Thema · Arbeitsschutz

Unterweisung Gefahrstoffgefährdung: Farb- und Glasurspritznebel – Kurs 7056

Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat

UWC-Nr. 7056 ca. 5 Minuten Lernzeit

Kehrmaschine des kommunalen Bauhofs im Einsatz auf einer Straße

Steckbrief

Dauer
ca. 5 Minuten, jederzeit unterbrechbar
Bereiche
Arbeitsschutz · Bauhof · Gefahrstoffe, Stoffe
Rechtsgrundlage
DGUV Information 209-046 - Verarbeiten von flüssigen Beschichtungsstoffen - Brand und Explosionsschutz; GefStoffV - Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen*)
Nachweis
Zertifikat automatisch als PDF
Sprachen
Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
Kennung
UWC-Nr. 7056

Ihre Vorteile

Warum Unterweisungscenter?

  • Rechtssicher

    ArbSchG-konform

  • Mehrsprachig

    DE, EN, FR u. a.

  • Zertifikat

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  • Barrierefrei

    WCAG 2.2 AA

Auf dieser Seite
Farb- und Glasurspritznebel entstehen beim Beschichten, Lackieren oder Glasieren in Industrie, Handwerk und Kunst. Diese Aerosole bestehen aus feinsten Partikeln von Farbpigmenten, Bindemitteln und Lösungsmitteln, die nicht nur die Atemwege schädigen, sondern auch explosionsfähige Atmosphären erzeugen können. Nach ArbSchG § 12 müssen Arbeitgeber Gefährdungen systematisch beurteilen und geeignete Maßnahmen ergreifen – inklusive unterweisungspflichtiger Schulungen. Der vorliegende Kurs UWC-Nr. 7056 liefert praxisnahes Wissen zur sicheren Handhabung, richtigen Persönlichen Schutzausrüstung (PSA) und zur Vermeidung von Haut- und Atemwegserkrankungen. Er ist auf alle Tätigkeiten zugeschnitten, in denen Farb- oder Glasurspritznebel auftreten – von der Lackierkabine bis zur Keramikwerkstatt.

Abschnitt 1

Rechtliche Grundlagen

Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) § 3 Allgemeine Verpflichtung: Der Arbeitgeber hat erforderliche Maßnahmen zu treffen, um Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten zu gewährleisten. § 12 Gefährdungsbeurteilung: Verpflichtet zur systematischen Ermittlung und Bewertung von Gefährdungen durch Stoffe, wie Farb- und Glasurspritznebel. § 14 Unterweisung: Beschäftigte müssen vor Aufnahme der Tätigkeit und regelmäßig danach unterwiesen werden. Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) § 14 Unterrichtung und Unterweisung: Betroffene Personen sind über Gefährdungen und Schutzmaßnahmen regelmäßig zu unterweisen, dokumentiert nach § 16. § 7 Substitution: Gefährliche Stoffe sind durch weniger gefährliche zu ersetzen, wenn möglich. DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ § 4 Risikobeurteilung: Arbeitgeber müssen Risiken ermitteln, bewerten und Maßnahmen festlegen. § 12 Unterweisung: Mindestens einmal jährlich wiederkehrende Unterweisungspflicht. DGUV Regel 109-002 „Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen“ Gibt Methodik und Checklisten zur Ermittlung von Exposition gegenüber Sprühnebeln. DGUV Regel 113-020 „Lackierarbeiten“ Konkretisiert Anforderungen an Lüftung, PSA und Unterweisung bei Farb- und Glasurspritznebel.

Abschnitt 2

Pflichten des Arbeitgebers

1. Gefährdungsbeurteilung erstellen Der Arbeitgeber muss nach ArbSchG § 12 und DGUV Vorschrift 1 § 4 schriftlich ermitteln, wo Farb- und Glasurspritznebel entstehen, welche Stoffe betroffen sind und wie hoch die Konzentrationen sein können. Die Beurteilung ist regelmäßig zu überprüfen, mindestens jedoch alle zwei Jahre oder bei Änderung der Arbeitsverfahren.

2. Unterweisung planen und durchführen Gemäß ArbSchG § 14 und GefStoffV § 14 sind alle Beschäftigten vor Aufnahme der Tätigkeit, bei Verfahrensänderungen und mindestens jährlich erneut zu unterweisen. Die Unterweisung muss fachgerecht erfolgen – idealerweise durch einen sachkundigen Fachkraft für Arbeitssicherheit.

3. Dokumentation und Nachweis Jede Unterweisung ist gemäß GefStoffV § 16 zu dokumentieren: Datum, Inhalt, Teilnehmer und Unterschrift. Die Nachweise sind fünf Jahre aufzubewahren und auf Verlangen der Berufsgenossenschaft vorzulegen.

Abschnitt 3

Inhalte der Unterweisung

1. Chemische Zusammensetzung und Gefährdungspotenzial Die Teilnehmer lernen, dass Farb- und Glasurspritznebel eine Mischung aus
  • Pigmenten (z. B. Titandioxid, Eisenoxide),
  • Bindemitteln (Acrylate, Epoxide),
  • Lösungsmitteln (Xylol, MEK, Butylacetat),
  • Reaktionsbeschleunigern (Isocyanate)
darstellen. Daraus ergeben sich Gefährdungen durch Inhalation, Hautkontakt und Explosionsgefahr (ATEX).

2. Gesundheitliche Auswirkungen

  • Atemwege: Reizung, chronische Bronchitis, Asthma, „Lackierer-Syndrom“.
  • Haut: Ausschlag, Sensibilisierung, Kontaktdermatitis.
  • ZNS: Lösungsmittelbedingte Symptome wie Schwindel, Kopfschmerzen.

3. Technische Schutzmaßnahmen

  • Absauganlagen: Niederdruck- oder Hochdruck-Exhaustoren an Spritzpistolen.
  • Lüftung: Mindestluftwechsel nach DGUV Regel 113-020 (mind. 10-facher Luftwechsel in Lackierkabinen).
  • Feuchtraumtechnik: Sprühnebel durch Wasserfiltern abscheiden.

4. Persönliche Schutzausrüstung (PSA)

  • Atemschutz: Halb- oder Vollmaske mit ABEK-Filter oder Pressluftgerät bei hohen Konzentrationen.
  • Handschutz: Chemikalienbeständige Schutzhandschuhe (z. B. Nitril 0,5 mm, Durchbruchzeit > 480 min).
  • Augenschutz: Vollgesichtsschutz bei Spritzarbeiten.
  • Körperschutz: Antistatische Schutzkleidung nach EN 1149-5, ggf. Überwurf aus PVC.

5. Verhalten in der Praxis

  • Vorarbeit: Container richtig verschließen, Farbe nicht außerhalb der Kabine umfüllen.
  • Während der Arbeit: Pistole gleichmäßig führen, Überkopfarbeit nur mit Zusatzschutz.
  • Nacharbeit: Pistole entleeren und reinigen, PSA dekontaminieren, Haut- und Kleidungswechsel.

6. Notfallmaßnahmen und Erste Hilfe

  • Bei Augenkontakt: Sofort 15 Minuten spülen, Augenarzt.
  • Bei Hautkontakt: Mit Seife und Wasser reinigen, ggf. Hautschutzplan anwenden.
  • Explosions- und Brandgefahr: ATEX-Zonen beachten, Funkenfreie Werkzeuge nutzen.

7. Umweltschutz und Entsorgung

  • Lackreste als gefährlicher Abfall gemäß EfbV sammeln.
  • Reinigungslösemittel über BG-Punkt fachgerecht entsorgen.

Abschnitt 4

Gefährdungen & Schutzmaßnahmen

Konkrete Gefährdungen beim Umgang mit Farb- und Glasurspritznebel

  • Inhalative Exposition: Feinste Partikel < 10 µm dringen tief in die Lunge ein, erhöhen das Risiko für Asthma und „Organisches Lungen-Syndrom“.
  • Dermatologische Risiken: Lösungsmittel zerstören die Hautbarriere, Isocyanate sensibilisieren.
  • Explosionsgefahr: Organische Lösungsmittelbildung explosionsfähiger Atmosphären (ATEX Zone 1).
  • Brandlast: Sprühnebel kann sich in feinen Schichten ablagern und leicht entzünden.

TOP-Prinzip anwenden

  • Technisch: Absauganlage direkt an der Quelle, Automatische Farbzuführung, Einsatz von VOC-armen Wasserlacken (Substitution).
  • Organisatorisch: Sperrzeit bis Abluftwerte < 20 % des Arbeitsplatzgrenzwerts (AGW), getrennte Umkleidezonen, Reinigung nach Schichtende.
  • Personell: PSA nach Gefährdungsbeurteilung auswählen, Hautschutzplan integrieren.

Abschnitt 5

Zielgruppen & Branchen

Primäre Zielgruppen
  • Automobil- und Industrielackierbetriebe
  • Keramik- und Sanitärindustrie (Glasurspritzkabinen)
  • Möbel- und Holzlackierereien
  • Kunsthandwerk (Porzellanmalerei, Fassadenrestaurierung)

Besonderheiten In der Keramikindustrie zusätzlich Quarzstaub aus Silikatglasuren. In der Autolackierung hohe Anforderungen an Farbübereinstimmung, deshalb häufiger Farbwechsel und intensive Reinigung.

Abschnitt 6

Intervalle & Dokumentation

Regelmäßige Unterweisung Nach GefStoffV § 14 und DGUV Vorschrift 1 § 12 müssen alle betroffenen Mitarbeitenden mindestens einmal jährlich erneut unterwiesen werden. Bei Einführung neuer Lacke, Verfahrens- oder Maschinenänderungen sowie nach Unfällen erfolgt eine zusätzliche Kurzunterweisung.

Dokumentationspflicht Jede Unterweisung ist schriftlich festzuhalten: Datum, Themen, Schulungsmaterialien, Teilnehmerverzeichnis mit Unterschrift. Die Dokumente sind fünf Jahre aufzubewahren und bei Prüfungen der Berufsgenossenschaft vorzulegen. Digitale Nachweise sind zulässig, wenn sie revisionssicher signiert werden.

In der Praxis

Was Verantwortliche wissen müssen

Checkliste

Das sollten Sie prüfen

  • Gefährdungsbeurteilung aktuell und unterschrieben?
  • Alle betroffenen Mitarbeitenden in der Teilnehmerliste erfasst?
  • PSA-Auswahl dokumentiert und prüfbuch geführt?
  • Lüftungsanlagen gewartet (Prüfintervall max. 1 Jahr)?
  • ATEX-Zonenplan vor Ort ausgehängt?
  • Erste-Hilfe-Material für Augenspülung verfügbar?
  • Entsorgungsnachweise für Farbreste vorhanden?
  • Unterweisungsnachweise 5 Jahre archiviert?

Häufige Fehler

Das geht oft schief

  1. Unvollständige Gefährdungsbeurteilung
    Oft werden nur VOC-Konzentrationen gemessen, Partikelanteil (Pigmente) wird vergessen.
  2. Falsche Filterauswahl
    Einsatz von ABEK-Filtern, obwohl auch Partikelfiltration (P3) erforderlich ist.
  3. Fehlende Nachschulung nach Produktwechsel
    Neuer Isocyanathärter = neuer Gefahrstoff = neue Unterweisung nötig.
  4. Unzureichende Kabinenreinigung
    Explosionsfähige Ablagerungen in Ecken und Abzugsrohren.
  5. Verwechslung von Hautschutz- und Hautreinigungsmitteln
    Reinigung vor dem Schutz führt zu Hautirritationen.

Sonderfälle

Das gilt zusätzlich

Lehrlinge und Auszubildende

Erhalten zusätzliche praktische Übungsstunden unter Aufsicht eines Meisters. Die Unterweisung muss vor dem ersten eigenständigen Sprühen erfolgen.

Schwangere und stillende Mitarbeitende

Nach Mutterschutzgesetz § 10 dürfen diese Personen nicht mit Isocyanat-haltigen Lacken arbeiten. Ggf. Umsetzung auf andere Tätigkeiten.

Häufige Fragen

Fragen zur Unterweisung Gefahrstoffgefährdung: Farb- und Glasurspritznebel

Ist eine Online-Schulung für diese Gefahrstoff-Unterweisung ausreichend?

Ja, wenn sie interaktive Elemente, Prüfungsfragen und hands-on-Videos enthält und das Präsenztraining durch ergänzende praktische Übungen abgerundet wird.

Wie hoch darf der VOC-Grenzwert im Arbeitsbereich maximal sein?

Der Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) liegt z. B. für Xylol bei 50 ml/m³ (ppm). Die Unterweisung vermittelt, wie man diese Werte misst und unterschreitet.

Benötige ich ein Explosionsschutzunterweisung zusätzlich?

Wenn in der Kabine Zone 1 oder 2 vorliegt (z. B. bei lösemittelhaltigen Lacken), muss zusätzlich die ATEX-Unterweisung erfolgen – häufig kombinierbar.

Muss auch der Lackiererei-Laborant unterwiesen werden?

Ja, auch beim Mischen und Anrühren entstehen Sprühnebel und Dämpfe – deshalb Vollschutz erforderlich.

Kann ich die Unterweisung auf Englisch durchführen?

Grundsätzlich ja, aber die Dokumentation muss in Deutsch vorliegen und die Inhalte müssen vom Mitarbeiter verstanden worden sein.

Wie lange dauert eine typische Unterweisungseinheit?

60 bis 90 Minuten incl. Praxis-Check und Fragerunde; kürzer nur bei reinen Wiederholungsschulungen.

Darf ich die PSA selbst aussuchen?

Nein, die Auswahl erfolgt durch den Arbeitgeber auf Basis der Gefährdungsbeurteilung und ist in der Betriebsanweisung festgelegt.

Muss ich vor jeder Schicht Masken prüfen?

Ja, visuelle Sichtprüfung auf Undichtigkeiten und Filterwechsel nach Herstellerangaben. Das wird in der Unterweisung geübt.

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