Unterweisung „Heben und Tragen für Kitapersonal“: Rechtssicher & praxisnah

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UWC-Nr. 7106 17 Min Lerndauer

Im Kita-Alltag heben und tragen Erzieher*innen täglich mehrfach: ein schlafendes Kleinkind vom Schlafplatz, schwere Spielkisten oder nasse Matschhosen. Ohne richtige Technik drohen Rückenschäden, Bandscheibenprobleme und lange Ausfallzeiten. Laut DGUV sind über 40 % aller Arbeitsunfälle in Kitas durch unsachgemäßes Heben und Tragen bedingt. Diese Unterweisung nach DGUV Vorschrift 1 macht Ihr Personal fit für den Alltag: Sie erlernt körperschonende Griffe, nutzt ergonomische Hilfsmittel und fördert zugleich die Eigenständigkeit der Kinder. Das Ergebnis: gesunde Mitarbeitende, glückliche Eltern und rechtssichere Dokumentation nach ArbSchG §12.

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⚖️ Rechtliche Grundlagen

Die gesetzlichen Grundlagen für die Unterweisung „Heben und Tragen“ ergeben sich aus mehreren Regelwerken:

  • ArbSchG §4 – Allgemeine Verpflichtung des Arbeitgebers, Maßnahmen zur Sicherheit und Gesundheitsschutz zu treffen, einschließlich der Organisation von Schulungen.
  • ArbSchG §12 – Unterweisungspflicht: Der Arbeitgeber hat sicherzustellen, dass Beschäftigte ausreichend und nach den Erfordernissen unterwiesen werden, insbesondere bei Tätigkeiten mit manuellen Hebebewegungen.
  • BetrSichV §3 – Gefährdungsbeurteilung: Arbeitgeber müssen Hebe- und Tragetätigkeiten systematisch bewerten und geeignete Schutzmaßnahmen festlegen.
  • DGUV Vorschrift 1 – Grundsätze der Prävention: Jede Tätigkeit mit körperlicher Belastung bedarf einer Gefährdungsbeurteilung und wiederkehrender Unterweisung mindestens einmal jährlich (§ 12 Abs. 4).
  • DGUV Regel 112-004 – „Heben und Tragen von Lasten“: Konkrete Handlungshilfen zur Lastbegrenzung, ergonomische Gestaltung und Schulungsinhalte.

📋 Pflichten des Arbeitgebers

Kitas als Arbeitgeber müssen fünf zentrale Punkte erfüllen:

  • Gefährdungsbeurteilung (BetrSichV §3): Ermitteln Sie, wie oft und wie schwer Ihre Mitarbeitenden heben. Berücksichtigen Sie auch instabile Lasten wie schlafende Kinder.
  • Unterweisungspflicht (ArbSchG §12): Jeder Erzieher und jede Erzieherin muss vor Beschäftigungsaufnahme und danach jährlich unterwiesen werden.
  • Dokumentation: Protokollieren Sie Datum, Inhalt und Teilnehmer. Aufbewahrungsfrist: 3 Jahre (DGUV V1 §12).
  • Hilfsmittel bereitstellen: Rollwagen, ergonomische Wickeltische und kindgerechte Regale reduzieren Hebevorgänge.
  • Nachschulung: Bei neuen Geräten, Unfällen oder ergonomischen Veränderungen sofort nachschulen.

📘 Inhalte der Unterweisung

1. Ergonomische Grundlagen

Die Teilnehmenden lernen die Lastregel 15-L-Regel: Maximal 15 kg kann eine Erzieherin sicher heben, wenn Last nah am Körper, runde Rückenvermeidung und stabile Standposition gegeben sind. Für Kinder über 15 kg wird der Team-Hebegriff oder ein Tragewagen empfohlen.

2. Techniken beim Heben und Tragen von Kindern

  • Beinschub-Methode: Kind in Hocke anheben, Rücken gerade, Becken leicht nach vorn kippen.
  • Hüfttrageposition älterer Kleinkinder: Gesäß auf Hüfte, Arm als „Sitzfläche“, freie Hand für Türgriffe.
  • Beidarmiger Korbgriff bei Babys: Eine Hand unter Schultern, andere unter Gesäß, Kind nah am Oberkörper.

3. Materialien & Spielkisten

Übung anhand realer Kita-Objekte: 12-kg-Kiste mit Holzbausteinen, 8-kg-Waschkorb mit nassen Textilien. Die Teilnehmenden testen:

  • Gebrauch von Rollwagen mit Bremse
  • Packhilfe zweiter Kollege
  • Reduzierung des Inhalts auf kleinere Einheiten

4. Gestaltung rückenfreundlicher Räume

Wir zeigen, wie durch verstellbare Wickeltische (Höhe 85–105 cm) und tiefe Regale (max. 60 cm) Hebevorgänge reduziert werden. Praxisübung: Einrichtung eines „Selbstbedienungsregals“ für Kinder – sie greifen selbst die Stifte und entlasten Erwachsene.

5. Förderung kindlicher Eigenständigkeit

Je selbstständiger Kinder sich anziehen und Sachen tragen können, desto weniger heben Erwachsene. Die Schulung vermittelt:

  • Motivierende Sprachanleitungen („Ich helfe dir, die Jacke auf dem Arm zu tragen, du schiebst die Ärmel rein.“)
  • Kindgerechte Haken in 60 cm Höhe für Rucksäcke
  • Rollwagen statt Tragen – Kinder lernen, eigene Spielsachen zu transportieren

6. Praxis-Workshops

Alle Inhalte werden in 15-minütigen Stationsarbeiten verfestigt. Teilnehmende wechseln zwischen Video-Analyse (korrekte Haltung), Hilfsmittel-Test und Rollenspiel „Kita-Morgenroutine“.

⚠️ Gefährdungen & Schutzmaßnahmen

TOP-Prinzip (Technische, Organisatorische, Persönliche Maßnahmen):

  • Technisch: Einsatz von Kipprollwagen für Wäsche, elektrisch höhenverstellbare Wickeltische, rutschfeste Anti-Fatigue-Matten zum Auffangen von Sprungbewegungen.
  • Organisatorisch: Planung von Pausen nach Hebe-Einheiten (mind. 10 min nach 30 kg Gesamtlast), Bildung von Hebeteams bei Umzugsarbeiten.
  • Persönlich: Rückenschule, körpergerechtes Schuhwerk (Einlegesohlen), Dehnübungen vor dem Dienstbeginn.

Häufige Gefährdungen:

  • Verdrehte Wirbelsäule durch einarmiges Tragen schlafender Kinder
  • Schulter-Prellung bei abruptem Aufstehen mit Kind auf dem Arm
  • Rückenzerrung beim Anheben schwerer Matschhosen aus tiefen Kisten
  • Ermüdung durch wiederholtes Heben in aufeinanderfolgenden Stunden ohne Puffer

🎯 Zielgruppen & Branchen

Die Unterweisung richtet sich an:

  • Erzieher*innen und Tagespflegepersonen in kommunalen und freien Kitas
  • Pädagogische Fachkräfte in Kindergärten, Horten und Grundschulen
  • Praktikant*innen und FSJ-Kräfte vor Dienstantritt
  • Küchen- und Reinigungspersonal, das Materialien oder Essensbehälter hebt

📅 Intervalle & Dokumentation

Gemäß DGUV Vorschrift 1 §12 Abs. 4 muss die Unterweisung spätestens einmal jährlich wiederholt werden. Bei Unfällen oder Einführung neuer Hilfsmittel (z. B. neuer Rollwagentyp) innerhalb von 4 Wochen nach Einführung nachschulen. Die Dokumentation enthält:

  • Datum und Dauer
  • Themen und Instruktoren
  • Unterschrift aller Teilnehmenden

Aufbewahrungsfrist: 3 Jahre ab letzter Unterweisung, bei minderjährigen Auszubildenden bis 3 Jahre nach Vollendung des 18. Lebensjahres.

🛠️ In der Praxis

Checkliste

  • □ Gefährdungsbeurteilung für Hebe- und Tragetätigkeiten vorliegend und aktuell?
  • □ Alle Mitarbeitenden haben vor Dienstantritt eine Erstunterweisung erhalten?
  • □ Jährliche Wiederholungsunterweisung durchgeführt und dokumentiert?
  • □ Hilfsmittel wie Rollwagen, Hubwagen und Höhenverstellung geprüft?
  • □ Praxisübungen in realen Kita-Räumen durchgeführt?
  • □ Teilnahmeunterlagen 3 Jahre archiviert?
  • □ Neue Mitarbeitende innerhalb der ersten Arbeitswoche geschult?
  • □ Feedback der Teilnehmenden ausgewertet und Verbesserungen umgesetzt?

⚠️ Häufige Fehler

1. Nur-theoretische Schulung

Viele Kitas schulen nur per PowerPoint. Ohne praktisches Üben mit echten Lasten bleibt die Technik unverstanden.

2. Verwechslung von Kursen

Erste-Hilfe-Kurse werden fälschlicherweise als Heben-und-Tragen-Schulung gewertet – rechtlich nicht ausreichend.

3. Fehlende Dokumentation

Unterschriftenlisten werden nicht aufbewahrt; bei Prüfung fehlt der Nachweis.

4. Keine Anpassung an neue Räume

Neuer Flur, neue Wickelstation – aber keine Nachschulung, weil „wir doch schon geschult sind“.

ℹ️ Sonderfälle

Schwangere und stillende Mitarbeitende

Schwangere dürfen laut MuSchG §8 keine Lasten heben, die aufgrund Gewicht, Größe oder Handhabung die Gesundheit gefährden. In der Praxis bedeutet das: kein Tragen von Kindern >12 kg. Ersatzweise Einsatz von Tragewagen oder Teamarbeit.

💬 Häufige Fragen

Häufige Fragen zur Unterweisung „Heben und Tragen für Kitapersonal“

Wie schwer darf eine Erzieherin maximal ein Kind tragen?

DGUV Regel 112-004 empfiehlt eine Einzellast von maximal 15 kg. Bei Kindern darüber ist ein zweiter Erwachsener oder ein Tragewagen erforderlich.

Muss die Unterweisung präsenz oder reicht online?

Online ist rechtssicher, wenn interaktive Praxisvideos und abschließende Fragen integriert sind. Wichtig ist der Nachweis der Umsetzung (z. B. Video-Upload).

Was tun bei akutem Rückenschmerz nach dem Dienst?

Sofort ärztliche Abklärung, Meldung an den Arbeitgeber und Gefährdungsbeurteilung anpassen. Die Person darf bis zur Klärung keine schweren Hebevorgänge ausführen.

Wie oft muss ich neue FSJ-Kräfte schulen?

Vor Dienstantritt Erstunterweisung, danach jährlich wie reguläres Personal, da sie denselben Gefährdungen ausgesetzt sind.

Gilt die Schulung auch für Leihkräfte?

Ja. Der Verleiher muss sicherstellen, dass die Leihkraft unterwiesen ist. In der Praxis erleichtern sich viele Kitas die Arbeit, indem sie Leihkräfte vor Ort nochmals einschulen.

Können Eltern an der Schulung teilnehmen?

Freiwilliger Elternabend ist erlaubt, aber rechtlich nicht relevant für die Arbeitgeberpflichten. Dokumentation nur für bezahltes Personal.

Wie wird die Unterweisung bei Minijobs dokumentiert?

Mit derselben Sorgfalt wie Vollzeitkräfte. Minijobber sind vollständige Beschäftigte im Sinne des ArbSchG.

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