Thema · Außenbereich | Grünfläche
Unterweisung Arbeiten im Außenbereich: Sonneneinstrahlung, Pflanzen und weitere Gefahren rechtssicher umsetzen
Rechtssicher · Barrierefrei · Mit Zertifikat
Steckbrief
- Dauer
- ca. 11 Minuten, jederzeit unterbrechbar
- Bereiche
- Außenbereich, Grünfläche · Bauhof · Friedhof · Hausmeister
- Nachweis
- Zertifikat automatisch als PDF
- Sprachen
- Deutsch, Englisch, Französisch und weitere
- Kennung
- UWC-Nr. 4093
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Auf dieser Seite
Abschnitt 1
Rechtliche Grundlagen
Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
- § 3 ArbSchG – Allgemeine Verpflichtung: Der Arbeitgeber muss die notwendigen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umständselbst treffen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten beeinträchtigen können – dazu zählen Sonnenbestrahlung und biologische Arbeitsstoffe.
- § 4 ArbSchG – Gefährdungsbeurteilung: Der Arbeitgeber hat jede Tätigkeit einschließlich der Umgebungsbedingungen (UV-Index, giftige Pflanzen, Insektenvorkommen) zu beurteilen.
- § 12 ArbSchG – Unterweisungspflicht: Beschäftigte müssen regelmäßig und praxisnah unterwiesen werden, insbesondere zu den Gefahren durch natürliche Einflüsse und biologische Stoffe.
Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
- § 3 BetrSichV – Gefährdungsbeurteilung für Arbeitsmittel und Arbeitsumgebung: Auch persönliche Schutzausrüstung wie UV-Schutzkleidung, Handschuhe oder Insektenschutz zählen hierzu.
DGUV Vorschriften
- DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ – Grundlegende Anforderungen an das betriebliche Sicherheits- und Gesundheitsmanagement, insbesondere zu klimatischen und biologischen Einflüssen.
Abschnitt 2
Pflichten des Arbeitgebers
2. Maßnahmen festlegen und umsetzen Basierend auf der Gefährdungsbeurteilung legen Sie Schutzmaßnahmen fest: z. B. Schattierungspausen bei UV-Index ≥ 8, Bereitstellung von langärmliger UV-Schutzkleidung, Insektenabwehr, Erste-Hilfe-Sets mit Pollenspray und Kältekompresse.
3. Unterweisung durchführen und dokumentieren Gemäß § 12 ArbSchG müssen Mitarbeitende vor Arbeitsaufnahme und danach in regelmäßigen Abständen (mind. jährlich) schriftlich unterwiesen werden. Inhalte: Erkennung von Risikopflanzen, UV-Schutzmaßnahmen, Notfallverhalten bei Insektenstichen. Dokumentation mindestens 10 Jahre aufbewahren.
Abschnitt 3
Inhalte der Unterweisung
1. UV-Strahlung und Wärmebelastung
- UV-Index richtig lesen und Handlungsschwellen (UV-Index 3 bis 8) interpretieren
- Wirkung UV-A und UV-B auf Haut und Augen, Langzeitfolgen wie Hautkrebs (Melanome, Basalzellkarzinome)
- Zeitpunkt starker UV-Belastung: 11–15 Uhr, Reflexion auf Wasser, Sand, Betonflächen
- Schutzkleidung: langärmlig, UV-Schutzfaktor UPF 40+, atmungsaktiv; Kopfbedeckung mit Nackenschutz
- Sonnencreme: DIN EN ISO 24444 zertifiziert, Lichtschutzfaktor LSF ≥ 30, alle zwei Stunden erneut auftragen
- Hitzeplan: 10-minütige Schattenpause nach 60 Minuten Sommerarbeit, Trinkmenge 0,5 Liter pro Stunde
2. Giftige und allergene Pflanzen
- Eiche-Prozessionsspinner: Erkennung Nester (Baumkronen), Brennhaare Risiko, Symptome „Katzendiarrhoe“-ähnliche Hautausschläge
- Herkulesstaude (Riesenbärenklau): Phototoxische Reaktionen, Verwechslungsgefahr mit Hohlzahn
- Giftige Zierpflanzen: Efeu, Herbstzeitlose, Eiche – Hautirritationen, Berührung vermeiden
- Pollenbelastung: Gräser- und Baumpollenkalender nutzen, FFP2-Schutzmaske bei Allergien
- Handschuhe: Chemikalienbeständig (EN 374), nach Kontakt mit unbekannten Pflanzen Hände waschen
3. Insekten und Tierische Gefahren
- Wespen, Bienen, Hornissen: Neststandorte erkennen, ruhiges Verhalten, Notfallset mit Adrenalin-Autoinjektor bei Bekannten Allergikern
- Zecken: Risikogebiete (Borreliose, FSME), vollständige Körperabdeckung, Zeckenzange im Fahrzeug
- Schlangen: Kreuzotter und andere heimische Arten, Verhalten „stehen bleiben, rückwärts gehen“
4. Arbeitssicherheit und Notfallmanagement
- Erste-Hilfe-Maßnahmen: Kühlen bei Insektenstichen, Ausschlag waschen, Notruf 112 bei Atemnot
- Arbeitsplanung: Gefährdungsbereiche kennzeichnen, Wechsel mit Kollegen bei hoher UV-Last
- Dokumentation: Tagesprotokoll mit UV-Index, Unterschrift der Mitarbeitenden
Abschnitt 4
Gefährdungen & Schutzmaßnahmen
Gefährdungen im Überblick
- UV-Strahlung: Hautkrebs, Sonnenstich, Augenschäden
- Biologische Stoffe: Kontaktallergien, toxische Reaktionen, Infektionen (Borreliose)
- Hitzebelastung: Hitzschlag, Kreislaufkollaps
- Mechanische Gefährdungen: Verletzungen durch Dornen, Stacheln, scharfe Pflanzenteile
TOP-Prinzip umsetzen
- Technische Maßnahmen: UV-Messgerät im Fahrzeug, mobile Schattierungen, Klimaanlage in Fahrzeugen
- Organisatorische Maßnahmen: Frühschicht bei geringem UV-Index, Wechselpausen, UV-Alarm per App
- Persönliche Schutzausrüstung: LSF-30-Sonnencreme, langärmlige Kleidung, Insektenschutz, Atemschutz bei Pollen
Abschnitt 5
Zielgruppen & Branchen
Abschnitt 6
Intervalle & Dokumentation
Dokumentation: Unterschriebener Teilnahmeschein mit Inhalten, Datum, Ort und Dozent. Aufbewahrungsfrist: 10 Jahre (Dokumentationspflicht nach § 6 ArbSchG), elektronisch oder papierbasiert.
In der Praxis
Was Verantwortliche wissen müssen
Checkliste
Das sollten Sie prüfen
- UV-Index vor Arbeitsbeginn ermittelt und dokumentiert
- Alle Mitarbeitenden mit langärmliger UV-Schutzkleidung ausgestattet (UPF 40+)
- Mobile Schatteninsel oder Pavillon einsatzbereit
- Erste-Hilfe-Set mit Sonnenschutzmittel, Zeckenzange und Pollenspray geprüft
- Wespen- und Hornissennester vorher erfasst und markiert
- Eiche-Prozessionsspinner-Nester identifiziert und Sperrzone eingerichtet
- Trinkwasser ausreichend (0,5 l/h) und gekühlt vorhanden
- Hitzeplan bekannt und Pausenzeiten festgelegt
- Allergiker-Status der Mitarbeitenden aktuell erfasst
- Notfallrufnummern (112, Betriebsarzt) im Fahrzeug deutlich sichtbar
Häufige Fehler
Das geht oft schief
- Sonnencreme wird vergessen oder falsch aufgetragenNur 30 % der Beschäftigten tragen regelmäßig Sonnencreme auf, weil diese als „unpraktisch“ empfunden wird. Führen Sie eine kurze „Sonnencreme-Pause“ ein.
- UV-Schutzkleidung zu dünn oder zu kurzKurzarm-Shirts bieten kaum UV-Schutz. Stattdessen atmungsaktive Langarm-Oberteile mit UPF 40+ vorsehen.
- Pflanzenrisiken werden unterschätzt„Das ist doch nur ein Kleeblatt“ – häufige Fehleinschätzung. Bildmaterial in der Toolbox zeigt giftige Pflanzen deutlich.
- Pausenzeiten werden vernachlässigtBei hohem Arbeitsaufkommen „mal eben“ die Pause streichen. UV-Alarm-App reduziert solche Überstunden.
- Dokumentation unvollständigNur Teilnehmerliste, aber kein Inhaltsverzeichnis. Nutzen Sie standardisierte Schulungsunterlagen.
Sonderfälle
Das gilt zusätzlich
- Jugendliche (§ 5 Jugendarbeitsschutzgesetz – JArbSchG)
- UV-Index ≥ 7: Außenarbeit nur bis 11 Uhr und ab 16 Uhr gestattet
- Keine Arbeiten mit Herkulesstaude oder Eiche-Prozessionsspinner
- Zusätzliche Betreuung durch erfahrenen Kollegen
- Schwangere und stillende Mitarbeitende (Mutterschutzgesetz)
- Keine Arbeiten mit Pestiziden oder giftigen Pflanzenextrakten
- Reduzierte Arbeitstage bei hohem UV-Index (UV-Index ≥ 8)
- Schattierungs- und Ruhezonen müssen verfügbar sein
Häufige Fragen
Fragen zur Unterweisung Arbeiten im Außenbereich (Gefahren von Pflanzen, Tieren, Sonneneinstrahlung etc.)
Muss ich meine Mitarbeiter auch im Winter zu UV-Schutz unterweisen?
Ja, wenn im Winter Aufgaben im Freien anfallen (z. B. Laubbeseitigung). Der UV-Index kann auch im Winter ≥ 3 erreichen, vor allem bei Schnee, der UV-Strahlung reflektiert.
Welche Kosten entstehen für UV-Schutzkleidung?
Eine langärmlige UV-Schutzjacke (UPF 40+) kostet ca. 50–70 € pro Mitarbeiter, amortisiert sich aber durch reduzierte Krankheitstage und UV-Schäden.
Darf ich Mitarbeitenden mit Sonnenallergie im Außendienst einsetzen?
Ja, wenn Sie individuelle Schutzmaßnahmen anbieten (z. B. Arbeitszeitverlegung, spezielle Kleidung, regelmäßige Hautkontrollen). Die Gefährdungsbeurteilung muss diesen Umstand berücksichtigen.
Wie oft muss die UV-Schutzkleidung gewaschen werden?
Nach jedem Arbeitseinsatz, um Schweiß und Pflanzenschutzmittel zu entfernen. Die UPF bleibt bis zu 50 Wäschen erhalten, wenn die Pflegehinweise beachtet werden.
Gibt es eine App, die den UV-Index in Echtzeit anzeigt?
Ja, „UV-Index Deutschland“ vom Bundesamt für Strahlenschutz (kostenlos). Die App sendet Push-Benachrichtigungen ab UV-Index 6 und kann in den Teams verteilt werden.
Müssen wir auch im Regen UV-Schutz tragen?
UV-Strahlung dringt auch durch Wolken zu 80 %. Daher ist UV-Schutz auch bei bewölktem Himmel erforderlich, wenn der UV-Index ≥ 3 ist.
Was tun bei Verdacht auf Herkulesstaude-Kontakt?
Haut sofort mit Wasser und Seife abspülen, 48 Stunden kein Sonnenlicht aussetzen, Betriebsarzt informieren und Dokumentation anlegen.
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