Thema · Arbeitsschutz
Unterweisung Gefahrstoffgefährdung: Säuren und Laugen – Rechtssicher & Praxisnah
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 7 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Arbeitsschutz · Bauhof · Gefahrstoffe, Stoffe
- Rechtsgrundlage
- GefStoffV - Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen*); TRGS 401 - Gefährdung durch Hautkontakt, Ermittlung
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 7052
Ihre Vorteile
Warum Unterweisungscenter?
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DE, EN, FR u. a.
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WCAG 2.2 AA
Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
Zugrunde liegende Regelwerke
- GefStoffV - Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen*)
- TRGS 401 - Gefährdung durch Hautkontakt, Ermittlung
- TRGS 510 - Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
Unterweisung nach § 14 GefStoffV Vor Aufnahme der Tätigkeit und mindestens jährlich müssen alle Beschäftigten, die Säuren oder Laugen handhaben, nachweislich unterwiesen werden. Die Schulung muss an die konkreten Arbeitsbedingungen angepasst sein.
Dokumentation & Nachweis Datum, Inhalt, Unterzeichnung der Teilnehmenden und des Verantwortlichen sind gemäß § 15 GefStoffV für mindestens fünf Jahre aufzubewahren. Lückenlose Nachvollziehbarkeit bei Prüfungen durch die Berufsgenossenschaft.
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
1. Eigenschaften und Gefahrenklassen von Säuren und Laugen
Säuren (pH < 7) wirken ätzend, reizen Atemwege und können bei Kontakt mit Metallen brennbare Gase entwickeln. Beispiele: Salzsäure (H290, H314), Schwefelsäure (H290, H314). Laugen/Alkalien (pH > 7) greifen Haut, Augen und Schleimhäute auf, zerstören Gewebe tiefgehend. Beispiele: Natriumhydroxid (H314), Kalilauge (H314).
2. Kennzeichnung & CLP-Verordnung
- Piktogramme: GHS05 „ätzen“, GHS07 „Achtung“
- H-Sätze: H290, H314, H318, H335
- P-Sätze: P260, P280, P301+P330+P331, P303+P361+P353, P305+P351+P338
3. Arbeitsplatzorganisation und Lagerung
- Getrennte Lagerung von Säuren und Laugen (Gefahr exothermer Reaktion)
- Unterbringung in geprüften Auffangwannen, korrosionsbeständige Materialien
- Kennzeichnung von Leitungen und Pumpen
- Verbot von Speiseflächen in unmittelbarer Nähe
4. Persönliche Schutzausrüstung (PSA)
- Handschutz: Chemikalienbeständige Schutzhandschuhe (z. B. Nitril 0,5 mm, Durchbruchzeit > 480 min)
- Augenschutz: Korbbrille oder Vollschutzgesichtsschild nach EN 166
- Körperschutz: Schutzanzug Typ 3 oder 4 nach EN 14605
- Atemschutz: Halbmaske mit Kombinationsfilter A-P2 bei Aerosolen oder Dämpfen
5. Umgang und Dosierung
- Stets „säure zu Wasser“ – niemals umgekehrt (Explosionsgefahr)
- Verwendung geeigneter Dosierhilfen (Handpumpen, Dosierstationen)
- Verdünnungen nur in geeichten Behältern durchführen
- Transport in stabilen, verschlossenen Gefäßen auf geeigneten Transportwagen
6. Notfallmaßnahmen
- Hautkontakt: Sofort mit fließendem Wasser mind. 15 min spülen, kontaminierte Kleidung entfernen
- Augenkontakt: Augenklappe anlegen, mindestens 10 min spülen, danach augenärztliche Vorstellung
- Inhalation: An die frische Luft bringen, ggf. Sauerstoff verabreichen, Notarzt rufen
- Neutralisationsmittel: Sorptionsgranulat „Chemizorb S/L“ bereit halten
7. Entsorgung & Umweltschutz
- Säuren und Laugen getrennt sammeln, pH-Wert neutralisieren, Fachbetrieb entsorgen lassen
- Kein Abfluss oder Hausmüll
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
Konkrete Gefährdungen
- Ätzende Verletzungen: Kontakt mit Haut und Augen führt zu Verätzungen, Narbenbildung und Erblindungsrisiko.
- Atemwegsschäden: Dämpfe oder Aerosole reizen Nasen-Rachen-Raum, können Lungenödem auslösen.
- Explosions- und Brandgefahr: Säuren können mit Metallen Wasserstoff bilden oder Laugen exotherm reagieren.
- Langzeitfolgen: Chronische Hautschäden, Sensibilisierungen durch wiederholte Einwirkung.
TOP-Prinzip umsetzen
- Technische Maßnahmen: Abzug, Dosierautomatik, Auffangwannen
- Organisatorische Maßnahmen: Trennung von Lager und Arbeitsplatz, Umstellungszeiten minimieren
- Persönliche Schutzausrüstung: PSA als letzte Schutzschicht, aber verpflichtend bei Restrisiko
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
Relevant für alle Branchen, in denen Säuren oder Laugen gelagert, dosiert oder verarbeitet werden:
- Labor & Analytik: Titrierlösungen, pH-Einstellungen
- Metallverarbeitung: Beizen, Entgraten, Galvanikbäder
- Lebensmittelindustrie: Reinigungs- und Desinfektionsmittel (z. B. Salpetersäure, Natriumhydroxid)
- Krankenhäuser & Pflegeeinrichtungen: Reinigungsmittel für Instrumente und Oberflächen
- Kfz-/Tankstellenbereich: Batterie- und Kühlmittelsäuren
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Säuren und Laugen räumlich getrennt gelagert?
- Aktuelle Sicherheitsdatenblätter (SDS) am Arbeitsplatz verfügbar?
- Chemikalienbeständige Schutzhandschuhe passender Durchbruchzeit vorhanden?
- Notdusche und Augenspülstation technisch einwandfrei und gekennzeichnet?
- Mitarbeitende kennen die Reihenfolge „Säure zu Wasser“ bzw. „Lauge zu Wasser“?
- Neutralisationsmittel und Sorptionsgranulat griffbereit?
- Gefährdungsbeurteilung aktuell und von Fachkraft unterzeichnet?
- Unterweisungsnachweis liegt für alle Betroffenen vor und ist maximal 12 Monate alt?
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Handschuhe nicht wechselnViele Nutzer tragen Nitril-Handschuhe auch nach Chemikalienkontakt weiter – Durchbruchzeit wird überschritten, Gefahr steigt.
- „Hausmäßige“ VerdünnungenKonzentrierte Säure einfach in Eimer kippen und mit Wasser auffüllen. Führt zu Hitzestau und Spritzern.
- Leitungen nicht gekennzeichnetSäure- und Laugenleitungen werden nicht farblich oder textlich gekennzeichnet – Verwechslungsrisiko bei Wartung.
- Erste-Hilfe-Koffer fehltZur Reinigung „nur mal schnell“ mit Natronlauge arbeiten – ohne Augenspülung oder Calcium-Gluconat-Gel in Reichweite.
- Unterweisung nur „mal eben“Kurzer Hinweis „Sei vorsichtig“ gilt nicht als Schulung – Fristen und Inhalte müssen klar nachweisbar sein.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Schwangerschaft und Stillzeit TRGS 525 fordert besondere Prüfung, ob der Einsatz von Säuren/Laugen für Schwangere geeignet ist. Expositionsminimierung oder Tätigkeitsumsetzung kann erforderlich werden.
- Jugendliche und Auszubildende § 22 Abs. 2 Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) verbietet den Einsatz von ätzenden Stoffen grundsätzlich für unter 18-Jährige. Ausnahmen nur mit ärztlichem Gutachten und Aufsicht durch Fachkraft.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Gefahrstoffgefährdung: Säuren und Laugen
Wer muss an der Unterweisung teilnehmen?
Alle Personen, die Säuren oder Laugen lagern, umfüllen, dosieren oder anlagenbedienend tätig sind – auch Reinigungskräfte und Hilfskräfte.
Muss die Schulung vor Ort oder reicht Online?
Online-Schulung ist nach aktueller Rechtsprechung zulässig, wenn sie interaktiv ist, praxisnahe Inhalte enthält und eine Präsenz-Einweisung am Arbeitsplatz ergänzt wird.
Wie lange darf eine Unterweisung maximal zurückliegen?
Maximal 12 Monate, bei neuen Stoffen oder Unfällen sofort wiederholen.
Was gehört alles in die Dokumentation?
Datum, Thema (z. B. „Umgang mit Salzsäure 32 %“), Inhalte, Name & Unterschrift der Teilnehmenden sowie des Schulenden.
Gilt die Schulung auch für Reinigungskräfte?
Ja – auch Putzkräfte, die mit Natriumhydroxid arbeiten, müssen jährlich unterwiesen werden.
Kann ich die Schulung mit anderen Themen kombinieren?
Ja, wenn die Inhalte zu Säuren/Laugen klar abgegrenzt und nachvollziehbar dokumentiert sind.
Was ist bei ausländischen Leiharbeitnehmern zu beachten?
Unterweisung muss in verständlicher Sprache oder mit Dolmetscher erfolgen. Leihfirmen und Entleiher haften solidarisch.
Wie sieht die Praxisprüfung aus?
Kurze Demonstration am Arbeitsplatz: richtige PSA anlegen, Verdünnung „Säure zu Wasser“, Notfallmaßnahme zeigen.
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