Thema · Allgemein
Unterweisung „Psychische Belastung: Mobbing“ – Rechtliche Pflichten und Inhalte für Arbeitgeber
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 7 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Allgemein
- Rechtsgrundlage
- ArbSchG - Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit; DGUV Information 206-013 - Stress, Mobbing & Co.
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 4084
Ihre Vorteile
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Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
Zugrunde liegende Regelwerke
- ArbSchG - Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit
- DGUV Information 206-013 - Stress, Mobbing & Co. · Ausgabe 2022.12
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
- Befragungen oder Interviews zu Konflikthäufigkeit
- Analyse von Fehlzeiten- und Fluktuationsdaten
- Arbeitsplatzbeobachtungen zur Kommunikationskultur
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
Modul 1 – Erkennen verschiedener Mobbingformen
Die Unterweisung differenziert systematisch:
- Offenes Mobbing: Beleidigende Kommentare, Drohgebärden, Lächerlichmachung in Besprechungen
- Verdecktes Mobbing: Gerüchte verbreiten, Aufgaben systematisch wegnehmen, Informationsausschluss
- Digitaler Cyber-Mobbing: Abwertende Nachrichten in Chats, Ausschluss aus digitalen Gruppen, Social-Media-Diffamierung
- Soziale Isolation: Organisierte Lunch-Ausschlüsse, Wegfall von Einladungen, Trennung von Teamaktivitäten
Modul 2 – Gesundheitliche Folgen
- Psychosomatische Beschwerden (Schlafstörungen, Magen-Darm-Erkrankungen)
- Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
- Depression und Angststörungen
- Erhöhtes Unfallrisiko durch Konzentrationsmangel
Modul 3 – Konkrete Gegenmaßnahmen
- Technische Maßnahmen: Anonyme Hinweisbox, digitale Konfliktplattform, Verschlüsselte Feedbackkanäle
- Organisatorische Maßnahmen: Antimobbing-Richtlinie, klare Eskalationsstufen, Schlichtungsverfahren, Schulung aller Führungskräfte
- Persönliche Maßnahmen: Deeskalations- und Selbstbehauptungstraining, psychologische Betreuung, Betriebssportprogramme zur Stressreduktion
Praxisbeispiel
Ein Software-Team meldet Leistungseinbrüche und erhöhte Fehlzeiten. Die Gefährdungsbeurteilung zeigt, dass einzelne Entwickler*innen durch gezielte Code-Reviews diskreditiert werden. Nach der Unterweisung setzt die Geschäftsführung ein neutrales Review-Gremium ein, richtet einen anonymen „Fair-Play-Kanal“ ein und führt alle Teamleiter zu Moderationstechniken fort. Nach drei Monaten sinken die Konflikte um 62 %, die Krankenstände um 18 %.
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
- Fehlende Hierarchieklarheit: Machtvakuum begünstigt informelle Anführer*innen, die Mobbing initiieren
- Leistungsdruck ohne Feedbackkultur: führt zu Schuldzuweisungen und gezielter Sabotage
- Homeoffice ohne Regeln: Cyber-Mobbing in digitalen Meetings oder Chatgruppen
- Überforderung neuer Führungskräfte: Fehlende Kenntnisse in Konfliktlösung
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
- Gesundheitswesen (Schichtdienst, emotionale Belastung)
- IT-Start-ups (agile Strukturen, hohe Komplexität)
- Logistik und Callcenter (Zielvorgaben, Überwachung)
- Öffentlicher Dienst (Reorganisationswellen, Stellenstreichungen)
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Mobbing-Richtlinie veröffentlicht und allen Beschäftigten zugänglich gemacht?
- Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung aktuell und von Betriebsarzt abgestimmt?
- Jährliche Unterweisung aller Beschäftigten dokumentiert und signiert?
- Führungskräfte geschult in Deeskalation und Konfliktlösung?
- Anonymer Hinweiskanal eingerichtet und zugänglich gemacht?
- Eskalationsplan mit klarer Verantwortlichkeit und Fristen vorhanden?
- Betriebliches EAP (Employee-Assistance-Programm) oder Kooperationspartner namentlich bekannt?
- Statistik zu Fehlzeiten und Konflikten quartalsweise ausgewertet?
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Gefährdungsbeurteilung nur auf Papier erledigtOft wird ein Standardformular ausgefüllt, aber ohne Mitarbeiterbefragung oder Betriebsarzt. Ergebnis: keine belastbaren Daten, keine konkreten Maßnahmen.
- Unterweisung nur für Opfer und TäterDie Mehrheit der Kolleg*innen wird vergessen – sie sind aber wichtig als Zeug*innen und Multiplikator*innen.
- „Null-Toleranz“ ohne VerfahrenEin klarer Leitsatz ist gut, aber ohne festgelegte Schritte (Who does what, until when?) bleibt er folgenlos.
- Eskalationsleiter fehltViele Betriebe kennen den ersten Ansprechpartner, aber nicht den zweiten oder dritten – wenn dieser ausfällt, bleibt der Konflikt ungelöst.
- Dokumentation nur auf PapierBei Prüfungen kann kein Nachweis gefunden werden, weil Ordner verlegt oder nicht aktuell sind. Digitale Archivierung sichert Verfügbarkeit und Aktualität.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Leiharbeit und AÜG-Beschäftigte Gemäß § 4 AÜG sind Verleiher und Entleiher gemeinsam für Sicherheit und Gesundheit verantwortlich. Die Unterweisung muss daher abgestimmt werden – idealerweise durch gemeinsame Online-Schulung mit Zugriff für beide Parteien.
- Minijobber und Werkstudent*innen Auch wenn die Arbeitszeit gering ist, gelten dieselben Schutzstandards. Die Online-Unterweisung kann zeitflexibel absolviert werden, sodass keine zusätzliche Anwesenheitspflicht entsteht.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Psychische Belastung: Mobbing
Wer muss an der Unterweisung teilnehmen?
Wie lange dauert die Online-Unterweisung?
Ist eine reine Online-Schulung arbeitsrechtlich ausreichend?
Was kostet die Schulung pro Person?
Wie aktuell ist der Inhalt?
Können wir die Inhalte individualisieren?
Was tun bei konkretem Vorfall?
Wie erhalte ich den Nachweis für die Berufsgenossenschaft?
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