Thema · Allgemein

Unterweisung „Einfache Sprache – Erstunterweisung“: Rechtssicher & verständlich

Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat

UWC-Nr. 4039 ca. 16 Minuten Lernzeit

Beschäftigte absolviert am Laptop eine Online-Unterweisung

Steckbrief

Dauer
ca. 16 Minuten, jederzeit unterbrechbar
Bereiche
Allgemein · Arbeitsschutz
Rechtsgrundlage
ArbSchG - Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit; DGUV Vorschrift 1 - Grundsätze der Prävention
Nachweis
Zertifikat automatisch als PDF
Sprachen
Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
Kennung
UWC-Nr. 4039

Ihre Vorteile

Warum Unterweisungscenter?

  • Rechtssicher

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    DE, EN, FR u. a.

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  • Barrierefrei

    WCAG 2.2 AA

Auf dieser Seite
Eine verständliche Erstunterweisung ist die Grundlage für Sicherheit am Arbeitsplatz – besonders dann, wenn Kolleginnen und Kollegen Deutsch nur eingeschränkt beherrschen oder kognitive Einschränkungen vorliegen. Die Unterweisung „Einfache Sprache – Erstunterweisung“ löst genau dieses Problem: Alle wichtigen Inhalte werden so aufbereitet, dass sie sofort verstanden werden. Das senkt Unfallrisiken, erfüllt die Dokumentationspflicht nach ArbSchG §12 und stärkt das Sicherheitsbewusstsein der gesamten Belegschaft. Für Personalverantwortliche und Sicherheitsbeauftragte bedeutet das: weniger Nachfragen, schnellere Einarbeitung und rechtssichere Prozesse – ganz ohne zusätzlichen Schulungsaufwand.

Abschnitt 1

Rechtliche Grundlagen

Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) §12 regelt die allgemeine Unterweisungspflicht: „Der Arbeitgeber hat die Beschäftigten über alle Gefahren und Schutzmaßnahmen zu unterweisen, die mit ihrer Tätigkeit zusammenhängen.“ §13 ArbSchG verlangt eine angemessene und verständliche Form der Unterweisung – ein zentraler Hinweis auf die Notwendigkeit von Inhalten in einfacher Sprache. Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) §3 fordert wiederkehrende Unterweisungen nach Gefährdungspotenzial. DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ §5 Abs. 1 und §25 Abs. 2 verlangen regelmäßige und nachvollziehbare Schulungen, die dem Bildungsstand der Beschäftigten angepasst sein müssen. DGUV Vorschrift 2 „Unfallverhütungsvorschriften und Richtlinien“ §4 betont die Verständlichkeit der Unterweisungsinhalte. Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) §14 verlangt die schriftliche und mündliche Unterweisung zum Umgang mit Gefahrstoffen – auch hier muss die Sprache dem Empfänger entsprechen.

Abschnitt 2

Pflichten des Arbeitgebers

Der Arbeitgeber muss vor Beschäftigungsbeginn eine Erstunterweisung durchführen und sie mindestens einmal jährlich wiederholen (ArbSchG §12, DGUV 1 §25). Die Inhalte sind auf Basis der Gefährdungsbeurteilung (ArbSchG §5) auszuwählen und so zu formulieren, dass sie von allen Mitarbeitenden verstanden werden. Die Dokumentation erfolgt lückenlos: Datum, Inhalte, Referent, Unterschrift oder elektronischer Nachweis (ArbSchG §12 Abs. 3). Bei Verwendung einfacher Sprache ist zusätzlich zu dokumentieren, dass die Wortwahl und Struktur den Anforderungen der Zielgruppe entspricht. Die Aufbewahrungsfrist beträgt laut DGUV 1 §26 mindestens zehn Jahre.

Abschnitt 3

Inhalte der Unterweisung

1. Rechte und Pflichten am Arbeitsplatz In kurzen Sätzen erklären: „Ich habe das Recht auf Sicherheit. Ich muss Regeln befolgen.“ Es wird konkret aufgezeigt, dass der Arbeitgeber für Sicherheit sorgen muss und die Beschäftigten mithelfen müssen (ArbSchG §§4-8).

2. Unfallverhütung – TOP-Prinzip leicht gemacht T – Technische Schutzmaßnahmen: Maschinen mit Schutzzaun. O – Organisatorische Maßnahmen: Schilder „Achtung Stufe!“. P – Persönliche Schutzmaßnahmen: „Ich trage meine Sicherheitsschuhe.“ Praxisbeispiel: Ein Mitarbeiter in der Metallfertigung demonstriert, wie er durch das Tragen von Schutzbrille und Gehörschutz Augen und Ohren schützt.

3. Verhalten im Notfall Schritt-für-Schritt-Anleitung:

  • Ich sehe: „Da brennt etwas!“
  • Ich rufe: Feuerwehr 112
  • Ich rette: Nur wenn es sicher ist
  • Ich lösche: Kleine Flammen mit Feuerlöscher
Kurzes Rollenspiel „Wie sage ich Kollegen in einfacher Sprache, wo der Notausgang ist?“

4. Sicherer Umgang mit Gefahrstoffen Eine Flasche mit orangem Symbol wird vorgezeigt. Erklärung in 10 Wörtern: „Giftig. Handschuhe tragen. Nicht essen. Augen schützen.“ Es folgt die Übung „Erkenne das Symbol – lege richtiges Piktogramm zu“.

5. Körperliche Belastungen verstehen „Schwer heben macht den Rücken kaputt. Ich frage nach Hilfe oder benutze Helfer.“ Kurze Checkliste „3 Fragen vor jedem Heben“: Ist es schwer? Ist es sperrig? Brauche ich Hilfe?

6. Digitaler Ausklang Ein 5-Fragen-Quiz in einfacher Sprache sichert, dass die Inhalte verstanden wurden. Abschlusszertifikat mit Symbolen statt langem Text.

Abschnitt 4

Gefährdungen & Schutzmaßnahmen

Typische Gefährdungen bei Mitarbeitenden mit eingeschränkten Sprachkenntnissen:

  • Unkenntnis von Warnsymbolen: Gefahrstoffe werden falsch gelagert.
  • Fehlende Notrufkenntnisse: Verzögerung bei Unfällen.
  • Misverständnisse bei Arbeitsanweisungen: Falsche Handhabung von Maschinen.

Schutzmaßnahmen nach dem TOP-Prinzip: T: Verwendung von internationalen Piktogrammen und farbigen Bodenmarkierungen. O: Kurze, wiederholte Tageseinweisungen („Toolbox-Talks“) in einfacher Sprache. P: Persönliche Schutzausrüstung wird mit Symbolen erklärt und direkt am Arbeitsplatz durch den Vorgesetzten überprüft.

Abschnitt 5

Zielgruppen & Branchen

Besonders relevant für Logistik, Reinigung, Lebensmittelverarbeitung, Gastronomie und Pflegeeinrichtungen – Branchen mit hohem Ausländeranteil oder Aushilfskräften. Auch Einrichtungen mit Förderschwerpunkten (Werkstätten für Menschen mit Behinderung) profitieren, da kognitive Einfachheit gefragt ist. Besonderheit: In der Gastronomie müssen zusätzliche Themen wie HACCP-Kennzeichnung und Temperaturkontrollen in einfacher Sprache vermittelt werden.

Abschnitt 6

Intervalle & Dokumentation

Die Erstunterweisung erfolgt spätestens am ersten Arbeitstag. Die Wiederholungsunterweisung ist gemäß DGUV 1 §25 mindestens einmal jährlich durchzuführen; bei erhöhtem Gefährdungspotenzial (z. B. Gefahrstoffe) halbjährlich. Die Dokumentation umfasst: Datum, Themen, Dauer, Verantwortlicher, Unterschrift oder elektronische Teilnahmebestätigung. Aufbewahrungsfrist: 10 Jahre ab Ende des Beschäftigungsverhältnisses (DGUV 1 §26).

In der Praxis

Was Verantwortliche wissen müssen

Checkliste

Das sollten Sie prüfen

  • Inhalte auf maximal A2-Sprachniveau geprüft?
  • Piktogramme zu jedem Gefahrstoff vorhanden?
  • Notrufnummern als Aufkleber auf jedem Handy?
  • Kurze tägliche 2-Minuten-Sicherheitsfragen etabliert?
  • Dokumentation in elektronischem System abgelegt (mind. 10 Jahre)?
  • Unterweisungsbögen in Muttersprache als Backup?
  • Sicherheitsbeauftragter spricht langsam und prüft Verständnis?
  • Toolbox-Talk-Themen für die nächsten 12 Monate geplant?

Häufige Fehler

Das geht oft schief

  1. Zu komplexe Sprache
    Viele Arbeitgeber nutzen Standardformulare auf C1-Niveau – das führt zu Unverständlichkeit und erhöhtem Unfallrisiko.
  2. Nur einmalig unterweisen
    Trotz DGUV-Vorgabe wird auf jährliche Wiederholung verzichtet – Bußgeld bis 5.000 Euro möglich.
  3. Keine Symbolik
    Warnschilder fehlen oder sind nur in deutscher Sprache – internationale Mitarbeiter erkennen Gefahren nicht.
  4. Fehlende Dokumentation
    Teilnahme wird nicht nachgewiesen – im Schadensfall ist der Arbeitgeber beweispflichtig.
  5. Keine Integration in Arbeitsalltag
    Unterweisung findet am ersten Tag statt und wird nie wiederholt – das Wissen verblasst.

Sonderfälle

Das gilt zusätzlich

  • Anerkannte Flüchtlinge und Asylbewerber
    Zusätzliche kulturelle Sensibilisierung nötig, da Sicherheitsvorstellungen aus Herkunftsländern abweichen können. Unterweisung in einfacher Sprache plus visuelle Hilfen (z. B. Fotoserien) empfohlen.
  • Menschen mit Lernbehinderung
    Inhalte in Leichter Sprache (A1) und Einführung eines „Sicherheits-Buddys“ am Arbeitsplatz. Dokumentation per Video-Zustimmung möglich (DSGVO-konform).

Häufige Fragen

Fragen zur Unterweisung EINFACHE SPRACHE – Erstunterweisung

Muss ich für jeden Mitarbeiter eine eigene Version in seiner Muttersprache erstellen?

Nein. Die DGUV fordert eine verständliche Form, nicht zwingend die Muttersprache. Eine klar strukturierte Version in einfacher deutscher Sprache plus Piktogramme erfüllt die Pflicht.

Was passiert, wenn ein Mitarbeiter die Unterweisung nicht versteht?

Dann ist die Unterweisung nach DGUV 1 §25 als nicht wirksam anzusehen. Der Arbeitgeber muss Ersatzmaßnahmen (z. B. Dolmetscher, visuelle Schulung) ergreifen und erneut dokumentieren.

Darf ich die Unterweisung digital durchführen?

Ja, wenn die Software die Verständniskontrolle (z. B. Quiz) und die elektronische Signatur sicherstellt. Die DGUV akzeptiert Online-Nachweise seit 2018.

Wie oft muss ich die Inhalte aktualisieren?

Mindestens jährlich oder bei Änderung von Arbeitsabläufen. Neue Gefahrstoffe oder Maschinen erfordern sofortige Nachunterweisung.

Kann ich die Dokumentation digital speichern?

Ja, elektronische Speicherung ist erlaubt, wenn sie rückverfolgbar und manipulationssicher ist (DGUV 1 §26).

Welche Bußgelder drohen bei fehlender Unterweisung?

ArbSchG §23: bis zu 30.000 Euro für Verstoß gegen §12; bei Verletzung der Gefährdungsbeurteilung bis zu 10.000 Euro.

Muss ich die Unterweisung auch für Aushilfs- und Saisonkräfte machen?

Ja, unabhängig von Vertragslaufzeit und Stundenanzahl. Der erste Arbeitstag zählt.

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