Thema · Arbeitsschutz
Unterweisung Gehörschutz: Rechtssichere Schulung nach DGUV Vorschrift 4031
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 7 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Arbeitsschutz · Außenbereich, Grünfläche · Bauhof · Schutzausrüstung
- Rechtsgrundlage
- DGUV Information 212-024 - Gehörschutz in der Praxis; DGUV Regel 112-194 - Benutzung von Gehörschutz
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 4031
Ihre Vorteile
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Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
Zugrunde liegende Regelwerke
- DGUV Information 212-024 - Gehörschutz in der Praxis · Ausgabe 2026.06
- DGUV Regel 112-194 - Benutzung von Gehörschutz · Ausgabe 2024.09
- LärmVibrationsArbSchV - Verordnung zum Schutz der Beschäftigten vor Gefährdungen durch Lärm und Vibrationen
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
2. Erste Unterweisung vor Arbeitsaufnahme ArbSchG §12 verlangt eine schriftliche Unterweisung noch vor erstmaliger Tätigkeit im Lärmbereich. Dokumentieren Sie nach §14 Ort, Uhrzeit, Inhalte und Teilnehmer.
3. Wiederholungsunterweisung mindestens jährlich DGUV 4031 verlangt jährliche Auffrischung – bei sich ändernden Arbeitsbedingungen sofort.
4. Bereitstellung geeigneter Schutzausrüstung Geräte müssen CE-geprüft, der Lärmsituation angepasst und individuell angepasst sein (EN 352). Die korrekte Handhabung ist Teil jeder Unterweisung.
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
1. Definition und Funktionsweise von Gehörschutz
Gehörschutz (EN 352) ist jede Ausrüstung, die Schall am Ohr reduziert. Er unterscheidet sich von Schalldämmung, da er individuell tragbar ist. Die Schalldämmung wird in der Norm als Bewerteter Schalldämmungspegel (SNR) angegeben – je höher der Wert, desto stärker die Abschwächung.
2. Auswahl der richtigen Kategorie
- Ohrstöpsel (Formstöpsel, Schaumstöpsel, individuell geformt): SNR 15–36 dB, geeignet für gleichmäßigen Dauerschall.
- Gehörschutz-Kapseln (Bügel-Kapsel, Helm-Kombination): SNR 20–35 dB, leicht auf- und absetzbar, auch bei Wechselarbeitsplätzen.
- Level-Dependent-Systeme / elektronische Hörerhöhung: Dämpfen Impulsschall, erhalten Umgebungsgeräusche – ideal im Fahrzeug- oder Kommunikationsbereich.
3. Risiken des Lärms und Folgen für das Gehör
Gefährdungsstufen nach LärmRichtlinie 2003/10/EG:
- 85 dB(A): Unterweisungspflicht
- 87 dB(A): Tragepflicht (Expositionsgrenzwert)
- 140 dB(C): Schmerzschwelle, sofortiger Hörschäden möglich
Krankheitsbilder: Lärminduzierte Hörverluste beginnen meist bei 4 kHz („Kutschenkerbe“) und schreiten vor, bis Alltagssprache nicht mehr verstanden wird. Tinnitus und Schwindel sind Folgen.
4. Richtiger Umgang und Fehlerquellen
- Ohrstöpsel: Ziehen, rollen, einführen, 30 s halten – nur so entfalten sich Schaumstöpsel vollständig.
- Kapseln: Dichtungsringe monatlich auf Risse prüfen, Bügelspannung 10–14 N.
- Hygiene: Schaumstöpsel sind Einwegprodukte; Mehrweg-Stöpsel täglich mit mildem Wasser reinigen.
5. Kontrolle und Pflege
Zu jeder Unterweisung gehört ein Praxis-Check: Mitarbeitende setzen den Schutz unter Anleitung richtig auf, führen den „Stimmentest“ (eigene Stimme dumpf = korrekt sitzend) durch und erhalten eine Einweisungsbestätigung. Lagerung in trockener, staubgeschützter Umgebung verlängert die Lebensdauer.
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
TOP-Prinzip beachten:
- Technisch: Lärmarme Maschinen, Kapselung, Dämmung, Absaugung.
- Organisatorisch: Rufzeitenplanung, Schichtwechsel, Home-Office für Bürokräfte.
- Personenbezogen: Gehörschutz als letzte Maßnahme, aber zwingend ab 80 dB(A).
Typische Gefährdungsszenarien:
- Stanzen, Hämmern, Schweißen: kurzzeitig >130 dB(C) – Impulsschutz mit Kapseln oder elektronischen Systemen.
- Logistik/Flurförderzeuge: 85–95 dB(A) – Gehörschutz mit Kommunikationsfunktion empfohlen, um Gefahrenquellen wahrzunehmen.
- Veranstaltungstechnik: bis 110 dB(A) – individuell geformte Stöpsel mit Filter erhalten Klangqualität.
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Gefährdungsbeurteilung Lärm liegt vor und ist aktuell (<2 Jahre alt)
- Alle Beschäftigten >80 dB(A) identifiziert und gelistet
- Erstunterweisung wurde vor Arbeitsaufnahme schriftlich durchgeführt
- Wiederholungsunterweisung ist im Kalender jährlich terminiert
- Gehörschutz ist CE-geprüft und zur Lärmsituation passend
- Hygieneplan für Mehrweg-Stöpsel/Kapseln vorhanden
- Ersatzgeräte sind auf Vorrat gelagert
- Unterweisungsnachweise werden revisionssicher archiviert
Häufige Fehler
Das geht oft schief
1. Fehlende Gefährdungsbeurteilung
Viele Betriebe „übernehmen“ alte Messwerte – Lärmsituationen ändern sich jedoch durch neue Maschinen oder Hallenumbauten.
2. „Einmal unterwiesen, gut ist“
Ohne jährliche Auffrischung nach DGUV 4031 drohen Bußgelder bis 30.000 € (ArbSchG §24).
3. Falsche Schutzausrüstung
Stöpsel mit 37 dB SNR in einer 82 dB(A)-Zone überdämpfen – Mitarbeitende entfernen sie heimlich und riskieren Schaden.
4. Hygiene vernachlässigt
Gemeinschaftlich genutzte Kapseln ohne Reinigung führen zu Ohrenentzündungen und Ablehnung.
5. Kein praktischer Übungsanteil
Reine Powerpoint-Schulungen ohne Anlegen und Stimmentest verhindern nicht, dass die Hälfte der Stöpsel falsch sitzt.
6. Dokumentation lückenhaft
Fehlende Unterschriften oder verschwundene Listen gefährden Nachweise im Schadensfall.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Jugendliche und Auszubildende ArbSchG §20 und Jugendarbeitsschutzgesetz §9: Jugendliche unter 18 Jahren dürfen grundsätzlich nicht über 85 dB(A) exponiert werden. Erfordert zusätzliche technische Schutzmaßnahmen oder vollständige Lärmsanierung.
- Schwangere und stillende Mütter Mutterschutzgesetz §3: Keine Beschäftigung in Lärmbereichen über 85 dB(A) bzw. 135 dB(C) Spitzen – Ausnahme nur mit arbeitsmedizinischem Attest und zusätzlichem Gehörschutz.
- Hörgeräteträger Individuelle Formstöpsel müssen nach audiologischer Anpassung gefertigt werden; elektronische Systeme mit T-coil-Unterstützung möglich, damit Hörgeräte nicht ausgeschaltet werden müssen.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Gehörschutz
Muss ich eine neue Gefährdungsbeurteilung machen, wenn eine Maschine ausgetauscht wird?
Ja, sobald sich die Lärmsituation ändern kann (±3 dB), ist eine Aktualisierung nötig (BetrSichV §3).
Reicht Online-Unterweisung aus?
Ja, wenn ein schriftlicher Nachweis mit abschließender praktischer Übung und Test durch einen qualifizierten Sicherheitsfachkundigen erfolgt (DGUV 4031).
Wer führt die Unterweisung durch?
Geeignete Personen sind Sicherheitsfachkräfte, Betriebsärzte oder externe Sachkundige gemäß DGUV Vorschrift 2 §12.
Was tun, wenn Mitarbeitende den Gehörschutz verweigern?
Arbeitsverweigerung ist nur bei konkreter Gesundheitsgefahr zulässig – ansonsten Arbeitsrechtliche Maßnahmen; Gehörschutz ist nach ArbSchG §7 verbindlich.
Wie lange sind Gehörschutz-Stöpsel haltbar?
Schaumstöpsel: Einmalig. Mehrweg-Silikonstöpsel: bis zu 2 Jahre bei sachgemäßer Reinigung – regelmäßiger Sicht- und Dichtheits-Check.
Kann ich die Unterweisung in der Toolbox abfragen?
Ja, wenn alle Inhalte laut DGUV 4031 abgedeckt und dokumentiert werden. Empfehlung: jährlicher Komplett-Durchlauf.
Welche SNR-Werte brauche ich für 90 dB(A)?
Ziel: Reduktion unter 80 dB(A). 90 – 80 = 10 dB erforderlich. SNR 20 dB wählen, da realer Dämmwert ca. 50 % des SNR liegt.
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