Thema · Arbeitsschutz
Unterweisung Mechanische Gefährdung: Gegenstände mit gefährlichen Oberflächen (heiß, scharfkantig, andere)
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 5 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Arbeitsschutz · Bäderbetrieb · Bauhof · Maschinen, Geräte · Produktion
- Rechtsgrundlage
- PSA-BV - Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Benutzung persönlicher Schutzausrüstungen bei der Arbeit
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 7039
Ihre Vorteile
Warum Unterweisungscenter?
-
Rechtssicher
ArbSchG-konform
-
Mehrsprachig
DE, EN, FR u. a.
-
Zertifikat
Automatisch als PDF
-
Ein Klick
Keine Registrierung
-
KISS
Kurz und bündig
-
Barrierefrei
WCAG 2.2 AA
Auf dieser Seite
Das Tückische an dieser Gefährdungsart: Sie ist allgegenwärtig und wird gerade deshalb übersehen. Ein Blechzuschnitt sieht harmlos aus, ein abgekühltes Werkstück fühlt sich unauffällig an, ein Kabelbinderrest ragt kaum sichtbar aus der Verkleidung. Routine, Zeitdruck und der Griff „mal eben ohne Handschuh" tun ihr Übriges.
Die Unterweisung zu Gegenständen mit gefährlichen Oberflächen setzt genau hier an. Sie schärft die Wahrnehmung für die typischen Kontaktstellen, erklärt die Wirkmechanismen von Schnitt-, Stich- und Verbrennungsverletzungen und vermittelt konkretes Verhalten: sicheres Greifen, Ablegen und Transportieren, korrekte Auswahl und Prüfung der Schutzhandschuhe, Umgang mit heißen Anlagenteilen sowie Erstmaßnahmen nach einer Verletzung.
Diese Seite fasst zusammen, welche rechtlichen Pflichten für Arbeitgeber bestehen, welche Inhalte eine belastbare Unterweisung abdecken muss, in welchen Intervallen sie zu wiederholen ist und wie Sie die Durchführung nachweissicher dokumentieren.
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
- § 3 ArbSchG – Grundpflicht des Arbeitgebers, erforderliche Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu treffen, auf Wirksamkeit zu prüfen und an veränderte Gegebenheiten anzupassen.
- § 4 ArbSchG – Allgemeine Grundsätze: Gefahren an der Quelle bekämpfen, kollektive Schutzmaßnahmen vor individuellen, Stand der Technik berücksichtigen.
- § 5 ArbSchG – Gefährdungsbeurteilung; ausdrücklich genannt sind unter anderem die Gestaltung des Arbeitsplatzes, die Auswahl von Arbeitsmitteln und der Umgang mit ihnen.
- § 6 ArbSchG – Dokumentationspflicht für Ergebnis der Beurteilung, festgelegte Maßnahmen und deren Überprüfung.
- § 12 ArbSchG – Unterweisung: ausreichend und angemessen, vor Aufnahme der Tätigkeit, bei Veränderungen und mindestens jährlich zu wiederholen.
- §§ 15, 16 ArbSchG – Pflichten der Beschäftigten: bestimmungsgemäße Verwendung von Arbeitsmitteln und Schutzausrüstung, unverzügliche Meldung erkannter Mängel und Gefahren.
Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
- § 3 BetrSichV – Gefährdungsbeurteilung für die Verwendung von Arbeitsmitteln, einschließlich Gefährdungen durch heiße oder kalte Oberflächen sowie durch Werkstückkanten.
- § 4 BetrSichV – Grundpflichten, Rangfolge der Schutzmaßnahmen.
- § 6 BetrSichV – Grundlegende Schutzmaßnahmen bei der Gestaltung der Arbeit.
- § 12 BetrSichV – Unterweisung und besondere Beauftragung; Betriebsanweisungen in verständlicher Form und Sprache.
- § 14 BetrSichV – Prüfung von Arbeitsmitteln, unter anderem auf schadhafte, gratige oder beschädigte Bauteile.
PSA-Benutzungsverordnung (PSA-BV)
Die §§ 2 und 3 PSA-BV verpflichten den Arbeitgeber, geeignete persönliche Schutzausrüstung bereitzustellen, ihren ordnungsgemäßen Zustand sicherzustellen und die Beschäftigten in ihrer Benutzung zu unterweisen. Für Schnitt- und Hitzeschutzhandschuhe bedeutet das: Auswahl anhand der real auftretenden Gefährdung, nicht nach Gewohnheit oder Preis.
Weitere einschlägige Vorschriften
- ArbStättV – sichere Verkehrswege, ausreichende Beleuchtung und Bewegungsflächen; ungeschützte Kanten und Vorsprünge an Verkehrswegen sind zu vermeiden oder zu kennzeichnen.
- SGB VII – gesetzliche Unfallversicherung, Präventionsauftrag der Unfallversicherungsträger und Grundlage für Meldepflichten bei Arbeitsunfällen.
- ASiG – Bestellung von Betriebsarzt und Fachkraft für Arbeitssicherheit, die bei Gefährdungsbeurteilung und Unterweisungskonzept zu beteiligen sind.
- JArbSchG – Beschäftigungsbeschränkungen für Jugendliche bei Arbeiten mit erhöhter Unfallgefahr, etwa an schneidenden Werkzeugen oder heißen Anlagen.
- TRBS 1111 – Konkretisierung der Gefährdungsbeurteilung für Arbeitsmittel.
- TRBS 1201 – Prüfungen und Kontrollen von Arbeitsmitteln; relevant für die wiederkehrende Kontrolle von Schutzeinrichtungen, Abdeckungen und Isolierungen.
- DGUV Information 209-092 – Risikobeurteilung von Maschinen und Anlagen, Maßnahmen gegen Manipulation von Schutzeinrichtungen; besonders relevant, weil entfernte Abdeckungen scharfkantige und heiße Bereiche zugänglich machen.
Ergänzend gelten Herstellerangaben: Betriebsanleitungen von Maschinen und Sicherheitsdatenblätter beschreiben Restrisiken, die in Betriebsanweisung und Unterweisung einfließen müssen.
Zugrunde liegende Regelwerke
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
1. Gefährdungsbeurteilung
Nach § 5 ArbSchG und § 3 BetrSichV sind alle Arbeitsplätze, Arbeitsmittel und Tätigkeiten systematisch daraufhin zu untersuchen, wo Kontakt mit scharfkantigen, spitzen, rauen, heißen oder kalten Oberflächen möglich ist. Zu erfassen sind auch Nebentätigkeiten wie Rüsten, Reinigen, Störungsbeseitigung und Instandhaltung – dort geschehen überproportional viele Schnitt- und Verbrennungsunfälle, weil Schutzeinrichtungen geöffnet und Werkstücke von Hand gehandhabt werden.
2. Technische und organisatorische Maßnahmen
Vor der persönlichen Schutzausrüstung stehen konstruktive Lösungen: Entgraten, Kantenschutz, Isolierung heißer Bauteile, feste Abdeckungen, Ablagevorrichtungen, Greifhilfen. Die Rangfolge nach § 4 ArbSchG ist einzuhalten und in der Dokumentation nachvollziehbar zu begründen, wenn auf höhere Stufen verzichtet wird.
3. Bereitstellung und Pflege der PSA
Schnittschutz- und Hitzeschutzhandschuhe, Unterarmschutz, Schutzbrille und Sicherheitsschuhe sind kostenfrei bereitzustellen (§ 3 Abs. 3 ArbSchG, PSA-BV). Der Arbeitgeber muss Passform, Schutzstufe und Verträglichkeit sicherstellen sowie Ersatz bei Verschleiß organisieren.
4. Betriebsanweisung und Unterweisung
Für Arbeitsmittel mit relevantem Restrisiko sind nach § 12 BetrSichV Betriebsanweisungen zu erstellen. Die Unterweisung nach § 12 ArbSchG erfolgt vor Aufnahme der Tätigkeit, bei Änderungen von Verfahren, Material oder Arbeitsmitteln, nach Unfällen und Beinaheunfällen sowie regelmäßig zur Auffrischung – in verständlicher Sprache und arbeitsplatzbezogen.
5. Wirksamkeitskontrolle und Dokumentation
Der Arbeitgeber muss prüfen, ob die Maßnahmen wirken: durch Begehungen, Auswertung des Verbandbuchs, Rückmeldungen der Führungskräfte und Beobachtung des tatsächlichen PSA-Trageverhaltens. Ergebnisse, Maßnahmen und Unterweisungsnachweise sind nach § 6 ArbSchG zu dokumentieren. Delegation an Führungskräfte ist möglich, entbindet aber nicht von der Aufsichts- und Kontrollpflicht.
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
Baustein 1: Gefährliche Oberflächen erkennen
Zunächst wird die Bandbreite der Gefährdung sichtbar gemacht. Beschäftigte lernen, folgende Kategorien zu unterscheiden:
- Scharfkantig und schneidend: Blechzuschnitte, Stanzgrate, Glas- und Keramikbruch, Klingen von Cuttern und Handmessern, Sägeblätter, Bandstahl, Umreifungsbänder, Dosendeckel und Konservenränder, Metallspäne.
- Spitz und stechend: Drahtenden, Nägel und Schrauben in Verpackungsmaterial, Kabelbinderreste, Splitter, Injektionsnadeln in kommunalen Betrieben und Bädern, Dornen und Gehölzschnitt im Bauhof.
- Heiß: Dampfleitungen, Ofentüren, Spritzgießwerkzeuge, frisch geschweißte oder getrennte Werkstücke, Auspuffanlagen, Heißkleber, Frittierfett, Motorblöcke, Heizregister in der Bädertechnik.
- Kalt: Tiefkühlgut, Kältemittelleitungen, unisolierte Bauteile von Kälteanlagen – Kältekontakt wird häufig zu spät bemerkt.
- Rau und schürfend: Gussrohteile, Betonkanten, Schleifscheiben, unbehandelte Holzoberflächen mit Splittergefahr.
Baustein 2: Warum Verletzungen entstehen
Anhand von Unfallbeispielen wird der typische Ablauf besprochen: Abrutschen beim Greifen, Nachfassen mit der freien Hand, Hineinlangen in laufende oder auslaufende Anlagen, Aufheben herabgefallener Teile ohne Sichtkontrolle, Griff in Abfall- und Spänebehälter, unkontrolliert zurückschnellende Umreifungsbänder. Ergänzt wird das um die Wahrnehmungsfalle bei heißen Oberflächen: Metall zeigt Temperatur nicht an, und die Reflexzeit reicht bei Kontakttemperaturen oberhalb der Schmerzschwelle nicht aus, um eine Verbrennung zu verhindern.
Baustein 3: Sicheres Verhalten am Werkstück
- Vor dem Greifen Sichtkontrolle auf Grate, Splitter, Spannungszustand und Temperatur.
- Grundsatz „nie mit der bloßen Hand prüfen" – Temperatur mit Messmittel oder Handrücken auf Abstand einschätzen, nie durch Antippen.
- Werkstücke mit Greifhilfen, Magnetheber, Zangen oder Sauggreifern handhaben statt mit den Fingern in Kanten einzuhaken.
- Schneidrichtung immer vom Körper weg; Sicherheitsmesser mit automatischem Klingenrückzug verwenden, Klinge nach jedem Schnitt einziehen.
- Späne nie mit der Hand, sondern mit Haken, Bürste oder Absaugung entfernen – und nur bei Stillstand.
- Teile so ablegen, dass Kanten nicht in Verkehrswege oder Greifbereiche ragen; Kantenschutz und Ablagegestelle nutzen.
- Heiße Teile kennzeichnen und in ausgewiesenen Abkühlbereichen ablegen, nicht auf Arbeitstischen oder Transportwagen im Durchgang.
- Handschuhe an rotierenden Werkzeugen (Bohrmaschine, Drehmaschine) sind verboten – Einzugsgefahr geht vor Schnittschutz. Diese Ausnahme muss ausdrücklich unterwiesen werden.
Baustein 4: PSA richtig auswählen und benutzen
Vermittelt werden die Schutzstufen von Schnittschutzhandschuhen, die Unterscheidung zwischen Schnitt-, Stich- und Hitzeschutz sowie die Erkenntnis, dass kein Handschuh gegen alles schützt. Praktisch geübt werden An- und Ablegen, Sichtprüfung auf Durchtrennung und Verschleiß, Meldung defekter PSA sowie die Ergänzung durch Unterarmschutz, Schutzbrille und Sicherheitsschuhe.
Baustein 5: Verhalten nach einer Verletzung
Auch die kleine Schnittwunde gehört versorgt und ins Verbandbuch eingetragen – wegen der Infektionsgefahr und wegen des späteren Nachweises gegenüber dem Unfallversicherungsträger. Besprochen werden Blutstillung, Wundabdeckung, Kühlung von Verbrennungen mit handwarmem Wasser statt Eis, das Verbot, verklebte Kleidung von Brandwunden zu lösen, Tetanusschutz sowie die Meldekette im Betrieb. Zum Abschluss wird jede Beinaheunfall-Meldung als erwünscht bekräftigt: Ein gemeldeter Grat ist ein verhinderter Unfall.
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
Die Schutzmaßnahmen folgen dem TOP-Prinzip aus § 4 ArbSchG: technisch vor organisatorisch vor persönlich.
Typische Gefährdungen
- Schnittverletzungen an Blechkanten, Graten, Klingen und Glasbruch – häufig an Fingern und Handinnenflächen.
- Stichverletzungen durch Draht, Splitter, Nägel oder herausstehende Befestigungsmittel, mit erhöhtem Infektionsrisiko.
- Verbrennungen bei Kontakt mit heißen Werkstücken, Werkzeugen, Leitungen und Medien.
- Kälteverbrennungen an tiefkalten Bauteilen und Gütern.
- Schürf- und Quetschverletzungen an rauen Guss- oder Betonoberflächen.
- Folgeschäden: Wundinfektion, Sehnen- und Nervenverletzungen, Narbenkontrakturen, Ausfall der Greiffunktion.
- Sekundärgefährdung: Erschrecken oder Ausweichreflex nach Kontakt führt zu Sturz, Fallenlassen von Lasten oder Kontakt mit weiteren Gefahrstellen.
Technische Maßnahmen (T)
- Entgraten und Kantenbrechen bereits im Fertigungsprozess.
- Trennende Schutzeinrichtungen, feste Abdeckungen und Verkleidungen an Maschinen; Manipulation konsequent unterbinden (vgl. DGUV Information 209-092).
- Isolierung oder Abschirmung heißer Oberflächen, Berührungsschutz an Leitungen und Ofentüren.
- Kantenschutzprofile an Regalen, Transportgestellen und ortsfesten Bauteilen im Verkehrsweg.
- Sicherheitsmesser mit automatischem Klingenrückzug, Spänehaken, Greifhilfen, Hebe- und Wendevorrichtungen.
- Ausreichende Beleuchtung nach ArbStättV, damit Kanten und Grate überhaupt erkennbar sind.
Organisatorische Maßnahmen (O)
- Betriebsanweisungen nach § 12 BetrSichV, arbeitsplatzbezogen und verständlich.
- Wiederkehrende Prüfungen von Arbeitsmitteln und Schutzeinrichtungen nach § 14 BetrSichV und TRBS 1201.
- Ordnung und Sauberkeit: definierte Ablage- und Abkühlzonen, verschließbare Klingen- und Späneentsorgung, freie Verkehrswege.
- Kennzeichnung heißer Bereiche und Abkühlplätze, Freigabe- und Abkühlregeln vor Instandhaltungsarbeiten.
- Regelmäßige Unterweisung, Sichtkontrollen durch Vorgesetzte, Auswertung von Verbandbuch und Beinaheunfällen.
Persönliche Maßnahmen (P)
- Schnittschutzhandschuhe in der zur Gefährdung passenden Leistungsstufe; Hitzeschutzhandschuhe für heiße Teile, Stechschutz bei Draht- und Splittergefahr.
- Unterarm- und Armschutz bei Blech- und Glashandhabung.
- Schutzbrille gegen Späne und Splitter, Sicherheitsschuhe mit durchtrittsicherer Sohle.
- Eng anliegende Arbeitskleidung ohne lose Enden; keine Handschuhe an rotierenden Werkzeugen.
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
- Produktion und Metallverarbeitung: Blech-, Stanz-, Guss- und Zerspanungsbetriebe, Kunststoffverarbeitung mit heißen Werkzeugen und Angüssen.
- Maschinen und Geräte, Instandhaltung: Rüsten, Reinigen und Störungsbeseitigung an geöffneten Anlagen – die Tätigkeit mit dem höchsten Kontaktrisiko.
- Bauhof und kommunale Betriebe: Grünpflege, Gehölzschnitt, Straßenunterhaltung, Sperrmüll- und Abfallhandhabung mit unbekanntem Inhalt.
- Bäderbetrieb: Technikräume mit heißen Leitungen und Heizregistern, Glas- und Fliesenbruch im Nassbereich, Fundgegenstände und Abfälle mit Stichgefahr (vgl. DGUV Information 207-018).
- Lager, Logistik und Versand: Umreifungsbänder, Cuttermesser, Palettensplitter, beschädigte Ladungsträger.
- Werkstätten, Küchen und Reinigung: Klingen, Glasbruch, heiße Medien und Geräte.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen neue Beschäftigte, Leiharbeitnehmer, Saisonkräfte und Fremdfirmenpersonal: Sie kennen betriebliche Besonderheiten nicht und müssen vor Tätigkeitsbeginn eigenständig unterwiesen werden.
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
Zusätzliche Anlässe für eine Unterweisung sind:
- vor erstmaliger Aufnahme der Tätigkeit sowie bei Versetzung an einen neuen Arbeitsplatz,
- bei Einführung neuer Arbeitsmittel, Werkstoffe oder Fertigungsverfahren,
- nach Arbeitsunfällen, Beinaheunfällen und auffälligen Einträgen im Verbandbuch,
- bei Änderungen der Gefährdungsbeurteilung oder der Betriebsanweisung,
- nach längerer Abwesenheit, etwa Elternzeit oder längerer Erkrankung,
- wenn Begehungen zeigen, dass Schutzmaßnahmen nicht eingehalten werden.
Dokumentation: Der Nachweis enthält Datum, Dauer, Thema und Inhalte, Name und Funktion der unterweisenden Person, Namen und Unterschriften der Teilnehmenden sowie einen Hinweis auf die zugrunde liegende Betriebsanweisung. Bei Online-Unterweisungen ersetzen protokollierte Teilnahme, Lernerfolgskontrolle und Zeitstempel die händische Unterschrift, sofern die Zuordnung zur Person eindeutig ist. Ergänzend ist zu belegen, dass eine Rückfragemöglichkeit bestand.
Aufbewahrung: Eine einheitliche gesetzliche Frist speziell für Unterweisungsnachweise besteht nicht. In der Praxis werden Nachweise und Gefährdungsbeurteilungen mindestens für die Dauer der Beschäftigung zuzüglich einiger Jahre aufbewahrt, damit sie bei Unfalluntersuchungen, Haftungsfragen und Prüfungen durch Aufsichtsbehörde oder Unfallversicherungsträger verfügbar sind. Prüfnachweise zu Arbeitsmitteln sind nach § 14 BetrSichV bis zur nächsten Prüfung aufzubewahren.
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Erfassung: Sind alle Arbeitsplätze, Werkstücke und Anlagenteile mit scharfkantigen, spitzen, heißen, kalten oder rauen Oberflächen in der Gefährdungsbeurteilung benannt – einschließlich Rüsten, Reinigen und Instandhaltung?
- Technik zuerst: Sind Entgraten, Kantenschutz, Abdeckungen und Isolierungen umgesetzt, bevor auf PSA verwiesen wird – und ist ein Verzicht begründet dokumentiert?
- Schutzeinrichtungen: Sind alle Abdeckungen vollständig, unbeschädigt und unmanipuliert? Werden Manipulationen erkannt und abgestellt?
- Heiße Bereiche: Sind heiße Oberflächen berührungssicher, gekennzeichnet und gibt es ausgewiesene Abkühlzonen mit Freigaberegel vor Instandhaltungsarbeiten?
- Werkzeuge: Werden Sicherheitsmesser mit Klingenrückzug, Spänehaken und Greifhilfen bereitgestellt und tatsächlich benutzt?
- PSA: Passt die Schutzstufe der Handschuhe zur realen Gefährdung, sind Ersatz und Sichtprüfung geregelt, ist das Handschuhverbot an rotierenden Werkzeugen bekannt?
- Entsorgung: Gibt es sichere Behälter für Klingen, Späne, Glas- und Metallabfälle sowie eine Regelung für Fundgegenstände mit Stichgefahr?
- Betriebsanweisungen: Liegen sie aktuell, arbeitsplatzbezogen und in verständlicher Sprache am Einsatzort vor?
- Unterweisung: Ist der Nachweis vollständig (Datum, Inhalte, Unterweisender, Unterschriften) und das Jahresintervall eingehalten – bei Jugendlichen das Halbjahresintervall?
- Wirksamkeit: Werden Verbandbuch und Beinaheunfälle regelmäßig ausgewertet und fließen die Erkenntnisse in Maßnahmen und die nächste Unterweisung ein?
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Die Unterweisung bleibt allgemeinEin Foliensatz über „mechanische Gefährdungen" ohne Bezug zu den eigenen Werkstücken erzeugt kein Wiedererkennen. Wirksam wird die Unterweisung erst mit den realen Blechteilen, Werkzeugen und Anlagen des Betriebs, idealerweise vor Ort an der Maschine.
- Nebentätigkeiten werden ausgeblendetReinigen, Rüsten, Störungsbeseitigung und Materialentsorgung stehen selten im Arbeitsablauf, verursachen aber überproportional viele Schnitt- und Verbrennungsunfälle – gerade weil dort Schutzeinrichtungen geöffnet und Teile von Hand gegriffen werden. Fehlen sie in Gefährdungsbeurteilung und Unterweisung, fehlt der gefährlichste Teil.
- PSA ersetzt TechnikHandschuhe werden ausgegeben, statt Grate zu beseitigen oder Kantenschutz anzubringen. Das kehrt die Rangfolge nach § 4 ArbSchG um und ist bei einer Unfalluntersuchung schwer zu verteidigen.
- Falsche oder überalterte SchutzhandschuheEin Handschuh mit niedriger Schnittleistungsstufe an einer scharfen Blechkante, ein durchgescheuerter Handschuh im Dauergebrauch oder ein Schnittschutzhandschuh gegen heiße Teile – jeweils vermittelt der Handschuh Sicherheit, ohne sie zu bieten. Ebenso häufig übersehen: das Verbot von Handschuhen an rotierenden Werkzeugen.
- Kleine Verletzungen werden nicht dokumentiertDer „nur kurz" versorgte Schnitt landet nicht im Verbandbuch. Damit fehlt der Nachweis, falls sich später eine Infektion oder Spätfolge entwickelt – und dem Betrieb fehlt die wichtigste Datenquelle, um Gefahrenschwerpunkte zu erkennen.
- Dokumentation lückenhaft oder pauschalEine Unterschriftenliste ohne Angabe der Inhalte, eine Sammelunterweisung für unterschiedliche Arbeitsplätze oder ein überschrittenes Jahresintervall entwerten den Nachweis. Im Prüf- oder Haftungsfall zählt, was belegbar unterwiesen wurde.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Jugendliche und Auszubildende Nach dem JArbSchG gelten Beschäftigungsbeschränkungen für Arbeiten mit erhöhter Unfallgefahr; die Unterweisung ist mindestens halbjährlich zu wiederholen (§ 29 JArbSchG). Tätigkeiten an schneidenden Werkzeugen oder heißen Anlagen sind nur unter Aufsicht einer fachkundigen Person und im Rahmen des Ausbildungszwecks zulässig.
- Schwangere und stillende Beschäftigte Das MuSchG verpflichtet zu einer anlassbezogenen Beurteilung der Arbeitsbedingungen. Tätigkeiten mit erhöhter Unfallgefahr, Hitzeeinwirkung oder Verletzungsrisiko sind zu prüfen und gegebenenfalls umzugestalten oder zu untersagen.
- Neue Beschäftigte, Leiharbeit und Fremdfirmen Vor Aufnahme der Tätigkeit ist eine eigenständige, arbeitsplatzbezogene Unterweisung erforderlich. Bei Leiharbeit trägt der Entleiher die Verantwortung für die tätigkeitsbezogene Unterweisung. Fremdfirmen erhalten zusätzlich eine Einweisung in betriebliche Besonderheiten, Verkehrswege, Abkühlbereiche und Meldewege; die Koordination ist schriftlich zu regeln.
- Beschäftigte mit Sprachbarriere § 12 BetrSichV verlangt Betriebsanweisungen in einer für die Beschäftigten verständlichen Form und Sprache. Bei anderssprachigen Beschäftigten sind Übersetzungen, Piktogramme und praktische Demonstrationen einzusetzen; das Verständnis ist aktiv zu überprüfen.
- Vorerkrankungen und Einschränkungen Hauterkrankungen, Sensibilitätsstörungen an den Händen, Durchblutungsstörungen oder eingeschränktes Sehvermögen erhöhen das Risiko erheblich. Hier ist der Betriebsarzt einzubeziehen; arbeitsmedizinische Vorsorge richtet sich nach der ArbMedVV, ergänzend ist bei Feuchtarbeit und Hautbelastung die TRGS 401 zu beachten.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Mechanische Gefährdung: Gegenstände mit gefährlichen Oberflächen (heiß, Scharfkantig, andere)
Wie oft muss die Unterweisung zu gefährlichen Oberflächen wiederholt werden?
Mindestens einmal jährlich nach § 12 ArbSchG. Bei Jugendlichen ist das Intervall halbjährlich (§ 29 JArbSchG). Zusätzlich ist anlassbezogen zu unterweisen: bei neuen Arbeitsmitteln oder Verfahren, nach Unfällen und Beinaheunfällen, bei Versetzung, nach längerer Abwesenheit und bei Änderungen der Gefährdungsbeurteilung.
Reicht eine allgemeine Sicherheitsunterweisung aus?
Nein. § 12 ArbSchG verlangt eine auf den Arbeitsplatz und die Tätigkeit bezogene Unterweisung. Eine allgemeine Jahresunterweisung deckt die konkreten Gefährdungen durch die im Betrieb tatsächlich vorkommenden Werkstücke, Werkzeuge und heißen Anlagenteile nicht ab und ist im Prüf- oder Haftungsfall angreifbar.
Sind Schnittschutzhandschuhe immer die richtige Lösung?
Nein. Sie sind die letzte Stufe im TOP-Prinzip und kommen erst zum Zug, wenn technische und organisatorische Maßnahmen die Gefährdung nicht ausreichend verringern. Außerdem schützt kein Handschuh gegen alles: Schnittschutz ist nicht Stichschutz und nicht Hitzeschutz. An rotierenden Werkzeugen wie Bohr- oder Drehmaschinen sind Handschuhe wegen der Einzugsgefahr grundsätzlich verboten.
Muss jede kleine Schnittverletzung dokumentiert werden?
Ja, jede Verletzung gehört in das Verbandbuch – auch die vermeintlich harmlose. Das sichert den Zusammenhang mit der Arbeit, falls sich später eine Infektion oder Spätfolge entwickelt, und liefert dem Betrieb die wichtigsten Hinweise auf Gefahrenschwerpunkte. Unfälle mit mehr als drei Tagen Arbeitsunfähigkeit sind zusätzlich dem Unfallversicherungsträger zu melden.
Ist eine Online-Unterweisung rechtlich zulässig?
Ja. Das ArbSchG schreibt keine bestimmte Form vor, verlangt aber eine verständliche, arbeitsplatzbezogene Vermittlung und die Möglichkeit zur Rückfrage. Online-Unterweisungen erfüllen dies, wenn Inhalte betriebsspezifisch ergänzt, eine Lernerfolgskontrolle durchgeführt und Ansprechpartner benannt werden. Praktische Anteile – etwa das Handhaben eines Sicherheitsmessers oder das Anlegen der PSA – sollten ergänzend vor Ort geübt werden.
Wer darf die Unterweisung durchführen?
Verantwortlich ist der Arbeitgeber. Die Durchführung kann an fachkundige Personen delegiert werden, typischerweise Vorgesetzte, Meister oder die Fachkraft für Arbeitssicherheit. Die unterweisende Person muss die Gefährdungen des Arbeitsplatzes kennen; die Aufsichts- und Kontrollpflicht des Arbeitgebers bleibt bestehen.
Wie lange sind Unterweisungsnachweise aufzubewahren?
Eine einheitliche gesetzliche Frist speziell für Unterweisungsnachweise gibt es nicht. Üblich und empfehlenswert ist die Aufbewahrung mindestens für die Dauer der Beschäftigung zuzüglich mehrerer Jahre, damit die Nachweise bei Unfalluntersuchungen, Haftungsfragen und behördlichen Prüfungen verfügbar sind.
Was gilt für Leiharbeitnehmer und Fremdfirmen?
Leiharbeitnehmer sind vom Entleiher tätigkeits- und arbeitsplatzbezogen zu unterweisen, bevor sie die Arbeit aufnehmen. Fremdfirmenbeschäftigte erhalten eine Einweisung in betriebliche Besonderheiten wie Verkehrswege, heiße Bereiche, Abkühlzonen und Meldewege; bei Zusammenarbeit mehrerer Firmen ist die Koordination nach § 8 ArbSchG zu regeln und schriftlich festzuhalten.
Weiterlesen
Ähnliche Unterweisungen
- UWC 4006
Alkohol, Rauchen, Drogen und Medikamente
AllgemeinArbeitsschutz - UWC 4004
Alleinarbeit bei Arbeit mit erhöhter oder kritischer Gefährdung
ArbeitsschutzAußenbereich, GrünflächeBauhof - UWC 4063
Arbeiten an Gasleitungen
ArbeitsschutzFeuerwehr, RettungsdienstGefahrstoffe, Stoffe - UWC 4093
Arbeiten im Außenbereich (Gefahren von Pflanzen, Tieren, Sonneneinstrahlung etc.)
Außenbereich, GrünflächeBauhofFriedhof
Jetzt rechtssicher online unterweisen
Mit der Online-Unterweisung zu gefährlichen Oberflächen erfüllen Sie die jährliche Pflicht nach § 12 ArbSchG ohne Terminabstimmung und Präsenzaufwand. Ihre Beschäftigten lernen zeitlich flexibel am eigenen Arbeitsplatz, die Lernerfolgskontrolle belegt das Verständnis, und der Nachweis wird revisionssicher dokumentiert. Sie behalten jederzeit im Blick, wer unterwiesen ist und wann die nächste Auffrischung ansteht.
Kostenfreies Strategiegespräch vereinbaren