Thema · Arbeitsschutz
Gefährdungsbeurteilung Erziehung & Soziales: Rechtssichere Unterweisung für Pädagogische Einrichtungen
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 16 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Arbeitsschutz · Kinderhilfe, Jugendhilfe · Pädagogisch
- Rechtsgrundlage
- ArbSchG - Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 7101
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Kurz und bündig
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Barrierefrei
WCAG 2.2 AA
Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
Zugrunde liegende Regelwerke
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
Die Online-Unterweisung führt Schritt für Schritt durch die praxisnahe Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung für Kitas, Horte und Schulen:
- Gefährdungskatalog pädagogischer Alltag: Erkennen von physischen Belastungen (Heben von Kindern, ergonomisch ungünstige Körperhaltungen), biologischen Gefährdungen (Infektionsrisiken durch Speichel, Blut, Ausscheidungen), psychischen Belastungen (Konflikte mit Eltern, Lärmpegel, Zeitdruck) und organisationellen Risiken (Unterbesetzung, fehlende Notfallpläne).
- Spiel- und Lernumgebungen: Bewertung von Gefährdungen durch Spielgeräte, Außenanlagen, Bastelmaterialien (Schere, Klebstoffe), Chemikalien (Reinigungsmittel) sowie Digitalgeräte (Tablets, Beamer).
- Evidenzbasierte Expositionsermittlung: Nutzung von DGUV-Regelwerken, BGI/BGR-Informationen und Branchenstatistiken zur Quantifizierung von Gefährdungen wie Lärmbelastung oder Handlungsdruck.
- Risikobewertung nach TOP-Prinzip: Technische (z. B. rutschfeste Böden, kindgerechte Möbel), organisatorische (Pausenregelungen, Gruppengrößen) und persönliche Schutzmaßnahmen (Unterweisung, PSA). Priorisierung nach Wirksamkeit und Durchsetzbarkeit.
- Integration von Kinderschutz und Arbeitsschutz: Abgleich von Jugendarbeitsschutz (JArbSchG) und Kinderschutzstandards mit den Erfordernissen des allgemeinen Arbeitsschutzes.
- Dokumentationsvorlagen: Bereitstellung digitaler Formblätter (Gefährdungsbeurteilungsbogen, Maßnahmenplan, Schulungsnachweis) mit Beispielen für verschiedene Abteilungen (Krippe, Elementarbereich, Hort, Schulvorbereitung).
- Verantwortlichkeiten klar verteilen: Definition der Rollen von Leitung, Sicherheitsbeauftragten, Fachkräften und externen Dienstleistern (Reinigung, Gartenbau, Handwerker).
- Notfallmanagement: Erstellung von Rettungsplänen, Übungsabläufen für Evakuierung, Erste-Hilfe-Konzepte speziell für den Umgang mit Kindern.
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
Typische Gefährdungen in pädagogischen Einrichtungen und die daraus abgeleiteten Schutzmaßnahmen nach dem TOP-Prinzip:
- Gefahr: Rückenschäden durch häufiges Heben und Tragen kleiner Kinder. Technisch: Tragehilfen, höhenverstellbare Wickeltische. Organisatorisch: 2-Personen-Regel bei schweren Hebevorgängen. Personell: Rückengymnastik-Kurse, Einweisung in Hebetechniken.
- Gefahr: Infektionsrisiko durch Körperflüssigkeiten (Speichel, Blut). Technisch: Desinfektionsmittelspender, Handschuhdispensern. Organisatorisch: Hygienepläne, Blut geleckt – was tun? Poster. Personell: Hygieneschulung, Impfungsberatung.
- Gefahr: Lärm- und Stressbelastung durch Großgruppen. Technisch: Schallschluckende Materialien, ruhige Rückzugsecken. Organisatorisch: Kleingruppenarbeit, feste Ruhephasen. Personell: Achtsamkeitstrainings, Supervision.
- Gefahr: Verletzungen durch Spielgeräte oder defekte Möbel. Technisch: UVV-konforme Spielgeräte, Kantenschutz. Organisatorisch: Tägliche Sichtkontrolle durch Fachkraft. Personell: Unterweisung „Spielplatzcheck“, Wartungsverträge.
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
- Kindertagesstätten (Krippe, Kindergarten, Hort)
- Schulen (Grundschulen, Förderschulen, Ganztagsschulen)
- Jugendhilfe-Einrichtungen (Heime, Tagesstätten)
- Kinder- und Familienzentren
Besonderheiten: Teilweise liegen Trägerstrukturen vor (Stadt, Kirchen, Vereine), die unterschiedliche Dokumentationsstandards vorgeben. Außerdem sind häufig Minijobber*innen und FSJ-Kräfte zu berücksichtigen, die ebenfalls unterwiesen werden müssen.
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Gefährdungsbeurteilung für alle Tätigkeitsbereiche (Kinderbetreuung, Küche, Büro, Außenanlage) vorliegend und unterschrieben?
- Gefährdungen durch Heben, Infektionsschutz, Lärm, Stress und Spielgeräte erfasst?
- Maßnahmenplan mit Verantwortlichen und Fristen erstellt und umgesetzt?
- Alle Mitarbeitenden (auch Minijobber & FSJ) dieses Jahr unterwiesen und Nachweis geführt?
- UVV-Prüfbuch für Spielgeräte und Sportgeräte geführt und auf dem neuesten Stand?
- Schulsanitäter und Erste-Hilfe-Ausrüstung vorhanden und geprüft?
- Rettungs- und Evakuierungspläne aktuell und mit allen Mitarbeitenden geübt?
- Dokumente 10 Jahre revisionssicher gespeichert?
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Nur Pauschalformulare nutzenEin Satz wie „keine Gefährdung erkannt“ genügt nicht. Jede Tätigkeit muss konkret betrachtet werden.
- Mitarbeitende außer Acht lassenKüchenpersonal, Reinigungskräfte oder FSJ-ler werden häufig vergessen, obwohl sie denselben Risiken ausgesetzt sind.
- Keine regelmäßige AktualisierungNeue Möbel, Umbauten oder Hygienevorschriften verändern die Risiken – die Beurteilung muss nachgeführt werden.
- Unvollständige Dokumentation der UnterweisungFehlende Unterschriften oder fehlende Themen (z. B. Umgang mit Chemikalien) führen bei Prüfungen zu Beanstandungen.
- Kinderschutz und Arbeitsschutz trennenViele vergessen, dass Hygienevorschriften oder Sicherheitsausrüstung nicht nur den Kindern, sondern auch dem Personal nutzen.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Schwangere und stillende Mitarbeitende Gemäß Mutterschutzgesetz sind zusätzliche Risikobeurteilungen erforderlich, z. B. durch Einschränkung bei Infektionskrankheiten oder Nachtdiensten.
- Jugendliche Auszubildende und FSJ-Kräfte Sie fallen unter JArbSchG; daher gelten kürzere Arbeitszeiten, verbotene Tätigkeiten (z. B. Heben > 12 kg) und erweiterte Unterweisungspflichten.
- Mitarbeitende mit Behinderung Ergänzende individuelle Gefährdungsbeurteilung nach SGB IX und ggf. Schwerbehindertenausgleich.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Gefährdungsbeurteilung Erziehung & Soziales
Muss ich für jede neue Gruppe eine neue Gefährdungsbeurteilung machen?
Nein, wenn sich nur die Anzahl der Kinder ändert und keine neuen Räume oder Geräte hinzukommen, reicht eine Anpassung des Maßnahmenplans.
Wer muss die Gefährdungsbeurteilung unterschreiben?
Der Träger oder dessen Beauftragter (z. B. Leitung oder Sicherheitsbeauftragter). Bei gemeinnützigen Trägern ggf. Vorstand.
Wie oft muss der Spielplatz inspiziert werden?
Tägliche Sichtprüfung durch Fachkraft, jährliche UVV-Fachprüfung durch Sachkundige nach BetrSichV § 3.
Gelten dieselben Regeln bei Eltern-Kind-Gruppen?
Ja, wenn Beschäftigte tätig sind (Honorarkräfte, FSJ), greift das ArbSchG voll. Bei rein ehrenamtlichen Elterngruppen ohne Beschäftigte nur Empfehlung.
Darf ich die Gefährdungsbeurteilung digital speichern?
Ja, wenn die Datei unveränderbar (PDF-A) und 10 Jahre lang abrufbar ist. Ausdrucke müssen nicht mehr vorliegen.
Was ist bei Home-Office-Tätigkeiten (z. B. Elterngespräche am PC) zu beachten?
Auch hier muss eine Gefährdungsbeurteilung erfolgen – z. B. ergonomischer Arbeitsplatz, Datenschutz, psychische Belastung durch ständige Erreichbarkeit.
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