Thema · Arbeitsschutz
Arbeitsschutz-Unterweisung: Umgang mit Waffenbedrohungen & gewaltsamen Angriffen
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 61 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Arbeitsschutz · Ordnungsamt · Verwaltung, Büro
- Rechtsgrundlage
- DGUV Information 206-015 - Alles für den Kunden? Arbeitsbelastungen und Bedrohungen an Arbeitsplätzen mit Kundenkontakt
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 4500
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WCAG 2.2 AA
Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
- § 3 Risikobewertung: Der Arbeitgeber muss Gefährdungen beurteilen, die von Waffen oder Gewalttaten ausgehen, und geeignete Maßnahmen festlegen.
- § 4 Gefährdungsbeurteilung: Dokumentationspflicht für jede Tätigkeit mit Kontaktpotenzial zu aggressiven Personen.
- § 12 Unterweisung: Mitarbeitende sind in angemessenen Abständen schriftlich und praxisnah zu unterweisen.
Technische Regel für Arbeitsstätten – Gemeinschaftseinrichtungen (ASR A1.8)
- § 5: In Gemeinschaftseinrichtungen von Behörden ist Gewaltschutz zu berücksichtigen; Zugangskontrollen, Panikverschlüsse und Notrufeinrichtungen gehören zur baulichen Ausstattung.
DGUV Vorschrift 1 – Grundsätze der Prävention
- § 4: Verhältnisprinzip – Schutzmaßnahmen müssen dem Risiko angemessen sein; bei Waffeneinsatz droht akute Lebensgefahr.
DGUV Regel 100-001 (ehem. BGV A1)
- Nummer 4.1.2: Belehrungspflicht des Arbeitgebers bei Tätigkeiten mit erhöhtem Gewaltpotenzial.
DGUV Grundsatz 1-004
- Kapitel 4.3: Dokumentationsvorlage für „Unterweisung Gewaltschutz“ mit Präsenz- oder Online-Teilnahmebestätigung.
Zugrunde liegende Regelwerke
- DGUV Information 206-015 - Alles für den Kunden? Arbeitsbelastungen und Bedrohungen an Arbeitsplätzen mit Kundenkontakt · Ausgabe 2012.04 aktualisierte
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
2. Unterweisungspflicht nach § 12 ArbSchG Die Schulung muss vor Arbeitsaufnahme und mindestens jährlich erfolgen; bei Vorkommnissen (z. B. Messerangriff im Service-Center) sofort nachschulen.
3. Dokumentation & Aufbewahrung Laut DGUV Grundsatz 1-004 sind folgende Nachweise aufzubewahren:
- Teilnahmeliste mit Unterschrift oder elektronische Bestätigung
- Inhaltsverzeichnis der Schulung
- Praxisnachweis (Rollenspiel, E-Learning-Test)
Aufbewahrungsfrist: 10 Jahre nach Beendigung der Tätigkeit (§ 6 ArbSchG i. V. m. ).
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
Modul 1: Rechtliche Grundlagen & Verhaltensmaximen
§ 32 StGB – Notwehr & § 34 StGB – Rechtfertigender Notstand Die Teilnehmenden lernen, wann eine Verteidigungshandlung gerechtfertigt ist und welche Mittel (z. B. Pfefferspray-Behälter des Amtes) erlaubt sind. Ein Praxisfall: Kollegin wird mit einem Butterfly-Messer bedroht – wie weit darf sie gehen?
- Erlaubte Verteidigungsmittel: Schlagstock des Sicherheitsdienstes, persönliches Pfefferspray (§ 43 WaffG)
- Grenzen der Notwehr: Verhältnismäßigkeit und Verteidigungsnotwendigkeit
Modul 2: Deeskalation & Kommunikationsstrategien
Ein Trainer demonstriert das LEAF-Modell (Listen, Empathize, Assert, Follow-up) anhand von Rollenspielen:
- Listen: Betroffenen zuhören, ohne provokative Gestik
- Empathize: „Ich verstehe, dass Sie sich ungerecht behandelt fühlen …“
- Assert: Deutliche Grenzen setzen – „Ich bitte Sie, das Messer wegzulegen“
- Follow-up: Kollegen via Sprechfunk informieren, Eskalation protokollieren
Modul 3: Eigenschutz & Abwehrtechniken
Die Teilnehmenden üben in geschützter Umgebung:
- Sicherheitsabstand (min. 2 m bei Messern, 7 m bei Schusswaffen) einhalten
- Körperhaltung: seitlich zur Gefahrenquelle stellen, Hände sichtbar
- Fluchtwege identifizieren: Notausgang, Panikschloss, Verdunkelungsschalter
Modul 4: Umgang mit speziellen Waffenarten
- Messer: Erkennen von Angriffssignalen (Klinge offen, Faust schließen)
- Schusswaffen: Verhalten bei Amoklage („Run, Hide, Fight“-Prinzip)
- Reizgas: Soforthilfe nach Pfefferspray-Einsatz – kaltes Wasser, keine Reibung
- Schlagwaffen (Baseballschläger, Teleskopschlagstock): Schutzraum aufsuchen, Tür verriegeln
Modul 5: Alarmierung & Nachsorge
Notfallnummer 110 – was muss ich durchgeben? Übungsscript:
- Ort und Lagebeschreibung
- Anzahl und Art der Täter
- Verletzte Personen
- Eigener Standort und Rückzugsmöglichkeiten
Psychologische Erste-Hilfe: Kollegiale Gespräche, EAP-Dienst, mögliche Weiterverweisung an Betriebsarzt.
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
Identifizierte Gefährdungen
- Psychische Belastung durch Androhung von Gewalt
- Stich- oder Schussverletzungen
- Sekundärverletzungen bei Flucht (z. B. Sturz über Treppengeländer)
TOP-Prinzip (Technisch-Organisatorisch-Persönlich)
- Technisch: Videoüberwachung in Kundenzonen, Notruf-Säulen, Panikverschlüsse
- Organisatorisch: Doppelbesetzung bei Hausbesuchen, Funkmeldesystem „Man-Down“, Check-in/Check-out alle 30 min
- Persönlich: Schutzweste nach VPAM-Standard, persönliches Pfefferspray (behördlich genehmigt), Refresher-Training alle 6 Monate
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
- Mitarbeitende des kommunalen Ordnungsamtes (z. B. Bußgeldstelle, Waffenrecht)
- Verwaltungsfachkräfte in Bürgerbüros und Sozialämtern
- Sachbearbeitende der Straßenverkehrsbehörde
- Sicherheitskräfte und Empfangspersonal in Behördengebäuden
Besonderheit: Die Inhalte sind so modularisiert, dass sie sowohl für Außendienst (z. B. Fahrzeugkontrolle) als auch für Innendienst (z. B. Bürgerbüro) gelten.
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
Regelmäßige Unterweisung:
- Erstunterweisung vor Arbeitsaufnahme
- Wiederholung: mindestens jährlich (DGUV V1 § 4 Abs. 3)
- Ereignisbezogene Nachschulung binnen 7 Tagen nach tatsächlicher Waffeneinwirkung
Dokumentationspflicht:
- Teilnahmebescheinigung (Online- oder Präsenzschulung) mit Inhaltsverzeichnis
- Praxisnachweis durch Kurztest oder Rollenspiel-Video
- Aufbewahrungsfrist: 10 Jahre nach Beendigung der Tätigkeit (§ 6 ArbSchG)
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Gefährdungsbeurteilung aktualisiert und unterschrieben?
- Alle Mitarbeitende mit Waffenkontaktrisiko identifiziert?
- Unterweisung vor Arbeitsaufnahme durchgeführt und dokumentiert?
- Flucht- und Evakuierungspläne den Mitarbeitenden bekannt?
- Notrufeinrichtungen (110, interner Sicherheitsdienst) einsatzbereit?
- Schutzausrüstung (Weste, Funk, Pfefferspray) geprüft und verfügbar?
- Psychologische Betreuungsmöglichkeiten (EAP) geklärt?
- Jährliches Refresher-Training geplant und terminiert?
Häufige Fehler
Das geht oft schief
1. Fehlende Praxisphasen
Nur Vortragsunterricht ohne Rollenspiel führt zu Handlungsunsicherheit im Ernstfall.
2. Veraltete Gefährdungsbeurteilung
Keine Aktualisierung nach Vorkommnissen (z. B. neuer Amokfall im Nachbarlandkreis).
3. Mangelnde Dokumentation
Unterschriftenlisten werden nicht ordnungsgemäß aufbewahrt – Bußgelder drohen.
4. Fehlende Nachsorge
Betroffene erhalten keine psychologische Unterstützung nach Zwischenfällen.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
Auszubildende & Werkstudenten
Müssen vor Praxiseinsätzen im Bürgerbüro vollständig geschult werden – Ausnahme: reine Schattentage ohne direkten Kundenkontakt.
Telearbeit
Wird nur dann unterwiesen, wenn gelegentliche Präsenz im Bürgerbüro erforderlich ist.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Umgang mit Waffenbedrohungen und gewaltsamen Angriffen für Mitarbeiter des Ordnungsamtes und der Verwaltung
Muss jeder Mitarbeiter im Ordnungsamt diese Schulung absolvieren?
Ja, wenn die Gefährdungsbeurteilung ergibt, dass der Mitarbeitende Kontakt zu potenziell aggressiven Personen hat oder bei Einsätzen im Außendienst dabei ist.
Kann die Schulung vollständig online erfolgen?
Ja, sofern ein praktischer Test (z. B. interaktives Szenario) und eine Teilnahmebestätigung integriert sind. DGUV Grundsatz 1-004 erlaubt Blended-Learning.
Wie lange darf eine Unterweisung dauern?
Mindestens 30 Minuten, um alle Kerninhalte (Rechtsgrundlagen, Deeskalation, Alarmierung) abzudecken. Praxisphasen können die Zeit verlängern.
Wer darf die Schulung durchführen?
Sicherheitsfachkräfte mit IHK-Zertifikat „Gewaltschutz/Deeskalation“, Betriebsärzte oder externe qualifizierte Anbieter, die DGUV-Standards erfüllen.
Muss die Schutzausrüstung vom Arbeitgeber gestellt werden?
Ja, nach § 3 ArbSchG muss der Arbeitgeber kostenlos Schutzwesten, Funkgeräte und Pfefferspray bereitstellen, wenn die Gefährdungsbeurteilung dies erfordert.
Was passiert bei Verdacht auf PTBS nach einem Zwischenfall?
Betriebsarzt und EAP-Dienst einschalten, ggf. arbeitsmedizinische Vorsorge nach DGUV Vorschrift 2.
Können Ehrenamtliche (z. B. Ordnungsamt auf Abruf) geschult werden?
Ja, wenn sie im Rahmen der kommunalen Gefahrenabwehr tätig werden, gelten die gleichen Standards wie für hauptamtliche Kräfte.
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