Thema · Arbeitsschutz
Unterweisung nach DGUV Regel 109-607: Säulen- und Tischbohrmaschinen – arbeitssicher & rechtskonform
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 4 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Arbeitsschutz · Außenbereich, Grünfläche · Bauhof · Maschinen, Geräte · Produktion
- Rechtsgrundlage
- DGUV Information 209-066 - Maschinen der Zerspanung; DGUV Regel 100-500 - Betreiben von Arbeitsmitteln
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 7012
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Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
Verordnung über Arbeitsstätten (ArbStättV) § 3 Abs. 1 – Maschinen und sonstige Arbeitsmittel müssen sicher betrieben werden.
Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) § 3 – Gefährdungsbeurteilung für Arbeitsmittel. § 14 – Unterweisung der Beschäftigten in Umgang, Gefahren und Schutzmaßnahmen. § 15 – Prüfung kraftbetriebener Arbeitsmittel vor Inbetriebnahme und wiederkehrend.
DGUV Vorschrift 3 – Holz- und Kunststoffbearbeitende Maschinen § 11 – Unterweisung: Beschäftigte müssen vor erstmaliger Tätigkeit und mindestens jährlich in Theorie und Praxis geschult werden. Schwerpunkte: Gefährdungsbewusstsein, Schutzeinrichtungen, Bedien- und Wartungsanleitungen.
DGUV Regel 109-607 Konkretisiert die sichere Nutzung von Säulen- und Tischbohrmaschinen: Anforderungen an Schutzvorrichtungen, Handhabung, Wartung, persönliche Schutzausrüstung (PSA).
Zugrunde liegende Regelwerke
- DGUV Information 209-066 - Maschinen der Zerspanung · Ausgabe 2012.11
- DGUV Regel 100-500 - Betreiben von Arbeitsmitteln · Ausgabe 2008.04 aktualisierte
- DGUV Regel 109-607 - "Branche Metallbau · Ausgabe 2020.10
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
2. Unterweisung konzipieren und dokumentieren § 4 Abs. 3 ArbSchG und § 14 BetrSichV verpflichten Sie, jeden Beschäftigten vor erstmaliger Tätigkeit sowie mindestens jährlich zu unterweisen. Die Unterweisung muss den Inhalten der DGUV Regel 109-607 entsprechen und ist schriftlich festzuhalten (Unterweisungsnachweis, Teilnahmeliste).
3. Prüfintervalle einhalten Laut § 15 BetrSichV wiederkehrende Prüfungen durch einen Sachkundigen durchführen (in der Regel jährlich oder nach DGUV Vorschrift 3, Anlage 1). Prüf- und Abnahmebescheinigungen mindestens bis zur nächsten Prüfung aufbewahren.
4. Schutzmittel bereitstellen Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung ist, welche persönliche Schutzausrüstung (z. B. Gehörschutz, Schutzbrille) erforderlich ist. Diese ist kostenlos zur Verfügung zu stellen und auf Wirksamkeit zu kontrollieren.
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
Modul 1: Rechtliche Grundlagen & Rollen
- Überblick ArbSchG, BetrSichV, DGUV Vorschrift 3 und DGUV Regel 109-607
- Pflichten von Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Sicherheitsbeauftragtem
- Aufbewahrung der Dokumente: Unterweisungsnachweise, Prüfbücher, CE-Konformitätserklärung
Modul 2: Aufbau und Funktion
- Unterschied Säulenbohrmaschine vs. Tischbohrmaschine
- Hauptkomponenten: Motor, Spindel, Bohrfutter, Tisch, Gestell, Haltevorrichtungen
- Typische Materialien und Werkzeuge: HSS-, HM-Bohrer, Zentrier- und Senker
Modul 3: Gefährdungen erkennen
- Mechanische Gefährdungen: Rotierende Werkzeuge, Einzugsstellen an Bohrspindel und Riemen
- Spanabfuhr: Splitter, heiße Späne, Augenverletzungen
- Gefährdung durch Lärm: Emissionswerte, Gehörschutzpflicht ab 85 dB(A)
- Staub- und Chemikalienbelastung bei Holz, Metall oder Kunststoffen
Modul 4: Schutzeinrichtungen nutzen
- Feststellbare Schutzhäubchen und Spindelabdeckungen nach DGUV Regel 109-607
- Not-Aus und Zweihandsteuerung (wenn vorhanden)
- Richtige Verwendung von Spanabweisern und Absaugvorrichtungen
Modul 5: Praktische Handhabung
- Einrichten der Maschine: Bohrer einspannen, Drehzahl wählen, Tischhöhe justieren
- Werkstück sichern: Schraubstock, Spanntische, Gegenhalter
- Bohrprozess: Anfahren, Vorschub, Spanabfuhr, Nacharbeiten
- Beispiel-Workflow: Holzplatte 20 mm, Bohrung Ø 8 mm, Hartmetall-Bohrer, 2.800 min⁻¹, Absaugung aktiv, Gehörschutz und Schutzbrille
Modul 6: Wartung & Fehlersuche
- Tägliche Sichtprüfung: Schutzeinrichtungen, Spindelspiel, Kabelbruch
- Regelmäßiges Nachspannen der Keilriemen, Schmieren der Führungen
- Erkennen von typischen Fehlern: Vibrationen, Überhitzung, unrunder Lauf
- Verhalten bei Störungen: Maschine ausschalten, Sicherung sichern, Fachkraft informieren
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
- Technische Schutzmaßnahmen: Verriegelbare Schutzhäubchen verhindern Berührung mit rotierendem Bohrer. Riemen- und Spindelabdeckungen reduzieren Einzugsrisiken. Absaugvorrichtungen minimieren Späneflug und Holzstaubexposition.
- Organisatorische Schutzmaßnahmen: Kennzeichnung von Gefahrenzonien, Einhaltung der jährlichen Unterweisung, regelmäßige Wartung nach Herstellerangaben.
- Personenbezogene Schutzmaßnahmen: Schutzbrille (EN 166), Gehörschutz (EN 352) bei Lärmpegel > 80 dB(A), ggf. Atemschutz (FFP2) bei Staub, eng anliegende Arbeitskleidung ohne Kordeln oder Schmuck.
Beispiel: Beim Bohren von Aluminium kann es zu scharfkantigen Spänen kommen. Hier ist die Kombination aus Absauganlage, Schutzbrille und Schnittflüssigkeit zur Kühlung sinnvoll, um Verletzungen und Überhitzung zu vermeiden.
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
- Holz- und Möbelindustrie: Tischlereien, Küchenfertigung, Parkett- und Massivholzverarbeitung
- Metall- und Stahlverarbeitung: Metallbau, Schlossereien, Werkstätten für Leicht- und Schwermetall
- Kunststoffverarbeitung: Produktionsbetriebe mit Bohrungen in PVC, Acrylglas oder Verbundstoffen
- Ausbildungsstätten: Schulische Werkstätten (BGM/BHW), berufsbildende Schulen
- Maschinen- und Anlagenbau: Kleine Serienfertigung und Reparaturbetriebe
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
Dokumentation: Verwendung eines standardisierten Unterweisungsnachweises (Name, Datum, Unterweisungsinhalte, Prüfungsfragen, Unterschrift Teilnehmender und Unterweisender). Digitaler Nachweis in Lernmanagementsystemen ist möglich, sofern Nachvollziehbarkeit und Revisionssicherheit gewährleistet sind.
Aufbewahrungsfrist: Unterweisungsnachweise mindestens bis zur nächsten Unterweisung plus zwei Jahre – besser bis fünf Jahre, um arbeitsrechtliche Ansprüche abzudecken. Prüfbücher und Prüfprotokolle gemäß § 15 BetrSichV bis zur nächsten Prüfung.
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Schutzhäubchen an der Bohrspindel vorhanden und funktionsfähig?
- Absaug-/Spanabweiser korrekt positioniert und frei von Verstopfungen?
- Bohrfutter und Werkzeuge in Ordnung, Bohrer gerade und scharf?
- Drehzahl passend zu Material und Bohrer Ø eingestellt?
- Werkstück formschlüssig gespannt oder fixiert?
- PSA (Schutzbrille, Gehörschutz) getragen und intakt?
- Nur-Aus und Not-Aus erreichbar und beschriftet?
- Tägliche Sichtprüfung durchgeführt und dokumentiert?
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Weglassen der SchutzhaubeViele Nutzer entfernen das Schutzhäubchen für "bessere Sicht". Das erhöht die Verletzungsgefahr durch Splitter erheblich und verstößt gegen DGUV Regel 109-607.
- Falsche Drehzahl wählenZu hohe Drehzahlen beim Metall führen zu Überhitzung und Bohrerbruch; zu niedrige Drehzahlen bei Holz verursammen Rissbildung. Beachten Sie Herstellerangaben.
- Lösekleidung und SchmuckKapuzenzipfel oder Ketten können sich in rotierenden Teilen verfangen. Konsequenz: Verhängung von PSA-Vorschriften und klare Kleidungsvorgaben.
- „Kurzes Nachbohren“ ohne erneute WartungSpäne unter dem Tisch lösen sich und verhaken sich im nächsten Werkstück. Regelmäßiges Aufräumen und Wartung verhindert Sekundärunfälle.
- Unterweisung nur „mal eben“ durchführenKurze Erklärungen am Gerät ohne Nachweis erfüllen die Dokumentationspflicht nicht. Verwenden Sie standardisierte Unterweisungsbögen und Fragebögen.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Lehrlinge und geringführig Beschäftigte Jugendliche unter 18 Jahren benötigen gemäß Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) eine vertiefte Unterweisung mit Nachschulung nach 6 Monaten. Geringführig Beschäftigte (450 €-Kraft) sind ebenfalls vollständig zu unterweisen und zu dokumentieren.
- Schwerbehinderte Mitarbeitende Ergänzende Gefährdungsbeurteilung, ggf. angepasste Hilfsmittel wie verlängerte Späneabweiser oder Sitzgelegenheiten am Tischbohrer.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung DGUV Regel 109-607 | Säulen- und Tischbohrmaschinen
F: Muss ich jede einzelne Bohrmaschine in der Halle separat unterweisen?
A: Nein. Die Unterweisung erfolgt gerätegruppenbezogen. Wenn die Maschinen baugleich sind und keine zusätzlichen Gefährdungen bestehen, reicht eine Schulung.
F: Darf ich die jährliche Unterweisung online durchführen?
A: Ja. DGUV Vorschrift 3 § 11 lässt digitale Formate ausdrücklich zu, wenn Interaktion und Prüfung vorhanden sind. Nutzen Sie unsere Online-Schulung mit abschließendem Quiz.
F: Was tun bei Umbau oder Ersatzteiletausch?
A: Technische Änderungen lösen eine erneute Gefährdungsbeurteilung und, falls erforderlich, eine Nachunterweisung aus (§ 5 ArbSchG).
F: Muss ich als Ein-Personen-Betrieb mich selbst unterweisen?
A: Ja. Selbstständige gelten als „arbeitende Person“ und müssen die Gefährdungsbeurteilung sowie Unterweisung eigenverantwortlich durchführen.
F: Wie lange darf eine Unterweisung dauern?
A: Keine feste Zeit. Wir empfehlen 60–90 Minuten inklusive Praxisübung. Wichtig ist, dass alle Inhalte der DGUV Regel 109-607 vermittelt und verstanden sind.
F: Wer führt die wiederkehrende Prüfung durch?
A: Eine befähigte Person nach § 15 BetrSichV – z. B. ein Meister, Techniker oder externer Sachverständiger mit entsprechendem Fachkundenachweis.
F: Was gehört in den Prüf-Checklistenbogen?
A: Sichtprüfung Schutzeinrichtungen, Funktion Not-Aus, Zustand Kabel, Bohrfutter-Spiel, Drehzahlanzeige, Gebrauchsanleitung auffindbar.
F: Kann ich die Unterweisung auch in Englisch anbieten?
A: Ja, sofern alle Mitarbeitenden die Sprache sicher beherrschen. Alternativ bieten wir mehrsprachige Online-Kurse (DE/EN/PL).
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