Thema · Feuerwehr | Rettungsdienst
Sicherheit und Gesundheit bei Lösch- und Rettungsarbeiten an Kraftfahrzeugen mit Hochvoltspeicher – Unterweisung nach ArbSchG & DGUV
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 14 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Feuerwehr, Rettungsdienst
- Rechtsgrundlage
- DGUV Information 205-022 - Sicherheit und Gesundheit bei Lösch- und Rettungsarbeiten an Kraftfahrzeugen mit Hochvoltspeicher; DGUV Vorschrift 49 - Feuerwehren
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 6007
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Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
- ArbSchG §12 – allgemeine Verpflichtung des Arbeitgebers, Maßnahmen der Arbeitssicherheit festzulegen und durchführen zu lassen
- ArbSchG §5 – Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung
- BetrSichV §3 – Prüfung von Arbeitsmitteln und Einsatzstellen
- DGUV Vorschrift 1 – Grundsätze der Prävention
- DGUV Regel 100-001 (bisher BGV A1) – allgemeine Unfallverhütungsvorschriften
Diese Regelwerke verpflichten Arbeitgeber und Einsatzleiter, alle Rettungskräfte vor Gefährdungen durch Hochvoltsysteme zu schützen und regelmäßig zu unterweisen.
Zugrunde liegende Regelwerke
- DGUV Information 205-022 - Sicherheit und Gesundheit bei Lösch- und Rettungsarbeiten an Kraftfahrzeugen mit Hochvoltspeicher · Ausgabe 2026.02
- DGUV Vorschrift 49 - Feuerwehren · Ausgabe 2018.06
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
- Gefährdungsbeurteilung erarbeiten: Identifikation der Hochvoltrisiken bei Einsätzen an Fahrzeugen mit Lithium-Ionen-Batterien (ArbSchG §5)
- Unterweisungspflicht erfüllen: vor der ersten Tätigkeit und mindestens jährlich wiederkehrend (DGUV Vorschrift 1 §4)
- Dokumentation sicherstellen: Schulungsinhalte, Teilnehmerliste, Datum und Unterschrift gemäß ArbSchG §6
- geeignete Schutzausrüstung bereitstellen: z.B. Elektroschutzhelme, isolierende Handschuhe Klasse 00, arc-feste Bekleidung
- Notfallpläne aktualisieren: Einbindung von Batterie-Fire Blankets, Löschwasser-Entsorgung und EV-Notfall-Cards
Verstöße können Bußgelder nach ArbSchG §25 und Haftungsrisiken nach BGB §823 auslösen.
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
1. Erkennen von Hochvoltfahrzeugen & Kennzeichnung
Visuelle Identifikation: Typenschilder, HV-Symbol (gefüllter Blitz im Quadrat), orange Kabel und gelb markierte Sicherheitsclips.
2. Gefahren durch Lithium-Ionen-Batterien
- Thermisches Runaway: Kettenreaktion ab ca. 80 °C, explosionsartige Gasfreisetzung
- Toxische Dämpfe: Fluorwasserstoff, Phosphoroxifluorid – Atemschutzgerät (AG) erforderlich
- Re-ignition: Nachglühen bis 72 Stunden möglich, Kühlkontrolle
3. Not-Abschaltung & sicherer Abstand
Schritt-für-Schritt: Zündung aus → 12-V-Batterie abklemmen negativ zuerst → HV-Trennung am Service-Stecker → 5-Minuten-Wartezeit. Nachweis: Messung der Nullspannung mit CAT III 1.000 V Multimeter.
4. Brandbekämpfungseinsätze
- erste 5 Minuten: 2.000–6.000 l Wasser zur Temperatursenkung
- Löschmittelwahl: Wassernebel (Verdunstungskühlung) oder Fire Blanket bei kleinen Fahrzeugen
- Abdämmung: 15 m Sicherheitsradius, Windrichtung beachten
5. Personenrettung ohne Abschaltung
Letale Rettung erlaubt, wenn akute Lebensgefahr: Hochvoltleitungen niemals schneiden, stattdessen Rettungs-Spreizer (isolierend) nutzen. Beispiel: 2023 in München – erfolgreiche Rettung durch gezieltes Heben des HV-Kabelbaums.
6. Entsorgung & Nachsorge
Batterietemperatur < 50 °C sicherstellen, Transport in quarzsandgefüllten Containern, Daten an Recycling-Betrieb übermitteln.
Praxis-Workshop
360°-Video-Simulation eines Tesla-Brandes, interaktive Checklisten und Live-Quiz „Wählen Sie die richtige Reihenfolge“.
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
Top-Gefährdungen bei E-Fahrzeug-Einsätzen:
- Elektrischer Strom (Berührspannung bis 400–800 V): Schutzmaßnahme – isolierende Handschuhe, Mindestabstand 1 m zu beschädigten HV-Komponenten
- Chemische Gefahr durch Elektrolytaustritt: Schutzmaßnahme – Chemikalienschutzanzug Typ 3, Atemschutz mit ABEK-P3-Filter
- Explosionsgefahr durch Gasausbruch: Schutzmaßnahme – 25 m Sicherheitsradius, thermische Drohnenkontrolle
- Mechanische Gefahr bei Rettungsschnitt: Schutzmaßnahme – Verwendung von UL-Zertifizierten Hochvolt-Retten-Scheren
TOP-Prinzip – Technische, Organisatorische, Persönliche Maßnahmen:
- Technisch: Not-Abschaltpläne in jedem Fahrzeug, Schnell-Löschdecken
- Organisatorisch: Einsatzleitfaden „E-Fahrzeug“, Lagekarten der HV-Komponenten
- Persönlich: Jährliche arbeitsmedizinische Vorsorge, Stressresistenz-Training
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
- Berufsfeuerwehren und Werkfeuerwehren
- Technische Hilfswerke (THW)
- Rettungsdienste mit Notarzteinsatzfahrzeugen
- Abschlepp- und Bergungsdienste
- Kfz-Meisterbetriebe mit Unfall-Assistenz
Speziell in Ballungsräumen mit hohem E-Fahrzeug-Anteil (z.B. Hamburg, München) steigt die Einsatzhäufigkeit exponentiell.
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
- Erste Unterweisung: vor Aufnahme der Tätigkeit
- Wiederholung: jährlich (DGUV Vorschrift 1 §4 Abs. 2)
- nach Unfällen oder Vorfalls (ArbSchG §12 Abs. 3)
Dokumentation: Teilnehmerverzeichnis mit Inhalt, Datum, Ort, Unterweisungsleiter und Teilnehmer-Unterschrift. Aufbewahrungsfrist: 10 Jahre (§257 HGB), digitaler Zugriff jederzeit gewährleistet.
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Alle Rettungskräfte kennen HV-Kennzeichnung und Not-Abschaltung
- Schutzausrüstung (Arc-Schutz, Chemikalienschutz) vorhanden und geprüft
- EV-Notfall-Cards für alle relevanten Fahrzeugmodelle (Tesla, VW ID, BMW iX) vorhanden
- Löschwasser-Entsorgungsplan nach WHG §19 erstellt
- Einsatzleitfaden „Elektrofahrzeug“ aktualisiert (letzte Version < 1 Jahr)
- Übungsstrecke mit Übungs-E-Fahrzeug verfügbar
- Datenlogger für Einsatznachweise installiert
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Fehlender Abstand bei HV-Unfällen5 m Mindestabstand wird ignoriert – führt zu Sekundärunfällen durch elektrischen Schlag.
- „Wasser löscht alles“ – MythosUnkontrolliertes Wasser verschlimmert Lithium-Brand, erhöht Risiko von Zell-Explosionen.
- Rettungsleine um HV-KabelKabel werden als Haltepunkt genutzt – Lebensgefahr durch Berührungsspannung.
- Fehlende DokumentationNicht geführte Schulungsnachweise führen bei Prüfungen zu Bußgeldern.
5. Verwechslung von Nieder- und Hochvolt
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Auszubildende in Feuerwehren
Jugendliche unter 18 Jahren dürfen nur unter Aufsicht an Übungs-E-Fahrzeugen eingesetzt werden (JArbSchG §20).
- Auszubildende in Feuerwehren
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Sicherheit und Gesundheit bei Lösch- und Rettungsarbeiten an Kraftfahrzeugen mit Hochvoltspeicher
Wie erkenne ich ein Elektrofahrzeug im Einsatzfall?
Orangefarbene Kabel, HV-Symbol auf Heck und Fahrzeugboden, E-Kennzeichen und Typenschild „High Voltage“.
Muss ich bei jedem E-Auto die 12-V-Batterie abklemmen?
Ja, das ist der erste Schritt zur HV-Trennung, da die Steuerung auf 12 V basiert.
Wie lange dauert die Online-Unterweisung?
45–60 Minuten inklusive abschließendem Wissenstest.
Kann ich die Schulung mobil absolvieren?
Ja, alle Inhalte sind responsive und offline-cachbar.
Ist die Bescheinigung amtlich anerkannt?
Ja, basiert auf DGUV-Rahmenlehrplan und wird von Berufsgenossenschaften akzeptiert.
Was ist bei Wasserzufuhr zu beachten?
Kein Salzwasser, Löschwasser muss ölbindend abgeleitet werden, Kontrollmessung pH-Wert 6–9.
Was tun, wenn HV-Kabel freiliegen?
5 m Sicherheitsradius, KEIN Kontakt, Lage durch Drohne oder Wärmebildkamera beurteilen.
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