Thema · Arbeitsschutz
Unterweisung Gerüste – Sicherheit beim Arbeiten auf Gerüsten
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 7 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Arbeitsschutz · Außenbereich, Grünfläche · Bauhof · Maschinen, Geräte
- Rechtsgrundlage
- DGUV Information 201-011 - Verwendung von Arbeits-, Schutz- und Montagegerüsten; DGUV Regel 101-038 - Bauarbeiten
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 4032
Ihre Vorteile
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Rechtssicher
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DE, EN, FR u. a.
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WCAG 2.2 AA
Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
Zugrunde liegende Regelwerke
- DGUV Information 201-011 - Verwendung von Arbeits-, Schutz- und Montagegerüsten · Ausgabe 2023.01
- DGUV Regel 101-038 - Bauarbeiten · Ausgabe 2020.10
- DGUV Vorschrift 38 - Bauarbeiten · Ausgabe 2019.11
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
- Grundlagen verschiedener Gerüsttypen (Rahmen-, Modul-, Hänge- und Fahrgerüste) sowie deren Einsatzbereiche.
- Relevante Normen: DIN EN 12810 (Fachgerüste – Sicherheitsanforderungen) und DIN EN 12811 (Gerüste – Leistungsanforderungen und allgemeine Grundsätze).
- Aufbau und Verankerung: Lastabtragung, Verankerungsabstände, Verwendung von Verankerungsmitteln und Fußschwellen.
- Tragfähigkeit und Belastungsgrenzen: Ermittlung der zulässigen Belastung nach Lastklassen (z. B. Klasse 3 = 200 kg/m²) und Berücksichtigung von Eigengewicht, Arbeitslast und Witterungseinflüssen.
- Zugänge und Fluchtwege: Sicher angebrachte Leitern, Treppen und Durchstiege, Mindestbreite und rutschfeste Oberflächen.
- Schutzeinrichtungen: Geländerhöhe (mindestens 1 m), Fußschwellen (mindestens 15 cm), Zwischenlager und Netze zur Verhinderung von herabfallenden Gegenständen.
- Prüfungen vor Benutzung: Sichtprüfung auf Beschädigungen, lose Verbindungen, korrekte Verankerung und Funktion von Geländern.
- Regelmäßige Prüfungen: Tägliche Sichtprüfung durch den Nutzer, wöchentliche Prüfung durch den Gerüstbauleiter und jährliche Hauptprüfung durch eine sachkundige Person gemäß.
- Umgang mit Wetterbedingungen: Bei Wind, Eis, Schnee oder starker Hitze dürfen Gerüste nur unter bestimmten Bedingungen benutzt werden; ggf. Sperrung oder zusätzliche Verankerung.
- Notfall- und Rettungsmaßnahmen: Verhalten bei Einsturz, Absturz oder eingeklemmter Person, Erste Hilfe und Alarmierung der Rettungskräfte.
- Dokumentation und Aufbewahrung: Unterweisungsnachweise, Prüfprotokolle und Wartungsunterlagen mindestens fünf Jahre aufbewahren.
Praxisbeispiele verdeutlichen jedes Thema: Bei einem Rahmengerüst wird gezeigt, wie die Verankerung an der Gebäudehülle mittels Anschlagpunkte erfolgt und warum ein fehlender Fußschwellenbereich zu einem Absturz führen kann. Beim Fahrgerüst wird das sichere Lenken und Bremsen sowie das Verhindern von Kippen durch Lastverschiebung geübt. Durch solche anschaulichen Demonstrationen lernen die Teilnehmenden, theoretisches Wissen sicher in die Praxis umzusetzen.
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
- Absturz wegen fehlender oder nicht richtig montierter Geländer, Fußschwellen oder persönlicher Absturzsicherung.
- Einklemmen oder Quetschen bei beweglichen Teilen wie Rollen oder Auszugsmechanismen.
- Umkippen des Gerüstes aufgrund unsachgemäßer Lastaufnahme, unausgeglichener Belastung oder unzureichender Verankerung.
- Materialversagen durch Korrosion, Beschädigung oder Überlastung der Bauteile.
- Herabfallende Werkzeuge oder Bauteile wegen fehlender Netz- oder Aufhängesicherungen.
- Ausglitten auf nassen, ölig verschmutzten oder eisigen Oberflächen.
Zur Risikominderung wird das TOP-Prinzip angewendet:
Technische Maßnahmen: Verwendung von normgerechten Gerüstkomponenten, korrekte Verankerung nach Herstellervorgaben, Einbau von Geländern und Fußschwellen gemäß DIN EN 12811, Einsatz von Auffangnetzen und Toeboards sowie regelmäßige Wartung und Austausch defekter Teile. Organisatorische Maßnahmen: Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung vor Arbeitsbeginn, Festlegung klarer Auf- und Abbaupläne, Einweisung nur geschulter Gerüstbauer, Sperrung von Bereichen bei schlechtem Wetter, Festlegung von Maximalbelastungen und tägliche Sichtprüfung durch den Nutzer. Persönliche Schutzmaßnahmen: Tragpflichtiger Sicherheitshelm, Sicherheitsschuhe mit Sohle aus Stahl oder Verbundmaterial, bei Absturzgefahr Einsatz einer persönlichen Absturzsicherung (PSAgA) mit Anschlagpunkt am Gerüst, sowie Handschuhe beim Umgang mit rauen Materialien.Durch konsequente Kombination dieser drei Ebenen lässt sich das Unfallrisiko erheblich senken und die Arbeit auf Gerüsten rechtssicher gestalten.
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
- Bauindustrie: Hochbau, Tiefbau, Sanierung und Fassadenarbeiten.
- Industrieanlagenwartung: Wartung von Kraftwerken, Raffinerien und Chemieanlagen, bei denen Gerüste für Revisionsarbeiten nötig sind.
- Schiffbau und Offshore: Montage und Lackierung von Schiffskörpern sowie Wartung von Offshore-Plattformen.
- Veranstaltungs- und Messebau: Aufbau von Bühnen, Tribünen und Ausstellungsständen.
- Fenster- und Glasbau: Montage von Fassadenelementen und Verglasungen in großer Höhe.
- Reinigung und Gebäudemanagement: Fassadenreinigung, Fensterputz und Wartung von Außenanlagen bei höheren Gebäuden.
In allen diesen Bereichen gelten die gleichen rechtlichen Vorgaben, jedoch können branchenspezifische Besonderheiten wie die Verwendung von Sondergerüsten (z. B. Hängegerüste bei Brückenarbeiten) oder besondere Umweltbedingungen (Salzwasser, chemische Einflüsse) zusätzliche Anforderungen stellen. Die Unterweisung sollte daher stets an den jeweiligen Arbeitskontext angepasst werden, um maximale Praxistreffsicherheit zu gewährleisten.
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
- Bei Änderungen der Arbeitsbedingungen, beispielsweise bei Einführung eines neuen Gerüstetyps oder anderer Anschlagpunkte.
- Nach Unfällen oder nahe Unfällen, um Ursachen zu analysieren und Wiederholungen zu verhindern.
- Bei Rückkehr von längerer Abwesenheit (z. B. nach Elternzeit oder langer Krankheit).
- Mindestens einmal jährlich, um das Wissen aufzufrischen und gesetzliche Vorgaben zu erfüllen.
Jede Unterweisung ist sorgfältig zu dokumentieren. Der Nachweis muss Datum, Dauer, Teilnehmerliste, Unterweisungsinhalt sowie die Unterschrift des Unterweisenden enthalten (ArbSchG § 6, BetrSichV § 5). Zusätzlich sind Prüfprotokolle der Gerüste (tägliche Sichtprüfung, wöchentliche Kontrollen durch den Gerüstbauleiter und jährliche Hauptprüfung gemäß ) aufzubewahren. Alle Unterlagen – Unterweisungsnachweise, Prüfberichte und Wartungsunterlagen – sind mindestens fünf Jahre aufzubewahren, damit sie im Falle einer Behördenschau oder bei Unfalluntersuchungen vorgelegt werden können. Eine elektronische Archivierung ist zulässig, solange die Integrität und Lesbarkeit der Daten gewährleistet bleibt. Durch klare Intervalle und lückenlose Dokumentation wird nicht nur die Arbeitssicherheit erhöht, sondern auch das Risiko von Bußgeldern und Produktionsausfällen minimiert.
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Gerüsttyp und Einsatzbereich der Tätigkeit zugeordnet?
- Verankerung erfolgt nach Herstellervorgaben und DIN EN 12811?
- Geländerhöhe mindestens 1 m und Fußschwellen mindestens 15 cm vorhanden?
- Zugänge (Leitern, Treppen) sicher befestigt und rutschfrei?
- Tragfähigkeit nach Lastklasse berechnet und nicht überschritten?
- Sichtprüfung vor Benutzung auf Beschädigungen, lose Verbindungen und Korrosion durchgeführt?
- Persönliche Schutzausrüstung (Helm, Schuhe, bei Bedarf PSAgA) vorhanden und korrekt getragen?
- Bei Wetterbedingungen (Wind, Schnee, Eis) zusätzliche Sicherungsmaßnahmen getroffen?
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Fehlende oder falsche VerankerungGerüste werden ohne ausreichende Verankerung an das Gebäude aufgestellt, was bei Wind oder Belastung zum Umkippen führen kann. 2. Unvollständige Geländer oder fehlende Fußschwellen: Aus Bequemlichkeit werden Geländer nur teilweise montiert oder Fußschwellen weggelassen, wodurch Absturzgefahr entsteht. 3. Überlastung des Gerüstes: Arbeitslasten sowie Materiallager werden auf das Gerüst gelegt, ohne die zulässige Lastklasse zu berücksichtigen – Gefahr von Durchbruch oder Kollaps. 4. Vernachlässigung der täglichen Sichtprüfung: Beschäftigte benutzen das Gerüst ohne vorherige Kontrolle auf lose Verbindungen oder Beschädigungen. 5. Unzureichende persönliche Schutzausrüstung: Fehlender Helm oder fehlende Absturzsicherung trotz vorhandener Gefährdung führt zu schweren Verletzungen bei einem Sturz.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Schwangere und stillende Beschäftigte Für sie gilt ein erhöhter Schutz; Gerüstarbeiten sollten nach Gefährdungsbeurteilung vermieden oder nur unter strengsten Schutzmaßnahmen (z. B. ausschließlich Bodennähe, keine Arbeit in über 2 m Höhe) erfolgen. Jugendliche unter 18 Jahren: Sie dürfen Gerüste nur nach spezieller Unterweisung und nur bei einfachen Gerüsttypen (z. B. geringe Höhe, keine komplexen Verankerungen) arbeiten, wobei die Aufsicht durch einen erfahrenen Gerüstbauer erforderlich ist. Personen mit Behinderung: Bei der Unterweisung sind individuelle Anpassungen zu berücksichtigen (z. B. alternative Zugangsmöglichkeiten, spezielle PSA) um gleichwertigen Schutz zu gewährleisten.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Gerüste
Wie oft muss eine Gerüstunterweisung wiederholt werden?
Mindestens jährlich, sowie bei Änderungen der Arbeitsbedingungen, nach Unfällen oder bei Rückkehr von längerer Abwesenheit.
Welche Unterlagen müssen bei einer Gerüstunterweisung aufbewahrt werden?
Unterweisungsnachweis (Datum, Teilnehmer, Inhalt, Unterschrift), Prüfprotokolle (täglich, wöchentlich, jährlich) und Wartungsunterlagen – jeweils mindestens fünf Jahre.
Dürfte ein Gerüst ohne Geländer benutzt werden, wenn nur kurzzeitig gearbeitet wird?
Nein. Geländer und Fußschwellen sind unabhängig von der Dauer der Tätigkeit zwingend erforderlich, um Absturz zu verhindern.
Welche Lastklasse gilt für ein Standard‑Fachgerüst im Innenausbau?
Für gewöhnliche Innenausbauarbeiten reicht meist Lastklasse 2 (150 kg/m²) aus; bei schweren Materialien ist jedoch Lastklasse 3 (200 kg/m²) oder höher nötig.
Muss ein Gerüst bei starkem Wind gesperrt werden?
Ja. Bei Windgeschwindigkeiten über die im Gerüstplan angegebenen Grenzen (häufig 20 m/s) muss das Gerüst nicht benutzt werden und ist zu sichern.
Wer darf die jährliche Hauptprüfung eines Gerüstes durchführen?
Nur eine sachkundige Person, die gemäß über die notwendige Fachkunde (z. B. Gerüstbauleiter mit entsprechender Qualifikation) verfügt.
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