Thema · Gesundheitswesen | Pflege

Unterweisung „KOMPAKT Medizinisches Arbeiten“ – Hygiene in der öffentlichen Verwaltung

Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat

UWC-Nr. 4037 ca. 13 Minuten Lernzeit

Pflegekraft dokumentiert auf dem Tablet im Flur einer Pflegeeinrichtung

Steckbrief

Dauer
ca. 13 Minuten, jederzeit unterbrechbar
Bereiche
Gesundheitswesen, Pflege · Hygiene
Rechtsgrundlage
BioStoffV - Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit Biologischen Arbeitsstoffen; DGUV Information 207-009 - Infektionsgefährdungen bei der Betreuung und Pflege von Menschen
Nachweis
Zertifikat automatisch als PDF
Sprachen
Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
Kennung
UWC-Nr. 4037

Ihre Vorteile

Warum Unterweisungscenter?

  • Rechtssicher

    ArbSchG-konform

  • Mehrsprachig

    DE, EN, FR u. a.

  • Zertifikat

    Automatisch als PDF

  • Ein Klick

    Keine Registrierung

  • KISS

    Kurz und bündig

  • Barrierefrei

    WCAG 2.2 AA

Auf dieser Seite
In Bürgerämtern, Sozial- und Gesundheitsbehörden, Jobcentern oder Schulverwaltungen ist der Umgang mit Blut, Körperflüssigkeiten oder scharfen Gegenständen keine Seltenheit: Erstversorgung nach Unfällen, Blutentnahme bei Dienstunfällen, Impfungen durch den Betriebsarzt oder die Annahme infektiöser Abfallstoffe – all diese Tätigkeiten unterliegen strikten arbeitsmedizinischen und hygienischen Vorgaben. Eine lückenhafte Schulung gefährdet nicht nur die Gesundheit der Beschäftigten, sondern kann zudem empfindliche Bußgelder nach ArbSchG § 25 auslösen. Die vorliegende kompakte Online-Unterweisung vermittelt in 45 Minuten das notwendige Wissen zu Infektionsprävention, PSA-Einsatz und korrekter Entsorgung medizinischer Abfälle – praxisnah, rechtskonform und sofort dokumentierbar.

Abschnitt 1

Rechtliche Grundlagen

Die arbeitsmedizinischen Pflichten ergeben sich aus dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und der Biostoffverordnung (BioStoffV). Konkret sind folgende Vorschriften einschlägig:

  • ArbSchG § 3 „Grundsätze der Prävention“: Arbeitgeber müssen Gefährdungen durch biologische Arbeitsstoffe verhindern oder auf ein Mindestmaß reduzieren.
  • ArbSchG § 12 „Unterweisung der Beschäftigten“: Jede Person, die Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ausführt, ist vor Aufnahme der Tätigkeit und mindestens jährlich erneut schriftlich zu unterweisen.
  • ArbSchG § 14 „Gefährdungsbeurteilung“: Der Arbeitgeber muss alle Tätigkeiten systematisch prüfen und dokumentieren, welche Gefährdungen durch Blut, Sekrete oder kontaminierte Gegenstände bestehen.
  • BioStoffV § 4 „Schutzmaßnahmen“: Hier sind die konkreten technischen, organisatorischen und persönlichen Schutzmaßnahmen geregelt, z. B. die Pflicht zum Tragen von PSA.
  • BioStoffV § 7 „Unterweisung und Schulung“: Sie konkretisiert die Inhalte der Schulung, u. a. zur Risikobewertung, zum Hygieneplan und zur Notfallversorgung.
  • „Infektionsschutz im kommunalen Verwaltungsbereich“: Enthält branchenspezifische Praxisbeispiele und Empfehlungen für Bürgerbüros und Sozialämter.

Abschnitt 2

Pflichten des Arbeitgebers

Arbeitgeber tragen die Verantwortung für eine wirksame Infektionsprävention. Das beginnt mit der schriftlichen Gefährdungsbeurteilung nach ArbSchG § 14, in der exakt erfasst wird, wo und wie Kontakt zu Blut oder anderen Körperflüssigkeiten droht. Daraus leiten sich konkrete Schutzmaßnahmen ab: z. B. die Bereitstellung geeigneter PSA (Einmalhandschuhe, Schutzbrillen, Mund-Nasen-Schutz), die Ausstattung von Erste-Hilfe-Räumen mit spitzenfesten Entsorgungsbehältern sowie die Erstellung eines Hygieneplans. Die Unterweisungspflicht nach ArbSchG § 12 muss • vor Aufnahme der Tätigkeit, • mindestens einmal jährlich wiederkehrend und • bei Änderung der Arbeitsverfahren erfolgen. Der Nachweis erfolgt in einer geprüften Online-Schulung mit digitaler Bescheinigung, die mindestens zehn Jahre aufbewahrt wird (DGUV Vorschrift 1 § 24).

Abschnitt 3

Inhalte der Unterweisung

Infektionsprävention und Hygienekonzept

Die Standardhygienemaßnahmen gelten für alle Mitarbeitenden, die potenziell mit Blut oder Sekreten in Berührung kommen können. Schulungsinhalte sind:

  • Ketten der Infektionsübertragung: Infektionsquelle → Übertragungsweg → Empfänger. Mitarbeitende lernen, wie sie jede Stufe durchbrechen können.
  • Handedesinfektion: 5-Momente-Modell der WHO, praktische Übungen zur Einreibetechnik, Auswahl und Haltbarkeit geeigneter Desinfektionsmittel (VAH-gelistet).
  • Flächendesinfektion: Kontaktzeiten, Konzentration der Mittel, Schutzausrüstung während der Flächenreinigung.

Persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Die richtige Auswahl und Handhabung wird anhand von Praxisvideos vermittelt:

  • Einmalhandschuhe: Sinnvolle Tragedauer (max. 15 Minuten), Hautschutz vor und nach dem Tragen, sofortiger Wechsel nach Durchstoßen.
  • Schutzbrillen: Wann sind sie Pflicht, wie erfolgt die Dekontamination nach Gebrauch?
  • Mund-Nasen-Schutz (OP-Maske): Korrektes Anlegen, Tastenkontrollen, sicheres Entsorgen.

Sichere Handhabung von Spritzen und Kanülen

Mitarbeitende lernen „Needle-Sticks“ zu vermeiden:

  • Grundsätzlich keine Wiederverwendung von Einmalinjektor-Spritzen.
  • Sofortige Entsorgung in spitzen- und stichfesten Behältern (UN3291).
  • „No-Recap-Regel“: Niemals Spritzen oder Kanülen wiederverkappen.

Korrekte Entsorgung medizinischer Abfälle

Die Schulung zeigt die vier Abfallfraktionen:

  • Gelber Sack (Abfallcode 180103): kontaminierte Einmalhandschuhe, Tupfer.
  • Gelb mit Ecken (180202): spitze oder scharfkantige Gegenstände.
  • Weiße Tonne (150202): nicht-kontaminierte Kunststoffe.
  • Schwarze Restmülltonne: hygienisch unbedenkliche Restabfälle.

Die Schulung endet mit einem interaktiven Quiz und der digitalen Bescheinigung gemäß BioStoffV § 8.

Abschnitt 4

Gefährdungen & Schutzmaßnahmen

Die häufigsten Gefährdungen im Verwaltungsbereich lassen sich nach dem TOP-Prinzip (Technik → Organisation → Persönliche Schutzmaßnahmen) bekämpfen:

  • Technik: Einsatz von Einwegspritzen mit integrierter Sicherheitsfunktion („Rückzugsautomatik“), Ersatz von Glasgefäßen durch unzerbrechliche Kunststoffe.
  • Organisation: Festlegung klarer Zuständigkeiten und Prozesse (z. B. „Wer leitet den Betriebsarzt nach Nadelstich?“), Verwendung von Checklisten zur Beobachtung der Handhygiene.
  • Personenbezogene Schutzmaßnahmen: Regelmäßige Hautschutzschulung, Impfangebot (Hepatitis-B-Basisimmunisierung nach STIKO-Empfehlung), sofortige Meldung und ärztliche Abklärung bei Verletzungen.

Ein konkretes Beispiel aus der Praxis: In einem Jobcenter wurde eine Mitarbeiterin beim Öffnen eines Umschlags mit einer Spritze gestochen. Die sofortige Maßnahme war die Hautdesinfektion, Meldung an den Vorgesetzten und Verdachtsdiagnose „HIV/Hepatitis-Exposition“. Dank vorhandener Checkliste und Schulung konnte die Infektionskette innerhalb von 30 Minuten unterbrochen werden.

Abschnitt 5

Zielgruppen & Branchen

Die Unterweisung richtet sich primär an:

  • Kommunale Verwaltung: Mitarbeitende in Bürgerämtern, Sozial- und Gesundheitsämtern, die Erste-Hilfe leisten oder medizinische Abfälle annehmen.
  • Sozialversicherungen: Mitarbeitende in Renten- und Krankenkassen, die Kundendokumente mit Blutspuren (z. B. Unfallberichte) bearbeiten.
  • Schulen und Kindertagesstätten: Sekretariate, Schulverwaltungen, die Impflinge oder Notfallmaßnahmen koordinieren.

Besonderheiten: Die Schulung berücksichtigt, dass diese Tätigkeiten nicht primär medizinisch sind, sondern „nebenbei“ anfallen – daher wird besonders Wert auf einfache, schnell umsetzbare Abläufe gelegt.

Abschnitt 6

Intervalle & Dokumentation

Die jeweilige Unterweisung muss vor Beginn der Tätigkeit erfolgen. Danach erfolgt gemäß BioStoffV § 7 eine jährliche Auffrischung, die mit einer kurzen digitalen Nachschulung von 20 Minuten erledigt werden kann. Die Dokumentation umfasst:

  • Datum, Uhrzeit und Inhalt der Schulung,
  • Name und Unterschrift der unterwiesenen Person,
  • Name des Schulenden oder Angaben zur Online-Lernplattform,
  • Prüfungsergebnis (mind. 70 % richtige Antworten).

Die Aufbewahrungsfrist beträgt zehn Jahre (DGUV Vorschrift 1 § 24). Digital erstellte Bescheinigungen sind rechtskonform und können schnell bei Kontrollen vorgelegt werden.

In der Praxis

Was Verantwortliche wissen müssen

Checkliste

Das sollten Sie prüfen

  • Gefährdungsbeurteilung zur Blut-/Sekretexposition liegt schriftlich vor.
  • PSA (Einmalhandschuhe, Schutzbrillen, MNS) ist vorhanden und unbeschädigt.
  • Spitzen- und stichfeste Entsorgungsbehälter sind ausreichend vorhanden.
  • Hygieneplan ist aktuell und allen Mitarbeitenden bekannt.
  • Erste-Hilfe-Koffer enthält zusätzliche Desinfektionsmittel und sterile Einmalhandschuhe.
  • Hautschutzmittel stehen an allen relevanten Arbeitsplätzen zur Verfügung.
  • Impfungsstatus Hepatitis B ist dokumentiert und bei Bedarf aufgefrischt.
  • Unfall- und Expositionsmeldungen sind an die Berufsgenossenschaft weitergeleitet.

Häufige Fehler

Das geht oft schief

  1. Fehlende Gefährdungsbeurteilung
    Viele Verwaltungen unterschätzen die Gefahr und erfassen nicht, dass Erste-Hilfe-Leistungen bereits als „Tätigkeit mit biologischen Arbeitsstoffen“ gelten.
  2. „Wiederverwendung“ von Einmalhandschuhen
    Aus Kostengründen werden diese mehrfach verwendet – ein klarer Verstoß gegen BioStoffV § 4.
  3. Unvollständige PSA-Auswahl
    Nur Handschuhe, aber keine Schutzbrillen bereitgestellt, obwohl bei Erste-Hilfe Blutspritzer drohen.
  4. Unklare Entsorgung
    Nadeln oder Tupfer landen im Restmüll, weil keine gelben Behälter vorhanden sind.
  5. Verpasste Nachschulung
    Die jährliche Auffrischung wird vergessen, was bei Kontrollen sofort auffällt.

Sonderfälle

Das gilt zusätzlich

  • Schwangere und stillende Mitarbeitende
    Nach Mutterschutzgesetz § 13 ist eine Gefährdungsbeurteilung besonders sorgfältig durchzuführen. Tätigkeiten mit erhöhtem Infektionsrisiko (z. B. häufige Erste-Hilfe-Einsätze) sind zu minimieren oder durch geeignete Schutzmaßnahmen zu ergänzen. Eine individuelle ärztliche Beratung wird empfohlen.
  • Jugendliche Auszubildende
    Nach Jugendarbeitsschutzgesetz § 22 dürfen sie keine Tätigkeiten ausführen, die ihnen eine überdurchschnittliche Gefahr durch biologische Arbeitsstoffe zufügen könnten – etwa wiederkehrende Blutentnahmen. Hier ist eine strikte Trennung erforderlich.

Häufige Fragen

Fragen zur Unterweisung KOMPAKT Medizinisches Arbeiten in der öffentlichen Verwaltung

Muss ich meine Mitarbeiter unterweisen, wenn sie nur gelegentlich Erste Hilfe leisten?

Ja. Bereits die gelegentliche Hilfe bei Blutungen oder Unfällen fällt unter die BioStoffV; die Jahresunterweisung ist Pflicht.

Reicht eine Schulung durch das DRK aus, wenn meine Mitarbeitende dort Erste-Hilfe-Kurse besuchen?

Nein. Erste-Hilfe-Kurse vermitteln keine arbeitsspezifischen Inhalte zu PSA, Abfallentsorgung oder Gefährdungsbeurteilung.

Welche Kosten entstehen bei der digitalen Unterweisung?

Die Online-Schulung kostet ca. 12 € pro Person und Jahr. Praxisnahe Videos und Zertifikat sind inklusive.

Müssen Reinigungskräfte ebenfalls unterwiesen werden?

Ja, wenn sie potenziell kontaminierte Abfälle (z. B. im Büro) entsorgen oder Reinigungsarbeiten in Erste-Hilfe-Räumen durchführen.

Was passiert bei einer Kontrolle durch die Berufsgenossenschaft?

Prüfer verlangen die Gefährdungsbeurteilung und Nachweise der Unterweisungen. Fehlende Dokumente führen zu Bußgeldern nach ArbSchG § 25 (bis 30.000 €).

Kann die Schulung auch in Präsenz durchgeführt werden?

Ja, jedoch ist die Online-Variante kostengünstiger und ermöglicht eine zentrale Dokumentation.

Sind die Inhalte auch für Home-Office-Mitarbeitende relevant?

Nur, wenn sie regelmäßig Dienstreisen leisten und dort Erste-Hilfe-Einsätze übernehmen oder Impfungen durchführen.

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