Thema · Arbeitsschutz
Unterweisung Biologische Arbeitsstoffe: Rechtssicher für Bauhof und Kommunalbetrieb
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 11 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Arbeitsschutz · Bäderbetrieb · Bauhof · Wasserwirtschaft, Kläranlage
- Rechtsgrundlage
- BioStoffV - Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit Biologischen Arbeitsstoffen; DGUV Information 213-016 - „Betriebsanweisungen nach der Biostoffverordnung
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 4014
Ihre Vorteile
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Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
- § 3 ArbSchG – Grundpflicht des Arbeitgebers zur Gewährleistung von Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit.
- § 4 ArbSchG – Gefährdungsbeurteilung: Der Arbeitgeber muss vor Beginn der Tätigkeit die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten ermitteln und beurteilen; dabei sind biologische Arbeitsstoffe gemäß Biostoffverordnung (BioStoffV) explizit einzubeziehen.
- § 5 ArbSchG – Schutzmaßnahmen sind auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung festzulegen und umzusetzen.
- § 12 ArbSchG – Unterweisungspflicht: Beschäftigte müssen vor Aufnahme der Tätigkeit und regelmäßig danach über vorhandene Gefahren, Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln unterwiesen werden.
Biostoffverordnung (BioStoffV)
- § 4 BioStoffV – Gefährdungsbeurteilung und Klassifizierung biologischer Arbeitsstoffe in Risikogruppen 1–4.
- § 5 BioStoffV – Festlegung von Schutzmaßnahmen nach dem TOP-Prinzip (Technik – Organisation – Persönliche Schutzausrüstung).
- § 6 BioStoffV – Unterweisung und Schulung der Beschäftigten.
- § 7 BioStoffV – Aufzeichnungspflicht: Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung und Nachweis der Unterweisungen sind schriftlich zu dokumentieren.
DGUV Vorschriften
- DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ – Allgemeine Anforderungen an Gefährdungsbeurteilung, Schulung und Aufsicht.
- DGUV Regel 113-004 „Biologische Arbeitsstoffe“ – Konkrete Handlungshilfen für Bauhof, Entsorgung, Abwasser- und Müllwirtschaft.
Zugrunde liegende Regelwerke
- BioStoffV - Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit Biologischen Arbeitsstoffen
- DGUV Information 213-016 - „Betriebsanweisungen nach der Biostoffverordnung · Ausgabe 2020.04
Die Verweise führen zur jeweils herausgebenden Stelle.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
Der Arbeitgeber trifft die Verantwortung für Gesundheit und Sicherheit. Konkret bedeutet das:
- Gefährdungsbeurteilung durchführen und schriftlich festhalten (§ 4 ArbSchG, § 4 BioStoffV).
- Schutzmaßnahmen nach dem TOP-Prinzip festlegen und technische sowie organisatorische Schutzmaßnahmen umsetzen (§ 5 BioStoffV).
- Unterweisungspflicht erfüllen: Erstunterweisung vor Arbeitsaufnahme, Wiederholung mindestens jährlich oder bei Änderungen (§ 12 ArbSchG, § 6 BioStoffV).
- Dokumentation führen: Unterweisungsnachweise fünf Jahre aufbewahren (§ 7 BioStoffV).
- PSA bereitstellen und auf Wartung sowie korrekten Einsatz kontrollieren.
- Erste-Hilfe-Einrichtungen gemäß DGUV Vorschrift 1 sicherstellen (Desinfektionsmittel, Waschgelegenheiten, Schließfächer für Wechselkleidung).
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
2. Infektionswege und Erkrankungen
- Schmierinfektion über kontaminierte Hände oder Werkzeuge
- Tröpfcheninfektion beim Hochdruckreinigen verschmutzter Kanäle
- Stich- oder Schnittverletzungen durch Glas oder Metall im Abfall
- Beispiel: Hepatitis A-Virus kann über Fäkalreste bei der Kanalreinigung übertragen werden; Leptospiren halten sich in stehenden Wassern bis zu fünf Wochen lebensfähig.
3. Risikobeurteilung am Bauhof Sie erhalten eine praxisnahe Checkliste zur Erfassung von Tätigkeiten, Stoffen und Expositionsszenarien. Wir zeigen, wie Sie Expositionspfade bewerten und geeignete Schutzmaßnahmen festlegen.
4. TOP-Prinzip konkret
- T – Technik: Einsatz absaugender Kehrmaschinen, geschlossene Transportbehälter für Grüngut, Desinfektionsspender an Fahrzeugen.
- O – Organisation: Trennung von Reinigungs- und Pausenräumen, feste Waschpläne nach kontaminierten Tätigkeiten, Schichtdienst zur Reduzierung der Einzelbelastung.
- P – Persönliche Schutzausrüstung: Chemikalienschutzhandschuhe (EN 374), Atemschutz FFP2 oder FFP3 (DIN EN 149), Schutzbrille (EN 166), ggf. zusätzliche Hautschutzcreme.
5. Hygienemaßnahmen Sie üben den Ablauf „Schutzanzug ausziehen und Hände desinfizieren“ und erfahren, warum Handwaschbecken mit kontaktlosem Sensor wichtig sind. Wir stellen geeignete Desinfektionsmittel (Viruzid PLUS) und ihre Einwirkzeiten vor.
6. Notfallmanagement Was tun bei Kontakt mit Körperflüssigkeiten? Wir zeigen die 15-Sekunden-Spülregel, die Meldepflicht nach Infektionsschutzgesetz und den Ablauf zur Ersten-Hilfe-Ausstattung.
7. Rechtliche Pflichten & Dokumentation Sie erfahren, welche Unterlagen der Arbeitgeber führen muss, wie lange Aufzeichnungen aufzubewahren sind und wie Sie Vor-Ort-Kontrollen des Gewerbeaufsichtsamts sicher bestehen.
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
Typische Gefährdungen im Bauhof
- Grüngut- und Bioabfall: Pilzsporen, Bakterien, Insektenstiche
- Kanal- und Schmutzwasserreinigung: Hepatitis-A-Virus, Noroviren, Leptospiren
- Laub- und Winterdienst: Schimmelpilzbelastung bei feuchter Laubsammlung
- Unrat- und Sperrmüllsammlung: Verletzungsrisiko, Kontamination durch Tierkot
TOP-Prinzip konkret umsetzen
- Technik: Einsatz von Vakuum-Kehrmaschinen mit HEPA-Filter, geschlossene Fäkaltransporteimer, Desinfektionswaschanlage am Hof.
- Organisation: Festlegung von „Sauberen“ und „Schmutzigen“ Zonen, Pausenregelung nach kontaminierenden Tätigkeiten, Schichtplan zur Reduzierung der Expositionszeit.
- Persönliche Schutzausrüstung:
- Handschuhe: EN 374, mindestens Kategorie III, Dicke ≥ 0,4 mm bei Fäkalienschutz
- Atemschutz: FFP2 bei Schimmelpilzsporen, FFP3 bei unbekannten Erregern
- Augen-/Gesichtsschutz: Schutzbrille EN 166 mit Seitenschutz, ggf. Gesichtsschild
- Körperschutz: Chemikalienschutzanzug Typ 5/6 für intensive Kontamination
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
Dokumentation: Unterweisungsnachweis mit Datum, Inhalten, Teilnehmerliste und Unterschrift; digitale Archivierung ist zulässig. Aufbewahrungsfrist: 5 Jahre ab letzter Unterweisung (§ 7 BioStoffV).
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- Gefährdungsbeurteilung aktuell und schriftlich vorhanden?
- PSA nach EN-Normen vorrätig und gewartet?
- Hygieneplan (Händewaschen, Desinfektion) ausgehängt?
- Erste-Hilfe- und Notfallplan (Kontakt mit Körperflüssigkeiten) bekannt?
- Getrennte Umkleide- und Pausenräume vorhanden?
- Alle Mitarbeiter inkl. Aushilfskräfte geschult und dokumentiert?
- Schutzimpfungen (Hepatitis A, Tetanus) angeboten und dokumentiert?
- Expositionsnachweise für Risikogruppe 2-Stoffe erstellt?
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Fehlende GefährdungsbeurteilungViele Bauhöfe vergessen, dass auch „normale“ Grüngutsammlung eine Risikobeurteilung erfordert.
- Ungeeignete HandschuheBillige Einweghandschuhe reißen bei Dornen oder Glasscherben – Schutzhandschuhe der Kategorie III fehlen.
- Kein Waschbecken vor OrtMitarbeiter müssen zur Kantine laufen – erhöhtes Kontaminationsrisiko.
- Unvollständige DokumentationAushilfskräfte werden vergessen, daher Unterweisungslücken.
- Veraltete ImpfungenTetanus-Impfschutz länger als 10 Jahre her – keine aktuelle Empfehlung.
- Fehlendes NotfalltrainingKein klarer Ablauf bei Kontamination mit Fäkalien oder Blut.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Jugendliche & Schwangere Jugendliche unter 18 Jahren dürfen laut § 22 JuArbSchG nicht mit biologischen Arbeitsstoffen der Risikogruppe 2/3 arbeiten. Schwangere und Stillende sind gemäß Mutterschutzgesetz § 10 vor gefährlichen biologischen Stoffen besonders zu schützen – ggf. Umsetzung auf alternative Tätigkeiten.
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung biologische Arbeitsstoffe
Wie oft muss die Unterweisung wiederholt werden?
Mindestens einmal jährlich oder bei Änderung von Arbeitsverfahren oder PSA (§ 6 BioStoffV, § 12 ArbSchG).
Ist eine Online-Schulung rechtssicher?
Ja, wenn Sie die Lernfortschritte dokumentieren und durch einen kurzen Präsenz-Praxischeck ergänzen (DGUV Regel 113-004).
Muss der Arbeitgeber PSA selbst bezahlen?
Muss der Arbeitgeber PSA selbst bezahlen?
Ja, laut § 5 ArbSchG hat der Arbeitgeber PSA kostenfrei zur Verfügung zu stellen, zu warten und auf korrekten Einsatz zu kontrollieren.
Gibt es besondere Impfempfehlungen?
Hepatitis A und Tetanus gehören zur Standardempfehlung, bei häufigem Kontakt mit Abwasser zusätzlich FSME (DGUV Information 203-022).
Wie dokumentiere ich die Unterweisung digital?
Digitaler Nachweis ist erlaubt, muss aber manipulationsgeschützt gespeichert und innerhalb von 24 Stunden ausdruckbar sein (§ 7 BioStoffV).
Darf ich Einmalhandschuhe mehrfach verwenden?
Nein. Einmalhandschuhe sind nicht wiederverwendbar; beim Wechsel von kontaminierter zu sauberer Tätigkeit sind sie sofort zu entsorgen.
Was ist bei Schimmelbefall im Lager zu tun?
Arbeitsbereich absperren, Fachfirma zur Schadstoffmessung beauftragen, Mitarbeiter mit FFP3-Maske und Schutzanzug ausstatten, Befund dokumentieren.
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