Thema · Arbeitsschutz
Unterweisung Gefahrstoffgefährdung: Farb- und Glasurspritznebel – Kurs 7056
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 5 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Arbeitsschutz · Bauhof · Gefahrstoffe, Stoffe
- Rechtsgrundlage
- DGUV Information 209-046 - Verarbeiten von flüssigen Beschichtungsstoffen - Brand und Explosionsschutz; GefStoffV - Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen*)
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 7056
Ihre Vorteile
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DE, EN, FR u. a.
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Zertifikat
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WCAG 2.2 AA
Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
Zugrunde liegende Regelwerke
- DGUV Information 209-046 - Verarbeiten von flüssigen Beschichtungsstoffen - Brand und Explosionsschutz · Ausgabe 2024.12
- GefStoffV - Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen*)
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
2. Unterweisung planen und durchführen Gemäß ArbSchG § 14 und GefStoffV § 14 sind alle Beschäftigten vor Aufnahme der Tätigkeit, bei Verfahrensänderungen und mindestens jährlich erneut zu unterweisen. Die Unterweisung muss fachgerecht erfolgen – idealerweise durch einen sachkundigen Fachkraft für Arbeitssicherheit.
3. Dokumentation und Nachweis Jede Unterweisung ist gemäß GefStoffV § 16 zu dokumentieren: Datum, Inhalt, Teilnehmer und Unterschrift. Die Nachweise sind fünf Jahre aufzubewahren und auf Verlangen der Berufsgenossenschaft vorzulegen.
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
- Pigmenten (z. B. Titandioxid, Eisenoxide),
- Bindemitteln (Acrylate, Epoxide),
- Lösungsmitteln (Xylol, MEK, Butylacetat),
- Reaktionsbeschleunigern (Isocyanate)
2. Gesundheitliche Auswirkungen
- Atemwege: Reizung, chronische Bronchitis, Asthma, „Lackierer-Syndrom“.
- Haut: Ausschlag, Sensibilisierung, Kontaktdermatitis.
- ZNS: Lösungsmittelbedingte Symptome wie Schwindel, Kopfschmerzen.
3. Technische Schutzmaßnahmen
- Absauganlagen: Niederdruck- oder Hochdruck-Exhaustoren an Spritzpistolen.
- Lüftung: Mindestluftwechsel nach DGUV Regel 113-020 (mind. 10-facher Luftwechsel in Lackierkabinen).
- Feuchtraumtechnik: Sprühnebel durch Wasserfiltern abscheiden.
4. Persönliche Schutzausrüstung (PSA)
- Atemschutz: Halb- oder Vollmaske mit ABEK-Filter oder Pressluftgerät bei hohen Konzentrationen.
- Handschutz: Chemikalienbeständige Schutzhandschuhe (z. B. Nitril 0,5 mm, Durchbruchzeit > 480 min).
- Augenschutz: Vollgesichtsschutz bei Spritzarbeiten.
- Körperschutz: Antistatische Schutzkleidung nach EN 1149-5, ggf. Überwurf aus PVC.
5. Verhalten in der Praxis
- Vorarbeit: Container richtig verschließen, Farbe nicht außerhalb der Kabine umfüllen.
- Während der Arbeit: Pistole gleichmäßig führen, Überkopfarbeit nur mit Zusatzschutz.
- Nacharbeit: Pistole entleeren und reinigen, PSA dekontaminieren, Haut- und Kleidungswechsel.
6. Notfallmaßnahmen und Erste Hilfe
- Bei Augenkontakt: Sofort 15 Minuten spülen, Augenarzt.
- Bei Hautkontakt: Mit Seife und Wasser reinigen, ggf. Hautschutzplan anwenden.
- Explosions- und Brandgefahr: ATEX-Zonen beachten, Funkenfreie Werkzeuge nutzen.
7. Umweltschutz und Entsorgung
- Lackreste als gefährlicher Abfall gemäß EfbV sammeln.
- Reinigungslösemittel über BG-Punkt fachgerecht entsorgen.
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
Konkrete Gefährdungen beim Umgang mit Farb- und Glasurspritznebel
- Inhalative Exposition: Feinste Partikel < 10 µm dringen tief in die Lunge ein, erhöhen das Risiko für Asthma und „Organisches Lungen-Syndrom“.
- Dermatologische Risiken: Lösungsmittel zerstören die Hautbarriere, Isocyanate sensibilisieren.
- Explosionsgefahr: Organische Lösungsmittelbildung explosionsfähiger Atmosphären (ATEX Zone 1).
- Brandlast: Sprühnebel kann sich in feinen Schichten ablagern und leicht entzünden.
TOP-Prinzip anwenden
- Technisch: Absauganlage direkt an der Quelle, Automatische Farbzuführung, Einsatz von VOC-armen Wasserlacken (Substitution).
- Organisatorisch: Sperrzeit bis Abluftwerte < 20 % des Arbeitsplatzgrenzwerts (AGW), getrennte Umkleidezonen, Reinigung nach Schichtende.
- Personell: PSA nach Gefährdungsbeurteilung auswählen, Hautschutzplan integrieren.
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
- Automobil- und Industrielackierbetriebe
- Keramik- und Sanitärindustrie (Glasurspritzkabinen)
- Möbel- und Holzlackierereien
- Kunsthandwerk (Porzellanmalerei, Fassadenrestaurierung)
Besonderheiten In der Keramikindustrie zusätzlich Quarzstaub aus Silikatglasuren. In der Autolackierung hohe Anforderungen an Farbübereinstimmung, deshalb häufiger Farbwechsel und intensive Reinigung.
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
Dokumentationspflicht Jede Unterweisung ist schriftlich festzuhalten: Datum, Themen, Schulungsmaterialien, Teilnehmerverzeichnis mit Unterschrift. Die Dokumente sind fünf Jahre aufzubewahren und bei Prüfungen der Berufsgenossenschaft vorzulegen. Digitale Nachweise sind zulässig, wenn sie revisionssicher signiert werden.
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Gefährdungsbeurteilung aktuell und unterschrieben?
- Alle betroffenen Mitarbeitenden in der Teilnehmerliste erfasst?
- PSA-Auswahl dokumentiert und prüfbuch geführt?
- Lüftungsanlagen gewartet (Prüfintervall max. 1 Jahr)?
- ATEX-Zonenplan vor Ort ausgehängt?
- Erste-Hilfe-Material für Augenspülung verfügbar?
- Entsorgungsnachweise für Farbreste vorhanden?
- Unterweisungsnachweise 5 Jahre archiviert?
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Unvollständige GefährdungsbeurteilungOft werden nur VOC-Konzentrationen gemessen, Partikelanteil (Pigmente) wird vergessen.
- Falsche FilterauswahlEinsatz von ABEK-Filtern, obwohl auch Partikelfiltration (P3) erforderlich ist.
- Fehlende Nachschulung nach ProduktwechselNeuer Isocyanathärter = neuer Gefahrstoff = neue Unterweisung nötig.
- Unzureichende KabinenreinigungExplosionsfähige Ablagerungen in Ecken und Abzugsrohren.
- Verwechslung von Hautschutz- und HautreinigungsmittelnReinigung vor dem Schutz führt zu Hautirritationen.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
Lehrlinge und Auszubildende
Erhalten zusätzliche praktische Übungsstunden unter Aufsicht eines Meisters. Die Unterweisung muss vor dem ersten eigenständigen Sprühen erfolgen.
Schwangere und stillende Mitarbeitende
Nach Mutterschutzgesetz § 10 dürfen diese Personen nicht mit Isocyanat-haltigen Lacken arbeiten. Ggf. Umsetzung auf andere Tätigkeiten.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Gefahrstoffgefährdung: Farb- und Glasurspritznebel
Ist eine Online-Schulung für diese Gefahrstoff-Unterweisung ausreichend?
Ja, wenn sie interaktive Elemente, Prüfungsfragen und hands-on-Videos enthält und das Präsenztraining durch ergänzende praktische Übungen abgerundet wird.
Wie hoch darf der VOC-Grenzwert im Arbeitsbereich maximal sein?
Der Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) liegt z. B. für Xylol bei 50 ml/m³ (ppm). Die Unterweisung vermittelt, wie man diese Werte misst und unterschreitet.
Benötige ich ein Explosionsschutzunterweisung zusätzlich?
Wenn in der Kabine Zone 1 oder 2 vorliegt (z. B. bei lösemittelhaltigen Lacken), muss zusätzlich die ATEX-Unterweisung erfolgen – häufig kombinierbar.
Muss auch der Lackiererei-Laborant unterwiesen werden?
Ja, auch beim Mischen und Anrühren entstehen Sprühnebel und Dämpfe – deshalb Vollschutz erforderlich.
Kann ich die Unterweisung auf Englisch durchführen?
Grundsätzlich ja, aber die Dokumentation muss in Deutsch vorliegen und die Inhalte müssen vom Mitarbeiter verstanden worden sein.
Wie lange dauert eine typische Unterweisungseinheit?
60 bis 90 Minuten incl. Praxis-Check und Fragerunde; kürzer nur bei reinen Wiederholungsschulungen.
Darf ich die PSA selbst aussuchen?
Nein, die Auswahl erfolgt durch den Arbeitgeber auf Basis der Gefährdungsbeurteilung und ist in der Betriebsanweisung festgelegt.
Muss ich vor jeder Schicht Masken prüfen?
Ja, visuelle Sichtprüfung auf Undichtigkeiten und Filterwechsel nach Herstellerangaben. Das wird in der Unterweisung geübt.
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