Thema · Arbeitsschutz
Unterweisung „Sicherer Spielplatz“: Vorschriften, Prüfung & Dokumentation
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 16 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Arbeitsschutz · Außenbereich, Grünfläche · Bauhof · Hausmeister · Kinderhilfe, Jugendhilfe · Kita, Schule, Hort · Pädagogisch
- Rechtsgrundlage
- DGUV Information 202-022 - Außenspielflächen und Spielplatzgeräte
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 5007
Ihre Vorteile
Warum Unterweisungscenter?
-
Rechtssicher
ArbSchG-konform
-
Mehrsprachig
DE, EN, FR u. a.
-
Zertifikat
Automatisch als PDF
-
Ein Klick
Keine Registrierung
-
KISS
Kurz und bündig
-
Barrierefrei
WCAG 2.2 AA
Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
§ 3 ArbSchG – Sicherheit und Gesundheitsschutz: Der Arbeitgeber hat die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, damit den Beschäftigten eine sichere und gesundheitsgerechte Arbeitsumgebung gewährleistet ist. Spielplätze, die pädagogischem Personal oder Mitarbeitenden während der Beaufsichtigungspflicht zugänglich sind, fallen ebenso unter diese Schutzpflicht wie die Nutzer:innen selbst.
§ 5 ArbSchG – Gefährdungsbeurteilung: Der Arbeitgeber muss Gefährdungen für Sicherheit und Gesundheit einschließlich der Nutzung von Spielgeräten systematisch ermitteln und beurteilen.
Unfallverhütungsvorschrift DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“
§ 4 DGUV V1 – Unternehmerpflichten: Betreiber von Spielplätzen müssen Spielgeräte so einrichten, betreiben und unterhalten, dass Gefährdungen ausgeschlossen sind. Die Vorschrift verweist auf die Anwendung der harmonisierten Normenreihe DIN EN 1176.
Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
§ 3 BetrSichV – Gefährdungsbeurteilung: Spielgeräte gelten als Arbeitsmittel, sofern sie vom Personal betrieben oder gewartet werden. Die Gefährdungsbeurteilung muss feststellen, ob Sturz-, Einklemm-, Quetsch- oder Scherstellen bestehen.
§ 10 BetrSichV – Prüfung durch befähigte Person: Die wiederkehrende Prüfung muss von einer Person mit Fachkunde nach Anhang 1 Nr. 2 durchgeführt werden. Die Prüfintervalle richten sich nach der Nutzung, mindestens jedoch einmal jährlich.
DGUV Regel 100-500 „Spielplätze“
Die Regel konkretisiert die Anforderungen an Aufbau, Prüfung und Dokumentation von Spielgeräten und verweist auf DIN EN 1176-1 bis 7 sowie DIN EN 1177 (Sturzschutzflächen).
Zugrunde liegende Regelwerke
- DGUV Information 202-022 - Außenspielflächen und Spielplatzgeräte · Ausgabe 2020.05
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
Arbeitgeber in Kitas, Schulen und Horten haben umfassende Pflichten, die weit über das bloße Aufstellen eines Spielgeräts hinausgehen:
- Unterweisungspflicht nach § 12 ArbSchG: Beschäftigte, die Spielgeräte prüfen, warten oder beaufsichtigen, sind vor der ersten Tätigkeit und mindestens einmal jährlich zu unterweisen. Die Unterweisung muss Inhalte zur Erkennung von Sichtmängeln, korrekter Nutzung und Dokumentation umfassen.
- Gefährdungsbeurteilung nach § 5 ArbSchG: Für jeden Spielplatz muss eine schriftliche Gefährdungsbeurteilung vorliegen, die alle Geräte, Sturzschutzflächen, Randbegrenzungen und Zuwegungen berücksichtigt. Sie ist bei jeder Änderung oder nach Unfällen zu aktualisieren.
- Dokumentation nach § 14 BetrSichV: Prüfberichte, Unterweisungsnachweise und Maßnahmenpläne sind mindestens zehn Jahre aufzubewahren. Eine digitale Verwaltung (z. B. QR-Code am Gerät) erleichtert Nachweise im Schadensfall.
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
1. Normen und technische Grundlagen
Die Schulungsteilnehmenden erhalten eine Einführung in die harmonisierten Normenreihe DIN EN 1176-1 bis 7 „Spielplatzgeräte und Spielflächen“ sowie DIN EN 1177 zur Bestimmung der Sturzschutzhöhe. Dabei werden folgende Punkte vertieft:
- Abmessungen und Abstände von Kletternetzen, Rutschen und Schaukeln
- Maximal zulässige Sturzhöhen und daraus abzuleitende Sturzschutzflächen (z. B. Fallschutzmatten, Echtgummi oder Holzhäcksel)
- Freie Fallhöhen und kritische Sturzflächen gemäß Norm
2. Spielgerätearten und typische Mängel
Die Unterweisung geht auf die häufigsten Geräte ein und zeigt praxisnah Bildbeispiele:
- Schaukelanlagen: Kontrolle von Pendelraum, Bodenankern, Kettenverschleiß und Sitzbruch
- Kombinationsspieltürme: Prüfung von Verbindungspunkten, Holzrisse, Korrosion an Stahlteilen, rutschhemmende Beschichtung
- Balancier- und Wippgeräte: Auf Achsspiel, Dämpfung und Sturzschutz achten
- Bodenmarkierungen und Randstreifen: Erkennen von Unfallrisiken durch Verschleiß oder Verblassen
3. Rechtliche Rahmenbedingungen
Die Schulung vermittelt übertragbares Wissen zur Haftungsverteilung zwischen Träger, Prüfer und pädagogischem Personal. Dabei wird erläutert:
- Unterschied zwischen Sorgfaltspflichtverletzung und grober Fahrlässigkeit
- Verjährungsfristen von Schadensersatzansprüchen gemäß BGB §§ 195, 199
- Dokumentationsstrategien, die im Gerichtsfall Bestand haben
4. Mängelbeseitigung und Maßnahmenplan
Teilnehmende lernen, Mängel zu priorisieren und Sofortmaßnahmen bis zur fachgerechten Instandsetzung zu ergreifen:
- Erste-Sicherungs-Maßnahmen (z. B. Absperrband, provisorische Matte)
- Bestellung von Ersatzteilen und Festlegung von Prüfintervallen
- Informationsweitergabe an pädagogisches Personal und Elternbeirat
5. Vertiefende Literatur und digitale Tools
Abschließend erhalten die Teilnehmenden Empfehlungen zu weiterführenden Quellen wie der BGW-Information „Spielplätze – Sicher bewegen!“, Checklisten-Apps der Unfallkassen und kostenlosen Webinaren der DGUV.
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
Spielplätze bergen vielfältige Gefährdungen, die sich aus der Kombination von Kindern, Bewegung und Witterung ergeben. Nach dem TOP-Prinzip (Technisch – Organisatorisch – Persönlich) lassen sich wirksame Schutzmaßnahmen ableiten:
Technische Gefährdungen
- Sturz aus Höhe: Unzureichende Sturzschutzflächen oder falsch dimensionierte Freifallhöhen – Abhilfe: Einsatz geprüfter Fallschutzuntergründe gemäß DIN EN 1177.
- Einklemmen und Quetschen: Spalten oder Lochmaße außerhalb der Norm – Abhilfe: Nachrüsten von Abdeckprofilen oder Austausch des Bauteils.
- Scher- und Schneidstellen: Bewegliche Teile ohne Schutzkappen – Abhilfe: Ersatz oder Montage von Schutzkappen aus UV-beständigem Kunststoff.
Organisatorische Gefährdungen
- Fehlende Kontrolle: Unregelmäßige Sicht- und Wartungsprüfungen – Abhilfe: Festlegung eines verantwortlichen Spielplatzbeauftragten mit Prüfintervallen nach DGUV V1.
- Unklare Nutzungsregeln: Kinder spielen außerhalb der Aufsicht – Abhilfe: Aufstellen von Piktogramm-Hinweistafeln und Schulung des Personals.
Persönliche Schutzmaßnahmen
- Fehlendes Fachwissen: Erzieher erkennen Mängel nicht – Abhilfe: Jährliche Unterweisung und kurze Toolbox-Talks zu Beginn der Spielplatzsaison.
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
Zielgruppe der Unterweisung sind pädagogische Fachkräfte, insbesondere:
- Kitas: Träger, Leitungen, Sicherheitsbeauftragte, Erzieher mit Spielplatzverantwortung
- Schulen: Schulträger, Hausmeister, pädagogisches Personal bei Ganztagseinrichtungen
- Horte: Kommunalbetriebe, Vereine und freie Träger, die Spielplätze in fester Institution betreiben
- Gemeindeverwaltungen: Bauhöfe und Fachbereich „Grünanlagen“, die öffentliche Schulhöfe mitbetreuen
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
Die Rechtslage ist eindeutig: Spielgeräte auf pädagogisch genutzten Flächen müssen mindestens einmal jährlich von einer befähigten Person geprüft werden (§ 10 BetrSichV). Zusätzlich sind Sichtprüfungen vor jeder Nutzungsschicht empfohlen – sie lassen sich in Kitas idealerweise in den morgendlichen Rundgang integrieren. Dokumentationspflichten:
- Prüfprotokoll: Digital oder Papier, Vorlage DGUV 209-013, Aufbewahrungsfrist 10 Jahre (§ 14 BetrSichV).
- Unterweisungsnachweise: Teilnahmebescheinigung mit Inhalten, Datum und Unterschrift des Arbeitgebers, mindestens 5 Jahre aufbewahren (§ 6 ArbSchG).
- Mängelberichte: Sofortige Eintragung ins digitale Ticketsystem oder Wartungsplan, inklusive Fotos und Fristsetzung.
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Sturzschutzfläche: Tiefe und Ausdehnung nach DIN EN 1177 geprüft?
- Spielgerät standfest, keine wackelnden Fundamente?
- Holzteile rissfrei, keine Astlöcher oder Faserbrüche?
- Metallteile korrosionsfrei, Schweißnähte geprüft?
- Ketten und Verbindungselemente: Verschleiß, Deformation oder Haarrisse?
- Schutzabdeckungen und Kappen sitzen fest, Lücken < 8 mm?
- Sicherheitsabstände zu Hindernissen und anderen Geräten eingehalten?
- Verweis- und Warnschilder lesbar und UV-stabil?
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Prüfintervalle verlängern„Wird schon halten“ – verstößt direkt gegen § 10 BetrSichV und gefährdet Haftung.
- Sturzschutzflächen verwechselnHolzhäcksel nur 20 cm statt 40 cm – führt zu erhöhter Verletzungsgefahr und Normabweichung.
- Dokumentation vergessenPrüfbericht liegt nur intern vor – bei Behördenprüfung fehlt externer Nachweis.
- Eigenreparaturen ohne FachkundeLose Schrauben einfach wieder festziehen – ohne Festigkeitsklasse prüfen, Risiko von Materialbruch.
- Warnschilder verblassen lassenUV-Beständigkeit abgelaufen, Eltern und Kinder informieren sich nicht mehr.
- Keine Schulung des PersonalsErzieher kennen Regeln nicht, Kinder nutzen Geräte falsch.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
Bei integrativen Einrichtungen mit Kindern mit Behinderung gelten zusätzliche Anforderungen:
- Erweiterte Sturzschutzflächen bei Rollatormobilität
- Barrierefreie Zugänge mit Rast- und Haltegriffen
- Antritts- und Abstiegshilfen an Wipp- und Schaukelgeräten
- Zusätzliche optische und akustische Orientierungshilfen
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung sicherer Spielplatz
Kann ich als Erzieher die jährliche Prüfung selbst durchführen?
Muss ich auch öffentliche Spielplätze prüfen, wenn sie sich auf dem Schulhof befinden?
Wie lange muss ich Unterweisungsnachweise aufbewahren?
Was tun bei akutem Mangel außerhalb der Saison?
Ist eine Online-Unterweisung anerkannt?
Wie oft muss ich das Personal unterweisen?
Darf ich Holzhäcksel auch selbst einbringen?
Weiterlesen
Ähnliche Unterweisungen
- UWC 4006
Alkohol, Rauchen, Drogen und Medikamente
AllgemeinArbeitsschutz - UWC 4004
Alleinarbeit bei Arbeit mit erhöhter oder kritischer Gefährdung
ArbeitsschutzAußenbereich, GrünflächeBauhof - UWC 4007
Alleinarbeit für KITA / Hort/ Pädagogen
Kinderhilfe, JugendhilfeKita, Schule, HortPädagogisch - UWC 4063
Arbeiten an Gasleitungen
ArbeitsschutzFeuerwehr, RettungsdienstGefahrstoffe, Stoffe
Jetzt rechtssicher online unterweisen
Sichern Sie sich und Ihrem Team das Update zu aktuellen Normen – in nur 30 Minuten und mit sofortiger Teilnahmebestätigung. Testen Sie jetzt kostenlos und ohne Risiko.
Kostenfreies Strategiegespräch vereinbaren