Thema · Arbeitsschutz
Unterweisung Pflanzliche Gefährdung: Allergien ausgelöst durch Ambrosia und Herkulesstaude
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 6 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Arbeitsschutz · Außenbereich, Grünfläche · Bauhof
- Rechtsgrundlage
- DGUV Information 202-023 - Pflanzen in Kindertageseinrichtungen und Schulen
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 7048
Ihre Vorteile
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WCAG 2.2 AA
Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
Zugrunde liegende Regelwerke
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
Der Arbeitgeber hat gemäß ArbSchG § 12 Abs. 1 sicherzustellen, dass alle Beschäftigten vor Aufnahme der Tätigkeit und spätestens dann, wenn sich die Gefährdung ändert, schriftlich unterwiesen werden. Für pflanzliche Sensibilisierungsgefahren bedeutet dies:
- Erstellung einer arbeitsplatzspezifischen Gefährdungsbeurteilung unter Einbeziehung der Pollenflugzeiten, der Verbreitungskarten der jeweiligen Kommune und der vorhandenen Vegetation.
- Festlegung geeigneter Schutzmaßnahmen nach dem TOP-Prinzip (Technisch > Organisatorisch > Persönlich), etwa durch Einsatz pollenarmer Pflanzen, terminierte Schneideinsätze in den frühen Morgenstunden und die Bereitstellung geprüfter Atemschutzgeräte.
- Dokumentation aller durchgeführten Maßnahmen und der Unterweisungen mit Namensvermerk und Datum; Aufbewahrungsfrist: 30 Jahre nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses gemäß DGUV Vorschrift 2 § 23.
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
1. Botanische Bestimmung und Verbreitung
- Ambrosia artemisiifolia: 1- bis 2-jähriges Kraut mit fiederteiligem Blatt, endständigen gelbrötlichen Blütenständen; blüht von Juli bis Oktober; findet sich besonders auf Baustellen, Schotterflächen und entlang von Straßenrändern.
- Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum): Staude bis 4 m, auffällige weiße Schirmblütenstände ab Juni; bevorzugt feuchte Uferböschungen, Gräben und Halden; Milchsaft enthält Furocumarine, die nach UV-Strahlung schwere Hautverätzungen auslösen können.
2. Gesundheitsgefährdung und Symptomatik
- Inhalative Allergien: Pollen von Ambrosia kreuzreagieren mit Beifuß- und Kürbispollen; Symptome wie Heuschnupfen, allergisches Asthma, Konjunktivitis.
- Kontaktallergien & Phototoxische Reaktionen: Milchsaft der Herkulesstaude führt nach UV-Strahlung zu phototoxischen Dermatitis mit Blasenbildung, Hyperpigmentierung, Nekrosen.
- Soforthilfe-Maßnahmen: Betroffene Stelle sofort unter fließendem Watz kühlen, kontaminierte Kleidung vorsichtig entfernen, stabile Seitenlage bei Atemnot, Notruf 112.
3. Prävention und Arbeitstechnik
- Zeitplanung: Bevorzugt nach Regen oder in den frühen Morgenstunden arbeiten, Pollenkonzentrationen sind dann am geringsten.
- Schnitttechnik: Herkulesstaude zuerst mit Motorsense kappen, Stängel anschließend mit Schneidgarnitur kürzen; stets A- und P3-Filterkombination tragen.
- Hygienemaßnahmen: Nach der Arbeit Kleidung getrennt transportieren, 60 °C waschen; Graugussreiniger zur Hautreinigung einsetzen.
4. Erste-Hilfe und Notfallmanagement
- Allergiepass und Notfallset (Adrenalin-Autoinjektor, Antihistaminikum) für sensibilisierte Mitarbeitende bereitstellen.
- Alarmierungskette festlegen: Kollege alarmiert Führungskraft → Notarzt → Betriebsarzt → Berufsgenossenschaft.
- Dokumentation: Jeder Vorfall in Betriebsanweisung nach DGUV Information 204-031 erfassen und analysieren.
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
Identifizierte Gefährdungen:
- Erhöhte Pollenkonzentration (Ambrosia) während der Hauptblütezeit (Juli–September).
- Kontakt mit Milchsaft (Herkulesstaude) bei Rückschnitt- und Entfernungsarbeiten.
- Umgreifende UV-Belastung nach Hautkontakt, da viele Einsätze im Freien stattfinden.
- Sekundäre Kontamination über Werkzeuge, Arbeitskleidung und Fahrzeuginnenräume.
Maßnahmen nach TOP-Prinzip:
- T – Technisch: Maschineller Rückschnitt mit Kabinenfahrzeugen, Absauganlagen oder Pollenfilter an Fahrzeuglüftung.
- O – Organisatorisch: Einsatzplanung vor 8 Uhr morgens, rotierende Personalstruktur, kurze Wechselintervalle, regelmäßige Toolbox-Talks.
- P – Persönlich: Geprüfte Atemschutzmasken (FFP2/FFP3 mit Ausatemventil), Chemikalienschutzanzug Typ 5/6, enganliegende Handschuhe (Nitril oder Butylkautschuk), Gesichtsschutz nach EN 166.
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Botanische Bestimmung von Ambrosia und Herkulesstaude in der Fläche durchgeführt?
- Gefährdungsbeurteilung aktualisiert und mit Datum versehen?
- PSA-Auswahl: geprüfte FFP3-Masken, Chemikalienschutzkleidung und Handschuhe vorhanden?
- Erste-Hilfe-Set inkl. Adrenalin-Autoinjektor vor Ort und Personal eingewiesen?
- Toolbox-Talk „Pflanzliche Allergene“ in diesem Jahr dokumentiert?
- Entsorgung kontaminierter Pflanzenreste gemäß BioabfallV geregelt?
- UV-Schutzmaßnahmen (Sonnencreme, wetterfeste Kleidung) geklärt?
- Notfallkarte mit Betriebsarzt und nächster Klinik für alle Mitarbeitenden erreichbar?
Häufige Fehler
Das geht oft schief
Fehler 1: „Ambrosia ist doch nur ein Unkraut“ – Vernachlässigung der Pollenallergiegefahr und Unterlassung der Gefährdungsbeurteilung.
Fehler 2: Verwendung von Baumarkt-Staubschutzmasken ohne FFP3-Zertifizierung; dadurch kein ausreichender Schutz gegen mikroskopisch kleine Pollen.
Fehler 3: Keine Schulung zur Hautreinigung nach Milchsaftkontakt – häufige phototoxische Hautschäden im Sommer.
Fehler 4: Mangelnde Kennzeichnung infizierter Flächen; Kollegen ohne Sensibilisierung werden unvorbereitet eingesetzt.
Fehler 5: Fehlende Dokumentation der Nachunterweisung; im Schadensfall droht Regress der Berufsgenossenschaft.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Schwangere und stillende Mitarbeitende Erhöhte Sensibilität gegenüber Allergenen; arbeitsmedizinische Vorsorge erforderlich, ggf. Umsetzung auf andere Tätigkeiten während der Hauptblütezeiten.
- Jugendliche und Auszubildende Aufgrund noch nicht vollständig ausgereifter Schleimhäute häufiger schwerwiegende Reaktionen; intensivere Schulung und regelmäßige Kontrollen durch Ausbilder.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Pflanzliche Gefährdung: Allergien oft ausgelöst durch Ambrosia und Herkulesstaude
Muss ich meine Mitarbeiter wirklich jährlich unterweisen, wenn die Fläche nur einmal im Jahr gemäht wird?
Ja, denn die Gefährdungslage durch Pollenflug und Neubesiedlung kann sich jährlich ändern. Die DGUV fordert eine Anpassung der Gefährdungsbeurteilung und Unterweisung vor jedem Einsatz.
Reicht ein FFP2-Mundschutz oder muss es FFP3 sein?
Für Ambrosia-Pollen ist laut DGUV-Information 204-031 nur eine FFP3-Maske mit Ausatemventil zertifiziert, da die Partikelgröße < 5 µm liegt.
Wer haftet, wenn ein Mitarbeiter doch auf die Pflanzen allergisch reagiert?
Der Arbeitgeber haftet bei unterlassener oder mangelhafter Unterweisung gemäß ArbSchG § 25. Die Berufsgenossenschaft kann Regress nehmen.
Kann eine Online-Schulung die Präsenzschulung ersetzen?
Ja, wenn die Online-Schulung interaktive Prüfungen und Praxisvideos enthält und der Nachweis der Kenntnisprüfung digital dokumentiert wird. Zusätzlich ist eine kurze praktische Einweisung vor Ort erforderlich.
Muss ich als Bauhofleiter auch private Kleingärten kontrollieren?
Nein, die Verantwortung liegt beim Grundeigentümer. Sie müssen aber Ihre Mitarbeitenden vor Einsätzen auf fremden Flächen unterweisen, wenn dort Ambrosia oder Herkulesstaude bekannt ist.
Wie dokumentiere ich die Beseitigung der Pflanzen richtig?
Fotodokumentation, Entsorgungsnachweis über kommunale Bioabfallannahme und Eintrag ins Gefährdungsbeurteilungs-Tool „GefBe“ der DGUV.
Welche Kosten entstehen durch die Online-Unterweisung?
Die Kosten belaufen sich auf ca. 15 € pro Mitarbeiter und Jahr – deutlich günstiger als ein einziger AU-Tag wegen schwerer Allergie.
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