1. Grundlagen der Thermophysiologie
Beschäftigte lernen, wie der menschliche Körper Wärme produziert (Grundumsatz + Arbeitswärme) und abgibt (Strahlung, Konvektion, Verdunstung). Anschaulich wird erklärt, warum ein "angenehmes" Büro-20 °C in der Produktionshalle mit 35 °C und hoher Luftfeuchte zu Hitzestress führen kann. Die Teilnehmenden erhalten praxisnahe Beispiele: Ein Schweißer erzeugt zusätzliche 200 W Arbeitswärme, während ein Lagerist in Gefrierhaus (-24 °C) Wärme verliert.
2. Klimatische Grenzwerte und Rechtslage
- Behaglichkeitsbereich: 20 – 26 °C, < 60 % relative Luftfeuchte (RLF)
- Mäßige thermische Belastung: 26 – 30 °C, 60 – 80 % RLF → Organisatorische Maßnahmen (Pausenregelungen)
- Hohe thermische Belastung: > 30 °C, > 80 % RLF → Persönliche Schutzausrüstung (PSA) wie Kühlwesten oder Kälteschutzkleidung
Die Kursteilnehmenden üben, diese Werte mit dem DGUV Klima-Toolbox-Rechner einzuschätzen.
3. Erste-Anzeichen und Notfallmanagement
Typische Warnsignale von Hitzekrankheiten (Schwindel, Übelkeit, Krämpfe) und Kälteschäden (Frostbeulen, Unterkühlung) werden anhand von kurzen Videos vermittelt. Der Ablauf bei Verdacht (Erstversorgung, Notruf, Betriebsarzt) wird in 5 Schritten geübt.
4. Technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen (TOP)
- T - Technik: Luftungs- und Klimaanlagen, Strahlungsabschirmungen, Kühlwesten, Heizpilze für Kältebereiche
- O - Organisation: Hitze- und Kälte-Pausenpläne, Arbeitszeitverkürzung, Rotation der Arbeitsplätze
- P - Persönlich: PSA wie Klimaunterwäsche, Kälteschutzanzug, ausreichende Flüssigkeitszufuhr
Anhand von Beispielen aus der Stahl- und Lebensmittelindustrie wird gezeigt, wie Maßnahmen kombiniert werden.
5. Praxis-Workshop „Klimaschutz am Arbeitsplatz"
In Kleingruppen erarbeiten die Teilnehmenden einen konkreten Maßnahmenplan für ihren eigenen Arbeitsplatz. Sie nutzen dabei die DGUV Klima-App zur Erfassung von Temperatur und Luftfeuchte und werten diese aus. Das Ergebnis wird als Poster präsentiert und kann sofort im Betrieb umgesetzt werden.