Thema · Arbeitsschutz

Unterweisung Gefahrstoffgefährdung: Lösemittel – DGUV-konform online schulen

Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat

UWC-Nr. 7053 ca. 6 Minuten Lernzeit

Kehrmaschine des kommunalen Bauhofs im Einsatz auf einer Straße

Steckbrief

Dauer
ca. 6 Minuten, jederzeit unterbrechbar
Bereiche
Arbeitsschutz · Bauhof · Gefahrstoffe, Stoffe
Rechtsgrundlage
GefStoffV - Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen*); PSA-BV - Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Benutzung persönlicher Schutzausrüstungen bei der Arbeit
Nachweis
Zertifikat automatisch als PDF
Sprachen
Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
Kennung
UWC-Nr. 7053

Ihre Vorteile

Warum Unterweisungscenter?

  • Rechtssicher

    ArbSchG-konform

  • Mehrsprachig

    DE, EN, FR u. a.

  • Zertifikat

    Automatisch als PDF

  • Ein Klick

    Keine Registrierung

  • KISS

    Kurz und bündig

  • Barrierefrei

    WCAG 2.2 AA

Auf dieser Seite
Lösemittel wie Aceton, Toluol oder Benzin sind in vielen Betrieben alltäglich – und doch oft unterschätzt. Sie können über Atemwege und Haut aufgenommen werden, wirken narkotisierend, reizend oder sogar karzinogen. Laut der Berufsgenossenschaftlichen Gesundheitsberichterstattung verursachen Gefahrstoffe jährlich rund 10.000 Berufskrankheiten. Für Personalverantwortliche bedeutet das: Nur eine fundierte Unterweisung nach § 12 ArbSchG schützt Mitarbeitende rechtssicher und effektiv vor akuten und chronischen Gesundheitsschäden. Diese Online-Schulung vermittelt kompakt das Wichtigste zu physikalisch-chemischen Eigenschaften, Schutzausrüstung und Erste-Hilfe-Maßnahmen – sofort umsetzbar in Ihrem Betrieb.

Abschnitt 1

Rechtliche Grundlagen

Die rechtliche Basis für den Umgang mit Lösemitteln ergibt sich aus mehreren Regelwerken:

  • Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) § 12: Der Arbeitgeber hat die Mitarbeitenden „auf Grund von Unterweisungen und sonst geeigneten Maßnahmen“ über Risiken und Schutzmaßnahmen zu informieren.
  • Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) § 6: Verpflichtet Arbeitgeber, Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen und Schutzmaßnahmen festzulegen.
  • Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) § 3: Verlanget eine Prüfung von technischen Schutzeinrichtungen wie Absaugarmaturen oder Explosionsschutzventilatoren.
  • DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“: Führt das TOP-Prinzip ein: Technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen.

Abschnitt 2

Pflichten des Arbeitgebers

1. Gefährdungsbeurteilung: Nach GefStoffV § 6 müssen Sie alle Tätigkeiten mit Lösemitteln bewerten – vom Reinigen von Druckwalzen bis zum Lackieren.

2. Unterweisungspflicht: ArbSchG § 12 verlangt eine jährliche Wiederholungsunterweisung und sofortige Nachschulung bei Änderungen (neues Lösemittel, neues Verfahren).

3. Dokumentation: Jede Unterweisung ist mit Datum, Inhalten und Unterschrift der Mitarbeitenden zu dokumentieren (Dokumentationspflicht nach ArbSchG § 6) und fünf Jahre aufzubewahren.

4. Schutzausrüstung bereitstellen: Persönliche Schutzausrüstung (PSA) muss kostenfrei zur Verfügung stehen – z. B. gelb/graue Kombinationsfilter gegen organische Gase und Dämpfe nach EN 14387.

Abschnitt 3

Inhalte der Unterweisung

1. Einführung: Was sind Lösemittel und wo kommen sie vor?

Lösemittel sind Stoffe, die andere Stoffe ohne chemische Reaktion lösen oder verdünnen. Typische Beispiele:

  • Alkohole: Ethanol, Isopropanol (z. B. in Reinigungsmitteln)
  • Ketone: Aceton (Nagellackentferner, Klebstoffreiniger)
  • Aromatische Kohlenwasserstoffe: Toluol, Xylol (Farben und Lacke)
  • Chlorkohlenwasserstoffe: Dichlormethan (Entfetter, Kaltreiniger)

2. Gesundheitliche Gefahren

  • Akut: Atemwegsreizungen, Schwindel, Bewusstlosigkeit
  • Chronisch: Leber- und Nierenschäden, neurologische Störungen, Krebs (z. B. bei Benzol)

3. Erkennen von Gefahrensymbolen und H-Sätzen

Die Unterweisung zeigt am Beispiel eines Sicherheitsdatenblatts (SDB), wie H-Sätze wie H225 „Leicht entzündbares Gas“ oder H319 „Verursacht schwere Augenreizung“ zu deuten sind.

4. Technische Schutzmaßnahmen

  • Abluftarmaturen über Arbeitsplätzen montieren
  • Explosionsschutz-Ventilatoren in Lackierkabinen
  • Zonenklassifizierung (ATEX) beachten

5. Persönliche Schutzausrüstung (PSA)

  • Atemschutz: Halbmaske mit ABEK-Filter, Dauertragezeit beachten (max. 120 Min. Einsatz)
  • Handschutz: Nitril- oder Butylkautschuk-Handschuhe (Durchbruchzeit > 480 Min nach EN 374)
  • Augenschutz: Vollschutzbrille DIN EN 166, kratzfest und beschlagfrei

6. Erste Hilfe

  • Inhalation: Betroffenen an die frische Luft bringen, stabile Seitenlage, Notarzt 112
  • Hautkontakt: Sofort 15 Minuten unter fließendem Wasser abspülen, kontaminierte Kleidung entfernen
  • Augen: Augen mindestens 10 Minuten ausspülen, Augeninnere nicht reiben

7. Lagerung und Entsorgung

  • Lagerung in brennbaren Stofflagern der Klasse F nach TRBS 3145
  • Getrennte Lagerung von Oxidationsmitteln und Säuren
  • Problemstoff-Sammelbehälter gemäß EAK-Code 14 06 02 (lösemittelhaltige Reinigungsmittel)

Abschnitt 4

Gefährdungen & Schutzmaßnahmen

Hauptgefährdungen:

  • Exposition durch Dämpfe: Bei Raumtemperatur verdunsten Lösemittel schnell. Beispiel: Aceton hat einen Dampfdruck von 230 hPa (20 °C), bereits 200 ppm können Schwindel auslösen.
  • Hautresorption: Dimethylsulfoxid (DMSO) erhöht die Hautdurchlässigkeit für andere Stoffe.
  • Explosionsgefahr: Zündtemperatur von Ethanol liegt bei 365 °C – Zündfunken reichen aus.

TOP-Prinzip anwenden:

  1. Technisch: Geschlossene Systeme, Absaugung, Warngeräte (Gasmelder für LEL 10 %).
  2. Organisatorisch: Arbeitsanweisung „Lackieren mit Isocyanatharzen“ erstellen, Schichtplan mit Frischluftpausen alle 120 Min.
  3. Persönlich: PSA nur als Ergänzung, Filterwechsel nach 3 Monaten bzw. bei Geruchswahrnehmung.

Abschnitt 5

Zielgruppen & Branchen

Typische Branchen, die von der Unterweisung profitieren:

  • Druckereien: Reinigen von Druckmaschinen mit Waschbenzin
  • Kfz-Werkstätten: Lackieren und Entfetten von Karosserien
  • Chemie & Pharma: Extraktionsverfahren mit Dichlormethan
  • Holzindustrie: Lösemittelhaltige Klebstoffe (z. B. PUR-Kleber)
  • Kunststoffverarbeitung: Aceton zur Glanzpolitur von Acrylglas

Abschnitt 6

Intervalle & Dokumentation

Regelintervall: Erforderlich ist eine Unterweisung vor Aufnahme der Tätigkeit und jährlich danach (ArbSchG § 12). Bei Verfahrensänderung (neues Lösemittel, andere Konzentration) erfolgt eine sofortige Nachschulung.

Dokumentationspflicht: Unterweisungsnachweis muss folgende Angaben enthalten:

  • Name, Vorname und Abteilung der Mitarbeitenden
  • Datum und Dauer der Schulung
  • Inhalte (z. B. „Umgang mit Aceton, PSA-Auswahl, Erste Hilfe“)
  • Unterschrift des Mitarbeiters und des Schulenden

Aufbewahrungsfrist: 5 Jahre nach der letzten Unterweisung, geprüft von der Berufsgenossenschaft bei Betriebsprüfung.

In der Praxis

Was Verantwortliche wissen müssen

Checkliste

Das sollten Sie prüfen

  • Gefährdungsbeurteilung für Lösemittel aktuell (max. 2 Jahre alt)?
  • Sind Sicherheitsdatenblätter (SDB) aktuell und den Mitarbeitern zugänglich?
  • PSA vorhanden, geprüft und gewartet (Filterwechsel nach Herstellerangaben)?
  • Arbeitsanweisungen „Lösemittel“ in leichter Sprache verfasst?
  • Unterweisungsnachweise für alle Betroffenen lückenlos?
  • Erste-Hilfe-Ausrüstung (Augenspülflasche, Notdusche) funktionsfähig?
  • Explosionsgeschützte Leuchten und Schalter installiert?
  • Sammlung verbrauchter Reiniger gemäß EAK-Code 14 06 02 organisiert?

Häufige Fehler

Das geht oft schief

  1. Keine aktuelle Gefährdungsbeurteilung
    Viele Betriebe nutzen seit Jahren das gleiche Verdünnungsmittel, haben aber nie die Konzentration oder die Arbeitszeit neu bewertet – ein Mangel, der bei Prüfungen schnell auffällt.
  2. Filter überzogen
    Organische Dampffilter haben eine begrenzte Kapazität. Werden sie trotz Geruchsbildung nicht gewechselt, sinkt der Schutz auf unter 50 %.
  3. Fehlende PSA-Trainings
    Mitarbeitende wissen nicht, wie man eine Halbmaske richtig abdrückt – Dichtigkeitsprüfung wird vergessen. Fehlerquote: bis zu 30 % Leckage.
  4. Alte Sicherheitsdatenblätter
    SDB-Versionen älter als 5 Jahre sind ungültig. Neue H-Sätze werden ignoriert, z. B. H373 bei Toluol „Kann die zentrale Nerventätigkeit schädigen“.
  5. Mangelnde Notfallvorbereitung
    Augenwaschstation ist vorhanden, aber durch Stapelkartons blockiert – kostbare Sekunden gehen verloren.

Sonderfälle

Das gilt zusätzlich

  • Schwangere und stillende Mitarbeitende
    Mutterschutzgesetz (MuSchG) § 4 verbietet den Einsatz mit krebserzeugenden Lösemitteln (z. B. Benzol, Dichlormethan). Alternative, lösemittelfreie Verfahren müssen bereitgestellt werden.
  • Jugendliche unter 18 Jahren
    JArbSchG § 22 schränkt den Einsatz mit leichtentzündlichen Lösemitteln ein. Jugendliche dürfen nur unter Aufsicht arbeiten und nicht in explosionsgefährdeten Bereichen.

Häufige Fragen

Fragen zur Unterweisung Gefahrstoffgefährdung: Lösemittel

Wer muss an der Unterweisung teilnehmen?

Jeder Mitarbeitende, der Lösemittel auspackt, lagert, anwendet oder entsorgt – unabhängig von der Häufigkeit.

Wie lange dauert die Online-Schulung?

Das Modul „Lösemittel“ dauert ca. 25 Minuten inklusive Kurz-Quiz und ist mobil optimiert.

Kann ich die Schulung für mehrere Standorte nutzen?

Ja, Sie erhalten eine Firmenlizenz. Die Teilnehmer erhalten nach Abschluss automatisch personalisierte Zertifikate.

Muss ich die Unterweisung dokumentieren, wenn nur geringe Mengen Lösemittel verwendet werden?

Ja, auch „kleine Mengen“ wie 250 ml Aceton lösen die Unterweisungspflicht aus. Es gibt keine Bagatellgrenze.

Welche Filter brauche ich für Aceton-Dämpfe?

Organische Gase und Dämpfe, Typ A, Klasse 2 (braune Kennzeichnung). Bei gleichzeitigen Säuredämpfen ABEK-Filter.

Wann ist ein Atemschutz notwendig?

Wenn die Arbeitsplatzkonzentration 50 % des Arbeitsplatzgrenzwerts (AGW) überschreitet – z. B. Aceton AGW 500 ml/m³.

Wie lange sind die Zertifikate gültig? Ein Jahr. Sie erhalten automatisch Erinnerungen zur Nachschulung.

Kann die Schulung auch in Englisch erfolgen?

Ja, ein englischsprachiges Modul ist integriert und erfüllt die Anforderungen nach ArbSchG und GefStoffV.

Jetzt rechtssicher online unterweisen

Sparen Sie Zeit und Kosten: Unsere Online-Schulung ist jederzeit abrufbar, automatisch dokumentiert und erfüllt die Vorgaben von ArbSchG und DGUV. In nur 25 Minuten schulen Sie Ihre Mitarbeitenden praxisnah und erhalten sofort gültige Zertifikate.

Kostenfreies Strategiegespräch vereinbaren