Thema · Arbeitsschutz

Unterweisung Schutzhandschuhe: Arten, Einsatz & Rechtliche Pflichten

Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat

UWC-Nr. 4057 ca. 6 Minuten Lernzeit

Kehrmaschine des kommunalen Bauhofs im Einsatz auf einer Straße

Steckbrief

Dauer
ca. 6 Minuten, jederzeit unterbrechbar
Bereiche
Arbeitsschutz · Außenbereich, Grünfläche · Bauhof · Hausmeister · Schutzausrüstung · Wasserwirtschaft, Kläranlage
Rechtsgrundlage
DGUV Regel 112-995 - Benutzung von Schutzhandschuhen; PSA-BV - Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Benutzung persönlicher Schutzausrüstungen bei der Arbeit
Nachweis
Zertifikat automatisch als PDF
Sprachen
Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
Kennung
UWC-Nr. 4057

Ihre Vorteile

Warum Unterweisungscenter?

  • Rechtssicher

    ArbSchG-konform

  • Mehrsprachig

    DE, EN, FR u. a.

  • Zertifikat

    Automatisch als PDF

  • Ein Klick

    Keine Registrierung

  • KISS

    Kurz und bündig

  • Barrierefrei

    WCAG 2.2 AA

Auf dieser Seite
Schutzhandschuhe zählen zu den am häufigsten eingesetzten persönlichen Schutzausrüstungen (PSA) in deutschen Betrieben – und gleichzeitig zu den am wenigsten beachteten. Laut DGUV-Statistik verursacht jede fünfte Handverletzung unzureichenden oder falsch gewählten Handschutz. Personalverantwortliche und Sicherheitsbeauftragte müssen deshalb sicherstellen, dass jede beschäftigte Person weiß: Welche Handschuhe passen zu welcher Tätigkeit? Wann sind sie überhaupt erforderlich? Und wie prüfe ich, ob sie noch schutzwirksam sind? Diese Unterweisung liefert Ihnen das komplette Regelwerk inklusive aller rechtlichen Vorgaben, konkreter Praxistipps und nachweisbarer Dokumentation. So erfüllen Sie Ihre Unterweisungspflicht lückenlos und minimieren gleichzeitig Ausfallzeiten sowie Haftungsrisiken.

Abschnitt 1

Rechtliche Grundlagen

Die Verwendung von Schutzhandschuhen ist in mehreren Rechtsnormen geregelt:

  • ArbSchG § 3 – Allgemeine Verpflichtung des Arbeitgebers, Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu treffen, die erforderlich sind, um Beschäftigte vor Gefährdungen zu schützen.
  • ArbSchG § 4 – Betriebsmittel müssen sicher und den Arbeitsbedingungen angepasst sein (hier: PSA).
  • ArbSchG § 12 – Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung und Festlegung geeigneter Schutzmaßnahmen.
  • BetrSichV § 3 – Verpflichtung zur Gefährdungsbeurteilung bei der Verwendung von Arbeitsmitteln, die geeignet sind, Schäden zu verursachen.
  • DGUV Vorschrift 1 (Grundsätze der DGUV) – § 4: Verwendung geeigneter Schutzausrüstungen.
  • DGUV Vorschrift 2 (ehemals BGV A1) § 39 – Verpflichtung zur Unterweisung und Belehrung der Beschäftigten.
  • EU-Verordnung (EU) 2016/425 – PSA-Verordnung: Festlegung von Konformitätsanforderungen und Kennzeichnung (CE-Zeichen, Kategorie I–III).

Abschnitt 2

Pflichten des Arbeitgebers

Der Arbeitgeber hat gemäß ArbSchG § 12 und DGUV Vorschrift 2 § 39 sicherzustellen, dass alle Beschäftigten vor erstmaliger Tätigkeit und danach regelmäßig über die korrekte Verwendung von Schutzhandschuhen unterwiesen werden. Dazu gehören:

  • Gefährdungsbeurteilung: Festlegung der konkreten Hand-Gefährdungen (Schnitt, Chemikalien, Hitze, Vibration). Ergebnis: Auswahl der passenden Handschuhtypen.
  • Unterweisungsplan: Festlegung von Inhalten, Intervallen und Verantwortlichen. Dokumentation der Teilnahme mit Unterschrift und Datumsangabe.
  • Bereitstellung geeigneter PSA: Kostenlose Bereitstellung gemäß § 16 ArbSchG in der richtigen Größe und in ausreichender Stückzahl.
  • Dokumentation: Aufbewahrung der Unterweisungsnachweise mindestens fünf Jahre (DGUV Vorschrift 2 Anlage 4).

Abschnitt 3

Inhalte der Unterweisung

Diese Unterweisung gliedert sich in acht thematische Bausteine, die aufeinander aufbauen und vom Grundsatz bis zur praktischen Übung reichen:

1. Einführung: Warum überhaupt Handschuhe?

Vorstellung von Verletzungsstatistiken, Konsequenzen für Betrieb und Mitarbeiter. Kurzüberblick: 30 % aller Arbeitsunfälle betreffen die Hände – häufig durch chemische, mechanische oder thermische Einflüsse.

2. Handschuhtypen und Schutzkategorien

  • Mechanische Schutzhandschuhe (Schnittschutz EN 388, Stichfestigkeit, Abrieb- und Reißfestigkeit)
  • Chemikalienschutzhandschuhe (EN 374, Permeationszeiten AQL ≤ 1,5)
  • Wärmeschutzhandschuhe (EN 407, Kontakt-, Strahlungs- und Konvektionswärme)
  • Kälteschutzhandschuhe (EN 511, Wärmedämmung, wasserdampfdurchlässig)
  • Antivibrationshandschuhe (EN ISO 10819, Vibrationstransmissionsfaktor ≤ 1,0)
  • Spezialisierte ESD- oder Viren-Schutzhandschuhe

3. Auswahl nach Gefährdungsbeurteilung

Praxisbeispiel: Lackiererei – Chemikalienliste prüfen, Permeationszeiten vergleichen, Tragzeitgrenzen festlegen. Checkliste „Handschuh-Auswahl in 5 Minuten“.

4. Richtiges An- und Ausziehen

Hygiene-Aspekte, Hautschutzvor- und Nachsorge, Doppelhandschuhsysteme bei Chemikalieneinsatz („Primär- und Sekundärhandschuh“).

5. Pflege, Lagerung und Prüfung

Visuelle Kontrolle vor jedem Gebrauch, Lagerung trocken und lichtgeschützt, maximale Lebensdauer (z. B. Einmalhandschuhe nur 4 Stunden Dauereinsatz, Lederhandschuhe max. 6 Monate).

6. Größen- und Passform-Training

Messmethode Handumfang, Fingerlängen-Tabelle, Konsequenzen falscher Passform: Durchrutschen, Ermüdung, Hautirritationen.

7. Grenzen der Handschuhe

Rot-Grün-Intervall bei Chemikalien, Verzicht bei Rotationsmaschinen (Verletzungsrisiko durch Mitreißen). Regel: Maschinen ohne Schutzvorrichtung → Keine Handschuhe!

8. Sofortmaßnahmen bei Schäden

Verdacht auf Permeation sofort ausziehen, Hautreinigung, Meldung an Vorgesetzten, Austauschprotokoll führen.

Abschnitt 4

Gefährdungen & Schutzmaßnahmen

Die Gefährdungsbeurteilung nach TOP-Prinzip (Technisch, Organisatorisch, Persönlich) ergibt folgende typische Maßnahmen:

  • Technisch: Einsatz von Greifwerkzeugen statt Barhandausführung, Absauganlagen in der Chemieindustrie.
  • Organisatorisch: Einführung von Pausenregelungen bei Vibrationsarbeiten, Rotation der Einsatzkräfte.
  • Persönlich: Verpflichtende Handschuhe als letzte Schutzstufe, kombiniert mit Hautschutzcreme und Hautreinigung.

Beispiele konkreter Gefährdungen: - Metallbau: Schnittverletzungen durch scharfe Blechkanten → EN 388 Level 5. - Labor: Permeation von Aceton → EN 374 Typ A, Austausch alle 60 Minuten. - Küche: Kontakt mit heißen Flüssigkeiten → EN 407 Kontaktwärme ≥ 250 °C.

Abschnitt 5

Zielgruppen & Branchen

Die Unterweisung richtet sich an alle Branchen mit Hand-Gefährdungen: Metall- & Stahlverarbeitung, Chemische Industrie, Labor, Lebensmittelproduktion, Bau, Handwerk, Logistik (Palettenhantierung), Gesundheitswesen, Reinigungsgewerbe, Elektroindustrie (ESD-Anforderungen).

Abschnitt 6

Intervalle & Dokumentation

Die Dokumentation erfolgt digital oder in Papierform mit Namen, Datum, Unterweisungsinhalten und ggf. Praxisnachweis. Aufbewahrungsfrist: 5 Jahre ab Unterweisungsdatum, bei Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr plus 2 Jahre (JArbSchG).

In der Praxis

Was Verantwortliche wissen müssen

Checkliste

Das sollten Sie prüfen

  • Ist die Gefährdungsbeurteilung aktuell und den konkreten Handschuheinsätzen angepasst?
  • Kennen alle Mitarbeitenden die vier Handschuhtypen, die im Betrieb verwendet werden?
  • Gibt es eine definierte Lager- und Prüfstelle für Handschuhe?
  • Sind Permeationszeiten für alle Chemikalien dokumentiert und an den Arbeitsplätzen ausgehängt?
  • Werden Größentabellen regelmäßig aktualisiert (neue Mitarbeiter, Gewichtsschwankungen)?
  • Existiert eine klare Eskalationsregel bei Handschuhdefekten (Meldeformular, Ersatz innerhalb 24 h)?
  • Sind die letzten Unfall- und Fehlzeitenstatistiken auf Handschuh-Mängel analysiert worden?

Häufige Fehler

Das geht oft schief

  1. „Einmalhandschuhe sind universal“
    Nitrilhandschuhe schützen nicht gegen Aceton oder Ethanol. Permeation innerhalb von Minuten.
  2. Größe vernachlässigt
    XL-Handschuhe an Frauenhänden rutschen, erhöhen Unfallrisiko und Hautschäden.
  3. Lederhandschuhe im Chemieeinsatz
    Leder saugt Chemikalien auf und verlängert so Hautkontakt statt ihn zu verhindern.
  4. Keine Nachkontrolle nach Reparatur
    Werden nach Maschinenreparaturen neue Gefährdungen (z. B. scharfe Kanten) nicht erkannt, bleibt die PSA unangepasst.
  5. Dokumentationslücken
    Unterschrift der Unterweisung fehlt – im Schadensfall fehlt der Nachweis der Belehrung.
  6. Weitergabe von Chemikalienschutzhandschuhen
    Gemeinschaftsnutzung führt zu Kreuzkontamination und verfälscht Permeationszeiten.

Sonderfälle

Das gilt zusätzlich

  • Jugendliche und Schwangere

    Gemäß JArbSchG § 4 und § 22 müssen Jugendliche nur mit PSA arbeiten, die den besonderen Anforderungen an Entwicklung und Gesundheit entspricht. Bei Schwangeren ist nach Mutterschutzgesetz § 10 eine erneute Gefährdungsbeurteilung erforderlich, da z. B. Chemikalienschutzhandschuhe Weichmacher enthalten können.

Häufige Fragen

Fragen zur Unterweisung Schutzhandschuhe

Wie oft muss ich die Unterweisung wiederholen?

Mindestens einmal jährlich oder bei Änderung der Handschuhtypen/Tätigkeiten (DGUV Vorschrift 2 § 39).

Dürfen Mitarbeitende ihre eigenen Handschuhe mitbringen?

Nein, der Arbeitgeber muss die PSA kostenlos zur Verfügung stellen und darf nur zugelassene Modelle erlauben (ArbSchG § 16).

Was tun, wenn L- und XL-Größen nicht ausreichen?

Spezialgrößen (2XL/3XL) sind beim Lieferanten kostenpflichtig bestellbar und gelten als notwendige PSA.

Wie dokumentiere ich die praktische Übung?

Foto oder kurzer Video-Nachweis mit Datenschutz-Einverständnis, abgespeichert im Betriebshandbuch.

Gibt es eine Ausnahme für kurze Tätigkeiten?

Nein – die Gefährdungsbeurteilung muss auch für 30-Sekunden-Einsätze geeignete PSA festlegen.

Welche Kennzeichnung muss auf jedem Handschuh sein?

CE-Zeichen, EN-Norm, Größe, Hersteller und Lot-Nummer (für Rückverfolgbarkeit).

Dürfen Vibrationsschutzhandschuhe als Kälteschutz dienen?

Nur wenn zusätzlich EN 511 geprüft – sonst fehlt die Wärmedämmung.

Was muss ich bei allergischen Reaktionen tun?

Hautarzt-Bescheid einholen, Latexfreie Nitril-Alternativen bereitstellen, Unfallanzeige nach DGUV Vorschrift 1.

Jetzt rechtssicher online unterweisen

Unsere interaktive Online-Schulung zur Schutzhandschuhe-Unterweisung ist sofort einsatzbereit, passgenau auf Ihre Betriebsverhältnisse konfigurierbar und liefert automatisch signierte Teilnahmenachweise. Kein Termin-Stress, keine Papiermögen – nur 20 Minuten, 100 % rechtskonform.

Kostenfreies Strategiegespräch vereinbaren