtarbeit (§ 2 ArbSchG) werden häufig vergessen.

Sonderfälle

Das gilt zusätzlich

Schwangere und Stillende

Laut § 10 MuSchG haben Schwangere Anspruch auf zusätzliche Ruhepausen und angepasste Arbeitsgestaltung. Bewegungsprogramme sollten hier besonders schonend ausfallen.

Jugendliche

Für Auszubildende unter 18 gelten verschärfte Regelungen nach § 8 Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG): maximal 4,5 Stunden am Stück ohne Pause, Bewegungsspiele fördern.

Häufige Fragen

Fragen zur Unterweisung Bewegung & Pausen

Müssen wir extra Räume für Bewegungsprogramme bereitstellen?

Nein, aber die DGUV empfiehlt einen „Bewegungsraum“ oder zumindest freie Flächen. Alternativ reichen strukturierte Gehpausen im Treppenhaus.

Wie lange darf ein Mitarbeiter ohne Pause am Stück arbeiten?

Nach § 5 BildscharbV sind Bildschirmarbeitnehmer spätestens nach zwei Stunden Anspruch auf eine Pause von mindestens 15 Minuten oder 30 Minuten nach vier Stunden.

Kann ich die Online-Unterweisung auch für Home-Office-Mitarbeiter nutzen?

Ja, die Inhalte sind digital abrufbar und auch für das Arbeiten von zu Hause optimiert – inklusive Tipps zur Heimarbeitsgestaltung.

Wer haftet, wenn ein Mitarbeiter trotz Unterweisung Rückenschmerzen entwickelt?

Bei nachweislich durchgeführter Gefährdungsbeurteilung und Unterweisung reduziert sich das Haftungsrisiko erheblich. Wichtig ist die regelmäßige Nachschulung.

Müssen wir die Schrittzahlen der Mitarbeiter kontrollieren?

Nein, das Datenschutzrecht verbietet eine Überwachung. Es reicht, die Möglichkeit zur Teilnahme an Bewegungsprogrammen anzubieten.

Was kostet die Einführung eines betrieblichen Bewegungsprogramms?

Viele Maßnahmen sind kostenneutral (Treppen nutzen, Walking-Meetings). Für strukturierte Programme fallen ca. 2–5 € pro Mitarbeiter und Monat an.

Wie motiviere ich „Bewegungsmuffel“ im Team?

Gamification (Challenges), Team-Events und Vorbildfunktion der Führungskraft. Kleine Gewinne und Anerkennung steigern die Teilnahmequote erheblich.

Gibt es spezielle Programme für Menschen mit Behinderung?

Ja, die Unterweisung enthält barrierefreie Alternativen (Rollstuhlgerechte Übungen, Sitz-Workouts) und berücksichtigt individuelle Einschränkungen.

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