Unterweisung Fußschutz: Schuhe richtig wählen, prüfen & pflegen
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Stolpern, Quetschen, chemische Substanzen oder Stromschlag – fast jeder dritte Arbeitsunfall betrifft die Füße. Die richtige Auswahl und Pflege von Sicherheitsschuhen schützt nicht nur Ihre Mitarbeitenden, sondern verhindert längere Ausfallzeiten und Bußgelder. Unsere Online-Unterweisung zeigt praxisnah, welche Schuhtypen es gibt, wie man sie pflegt und wann Ersatz fällig ist. So erfüllen Sie Ihre Dokumentationspflicht nach ArbSchG und DGUV Vorschrift 112-191 in wenigen Minuten pro Mitarbeitenden.
Warum Unterweisungscenter?
📋 Pflichten des Arbeitgebers
📘 Inhalte der Unterweisung
1. Aufbau und Kennzeichnung von Arbeitsschutzschuhen
Die Teilnehmenden lernen die europäische Norm EN ISO 20345 und die Sicherheitsklassen kennen:
- S1: geschlossene Ferse, energiespeichernde Ferse (E), antistatische Eigenschaften (A)
- S2: wie S1 + wasserdichtes Obermaterial (WRU)
- S3: wie S2 + durchtrittsichere Zwischensohle (P)
- Zusatzkennzeichen: HI (Hitzeisolierung), CI (Kälteisolierung), HRO (Heißluft- und Flammenbeständigkeit), ESD (elektrostatische Ableitung)
2. Praxis-Check: richtig anziehen und Sitz prüfen
Mit Hands-on-Videos wird demonstriert, wie man die richtige Schuhgröße ermittelt, Verschlusssysteme richtig schließt und Druckstellen frühzeitig erkennt. Ein Check-Template für die tägliche Sichtprüfung (Sohlen, Naht, Metallschutzkappe) wird ausgehändigt.
3. Pflege und Hygiene
- Reinigungsintervalle je nach Einsatzfeld (täglich in der Lebensmittelindustrie, wöchentlich im Büro)
- geeignete Reinigungsmittel (pH-neutrale Seifen, keine Lösungsmittel)
- Trocknung bei Raumtemperatur, keine Heizungswärme
- Einlegesohlen regelmäßig tauschen (max. 6 Monate)
4. Lebensdauer und Ausmusterung
Die Teilnehmenden erfahren, dass die Lebensdauer nicht nur von der Laufleistung, sondern auch von mechanischen und chemischen Belastungen abhängt. Als Faustregel gilt: nach 500–1000 km Laufleistung oder spätestens nach 2 Jahren Austausch. Schuhe mit Rissbildung, durchgetretener Sohle oder lockerer Kappe sind sofort zu ersetzen.
5. Spezialfälle: Diabetiker und Schwangere
Diabetiker benötigen oft orthopädische Sonderanfertigungen; hier wird auf die Notwendigkeit eines ärztlichen Attests und die Kooperation mit dem Sicherheitsbeauftragten hingewiesen.
⚠️ Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
Typische Gefährdungen
- Quetsch- und Stichverletzungen: Umherliegende Teile, Hubwagen, Paletten – Schutz durch Kappe (SB) und durchtrittsichere Sohle (P) gemäß TOP-Prinzip (Technisch-organisatorisch-persönliche Maßnahmen).
- Rutsch- und Sturzgefahr: Öl- oder Wasserpfützen – Antirutsch-Profil (SRC) und Arbeitsplatzreinigung.
- Kälteschäden: Tiefkühllager – isolierte Sohle (CI) und Arbeitszeitbegrenzung.
- Elektrische Gefährdung: Arbeit an offenen Stromkreisen – isolierendes Überschuhwerk (EH) nach DGUV Vorschrift 3 § 8.
Die Reihenfolge des TOP-Prinzips wird in der Schulung vermittelt: Zuerst technische (z. B. Ablageflächen erhöhen), dann organisatorische (z. B. Begehungswege festlegen) und erst danach persönliche Maßnahmen (Sicherheitsschuhe).
🎯 Zielgruppen & Branchen
📅 Intervalle & Dokumentation
🛠️ In der Praxis
✅ Checkliste
- Sicherheitsklasse (S1, S2, S3) passt zur Gefährdungsbeurteilung?
- Zusatzkennzeichen (P, CI, HRO, ESD) vorhanden und aktuell?
- Sichtprüfung: Sohle intakt, Kappe ohne Riss, Schnürung fest?
- Einlegesohle ausgetauscht (max. 6 Monate)?
- Reinigungs- und Trocknungsprotokoll geführt?
- Unterweisung dokumentiert und unterschrieben?
- Ersatzschuhe vorrätig?
- Spezialfälle (Diabetiker) geklärt?
⚠️ Häufige Fehler
1. Falsche Schuhgröße
Ein Spiel von 10–15 mm vor den Zehen wird oft vergessen – führt zu Druckstellen und Blasen.
2. Vernachlässigte Sichtprüfung
Täglicher Blick auf Sohle und Verschluss wird als „überflüssig“ abgetan – Risiko: durchgetretene Sohle = durchtrittsicher verloren.
3. Lösungsmittel zur Reinigung
Aceton oder Benzin verätzten das Obermaterial und lösen Klebungen – Folge: vorzeitiger Schuhbruch.
4. Kein Ersatz nach Sturz
Schuhe werden nach einem schweren Sturz weitergetragen, obwohl die Kappe deformiert ist – Schutz leidet massiv.
5. Unvollständige Unterweisung
Nur Klassen genannt, aber keine Pflegehinweise – Mängel werden im Audit bemängelt.
ℹ️ Sonderfälle
Diabetiker und orthopädische Maßnahmen
Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko für Fußläsionen. Sind Sicherheitsschuhe nach EN ISO 20345 nicht tragbar, kann eine ärztliche Verordnung für orthopädische Sonderanfertigungen vorliegen. Diese müssen trotzdem die Sicherheitsmerkmale (z. B. Kappe) erfüllen oder durch technische Maßnahmen ersetzt werden. Der Sicherheitsbeauftragte dokumentiert die Abweichung und prüft regelmäßig, ob die Maßnahme weiterhin ausreicht.
💬 Häufige Fragen
Häufige Fragen zur Unterweisung Fußschutz
- Frage: Mein Mitarbeiter trägt bereits Sicherheits-Sneaker privat – reicht das aus?
Antwort: Nur wenn sie EN ISO 20345 entsprechen, die passende Klasse und alle Zusatzkennzeichen aufweisen und die Gefährdungsbeurteilung vollständig abdeckt. Bei Zweifel: Arbeitsschutzschuh vom Arbeitgeber stellen. - Frage: Wie oft muss die Sichtprüfung stattfinden?
Antwort: Täglich vor Arbeitsbeginn – in der Regel durch den Träger selbst. Bei Auffälligkeiten sofort dem Vorgesetzten melden. - Frage: Wer zahlt die Sicherheitsschuhe?
Antwort: Der Arbeitgeber nach BetrSichV § 3 Abs. 1. Private Schuhe müssen nicht ersetzt werden, sofern sie die Anforderungen erfüllen. - Frage: Gibt es eine Altersgrenze für Sicherheitsschuhe?
Antwort: Nein, aber die Lebensdauer beträgt maximal 2 Jahre oder 500–1000 km. Alter spielt also nur indirekt über die Laufleistung eine Rolle. - Frage: Müssen Sicherheitsschuhe im Trockenraum getragen werden?
Antwort: Nur wenn die Gefährdungsbeurteilung Stolper- oder Quetschgefahr ergibt. Ansonsten sind normale Berufsschuhe ausreichend. - Frage: Kann die Schulung auch online stattfinden?
Antwort: Ja, digitale Schulungen sind nach DGUV Vorschrift 2 § 12 Abs. 2 zugelassen, wenn die Inhalte gleichwertig sind und die Teilnahme nachgewiesen wird. - Frage: Was tun bei allergischen Reaktionen?
Antwort: Sofort den Betriebsarzt informieren. Es können alternative Materialien (z. B. Lederfrei) oder Sonderanfertigungen erforderlich sein. - Frage: Wie dokumentiere ich die Unterweisung?
Antwort: Digital oder schriftlich mit Inhalten, Datum, Teilnehmern und Unterschrift. Unser Tool erstellt automatisch einen DGUV-konformen Nachweis mit Fristen-Erinnerung.
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