Thema · Arbeitsschutz
Unterweisung „Heben und Tragen für Kitapersonal“: Rechtssicher & praxisnah
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 9 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Arbeitsschutz · Kita, Schule, Hort · Pädagogisch
- Rechtsgrundlage
- DGUV Information 202-106 - "Ergonomische Gestaltung von Arbeitsplätzen pädagogischer Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen; DGUV Information 208-033 - Muskel-Skelett-Belastungen – erkennen und beurteilen
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 7106
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Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
Die gesetzlichen Grundlagen für die Unterweisung „Heben und Tragen“ ergeben sich aus mehreren Regelwerken:
- ArbSchG §4 – Allgemeine Verpflichtung des Arbeitgebers, Maßnahmen zur Sicherheit und Gesundheitsschutz zu treffen, einschließlich der Organisation von Schulungen.
- ArbSchG §12 – Unterweisungspflicht: Der Arbeitgeber hat sicherzustellen, dass Beschäftigte ausreichend und nach den Erfordernissen unterwiesen werden, insbesondere bei Tätigkeiten mit manuellen Hebebewegungen.
- BetrSichV §3 – Gefährdungsbeurteilung: Arbeitgeber müssen Hebe- und Tragetätigkeiten systematisch bewerten und geeignete Schutzmaßnahmen festlegen.
- DGUV Vorschrift 1 – Grundsätze der Prävention: Jede Tätigkeit mit körperlicher Belastung bedarf einer Gefährdungsbeurteilung und wiederkehrender Unterweisung mindestens einmal jährlich (§ 12 Abs. 4).
Zugrunde liegende Regelwerke
- DGUV Information 202-106 - "Ergonomische Gestaltung von Arbeitsplätzen pädagogischer Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen · Ausgabe 2020.02
- DGUV Information 208-033 - Muskel-Skelett-Belastungen – erkennen und beurteilen · Ausgabe 2022.08 aktualisierte
- LasthandhabV - Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der manuellen Handhabung von Lasten bei der Arbeit
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
Kitas als Arbeitgeber müssen fünf zentrale Punkte erfüllen:
- Gefährdungsbeurteilung (BetrSichV §3): Ermitteln Sie, wie oft und wie schwer Ihre Mitarbeitenden heben. Berücksichtigen Sie auch instabile Lasten wie schlafende Kinder.
- Unterweisungspflicht (ArbSchG §12): Jeder Erzieher und jede Erzieherin muss vor Beschäftigungsaufnahme und danach jährlich unterwiesen werden.
- Dokumentation: Protokollieren Sie Datum, Inhalt und Teilnehmer. Aufbewahrungsfrist: 3 Jahre (DGUV V1 §12).
- Hilfsmittel bereitstellen: Rollwagen, ergonomische Wickeltische und kindgerechte Regale reduzieren Hebevorgänge.
- Nachschulung: Bei neuen Geräten, Unfällen oder ergonomischen Veränderungen sofort nachschulen.
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
1. Ergonomische Grundlagen
Die Teilnehmenden lernen die Lastregel 15-L-Regel: Maximal 15 kg kann eine Erzieherin sicher heben, wenn Last nah am Körper, runde Rückenvermeidung und stabile Standposition gegeben sind. Für Kinder über 15 kg wird der Team-Hebegriff oder ein Tragewagen empfohlen.
2. Techniken beim Heben und Tragen von Kindern
- Beinschub-Methode: Kind in Hocke anheben, Rücken gerade, Becken leicht nach vorn kippen.
- Hüfttrageposition älterer Kleinkinder: Gesäß auf Hüfte, Arm als „Sitzfläche“, freie Hand für Türgriffe.
- Beidarmiger Korbgriff bei Babys: Eine Hand unter Schultern, andere unter Gesäß, Kind nah am Oberkörper.
3. Materialien & Spielkisten
Übung anhand realer Kita-Objekte: 12-kg-Kiste mit Holzbausteinen, 8-kg-Waschkorb mit nassen Textilien. Die Teilnehmenden testen:
- Gebrauch von Rollwagen mit Bremse
- Packhilfe zweiter Kollege
- Reduzierung des Inhalts auf kleinere Einheiten
4. Gestaltung rückenfreundlicher Räume
Wir zeigen, wie durch verstellbare Wickeltische (Höhe 85–105 cm) und tiefe Regale (max. 60 cm) Hebevorgänge reduziert werden. Praxisübung: Einrichtung eines „Selbstbedienungsregals“ für Kinder – sie greifen selbst die Stifte und entlasten Erwachsene.
5. Förderung kindlicher Eigenständigkeit
Je selbstständiger Kinder sich anziehen und Sachen tragen können, desto weniger heben Erwachsene. Die Schulung vermittelt:
- Motivierende Sprachanleitungen („Ich helfe dir, die Jacke auf dem Arm zu tragen, du schiebst die Ärmel rein.“)
- Kindgerechte Haken in 60 cm Höhe für Rucksäcke
- Rollwagen statt Tragen – Kinder lernen, eigene Spielsachen zu transportieren
6. Praxis-Workshops
Alle Inhalte werden in 15-minütigen Stationsarbeiten verfestigt. Teilnehmende wechseln zwischen Video-Analyse (korrekte Haltung), Hilfsmittel-Test und Rollenspiel „Kita-Morgenroutine“.
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
TOP-Prinzip (Technische, Organisatorische, Persönliche Maßnahmen):
- Technisch: Einsatz von Kipprollwagen für Wäsche, elektrisch höhenverstellbare Wickeltische, rutschfeste Anti-Fatigue-Matten zum Auffangen von Sprungbewegungen.
- Organisatorisch: Planung von Pausen nach Hebe-Einheiten (mind. 10 min nach 30 kg Gesamtlast), Bildung von Hebeteams bei Umzugsarbeiten.
- Persönlich: Rückenschule, körpergerechtes Schuhwerk (Einlegesohlen), Dehnübungen vor dem Dienstbeginn.
Häufige Gefährdungen:
- Verdrehte Wirbelsäule durch einarmiges Tragen schlafender Kinder
- Schulter-Prellung bei abruptem Aufstehen mit Kind auf dem Arm
- Rückenzerrung beim Anheben schwerer Matschhosen aus tiefen Kisten
- Ermüdung durch wiederholtes Heben in aufeinanderfolgenden Stunden ohne Puffer
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
Die Unterweisung richtet sich an:
- Erzieher*innen und Tagespflegepersonen in kommunalen und freien Kitas
- Pädagogische Fachkräfte in Kindergärten, Horten und Grundschulen
- Praktikant*innen und FSJ-Kräfte vor Dienstantritt
- Küchen- und Reinigungspersonal, das Materialien oder Essensbehälter hebt
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
- Datum und Dauer
- Themen und Instruktoren
- Unterschrift aller Teilnehmenden
Aufbewahrungsfrist: 3 Jahre ab letzter Unterweisung, bei minderjährigen Auszubildenden bis 3 Jahre nach Vollendung des 18. Lebensjahres.
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Gefährdungsbeurteilung für Hebe- und Tragetätigkeiten vorliegend und aktuell?
- Alle Mitarbeitenden haben vor Dienstantritt eine Erstunterweisung erhalten?
- Jährliche Wiederholungsunterweisung durchgeführt und dokumentiert?
- Hilfsmittel wie Rollwagen, Hubwagen und Höhenverstellung geprüft?
- Praxisübungen in realen Kita-Räumen durchgeführt?
- Teilnahmeunterlagen 3 Jahre archiviert?
- Neue Mitarbeitende innerhalb der ersten Arbeitswoche geschult?
- Feedback der Teilnehmenden ausgewertet und Verbesserungen umgesetzt?
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Nur-theoretische SchulungViele Kitas schulen nur per PowerPoint. Ohne praktisches Üben mit echten Lasten bleibt die Technik unverstanden.
- Verwechslung von KursenErste-Hilfe-Kurse werden fälschlicherweise als Heben-und-Tragen-Schulung gewertet – rechtlich nicht ausreichend.
- Fehlende DokumentationUnterschriftenlisten werden nicht aufbewahrt; bei Prüfung fehlt der Nachweis.
- Keine Anpassung an neue RäumeNeuer Flur, neue Wickelstation – aber keine Nachschulung, weil „wir doch schon geschult sind“.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Schwangere und stillende Mitarbeitende
Schwangere dürfen laut MuSchG §8 keine Lasten heben, die aufgrund Gewicht, Größe oder Handhabung die Gesundheit gefährden. In der Praxis bedeutet das: kein Tragen von Kindern >12 kg. Ersatzweise Einsatz von Tragewagen oder Teamarbeit.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Heben und Tragen für Kitapersonal
Wie schwer darf eine Erzieherin maximal ein Kind tragen?
empfiehlt eine Einzellast von maximal 15 kg. Bei Kindern darüber ist ein zweiter Erwachsener oder ein Tragewagen erforderlich.
Muss die Unterweisung präsenz oder reicht online?
Online ist rechtssicher, wenn interaktive Praxisvideos und abschließende Fragen integriert sind. Wichtig ist der Nachweis der Umsetzung (z. B. Video-Upload).
Was tun bei akutem Rückenschmerz nach dem Dienst?
Sofort ärztliche Abklärung, Meldung an den Arbeitgeber und Gefährdungsbeurteilung anpassen. Die Person darf bis zur Klärung keine schweren Hebevorgänge ausführen.
Wie oft muss ich neue FSJ-Kräfte schulen?
Vor Dienstantritt Erstunterweisung, danach jährlich wie reguläres Personal, da sie denselben Gefährdungen ausgesetzt sind.
Gilt die Schulung auch für Leihkräfte?
Ja. Der Verleiher muss sicherstellen, dass die Leihkraft unterwiesen ist. In der Praxis erleichtern sich viele Kitas die Arbeit, indem sie Leihkräfte vor Ort nochmals einschulen.
Können Eltern an der Schulung teilnehmen?
Freiwilliger Elternabend ist erlaubt, aber rechtlich nicht relevant für die Arbeitgeberpflichten. Dokumentation nur für bezahltes Personal.
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